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Den Orient erforschen und sich selbst finden. Wissen und Forschen im Umfeld der deutsch-dänischen Arabien-Expedition (1761-1767)

English title Knowledge of and research on the "Orient": The German-Danish Expedition to Arabia (1761-1767)
Applicant Opitz-Belakhal Claudia
Number 165735
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.04.2016 - 31.03.2019
Approved amount 168'008.00
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Keywords (3)

Orientalismus; Wissensgeschichte; Aufklärung

Lay Summary (German)

Lead
Prof. Dr. Claudia Opitz-BelakhalUniversität Basel
Lay summary

Das Projekt nimmt Wissen über den Orient zur Zeit der Aufklärung anhand der sog. "Arabien-Expedition" (1761-67) in den Blick, einer Forschungsreise mit Teilnehmern aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen – Geographie, Sprachwissenschaft, Naturgeschichte – und drei Ländern, die von Gelehrten der Göttinger Universität initiiert und von Kopenhagen aus finanziert und organisiert wurde. Das Projekt verfolgt dabei den Anspruch, Wissensgenerierung und -präsentation über den Orient sowohl als „Praxis“ wie auch als „Erzählung“ zu verfolgen: Die Praktiken zur wissenschaftlichen Durchdringung des Orients und die Selbsterzählungen der europäischen Akteure waren nämlich, so die Grundannahme des vorliegenden Projekts, wechselseitig aufeinander bezogen. Es geht daher zunächst der Frage nach, wie Wissen über Kultur, Sprache, Geographie und Geschichte des Fernen und Nahen Ostens im Verlauf der Expedition entstand, kommunikativ verhandelt und gegebenenfalls unterdrückt wurde. Des Weiteren werden die wissenschaftlichen Texte der Expedition als „Wirklichkeitserzählungen“ (Klein/Martínez 2009) betrachtet, die v.a. auch Möglichkeiten zu kultureller Selbstverortung eröffnen. Das Projekt will zeigen, dass v.a. das Metanarrativ der Aufklärung, das Zeit(en) und Räume in ein neues Verhältnis setzte, auf die Selbstverortungen der Forscher und deren Wahrnehmung "des Orients" Einfluss nahm – und dass die wissenschaftlichen Erzählungen dieser Akteure über den Orient wiederum das aufgeklärte Selbstverständnis veränderten. Gleichzeitig fragt es nach dem Einfluss älterer, persistenter Narrative der frühen Neuzeit wie dem des christlich-muslimischen Konflikts, auch unter dem Vorzeichen konfessionell differenter Wertsetzungen und Weltbilder, auf diese Selbst- und Wirklichkeitserzählungen.

 

Direct link to Lay Summary Last update: 29.03.2016

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Das Ruinenfeld als ›Merkwürdigkeit‹ und ›Kontaktzone‹. Die Ägyptenberichte der dänischen Arabien-Expedition (1761–1767),
HähnleMirjam (2018), Das Ruinenfeld als ›Merkwürdigkeit‹ und ›Kontaktzone‹. Die Ägyptenberichte der dänischen Arabien-Expedition (1761–1767),, in Eibach Joachim (ed.), Werhahn Verlag, Hannover, 93-118.
Der `arabophile`Carsten Niebuhr. Über emotionale und andere Grenzüberschreitungen im `glücklichen Arabien`
Opitz-Belakhal Claudia (2018), Der `arabophile`Carsten Niebuhr. Über emotionale und andere Grenzüberschreitungen im `glücklichen Arabien`, in Eibach Joachim (ed.), Werhahn-Verlag, Hannover, 119-141.
Zwischen Kulturen. Mittler und Grenzgänger vom 17. bis 19. Jahrhundert
Opitz-Belakhal Claudia (ed.) (2018), Zwischen Kulturen. Mittler und Grenzgänger vom 17. bis 19. Jahrhundert, Werhahn-Verlag, Hannover.
Carsten Niebuhrs "Reise nach Arabien" (1761-1767) und die Männlichkeit des Orient-Forschers
Opitz-BelakhalClaudia (2017), Carsten Niebuhrs "Reise nach Arabien" (1761-1767) und die Männlichkeit des Orient-Forschers, in Richter Susan (ed.), Heidelberg University Publishing, Heidelberg, 239-252.
Den danske ekspedition til Arabien. Tid og rum i dens rejsebeskrivelser
HähnleMirjam (2017), Den danske ekspedition til Arabien. Tid og rum i dens rejsebeskrivelser, in Haslund Hansen Anne (ed.), Vandkunsten, Kopenhagen, 57-68.
Knowledge About the »Orient« Between Voice and Scripture. Michel De Certeau and the Royal Danish Expedition to Arabia Felix (1761–1767)
HähnleMirjam (2017), Knowledge About the »Orient« Between Voice and Scripture. Michel De Certeau and the Royal Danish Expedition to Arabia Felix (1761–1767), in InterDisciplines. Journal of History and Sociology , 8(2/2017), 41-68.
The Perception of Time and Space in the Travelogues of the Royal Danish Expedition to Arabia
HähnleMirjam (2017), The Perception of Time and Space in the Travelogues of the Royal Danish Expedition to Arabia, in Haslund Hansen Anne (ed.), Vandkunsten, Kopenhagen, 57-68.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Prof. Dr. Antje Flüchter, Universität Bielefeld Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Michael Harbsmeier, Universität Roskilde Denmark (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Susanna Burghartz, Universität Basel Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
The material culture of exploration and academic travel, 1700-1900 Talk given at a conference "The Extraordinary and the Common: Historical and Anthropological Gaze in the Royal Danish Expedition" 24.07.2017 Göttingen, Germany Hähnle Mirjam;
Jahrestagung der Bielefeld Graduate School in History and Sociology "Done with Eurocentrism? Directions, Diversions, and Debates in History and Sociology" Talk given at a conference "Knowledge about the 'Orient' between voice and scripture: the Expedition to Felix Arabia (1761-67) 30.06.2017 Göttingen, Germany Hähnle Mirjam;


Self-organised

Title Date Place
Religion und Wissen in der Frühen Neuzeit 16.12.2016 Universität Basel, Switzerland

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
109645 Briefkorrespondenz als Quellen der Mentalitäts- und Kulturgeschichte (1650-1750) 01.10.2005 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Das vorliegende Projekt nimmt „Wissen vom Orient“ zur Zeit der Aufklärung anhand der deutsch-dänischen Arabien-Expedition (1761-67) in den Blick, einer Forschungsreise mit Teilnehmern aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und drei unterschiedlichen Ländern, die von Gelehrten der Göttinger Universität initiiert und von Kopenhagen aus finanziert und organisiert wurde. Zum ersten Mal werden alle Quellentexte, die im Laufe der Expedition entstanden - Zeitschriftenbeiträge, Apodemiken, Reisetagebücher, Druckwerke und die umfangreiche Korrespondenz der Organisatoren mit den Expeditionsteilnehmern - systematisch untersucht, statt den Blick wie in der bisherigen Forschung auf die Person und Veröffentlichungen Carsten Niebuhrs, des einzigen Überlebenden, zu verengen. Mithilfe des Konzepts der "narrativen Identität" soll analysiert werden, inwiefern das Metanarrativ der Aufklärung, das Zeiten und Räume (insbesondere "Orient" und "Okzident"), aber auch Religion und Wissen in ein neues Verhältnis setzte, auf die Selbstverortungen der Forscher und deren Wahrnehmung "des Orients" Einfluss nahm - und wie die wissenschaftlichen Erzählungen dieser Akteure über den Orient wiederum das aufgeklärte Selbstverständnis veränderten. Damit greift das Projekt die von Edward Said 1981 prominent formulierte Kritik an „orientalisierenden“ Zeit- und Geschichtskonzepten, insbesondere der Fortschrittserzählung der europäischen Aufklärung auf, vermeidet jedoch dessen essentialisierende und in Teilen a-historische Sicht auf den „Orientalismus“ europäischer Wissenschaften.
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