Project

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Paulus als interkultureller Vermittler

English title Paul as intermediary between cultures
Applicant Kobel Esther
Number 164476
Funding scheme Marie Heim-Voegtlin grants
Research institution Theologische Fakultät Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.02.2016 - 31.07.2018
Approved amount 233'897.00
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Keywords (8)

Frühes Christentum; Multikulturalität; Neues Testament; Paulus; Judentum; Kulturtransfer; Sünde; Vergebung

Lay Summary (German)

Lead
Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Bedeutung von Paulus als interkulturellem Vermittler zu untersuchen. Geleitet wird es von folgenden Fragen: Wie verstand sich Paulus selbst? Wie verwendete Paulus Sprache, um seine Botschaft in die pagane Welt hinein zu vermitteln? Welchen Beitrag leistet er durch sein Wirken zur Identitätsfindung früher christusgläubiger Gemeinschaften?Hinter diesen Leitfragen steht die These, dass Paulus kulturell mehrsprachig war. Es gibt Anzeichen dafür, dass er sich dessen bewusst war, und dass er die Mehrsprachigkeit einsetzte für sein Ziel, die Menschen aus den Völkern für seine Überzeugungen zu gewinnen. Dies soll mittels einer soziolinguistischen und kulturanthropologisch geprägten Exegese der Paulusbriefe aufgezeigt werden: einerseits anhand seines Selbstverständnisses und andererseits an einer thematischen Konkretisierung.
Lay summary

Paulus‘ Ideenwelt rund um die Geschichte Jesu entstammt einer jüdischen Matrix. Als Diaspora-Jude sprach, dachte und schrieb Paulus auf Koiné-Griechisch, der lingua franca seiner Zeit. Grundlage seines Lebens und Wirkens ist die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testaments. Aus diesem religiös-kulturellen Hintergrund schöpft Paulus. Als Apostel für die Völker vermittelt und übersetzt Begriffe und Konzepte von einem Kontext in einen anderen, versucht seine Adressatinnen und Adressaten aus den Völkern zu erreichen und für seine Überzeugungen zu gewinnen. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass Menschen jüdischer Abstammung in der griechischen und römischen Diaspora ihre Partikularität in wesentlichen Aspekten ihrer kulturellen und ethnischen Identität aufrechterhielten. Paulinische Texte sind Produkte eines multi-kulturellen Schreibers, der seine Ideen in der lingua franca seiner Zeit vermittelte.

In seinem Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt Paulus: „Ich bin den Juden wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne; denen, die unter Gesetz sind, wie einer unter dem Gesetz (…); allen bin ich alles geworden.“ Dieses Zitat zeugt von einem Bewusstsein dafür, dass unterschiedliche kulturelle Systeme in einer Person vereint sein können, ohne sich in einer hybriden Mischidentität aufzulösen. Um den dynamischen Prozess  kultureller Interaktion, Kommunikation und Identitätsbildung zu untersuchen, erscheint deshalb ein Modell kultureller Mehrsprachigkeit sinnvoll.

Zuerst soll das Selbstverständnis des Apostels als interkulturellem Vermittler dargestellt werden, rekonstruiert aus seinen Briefen. Dieses Selbstverständnis gilt es in der Debatte um Multikulturalität zu verorten. Sodann wird an einem zentralen Themenkomplex paulinischen  Denkens exemplarisch veranschaulicht, wie Paulus‘ Vermitteln konkret geschieht. Am Themenkomplex „Sünde und Vergebung/Versöhnung“ soll aufgezeigt werden, wie Paulus Begriffe und Konzepte verwendet, umdeutet und kulturtranszendierend vermittelt.

Direct link to Lay Summary Last update: 18.12.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Paulus als interkultureller Vermittler
Kobel Esther (2019), Paulus als interkultureller Vermittler, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
International Meeting der Society of Biblical Studies Talk given at a conference Paul’s correspondence as a cross-cultural and cross-media communication process 07.08.2017 Berlin, Germany Kobel Esther;
Annual Meeting der Canadian Society of Biblical Studies Talk given at a conference «Paul as intermediary between cultures: ‘To the Jews I became as a Jew (…). To those under the law I became as one under the law.’ (1 Cor 9:20)» 27.05.2016 Calgary, Canada Kobel Esther;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
186222 Paulus als interkultureller Vermittler. Eine Studie zur kulturellen Positionierung des Apostels der Völker 01.01.2019 Open Access Books

Abstract

Paulinische Sprache zählt zu den schillerndsten und zugleich wirkmächtigsten verbalen Gebilden in der Geschichte religiöser Kommunikation. Die Paulusbriefe figurieren unter den herausragendsten Beispielen griechischsprachiger Epistolographie überhaupt. Die Bedeutung des Paulus als Vermittler christlichen Glaubens ist kaum zu überschätzen. Im Zentrum des Forschungsprojekts Paulus als interkultureller Vermittler steht eine soziolinguistisch und kulturwissenschaftlich geprägte Untersuchung der als „echt“ angesehenen sieben Paulusbriefe, eines zentralen Textcorpus des Neuen Testaments. Diese Texte richten sich an Christusgläubige in paganen Kontexten des römischen Reichs. In ihnen hat Paulus eine Ideenwelt rund um die Geschichte Jesu, die einer jüdischen Matrix entstammt, auf Griechisch formuliert und proaktiv im Mittelmeerraum verbreitet. Basierend auf der Septuaginta, der griechischen Übersetzung der Hebräischen Bibel, vermittelte Paulus jüdische Traditionen in griechischer Sprache, geprägt von seiner Weltanschauung und von philosophischen Konnotationen. Paulinische Texte sind somit Produkte eines bikulturellen Schreibers, der seine Ideen in der lingua franca seiner Zeit vermittelte. Um den dynamischen Prozess kultureller Interaktion, Kommunikation und Identitätsbildung zu untersuchen, ist ein Modell kultureller Mehrsprachigkeit eine sinnvolle Alternative zu älteren und für diese Epoche etablierteren Synkretismus-Paradigmen. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass Menschen jüdischer Abstammung in der griechischen und römischen Diaspora ihre Partikularität in wesentlichen Aspekten ihrer kulturellen und ethnischen Identität aufrechterhielten und nicht vermischten, selbst wenn sie in der lingua franca ihrer Zeit kommunizierten. Das vorliegende Projekt untersucht die Rolle des kulturell mehrsprachigen Paulus im Vermittlungsprozess seiner Überzeugungen und beleuchtet seinen Beitrag zur Identitätsfindung früher christusgläubiger Gemeinschaften. Dabei werden die verschiedenen Dimensionen seines „Übersetzens“, die Art und Weise, wie eine biblische Semantik sich durch die Übertragung in „griechische Worte“ verändert oder eine Motiv umgedeutet und verwendet werden konnte, in den Blick genommen und hinsichtlich ihrer Wirkweise auf die antiken Adressat(inn)en geprüft. Im ersten Schritt wird die Selbstdarstellung des Apostels und speziell seine Rolle als Vermittler untersucht. Im zweiten Schritt wird exemplarisch der für die paulinische Denkwelt und darüber hinaus bis in die Moderne zentrale Themenkomplex „Sünde und Vergebung/Versöhnung“ erörtert. Damit soll aufgezeigt werden, wie Paulus Begriffe und Konzepte verwendet, für seine Adressat(inn)en umdeutet und kulturtranszendierend vermittelt.
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