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Leuchtturm, Schlachthaus, Seuchenschutz. Shared Colonialism und internationale Verwaltung in Tanger (Marokko), 1840 - 1956

English title Lighthouse, Abattoir, Epidemic Prevention. Shared Colonialism and International Administration in Tangier (Morocco), 1840 - 1956
Applicant Herren-Oesch Madeleine
Number 159339
Funding scheme Project funding
Research institution Europainstitut Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.04.2015 - 31.03.2018
Approved amount 179'355.34
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Keywords (18)

Globalgeschichte; Hygiene; Migration; Kolonialismus; Internationale Organisationen; Imperialismus; Historiographie; Transkulturalität; Tanger; Marokko; Seuchenschutz; Schlachthäuser; Müllentsorgung; Leuchtturm; Schifffahrt; Pilgerfahrt; Atlantik; Mittelmeer

Lay Summary (German)

Lead
In der marokkanischen Stadt Tanger übernahmen bereits ab 1840 internationale Organisationen zentrale Funktionen der öffentlichen Verwaltung und Infrastruktur. Zu den Funktionen dieser internationalen Organisationen gehörte neben der Müllentsorgung und dem Seuchenschutz auch ein Leuchtturm am Kap Spartel, der ab 1865 den Zugang vom Atlantischen Ozean zum Mittelmeer und damit den Weg zu den muslimischen Pilgerstätten im Nahen Osten kontrollierte. Die Geschichte der Internationalisierung Tangers aus globalhistorischer Perspektive erlaubt es, komplexe Globalisierungsprozesse in der lokalen Kolonialgeschichte sichtbar zu machen und gemeinsame Projekte der Kolonialstaaten zu diskutieren. Diese Form der Kooperation wird in diesem Projekt als "shared colonialism" vorgestellt.
Lay summary

In der marokkanischen Stadt Tanger wurden bereits ab 1840 frühe internationale Organisationen von Konsuln aus Europa und den USA gegründet. Diese internationalen Organisationen übernahmen in der Stadt zentrale Funktionen, wie die Müllentsorgung und den Seuchenschutz, und reglementierten für fast 100 Jahre die Mobilität von Personen und Waren. Mit dem Bau des Leuchtturms am Kap Spartel kontrollierte ab 1865 eine internationale Organisation den Zugang vom Atlantischen Ozean zum Mittelmeer und damit den Weg zu den muslimischen Pilgerstätten im Nahen Osten.  Die Geschichte der Internationalisierung Tangers aus globalhistorischer Perspektive erlaubt es, komplexe Globalisierungsprozesse im Lokalen sichtbar zu machen. Das Projekt diskutiert, auf welchen räumlichen Ebenen eine Vielzahl von Akteuren, Institutionen als auch Personen, ihre Handlungsspielräume festlegten und welche neuen Räume durch diese politischen Aushandlungsprozesse entstanden. Die Internationalisierung von Tanger wird nicht mehr einseitig als die Entstehung einer „kosmopolitischen“ Stadt verstanden, sondern im Kontext der Kolonisierung und Dekolonisierung Marokkos aus einer Perspektive jenseits des Eurozentrismus beleuchtet. Die Kooperation dieser Institutionen führte zu einem internationalen Setting, das als "shared colonialism" bezeichnet werden kann. Während Marokko Schritt für Schritt von verschiedenen Staaten kolonisiert wurde, erhielt Tanger 1923 den völkerrechtlichen Status einer Internationalen Zone, den es bis zur Unabhängigkeit Marokkos 1956 führte. Diese Besonderheit von Tanger als internationalem Ort stellt den zentralen Untersuchungsgegenstand des als "shared colonialism" beschriebenen Konzeptes dar.

Direct link to Lay Summary Last update: 13.04.2015

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Global Histories of Taxation and State Finances since the late 19th century. Conference of the Laureate of the 2016 International Research Award in Global History, 01.12.2016-03.12.2016 Basel
Hettstedt Daniela Zoller-Blundell Lisa-Marie (2017), Global Histories of Taxation and State Finances since the late 19th century. Conference of the Laureate of the 2016 International Research Award in Global History, 01.12.2016-03.12.2016 Basel, hsozkult.de, Berlin.
Beyond Modernity. Transepochal perspectives on spaces, actors, and structures,
Hettstedt Daniela (2015), Beyond Modernity. Transepochal perspectives on spaces, actors, and structures,, hsozkult.de, Berlin.
Unfolding Europe in a Global Context: Security Issues as an Imperial Practice and an Analytical Lens
Herren Madeleine, Unfolding Europe in a Global Context: Security Issues as an Imperial Practice and an Analytical Lens, in Journal of Modern European History, 16 (2018)(3).

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Afrikanische Geschichte. Aktuelle Forschungsbeiträge. Forschungskolloquium HS 2017 Talk given at a conference Lighthouse, Abattoir, Disease Control: Shared Colonialism and International Administration at Tangier (Morocco), 1840-1956 14.11.2017 Basel, Switzerland Hettstedt Daniela;
Forschungskolloquium Talk given at a conference Miteinander gegeneinander? Shared colonialism als Konzept und Narrativ 31.10.2017 Basel , Switzerland Hettstedt Daniela;
Infrastructure and the Making of Urban Space: Critical Approaches Talk given at a conference Beyond the Master Plan. French Colonial Urbanism at the International Zone of Tangier in the 1930s 21.09.2017 Berlin, Germany Hettstedt Daniela;
Forschungskolloquium Talk given at a conference Infrastrukturprojekte und kolonialer Urbanismus im internationalen Tanger – ein Werkstattbericht; 01.06.2017 Basel, Switzerland Hettstedt Daniela;
Geschichte heute. Wissen, Akteure, Orte, Dinge,Jahrestagung der Basel Graduate School of History Talk given at a conference Housing the International. Der Leuchtturm am Kap Spartel 1865-1958 17.11.2016 Basel, Switzerland Hettstedt Daniela;
Security and Empire. Mechanics of Securitization in Imperial Spaces Talk given at a conference International Organizations as Inter-Imperial Actors? Negotiating Security at Tangier (Morocco), 1852–1914 16.03.2016 Marburg, Germany Hettstedt Daniela;
Doctoral Seminar German Historical Institute Talk given at a conference Lighthouse, Abattoir, Disease Control. Shared Colonialism and International Administration in Tangier (Morocco), 1840-1956 17.09.2015 Washington DC, United States of America Hettstedt Daniela;
Forschungskolloquium Neuere und Neueste Geschichte Talk given at a conference Leuchtturm, Schlachthaus, Seuchenschutz. Shared Colonialism und international Verwaltung in Tanger (Marokko), 1840 – 1956 29.06.2015 Köln, Germany Hettstedt Daniela;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
207024 Die internationale Stadt Tanger. Infrastrukturen des geteilten Kolonialismus, 1840-1956 01.11.2021 Open Access Books

Abstract

Seit 1865 kontrollierten von der marokkanischen Stadt Tanger aus für fast 100 Jahre internationale Gremien den Zugang zu den Häfen des Mittelmeers und den Pilgerstätten in Mekka und Medina. Hinter der funktionalen Fassade eines Leuchtturms, eines Conseil Sanitaire und einer internationalen Organisation zur Abfallentsorgung stand das Modell einer westlich geprägten internationalen Verwaltung. Bei dieser entfalteten nationalstaatliche Herrschaftsmechanismen im kolonialen Kontext des frühen 19. Jahrhunderts grenzübergreifende Wirkung, bevor sie 1923 mit der Gründung der internationalen Zone von Tanger auf eine völkerrechtliche Basis gestellt wurden. Vor Ort setzten die Institutionen über einen langen Zeitraum die Rahmenbedingungen für den grenzübergreifenden Transfer von Gütern, Menschen, Ideen und Praktiken, während sie auf der internationalen Ebene als frühe Formen der Gleichzeitigkeit von Kontrolle und Kooperation erscheinen. Das Forschungsprojekt trägt zur Kenntnis eines bislang wenig erforschten Typus exterritorialer Gebiete bei und stellt die Stadt Tanger als einen Ort vor, der es erlaubt, komplexe Globalisierungsprozesse auf lokaler Ebene nachzuvollziehen. Das Ziel besteht darin, anhand der These des „shared colonialism“ mit globalhistorischen Untersuchungsmethoden neues Quellen- und Datenmaterial zugänglich zu machen, um genauere Kenntnisse über transnational aktive Akteure und deren Einbindung im nationalen, lokalen und internationalen Kontext zu gewinnen. Ein Dissertationsprojekt arbeitet die bislang nicht berücksichtigte, da disparat verteilte Quellenlage auf und untersucht die Funktionen der internationalen Verwaltungen. Das Resultat der Recherche steht allerdings in einem breiteren und über das Dissertationsprojekt hinausgehenden Kontext. Es dient dazu, mit der Präsentation bislang wenig berücksichtigter Quellenbestände neue Voraussetzungen des kollaborativen Forschens zu schaffen. Daher mündet das Projekt zum einen in ein Pilotprojekt zur Erfassung globaler Quellenbestände und zum anderen in eine fächerübergreifende Konferenz, zu der VertreterInnen der Near Eastern Studies und der Islamwissenschaften ihre Beteiligung zur kritischen Ueberprüfung der These des „shared colonialism“ zugesagt haben. Den theoretischen Rahmen bietet dabei die Globalgeschichte, die dem nationalstaatlichen Paradigma europäischer Prägung das Narrativ einer grenzübergreifenden Verflechtungsgeschichte entgegensetzt. Methodisch gewinnt das Projekt über drei internationale Organisationen Einsicht in komplexe Verflechtungsprozesse. Das Forschungsdesign erlaubt die Frage, ob internationale Institutionen und Akteure im Grenzbereich zwischen Europa und Afrika Transformationen eines kolonialen Konservatismus in ein zukunftsweisendes Internationalisierungskonzept aufzeigen. Dabei wird das spannungsreiche Verhältnis zwischen lokaler und internationaler Bedeutung thematisiert: Die Commission Internationale du Phare du Cap Spartel kontrollierte ab 1865 den Zugang vom Atlantischen Ozean zum Mittelmeer. Das Conseil Sanitaire organisierte weitreichende Quarantänemassnahmen und griff in Pilgerreisen ein. Eine Teilorganisation des Conseil Sanitaire, das Comité dHygiène et de la Voirie organisierte städtische Infrastruktur von der Abfallentsorgung zum Bau eines gemeinsamen Schlachthauses für alle religiösen Bevölkerungsgruppen nach europäischem Standard. Die internationalen Organisationen in Tanger stehen exemplarisch für eine intensive Kooperation imperialer Mächte über einen langen Zeitraum. Ihre Analyse ermöglicht es, Formen des Internationalismus auf politischer, institutioneller und biographischer Ebene herauszuarbeiten. In der Hochphase des Nationalstaats wurde Tanger zum Experimentierfeld für eine internationale Verwaltung und zum Archetyp des Mandatssystems des Völkerbunds. An einem konkreten Beispiel können hier das Zusammenspiel von Internationalismus und Nationalismus als „shared colonialism“ sowie die lokalen Auswirkungen eines sich verselbstständigen Internationalisierungsprozesses nachvollzogen werden, der auch über historische Zäsuren hinweg bis zur Unabhängigkeit Marokkos 1956 Bestand hatte.
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