Project

Back to overview

Die Unterbestimmtheit moralischer Theorien

English title The underdetermination of moral theories
Applicant Baumann Marius
Number 155469
Funding scheme Doc.CH
Research institution Institut für Philosophie Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Philosophy
Start/End 01.09.2014 - 31.08.2018
Approved amount 246'595.00
Show all

Keywords (6)

Moral philosophy; Normative ethics; Philosophy of Science; Underdetermination; Consequentialization; Moral theories

Lay Summary (German)

Lead
Es wird die These formuliert und diskutiert, dass unterschiedliche Moraltheorien durch unsere konkreten moralischen Urteile unterbestimmt sind. Dies bedeutet, dass sich verschiedene Moraltheorien auf einer theoretischen Ebene direkt widersprechen, dabei jedoch genau dieselben konkreten moralischen Urteile bedingen. Die Dissertation bewegt sich zwischen den beiden Gebieten der Wissenschaftstheorie und der Ethik und soll insbesondere zu einem neuen Verständnis der Beziehung zwischen alternativen Moraltheorien, sowie der Relevanz moraltheoretischer Dispute beitragen.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Ein zentrales Anliegen in der Ethik besteht darin, Moraltheorien zu entwickeln, d.h. Theorien, welche unsere konkreten moralischen Urteile („Es war falsch meinen Bruder zu belügen“, „Wir sind verpflichtet, die Umwelt für unsere Nachkommen zu erhalten“) zu systematisieren und zu erklären suchen. Dabei zeigt sich ein scheinbar widersprüchlicher Befund: Zum einen werden verschiedene Moraltheorien den meisten Lehrbüchern zufolge als miteinander im Widerspruch befindlich verstanden. Zum anderen können sich Vertreter unterschiedlicher Theorien erstaunlich einig sein, was ihre konkreten moralischen Urteile angeht. Die Dissertation formuliert und diskutiert eine bislang nicht berücksichtigte Erklärung für diesen Befund, indem auf eine These aus dem Bereich der Wissenschaftstheorie zurückgegriffen wird. Die Unterbestimmtheits-These von Theorien durch die Daten besagt, dass alternative Theorien sich direkt widersprechen können, gleichzeitig jedoch genau dieselben Daten erklären. Die vorgesehene Erstanwendung dieser These auf die Ethik soll eine Neubeurteilung insbesondere des Verhältnisses alternativer Moraltheorien zueinander, sowie der Relevanz moraltheoretischer Dispute ermöglichen. Wenn es so ist, dass verschiedene, miteinander teilweise inkompatible Theorien zu genau denselben moralischen Urteilen führen, so hat dies weitreichende Auswirkungen auf unser Verständnis davon, wie Moraltheorien funktionieren.

 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Die Dissertation schlägt eine Brücke zwischen Wissenschaftstheorie und Ethik und liefert damit einen neuen Erklärungsansatz für das Verhältnis moralischer Theorien zueinander. Dies ermöglicht eine kritische Beurteilung der Dialektik und Relevanz moraltheoretischer Debatten.

Direct link to Lay Summary Last update: 29.07.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Parfit, Convergence, and Underdetermiation
Baumann Marius (2018), Parfit, Convergence, and Underdetermiation, in Journal of Ethics and Social Philosophy, 13(3), 191-221.
Consequentializing and Underdetermination
Baumann Marius, Consequentializing and Underdetermination, in Australasian Journal of Philosophy.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
92nd Joint Session of the Aristotelian Society and the Mind Association Talk given at a conference A New Position in Metaethics 06.07.2018 Oxford, Great Britain and Northern Ireland Baumann Marius;
9th European Congress of Analytic Philosophy Talk given at a conference Is There a Fact of the Matter to the Dirty Hands Debate? 21.08.2017 München, Germany Baumann Marius;
Neutrality: Reasons, Values, and Times Talk given at a conference Consequentializing – A New Interpretation 12.07.2017 Sinapur, Singapore Baumann Marius;
Aktuelle Texte der praktischen Philosophie Individual talk Parfit, Convergence, and Underdetermination 23.05.2017 Erlangen, Germany Baumann Marius;
5th Stockholm Graduate Conference Talk given at a conference Ist There a Fact of the Matter to the Dirty Hands Debate? 28.04.2017 Stockholm, Sweden Baumann Marius;
Aktuelle Forschungsthemen der Praktischen Philosophie Individual talk Consequentializing and Underdetermination 20.12.2016 München, Germany Baumann Marius;
Foundations of Normativity Talk given at a conference Parfit, Disagreement, and the Underdetermination of Moral Theories 13.06.2016 Edinburgh, Great Britain and Northern Ireland Baumann Marius;
Metatheory and Methodology of Normative Ethics Talk given at a conference Metatheories of Normative Ethics 10.06.2016 Bern, Switzerland Baumann Marius;
Objectivity in Ethics Talk given at a conference Does Parfit's Convergence Argument for Moral Realism Backfire? 31.03.2016 Utrecht, Netherlands Baumann Marius;
Aktuelle Texte der Moralphilosophie Individual talk The Underdetermination of Moral Theories 09.03.2016 Zürich, Switzerland Baumann Marius;
Ethics and Explanation Conference Talk given at a conference Comment on Eden Lin's „Enumeration and Explanation in Theories of Welfare“ 22.02.2016 Nottingham, Great Britain and Northern Ireland Baumann Marius;
9. Internationaler Kongress der Gesellschaft für analytische Philosophie (GAP.9) Talk given at a conference Die Unterbestimmtheit normativer Moraltheorien 14.09.2015 Osnabrück, Germany Baumann Marius;
Open Minds X Conference Talk given at a conference Consequentializing and Underdetermination 03.07.2015 Manchster, Great Britain and Northern Ireland Baumann Marius;
British Postgraduate Philosophy Association Conference (BPPA) 2015 Talk given at a conference The Underdetermination of Moral Theories 23.06.2015 Southampton, Great Britain and Northern Ireland Baumann Marius;
Aktuelle Texte der praktischen Philosophie Individual talk Consequentializing and Underdetermination 12.05.2015 Erlangen, Germany Baumann Marius;


Self-organised

Title Date Place
Metatheory and Methodology of Normative Ethics 10.06.2016 Bern, Switzerland

Abstract

Im Bereich der normativen Ethik lassen sich zwei scheinbar unversöhnliche Tendenzen beobachten. Einerseits findet sich eine fortdauernde Pluralität alternativer Moraltheorien, welche dem Textbuchverständnis zufolge in direktem Widerspruch zueinander stehen. Andererseits drängt sich oftmals der Eindruck auf, dass bezüglich konkreter moralischer Handlungsanweisungen ein breiter Konsens in der akademischen Debatte möglich ist. Für dieses Phänomen soll im Rahmen einer anvisierten Dissertation im Fach Philosophie eine bislang nicht berücksichtigte Erklärung formuliert und verteidigt werden. Die Erklärung besteht in der These, dass die Wahl zwischen verschiedenen normativen Moraltheorien unterbestimmt ist. Die Unterbestimmtheit wissenschaftlicher Theorien durch die Evidenz respektive die Daten stellt eine in der Wissenschaftstheorie angeregt diskutierte These dar. Sie besagt kurz, dass die Wahl verschiedener, sich gegenseitig widersprechender Theorien durch das Total der vorliegenden Daten nicht hinreichend bestimmt wird. Theorien können sich folglich auf einer theoretischen Ebene widersprechen und dennoch dieselben empirischen Daten bedingen, sie können logisch inkompatibel und empirisch äquivalent sein. Die Dissertation strebt eine Übertragung der Unterbestimmtheits-These aus dem Bereich der Wissenschaftstheorie auf die normative Ethik an. Das Vorgehen gliedert sich dabei in drei Etappen. Als erstes werden verschiedene Formulierungen der Unterbestimmtheits-These wissenschaftlicher Theorien in Auseinandersetzung mit bestehender Fachliteratur analysiert und systematisch verglichen. Dies soll ermöglichen festzustellen, welche Form von Unterbestimmtheit am geeignetsten ist, um auf die Moral übertragen zu werden. Für besonders aussichtsreich wird dabei W.V.O. Quines Formulierung der Unterbestimmtheits-These im 1951 erschienenen Text „Two Dogmas of Empiricism“ erachtet. Aufgrund ihres sehr generellen Charakters, dürfte sich diese Formulierung der These besonders für eine Übertragung eignen. Als zweites wird die Übertragung der für geeignet befundenen Version der Unterbestimmtheits-These aus der Wissenschaftstheorie auf die normative Ethik vorgenommen. Im Vordergrund steht dabei ein Transfer der wichtigsten Begriffe der originalen These auf das Gebiet der normativen Ethik. Es wird insbesondere zu erklären sein, wie sich die Rede von den Daten wissenschaftlicher Theorien für die Moral verstehen lässt. Als drittes soll schliesslich die Unterbestimmtheits-These für den Bereich der normativen Ethik kritisch geprüft werden. Dazu wird die These anhand zweier prominenter Traditionen in der Moralphilosophie, des Konsequentialismus und der Deontologie, veranschaulicht und diskutiert. Die Dissertation knüpft zu diesem Zweck an neuere Debatten zum Verhältnis moralischer Theorien an, insbesondere an das kontrovers diskutierte Projekt, deontologische Theorien zu „konsequentialisieren“.
-