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Die Fachmittel-/Fachmaturitätsschule (FMS) als eigenständiger Bildungsweg neben Berufsbildung und Gymnasium - Prozesse und Ergebnisse ihrer Positionierung und Profilierung

English title The upper secondary specialised middle/specialised baccalaureate school as a separate educational track besides vocational education and training and general baccalaureate school - processes and outcomes of its positioning and profile ra
Applicant Leemann Regula Julia
Number 162987
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Pädagogische Hochschule Fachhochschule Nordwestschweiz
Institution of higher education Pädagogische Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz - PH-FHNW
Main discipline Sociology
Start/End 01.03.2016 - 31.08.2019
Approved amount 404'885.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Sociology
Education and learning sciences, subject-specific education

Keywords (9)

Health professions; Vocational education and training; Upper-secondary specialised school; Specialised Baccalaureate programme; Baccalaureate schools; Teaching professions; Sociology of convention; Gender; Upper-secondary education

Lay Summary (German)

Lead
In einem längeren Transformationsprozess ab den 1990er Jahren ist die Fachmittel-/Fachmaturitätsschule (FMS) als zusätzlicher Bildungsweg auf der nachobligatorischen Schulstufe neben den Wegen der Berufsbildung und des Gymnasiums entstanden. Sie hat sich aus der bisherigen allgemeinbildenden, traditionell von Mädchen gewählten Diplommittelschule entwickelt und bereitet heute auf Berufsausbildungen an Höheren Fachschulen und Fachhochschulen vor allem in den Berufsfeldern Gesundheit, Soziales und Pädagogisches vor.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Die FMS bietet eine zukunftsfähige und sozial-integrative Bildungsmöglichkeit neben den traditionellen Bildungswegen Berufsbildung und Gymnasium. Mit der Verbindung von berufsbildenden und allgemeinbildenden Elementen bereitet sie auf eine Berufsausbildung auf Hochschulniveau vor. Mit ihren Berufsfeldern kann sie dem Fachkräftemangel begegnen. Gleichzeitig ist die FMS mit verschiedenen Problemstellungen konfrontiert. Von Seiten der Berufsbildung wird ihre berufsvorbereitende Funktion als unerwünschte Konkurrenz wahrgenommen. Gegenüber dem Gymnasium wird sie von Schüler/innen und Eltern teilweise abgewertet, ist zweite Wahl und dient als Auffangbecken.

Das Projekt untersucht deshalb erstens in einer historisch-diachronen den Prozess der Positionierung der FMS und die sie dabei begleitenden Legitimations-, Image- und Umsetzungsprobleme seit den 1990er Jahren bis heute. Mit welchen Argumenten und Strategien konnte die FMS ihre Position festigen? Zweitens werden in einer synchron-vergleichenden Perspektive bezüglich der Profilierung der FMS die Berufsfelder Gesundheit und Pädagogik mit den funktionalen äquivalenten Ausbildungen in der Berufsbildung und im Gymnasium verglichen. Wie profiliert sich die FMS als ergänzender Bildungsweg? Worin unterscheidet sie sich in Bezug auf Bildungsziele, Zielgruppen und Bildungskonzeptionen?

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das Projekt wird aus einer soziologisch-politologischen Perspektive eine systematische Darstellung der Institutionalisierung der FMS ermöglichen und Hinweise dazu geben, weshalb dieses zukunftsfähige Ausbildungsmodell vor allem in der Deutschschweiz bildungspolitisch noch wenig Anerkennung erhält und bei Anspruchsgruppen wenig bekannt ist. Es wird zudem darstellen können, durch welche Besonderheiten und Spezifika sich die FMS-Ausbildung im Vergleich zu den Parallelwegen in Berufsbildung und Gymnasium auszeichnet und diese ergänzt.

 
Direct link to Lay Summary Last update: 30.01.2016

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Die Fachmittelschule als «Mädchenschule»!? Eine Bildungsinstitution der Sekundarstufe II zwischen Reproduktion und Transformation der geschlechtertypischen Berufswahl
Leemann Regula Julia, Imdorf Christian, Fischer Andrea, Esposito Raffaella Simona, Hafner Sandra (2019), Die Fachmittelschule als «Mädchenschule»!? Eine Bildungsinstitution der Sekundarstufe II zwischen Reproduktion und Transformation der geschlechtertypischen Berufswahl, in Makarova Elena (ed.), hep, Bern, 48-67.
Establishment of a school-based pathway to universities of applied sciences in Switzerland. Conventions of higher education access in vocational and general education
Esposito Raffaella Simona, Leemann Regula Julia, Imdorf Christian (2019), Establishment of a school-based pathway to universities of applied sciences in Switzerland. Conventions of higher education access in vocational and general education, in Schweizerische Zeitschrift für Soziologie, 45(3).
Fachmittelschule ‘Pädagogik’ und Gymnasium: zwei Schulkulturen als Vorbildung für Volksschullehrpersonen
Hafner Sandra (2019), Fachmittelschule ‘Pädagogik’ und Gymnasium: zwei Schulkulturen als Vorbildung für Volksschullehrpersonen, in Erziehung und Unterricht. Österreichische Pädagogische Zeitschrift, 169(5), 540-548.
Praktiken der Valorisierung in der Educational Governance. Zur Institutionalisierung der Schweizer Fachmittelschule in den 1970er Jahren
Leemann Regula Julia, Imdorf Christian (2019), Praktiken der Valorisierung in der Educational Governance. Zur Institutionalisierung der Schweizer Fachmittelschule in den 1970er Jahren, in Imdorf Christian, Leemann Regula Julia, Gonon Philipp (ed.), Springer VS, Wiesbaden, 427-459.
Qualitätskonventionen in der Lehrerbildung. Quereinstiegsprogramme aus konventionensoziologischer Sicht
HafnerSandra (2019), Qualitätskonventionen in der Lehrerbildung. Quereinstiegsprogramme aus konventionensoziologischer Sicht, in journal für lehrerInnenbildung, 19(2), 84-90.
Fachmittelschule und Gymnasium als Zugangswege zu Pädagogischen Hochschulen in der Schweiz. Zubringer zum Studiengang Primarstufe im Vergleich
Hafner Sandra, Fachmittelschule und Gymnasium als Zugangswege zu Pädagogischen Hochschulen in der Schweiz. Zubringer zum Studiengang Primarstufe im Vergleich, in Safi Netkey, Kocher Mirjam, Bauer Catherine Eve (ed.), hep, Bern.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
GRESCO Université de Poitiers, Prof. Dr. Gilles Moreau France (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel
Institut Erziehungswissenschaften, Prof. Dr. Lucien Criblez Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Bundesinstitut für Berufsbildung Bonn Dr. Agnes Dietzen Leiterin Arbeitsbereich Kompetenzentwicklung Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel
Universität Zürich, Prof. Dr. Philipp Gonon Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Université de Lausanne, Prof. Dr. Farinaz Fassa Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Forschungskolloquium International Center for Higher Educational Research Kassel Individual talk Institutional and social permeability of educational pathways to higher education in Switzerland 09.06.2021 Kassel (online), Germany Imdorf Christian;
Hertie School & Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin BIEN Seminar Individual talk Institutional and social permeability of educational pathways to higher education in Switzerland 10.05.2021 Berlin (online), Germany Imdorf Christian;
Übergänge von der Sekundar- zur Tertiärstufe Formale Durchlässigkeit und effektive Nutzung der Bildungspfade Talk given at a conference Übergänge von der Sekundar- zur Tertiärstufe. Erklärungsansätze auf der Ebene der Institutionen – innerschweizerische Unterschiede 23.05.2019 Fribourg, Switzerland Leemann Regula Julia; Esposito Raffaella Simona; Imdorf Christian;
Sociological perspectives on education Talk given at a conference The development of the upper-secondary specialised school between general education and vocational education and training in Switzerland 08.11.2018 Lausanne, Switzerland Esposito Raffaella Simona; Leemann Regula Julia; Imdorf Christian;
Sociological perspectives on education Talk given at a conference Tailored preparation or broad general knowledge? Comparison of two educational programmes preparing for teacher education in Switzerland 08.11.2018 Lausanne, Switzerland Hafner Sandra;
Gendersensible Berufsorientierung Talk given at a conference Die Fachmittelschule als «Mädchenschule»!? Eine Bildungsinstitution der Sekundarstufe II zwischen Reproduktion und Transformation der geschlechtertypischen Berufswahl 26.10.2018 Solothurn, Switzerland Leemann Regula Julia;
Wege in den Lehrberuf Talk given at a conference Die Bedeutung der Fachmittelschule und des Gymnasiums als Zugangswege in die Lehrkräfteausbildung an Pädagogischen Hochschulen 13.09.2018 Brugg, Switzerland Hafner Sandra;
Österreichische Berufsbildungsforschungskonferenz Talk given at a conference Die soziale Konstruktion des ‘Beruflichen’ innerhalb der institutionellen Gren-zen von Allgemein- und Berufsbildung. Das Beispiel zweier Ausbildungsprogramme im Bereich Gesundheit des Schweizer Bildungssystems 05.07.2018 Steyr, Austria Esposito Raffaella Simona;
Kongress SGBF Schweizerische Gesellschaft für Bildungsforschung Talk given at a conference Positionierung und Profilierung der Fachmittelschule zwischen regionaler Varianz und nationaler Konvergenz 29.06.2018 Universität Zürich, Switzerland Leemann Regula Julia; Hafner Sandra; Imdorf Christian; Esposito Raffaella Simona;
Pluralities of Conventions, "Workshop Sociology of Conventions" Individual talk Institutionalisation of a Controversial Pathway into Teacher Education in Switzerland - Explanations from a Conventionalist Perspective 14.06.2018 Universität Hamburg, Germany Hafner Sandra;
Pluralities of Conventions, "Workshop ‘Sociology of Conventions" Talk given at a conference A Conventionalist Perspective on the Valorization of Two Education Programs in the Field of Health - a Case Study 14.06.2018 University of Hamburg, Germany Esposito Raffaella Simona;
«Die Lehrerpersönlichkeit - ein fait social?» Tagung des Netzwerkes Sozial- und Kulturwissenschaften an Pädagogischen Hochschulen der Schweiz Talk given at a conference Die Herausbildung von ‘(Lehrer-)Persönlichkeit’ an der Diplom-/ Fachmittelschule im historischen Wandel 09.03.2018 Pädagogische Hochschule FHNW Brugg-Windisch, Switzerland Leemann Regula Julia; Hafner Sandra;
Forschungstag der PH FHNW Individual talk Die Bedeutung der Fachmittelschule als Zugangsweg zur Lehrkräfteausbildung an Pädagogischen Hochschulen 24.11.2017 Universität Basel, Switzerland Hafner Sandra;
Forschungstag der PH FHNW Individual talk Die Fachmittelschule mit Berufsfeld Gesundheit Dynamiken der Neu Profilierung eines bislang «frauentypischen" Ausbildungsprogramms 24.11.2017 Universität Basel, Switzerland Esposito Raffaella Simona;
«Governance von Bildung. Soziale Konstruktion von Bildungswirklichkeiten in Schule, Berufsbildung, Hochschule und Erwachsenenbildung.» Kongress der Sektionen Bildungssoziologie SGS, DGS, ÖGS Talk given at a conference Institutionalisierung der Fachmittelschule als dritter Bildungsweg auf Sekundarstufe II im Schweizer Bildungssystem - Konventionentheoretische Analyse der Governance im Transformationsprozess zwischen 1970 und Beginn 1980er Jahre 10.11.2017 Universität und PH FHNW Basel, Switzerland Leemann Regula Julia; Esposito Raffaella Simona; Imdorf Christian; Hafner Sandra;
The Format of “Bildung” or how Research shapes Convention "Workshop Sociology of Conventions" Talk given at a conference Institutionalisation of the Specialised School in Switzerland as a third educational track on upper secondary education: A Convention based governance analyses 14.09.2017 Universität Zürich, Switzerland Leemann Regula Julia; Esposito Raffaella Simona; Hafner Sandra;
Siegener Sommerakademie «Forschung zur Lehrerbildung», Zentrum für Lehrerbildungsforschung Individual talk Das Berufsfeld Pädagogik an der Fachmittelschule (FMS) im Vergleich zum Gymnasium als Zugangsweg zur Lehrer/innenbildung an Pädagogischen Hochschulen 12.09.2017 Universität Siegen, Germany Hafner Sandra;
5th Congress on Research in Vocational Education and Training Talk given at a conference Specialized middle school in the health field and VET in health assistance - Dynamics of positioning and profiling of two functional equivalent education programs during the process of their institutionalisation 14.03.2017 Eidg. Hochschulinstitut für Berufsbildung, Zollikofen, Switzerland Esposito Raffaella Simona;
Tagung "Chancen(un)gleichheit und Schulentwicklung" Talk given at a conference Positionierung und Profilierung der Fachmittelschule im Schweizer Bildungssystem auf Sekundarstufe II. Relevanz von sozialer Integration und Chancengleichheit 19.02.2017 Universität Zürich, Schweiz, Switzerland Leemann Regula Julia; Imdorf Christian;
Kolloquium "Historische Bildungsforschung und Steuerung des Bildungssystems", Lehrstuhl Prof. Dr. Lucien Criblez Individual talk Die Fachmittel-/Fachmaturitätsschule (FMS) als eigenständiger Bildungsweg neben Berufsbildung und Gymnasium. Forschungsrahmen und erste Ergebnisse 13.12.2016 Universität Zürich, Switzerland Leemann Regula Julia; Hafner Sandra;
Annual meeting of the research committee on educational sociology of the Swiss Sociological Association (SSA) Talk given at a conference Specialised middle school or Baccalaureate school - which track into Universities of Teacher Education? 04.11.2016 Pädagogische Hochschule Zürich, Switzerland Hafner Sandra;
ECER European Conference for Educational Research Talk given at a conference Hesitant Institutionalisation Of The Specialised School – A Hybrid Track Of Vocational And Academic Training On Upper Secondary Education In Switzerland 22.08.2016 Universität Dublin, Ireland Hafner Sandra; Esposito Raffaella Simona; Imdorf Christian; Leemann Regula Julia;
Kongress SGBF Schweizerische Gesellschaft für Bildungsforschung Talk given at a conference The hesitant process of institutionalisation of the upper-secondary specialised school (Fachmittelschule, Écoles de culture générale) in Switzerland 29.06.2016 Universität Lausanne, Switzerland Esposito Raffaella Simona; Leemann Regula Julia; Imdorf Christian; Hafner Sandra;
Sociology of Conventions Workshop. Markets and Organizations Talk given at a conference Evolving Specialised Schools in Switzerland: "Sketch of a real utopia" 16.06.2016 Universität Hamburg, Germany Imdorf Christian; Esposito Raffaella Simona; Leemann Regula Julia; Hafner Sandra;


Knowledge transfer events



Self-organised

Title Date Place
Advisory Board zum Projekt 15.11.2017 Pädagogische Hochschule Basel, Switzerland
Advisory Board zum Projekt 15.09.2016 Pädagogische Hochschule FHNW Basel, Switzerland

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Die erfolgreiche Etablierung der Fachmittelschule als Zugangsweg zu den Pädagogischen Hochschulen Gymnasium Helveticum, Nr. 1, S. 17-19 German-speaking Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland Western Switzerland Italian-speaking Switzerland 2019
Media relations: print media, online media Fachmittelschulen: Aschenputtel im Bildungsschloss Panorama, 1, 2019 Italian-speaking Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland German-speaking Switzerland Western Switzerland 2019
Media relations: print media, online media Handlungskompetent oder studierfähig? Wege in die Tertiärbildung SGAB-Newsletter Italian-speaking Switzerland Western Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland German-speaking Switzerland 2019
Talks/events/exhibitions Journée sur la réforme de la formation en école de culture générale, 13.2.2019, Fribourg Western Switzerland 2019
Talks/events/exhibitions 15. Jahresversammlung KFMS, 20.9.2018, Zürich Italian-speaking Switzerland Western Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland German-speaking Switzerland 2018
Media relations: print media, online media Die FMS – sozial selektiv in der deutschsprachigen, sozial integrativ in der lateinischen Schweiz Gymnasium Helveticum, Nr. 3, S. 14-16 Western Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland Italian-speaking Switzerland German-speaking Switzerland 2018
Media relations: print media, online media Fachmittelschule mit Berufsfeld Gesundheit - Eine Neu-Profilierung in Richtung Naturwissenschaften Gymnasium Helveticum, Nr. 2, S. 22-24 Italian-speaking Switzerland Western Switzerland German-speaking Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland 2018
Talks/events/exhibitions Séance d’automne CECG-SRT/ 21.11.2018, Lausanne Western Switzerland 2018
Media relations: print media, online media Die Fachmittelschule als «Frauenschule»? – Chance und Herausforderung zugleich Gymnasium Helveticum, Nr. 3, S. 8-10 German-speaking Switzerland Italian-speaking Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland Western Switzerland 2017
Media relations: print media, online media Die Fachmittel-/Fachmaturitätsschule als eigenständiger Bildungsweg neben Berufsbildung & Gymnasiu Gymnasium Helveticum, Nr. 2, S. 37 Italian-speaking Switzerland German-speaking Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland Western Switzerland 2016
Media relations: print media, online media Die Fachmittelschule – eine Schule der Chancengleichheit Gymnasium Helveticum, Nr. 5, S. 16-19 Western Switzerland Rhaeto-Romanic Switzerland German-speaking Switzerland Italian-speaking Switzerland 2016

Abstract

Das beantragte Forschungsvorhaben soll untersuchen, wie sich in der Schweiz die Fachmittel-/Fachmaturitätsschule (FMS), die anfangs 2000 aus der bisherigen allgemeinbildenden Diplommittelschule hervorging, als eigenständiger und ergänzender Bildungsweg neben den Wegen der Berufsbildung und des Gymnasiums in der sich neu formierenden Sekundarstufe II und mit Bezug zur Tertiärstufe positioniert und profiliert hat. Die FMS, welche vorwiegend von Mädchen besucht wird, deckt mit ihrem Ausbildungsprogramm weiterhin einen hohen Anteil von Allgemeinbildung ab, führt aber neu gleichzeitig zu einer berufsfeldbezogenen Vertiefung insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Pädagogik. Die Frage nach Prozess und Ergebnis der Positionierung und Profilierung der FMS erachten wir als bedeutsam, da dieser Bildungsweg gemäss Studien einerseits ein sozial integratives und durch die institutionelle Verbindung von berufsbildenden und allgemeinbildenden Elementen zukunftsfähiges Alternativmodell zu den beiden traditionellen Bildungswegen Berufsbildung und Gymnasium darstellt. Institutionell leistet er eine Verbindung von verschiedenen Wissensformen, was angesichts des Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft stärker gefordert wird. Mit den Berufsfeldern Gesundheit, Soziales und Pädagogik kann er dem Fachkräftemangel in der Pflege, dem Sozialbereich und der Volksschule begegnen. Andererseits ist er in seiner Positionierung und Profilierung als eigenständiger Bildungsweg mit verschiedenen Problemstellungen konfrontiert. Von Seiten der Berufsbildung wird seine berufsvorbereitende Funktion als systemwidrig und als unerwünschte Konkurrenz zu den neu geschaffenen beruflichen Grundbildungen in Gesundheit und Sozialem wahrgenommen. Gegenüber dem Gymnasium wird er von Schüler/innen und Eltern teilweise abgewertet, ist zweite Wahl und dient als Auffangbecken.Grösstenteils unerforscht ist bisher erstens der - durch Legitimations-, Image- und Umsetzungsprobleme bedingte - konflikthafte und unabschliessbare Prozess, bei dem sich die FMS als eigenständiger Bildungsweg neben der Berufsbildung und dem Gymnasium positioniert, sowie die dabei zu beobachtenden Unterschiede zwischen der Westschweiz und der Deutschschweiz. Zweitens ist wenig Wissen vorhanden zur spezifischen Wertigkeit ('Qualität') der FMS und ihrer Berufsfelder, mit der sie sich neben Berufsbildung und Gymnasium als ergänzender Weg profiliert. Das geplante Forschungsprojekt soll diese Lücken schliessen.Um die konflikthafte institutionelle Entwicklung der FMS (Positionierung) und die 'Qualität' ihres Bildungsan-gebotes (Profilierung) zu untersuchen, bezieht sich die Studie theoretisch auf den im Pragmatismus wurzelnden Ansatz der Soziologie der Konventionen, der die Koordination, Evaluation und Legitimation des sozialen Handelns im Bereich von Wirtschaft und Bildung auf Konventionen i.S. verschiedener kultureller Wertigkeitsordnungen (u.a. Effizienz, Markt, Tradition, Solidarität, Inspiration, Netzwerk, Ruf) zurückführt. Solche Wertigkeitsordnungen formen die Orientierungen und Entscheidungen in der Ausgestaltung der FMS. Sie stehen jedoch teilweise auch in Widerspruch zueinander, was die Handlungskoordination zu einer komplexen und spannungsgeladenen Angelegenheit werden lässt und Kompromisse zwischen den Konventionen erforderlich macht.Methodisch werden für die Beantwortung der Frage nach der Positionierung der FMS Experteninterviews mit wichtigen Akteuren in den beiden Sprachregionen geführt sowie Dokumente analysiert, um diesen Transforma-tions- und Institutionalisierungsprozess der FMS in den letzten rund 20 Jahren historisch zu rekonstruieren. Für die Frage der Profilierung werden mittels eines Case Study Designs auf der Basis einer theoriegeleiteten kontrastiven Auswahl vier Ausbildungsprogramme in den beiden Sprachregionen untersucht, und zwar die zwei quantitativ wichtigen FMS-Berufsfelder Gesundheit und Pädagogik sowie ihre jeweiligen parallelen Ausbildungswege in Berufsbildung und Gymnasium, welche zur selben Berufsausbildung auf Tertiärstufe führen. Es handelt sich dabei um die berufliche Grundbildung Fachfrau/-mann Gesundheit und die Schwerpunktfächer Philosophie/ Pädagogik/ Psychologie, Musik und Bildnerisches Gestalten im Gymnasium. Die Daten werden mittels Interviews mit Ausbildungsverantwortlichen auf strategischer und operativer Ebene, Verantwortlichen der Abnehmerhochschulen, Lehrpersonen, Schüler/innen bzw. Lernenden, Feldbegehungen, Bildmaterialien und Dokumentenanalysen (u.a. Rahmenlehrpläne) erhoben. Das geplante dreijährige Forschungsprojekt wird erstmals eine systematische Darstellung der Institutionalisierung der FMS ermöglichen und Hinweise dazu geben, weshalb dieses zukunftsfähige Ausbildungsmodell vor allem in der Deutschschweiz bildungspolitisch wenig Anerkennung erhält und bei Anspruchsgruppen wenig bekannt ist. Es wird zudem darstellen können, durch welche Wertigkeit sich die FMS-Ausbildung im Vergleich zu den Parallelwegen in Berufsbildung und Gymnasium auszeichnet und diese ergänzt. Nicht zuletzt soll das Projekt den skizzierten theoretischen Ansatz für den Bereich der Bildung weiterentwickeln und modifizieren.
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