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Amulettrollen als Schutzmittel der Eliten: Eine Untersuchung zu angewandter Magie im Bereich des Islams.

English title Amulet scrolls used as protective means by elites: A study on applied magic in the Muslim world.
Applicant Reinkowski Maurus
Number 150253
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Seminar für Nahoststudien Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Other languages and literature
Start/End 01.11.2013 - 31.12.2017
Approved amount 313'510.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Other languages and literature
Visual arts and Art history

Keywords (5)

scroll; amulet; Islam; manuscript; magic

Lay Summary (German)

Lead
Aus dem Bereich des Islams sind Schutzmittel in grosser Zahl bekannt. Neben Amuletten im weitesten Sinn zählen dazu auch Schmuckstücke; sie haben häufig apotropäische Funktion. Die bisherige Forschung hat sich oft mit einfachen Schutzmitteln befasst, deren Erwerb sich breite Kreise leisten konnten. Es lassen sich aber auch Schutzgegenstände nachweisen, bei deren Herstellung ein sehr hoher Aufwand betrieben wurde und die für die Eliten bestimmt waren. Dazu zählen Amulette in Rollenform.
Lay summary

Im Zentrum des Projekts stehen ungefähr 90 qualitativ hochwertige Amulettrollen auf Papier oder Pergament aus zumeist westlichen Institutionen. Sie sind zwischen dem 14. und 19. Jh. entstanden, wenige Zentimeter breit und bis zu 16 m lang. Die Rollen werden vorläufig nach regional-sprachli­chen Kriterien in drei Typen eingeteilt. Es wird zwischen einem arabischen, persischen und osma­nisch-türkischen Typ unterschieden. Drei wichtige Belegstücke dazu stammen aus Schweizer Insti­tutionen. Wissenschaftliche Arbeiten zu diesen Dokumenten von hoher Qualität fehlen.

Das vorliegende Projekt schliesst diese Forschungslücke. Es nimmt einerseits eine Bestandeserhe­bung vor, die mit einer kodikologischen, kunsthistorischen und inhaltlichen Beschreibung verbun­den ist. Die Studie wertet diese Ergebnisse anderseits in analytischen Kapiteln aus. Sie untersucht in einem ersten Schritt das auf den Dokumenten verwendete Schutzvokabular und setzt es mit Darstel­lungen aus der magischen Literatur in arabischer und persischer Sprache in Beziehung. Anschlies­send zeigt sie auf, dass sich die apotropäische Wirkung der Amulettrollen aus einer bewussten Kom­bination von Text- und Bildelementen ergibt (Multimedialität). Dabei wird auf in Untersuchungen zu visible religion und material religion entwickelte methodologische Ansätze zurückgegriffen. Die Ar­beit befasst sich drittens mit der Funktion dieser Rollen als Schutzmittel der Eliten und beleuchtet die Bedeutung magischer Auffassungen in islamisch geprägten Gesellschaften. Die entsprechenden Vorstellungen beschränken sich nicht auf untere soziale Schichten, wie bisherige Forschungsergeb­nisse allenfalls implizieren. Vielmehr beweist allein die Existenz dieser Rollen, dass sich auch Ange­hörige der Eliten damit schützten.

Direct link to Lay Summary Last update: 22.10.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Publications

Publication
„Devotion and Protection: Four Amuletic Scrolls from Safavid Persia“
Nünlist Tobias (2018), „Devotion and Protection: Four Amuletic Scrolls from Safavid Persia“, in Persian Art: Image-making in Eurasia, 600-1900., Edinburgh.
„Rollen der Andacht aus dem Umfeld von Derwischorden: Sieben Beispiele des 17. Jahrhunderts aus dem westlichen Osmanischen Reich“
Nünlist Tobias (2017), „Rollen der Andacht aus dem Umfeld von Derwischorden: Sieben Beispiele des 17. Jahrhunderts aus dem westlichen Osmanischen Reich“, in Beitrage zur Islamischen Kunst und Archaologie (BIKA), WiesbadenReichert, Wiesbaden.
„Entzauberte Amulettrollen: Hinweise zu einer typologischen Gliederung“
Nünlist Tobias, „Entzauberte Amulettrollen: Hinweise zu einer typologischen Gliederung“, in Magie im Islam, Leiden.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Prof. Dr. Renate Würsch, Orientalisches Seminar, Universität Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Dr. Ziva Vesel, chargée de recherche, UMR Monde Iranien Indien (UMR 7528), CNRS France (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Dr. Bogdan Burtea, Religionswissenschaftliches Seminar, Universität Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Julia Bray Great Britain and Northern Ireland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Sabanci Collection Turkey (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Andreas Kaplony, Institut für den Nahen und Mittleren Osten, Universität München Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Markus Ritter, Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien Austria (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. J. W. Frembgen Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. A. Fodor Hungary (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Dr. Edward Badeen, Orientalisches Seminar, Universität Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Dr. J. Thomann, Orientalisches Seminar, Universität Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Material Culture Methods in the Middle Islamic Periods Talk given at a conference Devotion and protection: The amuletic scroll Is 1624 (Chester Beatty Library, Dublin) 07.12.2017 Bonn, Germany Nünlist Tobias;
MUBIT-Kolloquium Individual talk Schutz und Andacht im Islam: Dokumente in Rollenform aus dem 14. Jh. (verbunden mit Hinweisen auf ausgewählte spätere Belegstücke) 05.04.2017 Basel, Switzerland Nünlist Tobias;
Antrittsvorlesung Individual talk Amulettrollen im Islam: Frömmigkeit, Glaubenskampf, Ästhetik 26.10.2015 Zürich, Switzerland Nünlist Tobias;
Picture-poems and the esoteric in sixth/twelfth-century Syria (Workshop) Talk given at a conference Workshop 23.07.2015 Oxford, Great Britain and Northern Ireland Nünlist Tobias;
The Visual World of Persianate Culture Talk given at a conference Three talismanic scrolls from the Safavid period (16th c.) 24.10.2014 Edinburgh, Great Britain and Northern Ireland Nünlist Tobias;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
198333 Schutz und Andacht im Islam. Dokumente in Rollenform aus dem 14.-19. Jahrhundert. 01.08.2020 Open Access Books

Abstract

Aus dem Bereich des Islams sind Schutzmittel in grosser Zahl bekannt, mit denen sich das Indivi­duum gegen allerhand Widrigkeiten vorsieht. Neben Amuletten im weitesten Sinn zählen dazu auch Schmuckstücke; sie haben häufig apotropäische Funktion. Die bisherige Forschung hat sich oft mit einfachen Schutzmitteln befasst, deren Erwerb sich breite Kreise leisten konnten. Es lassen sich aber auch Schutzgegenstände nachweisen, bei deren Herstellung ein sehr hoher Aufwand betrieben wur­de und die für die Eliten bestimmt waren.Im Zentrum des Projekts stehen ungefähr 90 qualitativ hochwertige Amulettrollen auf Papier oder Pergament aus zumeist westlichen Institutionen. Sie sind zwischen dem 14. und 19. Jh. entstanden, wenige Zentimeter breit und bis zu 16 m lang. Die Rollen werden vorläufig nach regional-sprachli­chen Kriterien in drei Typen eingeteilt. Es wird zwischen einem arabischen, persischen und osma­nisch-türkischen Typ unterschieden. Drei wichtige Belegstücke dazu stammen aus Schweizer Insti­tutionen. Wissenschaftliche Arbeiten zu diesen Dokumenten von hoher Qualität fehlen. Das vorliegende Projekt schliesst diese Forschungslücke. Es nimmt einerseits eine Bestandeserhe­bung vor, die mit einer kodikologischen, kunsthistorischen und inhaltlichen Beschreibung verbun­den ist (1). Die Studie wertet diese Ergebnisse anderseits in analytischen Kapiteln aus. Sie untersucht in einem ersten Schritt das auf den Dokumenten verwendete Schutzvokabular und setzt es mit Dar­stellungen aus der magischen Literatur in arabischer und persischer Sprache in Beziehung (2a). An­schliessend zeigt sie auf, dass sich die apotropäische Wirkung der Amulettrollen aus einer bewussten Kombination von Text- und Bildelementen ergibt (Multimedialität). Dabei wird auf in Untersuchun­gen zu visible religion und material religion entwickelte methodologische Ansätze zurückgegriffen (2b). Die Arbeit befasst sich drittens mit der Funktion dieser Rollen als Schutzmittel der Eliten und be­leuchtet die Bedeutung magischer Auffassungen in islamisch geprägten Gesellschaften. Die entspre­chenden Vorstellungen beschränken sich nicht auf untere soziale Schichten, wie bisherige For­schungsergebnisse allenfalls implizieren. Vielmehr beweist allein die Existenz dieser Rollen, dass sich auch Angehörige der Eliten damit schützten (2c). Trotz ihrer Fokussierung auf frühe Quellen lassen sich aus der Studie wichtige Erkenntnisse zur aktuellen Stellung der Magie im Bereich des Islams ableiten.
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