Project

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Eventkultur und Stadtentwicklung: Prozesse der Differenzierung und Exklusion am Beispiel der Stadt Zürich

English title The Culture of Events and Urban Development: Processes of Differentiation and Exclusion, in the Case of Zurich
Applicant Muri Koller Gabriela
Number 152737
Funding scheme Project funding
Research institution Departement Soziale Arbeit ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Institution of higher education Zurich University of Applied Sciences - ZHAW
Main discipline Ethnology
Start/End 01.10.2014 - 31.01.2017
Approved amount 343'406.00
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All Disciplines (6)

Discipline
Ethnology
Sociology
Architecture and Social urban science
Social geography and ecology
Social work
Arts

Keywords (8)

Kreativwirtschaft; Eventkultur; Ökonomisierung der Kultur; Eventmarketing; Festivalisierung; Freizeitgesellschaft; Stadtkultur/Urbanistik; Erlebnisgesellschaft

Lay Summary (German)

Lead
Zürich hat sich in Bezug auf sein Kultur- und Unterhaltungsangebot seit 1980 dynamisch entwickelt. Eine zunehmende Internationalisierung dt im wirtschaftlichen Sektor und eine kulturelle Liberalisierung beeinflussten zu Beginn der 80er-Jahre eine urbane soziale Bewegung, die die Förderung von Kultur abseits etablierter Kulturinstitutionen forderte. Gleichzeitig zeugt die Eventisierung unseres Alltags von gesellschaftlichen Prozessen der Differenzierung und Exklusion: Neue Clubs und Festivals entstanden und prägen heute das Image der Stadt. Ein stets ausdifferenzierteres Angebot an Events verspricht ausseralltägliche Erfahrungen und soziale Distinktion. Das Projekt untersucht vor diesem Hintergrund das Ineinandergreifen ökonomischer, sozialer und kultureller Dimensionen am Fallbeispiel der Stadt Zürich.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojektes

Deutliche Indizien sprechen für eine Zunahme von Differenzierungs- und Exklusionsprozessen: Der wirtschaftliche Umfang des Sektors ist substantiell und wird durch die steigende Bedeutung des Eventmarketing verstärkt. Der internationale Städtewettbewerb, der Kampf um Lebensqualität, hochqualifizierte Arbeitskräfte und Touristen, die Neudefinition öffentlicher Räume durch vermehrte Beanspruchung sowie die selektive Zulassung zu Events führen zu umfassenden Umwertungsprozessen. Das Projekt analysiert die Auswirkungen der Eventisierung am Fallbeispiel Zürich auf folgenden Ebenen: a) Prozesse sozioökonomischer Differenzierung; b) Hierarchisierung von Räumen; c) Eventkulturen und Strategien der Erlebnisproduktion; d) Rezeption und Teilhabe: Aushandlungsprozesse und Erlebnisdimensionen. Vor dem Hintergrund seiner begrifflichen Unschärfe wird der Eventbegriff einerseits im Kontext wissenschaftlicher Debatten neu positioniert. Ausgehend von einer quantitativen Übersättigung werden andererseits künftige Potentiale und Bewilligungskriterien für die Praxis entwickelt.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das im Rahmen des Projektes analysierte Spannungsfeld zwischen theoretischer Begriffsbestimmung, ökonomischen Verwertungskontexten sowie populären Praxen und Wahrnehmungsmustern trägt zur Unschärfe des Eventbegriffs bei. Hier leistet unsere Fragestellung einen wesentlichen Beitrag an eine gegenwartsorientierte Begriffsgenese: Die übergeordnete These einer Zunahme von Differenzierungs- und Exklusionsprozessen, greift ein Forschungsdefizit im Rahmen der Eventforschung auf. Die Zusammensetzung der beteiligten Institutionen und Disziplinen – Populäre Kulturen, Kunsttheorie, Eventdramaturgie, Online-Ethnographie, Soziale Arbeit und Stadtforschung – ermöglicht auf innovative Weise, aktuelle Debatten um die Begriffe Events, Eventkulturen und Eventisierung um neue Perspektiven zu erweitern.

Direct link to Lay Summary Last update: 25.08.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Eventisierung der Stadt
Müller Francis, Späti Daniel, Klaus Philipp, Muri Gabriela (ed.) (2019), Eventisierung der Stadt, Jovis, Berlin.
Körper und Dinge in dritten Räumen: Partyfotos im Vergleich
Müller Francis (2017), Körper und Dinge in dritten Räumen: Partyfotos im Vergleich, Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden311-320.
Wo und wann sind wir glücklich? Topologie des Alltäglichen zwischen Verheissung, Strategie und Enttäuschung.
Muri Gabriela (2015), Wo und wann sind wir glücklich? Topologie des Alltäglichen zwischen Verheissung, Strategie und Enttäuschung., in Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 01-22.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Dr. phil. Bastian Lange, Leiter Forschungs- und Strategieberatungsbüro Multiplicities-Berlin Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Lic. phil. Basil Rogger, ZHdK, Leitung des Studienschwerpunkts Style & Design Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Babette Kirchner, Soziologie (Prof. Hitzler), TU Dortmund Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Praxisgruppe Eventveranstaltungen Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Industry/business/other use-inspired collaboration
André Müller, Polizeidepartement Stadt Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Lic. phil. Plinio Bachmann, Kulturabteilung, Präsidialdepartement Stadt Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Lic. phil. Anna Schindler, Leiterin Fachstelle für Stadtentwicklung, Stadt Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Exchange of personnel

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Konferenz: Global Pop Cultures – Moving Beyond the High-Low, East-West Divide Talk given at a conference "Eventisation" as a Global Trend 31.07.2019 Kyoto, Japan Späti Daniel;
Konferenz: Global Pop Cultures – Moving Beyond the High-Low, East-West Divide Talk given at a conference Pluralizing Perspectives 29.07.2019 Kyoto, Japan Müller Francis;
Seminario Postgrado Talk given at a conference Epistemología y metodología de la etnografía visual 29.08.2018 Universidad Pontificia Valparaíso, Chile Müller Francis;
Antrittsvorlesung als Privatdozentin Individual talk Wo und wann sind wir glücklich? Topologie des Alltäglichen zwischen Verheissung, Strategie und Enttäuschung 08.12.2016 Universität Zürich, Switzerland Muri Koller Gabriela;
Konferenz STADT NACH ACHT Talk given at a conference Eventkulturen und Stadtentwicklung: Prozesse der Differenzierung und Exklusion am Beispiel der Stadt Zürich 25.11.2016 Berlin, Germany Muri Koller Gabriela;
Jahreskonferenz der Society for the Study of Social Interaction (SSSI) Talk given at a conference Digital Party Bodies: A Labyrinth of Codes, Signs, and Symbols 19.08.2016 Seattle, United States of America Müller Francis;
Tagung DGS: Die eventspezifische Konstruktion normativer Identitäten in realen und digitalen Sphären Talk given at a conference Hybridisierung inszenierter Ereignisse. Zur Diskussion zeitgeistiger Veranstaltungen 09.04.2016 TU Dortmund, Germany Müller Francis;


Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved
Soundboard Event, Zürich Tourismus Talk 11.07.2019 Zürich, Switzerland Späti Daniel;
Podiumsdiskussion zum Thema „Wie viel ist das Zürcher ‚Nightlife’ wert? Das Nachtleben als Standort- und Wirtschaftsfaktor“ Talk 20.01.2015 Zürich, Switzerland Späti Daniel;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media "Eventitis" – Leidet die Lebensqualität in den Schweizer Städten? bluewin.ch German-speaking Switzerland 2019
Media relations: print media, online media Das Züri-Fäscht ist etwas beliebig Tages Anzeiger German-speaking Switzerland 2019
Talks/events/exhibitions Eventkultur und Stadtentwicklung: Buchvernissage German-speaking Switzerland 2019
Talks/events/exhibitions Podiumsdiskussion zum Thema „Wie viel ist das Zürcher ‚Nightlife’ wert? Das Nachtleben als Standort- German-speaking Switzerland 2015

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
129644 Institutions of Critique 01.04.2010 DORE project funding

Abstract

Zürich hat sich in Bezug auf das Kultur- und Unterhaltungsangebot seit 1980 dynamisch entwickelt. Ausgelöst durch eine verstärkte Internationalisierung der Stadt im wirtschaftlichen Sektor und eine weltweite kulturelle Liberalisierung bildete sich zu Beginn der 80er-Jahre eine urbane soziale Bewegung. Diese forderte eine Öffnung, hatte die Förderung abseits etablierter Kulturinstitutionen zum Ziel und entfachte somit die Entwicklung Zürichs zu einer der Global Cities. Neue Theater, Konzerthallen, Clubs und unzählige Festivals entstanden und prägen fortan das Image der Stadt. Die Zahl der Nachtlokale hat sich seit 1998 von 88 auf 624 mehr als versiebenfacht. Während früher jahrzehntelang das Fraumünster auf dem offiziellen City Guide abgebildet war, so war es um die Jahrtausendwende eine Luftaufnahme der Streetparade. Immer noch werden laufend neue Clubs eröffnet, finden mehrere Festivals gleichzeitig statt, wird die Bahnhofshalle pausenlos bespielt und die Stadt überlegt, ob sie die Freiflächen auf dem Friedhof für Aktivitäten nutzen soll. Ein stets ausdifferenzierteres Angebot an Events verspricht ausseralltägliche Erfahrungen und soziale Distinktion. Eine starke Ökonomisierung und ein harter Verdrängungskampf setzten ein und wirken sich auf die Stadtentwicklung und das kulturelle Angebot aus. Zugleich gerät Kritik an der 24-Stunden-Gesellschaft auf die politischen Agenden; Menschen fühlen sich von Lärm und Abfall gestört und Freiräume werden Mangelware. Für Letzteres stehen gegenwärtige Formen des Jugendprotestes. Sie erzeugen Irritationen, weil sie vordergründig für eine unpolitische hedonistisch orientierte Protestkultur stehen. Gleichzeitig gibt es deutliche Indizien, die für eine Zunahme von Exklusionsprozessen im Rahmen der gegenwärtigen urbanen Eventisierung sprechen: Der wirtschaftliche Umfang des Sektors ist substantiell und wird durch die zunehmende Bedeutung des Eventmarketings als Kommunikationsform von Unternehmen zusätzlich gestärkt. Der internationale Städtewettbewerb, der Kampf um Image und Aufmerksamkeit, Lebensqualität, hochqualifizierte Arbeitskräfte und Touristen spielt eine gewichtige Rolle. Dies bestätigt der Schwerpunkt der Legislaturperiode 2010-14 der Stadt Zürich, welcher eine weitere Stärkung der Kreativ- und Kulturszene vorsieht und dabei vor allem auf ihre internationale Ausstrahlung setzt. Gleichzeitig sind damit umfassende Umwertungs- und Differenzierungsprozesse verbunden - exemplarisch dazu sei die Anfrage der global agierenden Rohstoffhandelsfirma Glencore erwähnt, die im Restaurant Ziegel Kulturzentrum Rote Fabrik einen Firmenevent durchführen wollte, der jedoch abgelehnt wurde. 1.1 Übergeordnete These: Eventisierung als Prozess der Differenzierung und ExklusionDer Eventbegriff steht exemplarisch für ein spezifisches Spannungsfeld zwischen theoretischer Begriffsbestimmung, ökonomischen Verwertungskontexten sowie populären Praxen und Wahrnehmungsmustern. Das vorliegende Forschungsprojekt untersucht die für dieses Spannungsfeld prägenden Interdependenzen. Gegenwärtige Eventkulturen und -praxen sind einerseits von Ökonomisierungsprozessen beeinflusst, andererseits sind sie durch eine Vielfalt an Praxis- und Erfahrungs-dimensionen gekennzeichnet. Beide Entwicklungen profitieren von der multifunktionalen Verwertbarkeit und der damit einhergehenden Unschärfe des Begriffs. Sie führen jedoch - so die übergeordnete Hauptthese des Projektes - zunehmend zu spezifischen Prozessen der Differenzierung und Exklusion auf vier verschiedenen Ebenen:a) Eventisierung als Prozess sozioökonomischer Differenzierungb) Eventisierung und Hierarchisierung von Räumen c) Eventkulturen und Strategien der Erlebnisproduktiond) Eventkulturen zwischen Rezeption und Teilhabe: Aushandlungsprozesse und ErlebnisdimensionenAusgehend von einer quantitativen Übersättigung werden anhand des Fallbeispiels der Stadt Zürich raumrelevante Dimensionen, Strategien verschiedener Produzenten sowie diskursive und subjektive Dimensionen aktueller Eventisierungsprozesse analysiert und darauf basierend künftige Potentiale und Bewilligungskriterien entwickelt.
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