Project

Back to overview

Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater

English title Methods of rehearsing spoken language in contemporary German theatre
Applicant Strässle Thomas
Number 150201
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Transdisziplinarität Hochschule der Künste Bern Berner Fachhochschule
Institution of higher education Berne University of Applied Sciences - BFH
Main discipline Music, Theatre
Start/End 01.03.2014 - 30.11.2017
Approved amount 484'949.00
Show all

All Disciplines (2)

Discipline
Music, Theatre
German and English languages and literature

Keywords (7)

practices of speech; dramatic arts; acting training; participant observation; theatre; rehearsal; voice

Lay Summary (German)

Lead
Das Forschungsprojekt »Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater« untersucht anhand von Inszenierungsprozessen die Texterarbeitungsmethoden im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater und analysiert, wie veränderte Sprechweisen im Theater heute während verschiedener Probenphasen entstehen.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass sich der Umgang mit gesprochener Sprache auf der Bühne im zeitgenössischen Theater grundlegend verändert hat. Texte werden zum Beispiel chorisch, simultan oder monologisierend statt dialogisch gesprochen und sind nicht mehr unbedingt in die Repräsentation von Handlungen und schauspielerische Vorgänge eingebunden. Durch teilnehmende Beobachtung an insgesamt fünf mehrwöchigen Probenprozessen soll herausgefunden werden, wie der Erarbeitungs- und sprechkünstlerische Gestaltungsprozess eines Textes in der Zusammenarbeit von SchauspielerInnen und Regisseuren erfolgt. Ausgangshypothese ist, dass innerhalb dieser Probenprozesse nicht mehr traditionelle Texterarbeitungsmethoden bzw. figurenpsychologische Herangehensweisen im Vordergrund stehen, sondern Ansätze, die sich von diesen Kategorien, Methoden und Praktiken zu emanzipieren suchen. Ziel ist es, die theoretischen und praktischen Aspekte zeitgenössischer Textarbeit herauszupräparieren, um sie für die Lehre innerhalb der Schauspielausbildung nutzbar zu machen.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Das Forschungsprojekt orientiert sich an der aktuellen Theaterrealität und setzt die neuen Anforderungen, die an SchauspielerInnen im Umgang mit gesprochener Sprache auf der Bühne des zeitgenössischen deutschsprachigen Theaters gestellt werden, in Bezug zur Schauspielausbildung. Es leistet damit auch einen wesentlichen Beitrag zum neu sich konstituierenden Forschungsfeld der Probenforschung.  

Direct link to Lay Summary Last update: 13.01.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Der performative Umgang mit dem Text. Ansätze sprechkünstlerischer Probenarbeit im zeitgenössischen Theater
KieslerJulia (2019), Der performative Umgang mit dem Text. Ansätze sprechkünstlerischer Probenarbeit im zeitgenössischen Theater, Theater der Zeit, Berlin.
Praktiken des Sprechens im zeitgenössischen Theater
Kiesler Julia, Petermann Claudia (ed.) (2019), Praktiken des Sprechens im zeitgenössischen Theater, Theater der Zeit, Berlin.
Das Playback-Verfahren in der Arbeit der Regisseurin Susanne Kennedy
Rastetter Claudia (2017), Das Playback-Verfahren in der Arbeit der Regisseurin Susanne Kennedy, in Kati Hannken-Illjes Eva Maria Gauß Friederike Könitz Katja Franz Silke Marx (ed.), Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler, 49-61.
Jelinek sprechen - Textarbeit im Probenprozess zu Elfriede Jelineks "Wut" in der Regie von Nicolas Stemann
Rastetter Claudia (2017), Jelinek sprechen - Textarbeit im Probenprozess zu Elfriede Jelineks "Wut" in der Regie von Nicolas Stemann, in Sprechen Zeitschrift für Sprechwissenschaft, Sprechpädagogik, Sprechtherapie, Sprechkunst, Heft 64/2017, 68-81.
Methodische Aspekte einer musikalischen Arbeit am Text − Ein Probenbeispiel
Kiesler Julia (2017), Methodische Aspekte einer musikalischen Arbeit am Text − Ein Probenbeispiel, in Kati Hannken-Illjes Eva Maria Gauß Friederike Könitz Katja Franz Silke Marx (ed.), Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler, 62-73.
Работа с текстом в современном театре.
Kiesler Julia / Rastetter Claudia (2017), Работа с текстом в современном театре., in Васильев Юрий (ed.), Российский государственный институт сценических искусств, Чистый лист, St. Petersburg, 94-119.
„Jede Szene ist ein neues Glück.“ Verfahren der Texterarbeitung innerhalb des Probenprozesses „Faust“ (J.W. Goethe) in der Regie von Claudia Bauer am Konzerttheater Bern.
Kiesler Julia (2016), „Jede Szene ist ein neues Glück.“ Verfahren der Texterarbeitung innerhalb des Probenprozesses „Faust“ (J.W. Goethe) in der Regie von Claudia Bauer am Konzerttheater Bern., in Unger Angela (ed.), Promotionsstudiengang Internationale Graduiertenakademie d. Martin-Luther-Univ Halle-Wittenberg, Halle/Saale, 51-72.
Sprechkünstlerische Tendenzen im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater
Kiesler Julia (2014), Sprechkünstlerische Tendenzen im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater, in Bose Ines / Neuber Baldur (ed.), Peter Lang, Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 79-83.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur der Universität Hildesheim Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Seminar für Sprechwissenschaft und Phonetik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Forschungsmittwoch Individual talk Der performative Umgang mit dem Text 18.09.2019 Bern, Switzerland Kiesler Julia; Heberle Wolfram Bernhard; Rastetter Claudia;
Praktiken des Sprechens im zeitgenössischen Theater Talk given at a conference Zwischen Virtuosität und Persönlichkeit: Perspektiven für eine zeitgenössische Schauspielausbildung 29.11.2017 Hochschule der Künste Bern, Switzerland Rastetter Claudia; Kiesler Julia;
Forschungsapéro der Hochschule der Künste Bern Talk given at a conference Sprechkünste 08.03.2017 Bern, Switzerland Rastetter Claudia; Kiesler Julia;
4. Doktorandentag der Halleschen Sprechwissenschaft Talk given at a conference Textarbeit im postdramatischen Theater - Beobachtungen, Reflexionen, Perspektiven 18.11.2016 Halle (Saale), Germany Kiesler Julia;
Montagskolloquium an der Zürcher Hochschule der Künste Individual talk Textarbeit im zeitgenössischen Theater – fünf Einblicke in aktuelle Probenprozesse 02.05.2016 Zürich, Switzerland Kiesler Julia; Rastetter Claudia;
Gastvortrag am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck Individual talk Vortrag statt Einfühlung! - Performative Spiel- und Sprechweisen im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater 18.01.2016 Innsbruck, Austria Kiesler Julia;
Stimme - Medien - Sprechkunst: DGSS Tagung in Marburg Talk given at a conference Methoden der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater 01.10.2015 Marburg, Germany Rastetter Claudia; Kiesler Julia;
Forschungsmittwoch der Hochschule der Künste Bern Individual talk „Schluss mit dem Theater!?" - Aktuelle Methoden der Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater 11.03.2015 Bern, Switzerland Rastetter Claudia; Kiesler Julia;
International Platform for Performer Training Talk given at a conference Methods of rehearsing spoken language in contemporary German theatre 24.01.2015 Zürich, Switzerland Kiesler Julia; Rastetter Claudia; Heberle Wolfram;


Self-organised

Title Date Place
Forschungsworkshop "Praktiken des Sprechens im zeitgenössischen Theater" 29.11.2017 Hochschule der Künste Bern, Switzerland
Forschungsmittwoch der Hochschule der Künste Bern zum Thema "Musikalität und Musikalisierung: Dispositive und Strategien des Theaters" 04.11.2015 Bern, Switzerland
Methode der teilnehmenden Beobachtung im Theater - Workshop 17.03.2014 Bern, Switzerland

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
143874 Zwischen Konversation und Urlaut - Studien zum musikalisierten Sprechen im Composed Theatre des 21. Jahrhunderts mittels musikwissenschaftlicher und phonetischer Methoden 01.12.2012 Project funding (Div. I-III)
186598 Der performative Umgang mit dem Text. Sprechwissenschaftliche Untersuchung zu Ansätzen der sprechkünstlerischen Probenarbeit im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater 01.03.2019 Open Access Books

Abstract

Das Forschungsprojekt bewegt sich im Umfeld des postdramatischen Theaters und untersucht die Entstehung unterschiedlicher Sprechweisen innerhalb von Inszenierungsprozessen im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater. Die Anforderungen an Schauspielerinnen und Schauspieler sowohl im darstellerischen als auch im körperlichen und vor allem im stimmlich-sprecherischen Bereich haben sich in den vergangenen Jahren auf der Bühne stark verändert. Neue Darstellungsformen sowie neue Sprechweisen und Sprechästhetiken haben sich etabliert. Texte werden chorisch, simultan oder monologisierend statt dialogisch gestaltet und sind nicht mehr unbedingt in die Repräsentation von Handlungen und schauspielerische Vorgänge auf der Bühne eingebunden. Ausdrucksmöglichkeiten wie Körper, Raum, Licht, Bewegung, Bild, gesprochene Sprache und Stimme treten als gleichberechtigte Mittel neben den Text. Sowohl in Inszenierungen, denen ein postdramatischer Theatertext zugrunde liegt, welcher dramatische Kategorien wie Figur, Dialog, Handlung, Raum- und Zeitgestaltung auflöst und demnach einen veränderten Umgang der Schauspieler mit dem Text erfordert, als auch in Inszenierungen klassischer Dramen wird die Sprache und ihre Erscheinungsweise auf der Bühne als gesprochene Sprache, als Stimmklang, als Rhythmus, als Melodie vom Mittel zum Thema gemacht.Auf der Grundlage dieser Beobachtungen stellt das Projekt die Frage, wie die neuen Sprechweisen innerhalb von Probenprozessen entstehen bzw. entwickelt werden und welche Methoden und Praktiken dabei zum Einsatz kommen. Durch die teilnehmende Beobachtung an insgesamt fünf mehrwöchigen Probenprozessen soll herausgefunden werden, wie der Erarbeitungs- und sprechkünstlerische Gestaltungsprozess eines Textes im zeitgenössischen Theater in der Zusammenarbeit von SchauspielerInnen und Regisseuren erfolgt. Den Untersuchungsgegenstand bildet je eine Probenarbeit der Regisseure Laurent Chétouane, Volker Lösch, René Pollesch, Michael Thalheimer und Nicolas Stemann sowie der daran beteiligten Schauspielerinnen und Schauspieler. Es handelt sich dabei um Regisseure, die alle den Konflikt mit traditionellen, etablierten Theaterpraktiken suchen und mit neuen Darstellungs- und Sprechformen arbeiten. Ausgangshypothese ist, dass innerhalb dieser Probenprozesse nicht mehr traditionelle Texterarbeitungsmethoden wie z.B. das „Gestische Prinzip“ bzw. die figurenpsychologische Herangehensweise im Vordergrund stehen, sondern andere Ansätze zugrunde gelegt werden, die es zu untersuchen gilt. Der Fokus wird innerhalb der Untersuchung auf den sprechkünstlerischen Gestaltungsprozess gelegt, da insbesondere der Umgang mit sprecherischen und stimmlichen Gestaltungsmitteln bei den genannten Regisseuren auffällt, z.B. die chorische Sprechweise (Lösch), das schnelle, rhythmisierte, monologisierende Sprechen (Pollesch, Thalheimer) oder das verlangsamte, Wort für Wort deklamierende Sprechen (Chétouane). Es ist Ziel des Forschungsprojektes, methodische Ansätze der Textarbeit, wie sie heute im zeitgenössischen deutschsprachigen Theater eingesetzt werden, herauszuarbeiten, um sie in einem weiteren Schritt für die Lehre an Schauspielausbildungseinrichtungen - insbesondere an der Hochschule der Künste Bern, aber auch andernorts - nutzbar zu machen. Das geplante Forschungsprojekt kommt damit der Forderung nach, Ausbildungsinhalte im Hinblick auf die reale Theaterpraxis zu überprüfen und zu überdenken. Weder innerhalb der Theaterwissenschaft noch innerhalb der Sprechwissenschaft wurden in den vergangenen Jahren wissenschaftliche Untersuchungen zu den beobachteten sprechkünstlerischen Veränderungen im deutschsprachigen zeitgenössischen Theater durchgeführt, weshalb das hier beantragte Forschungsprojekt sowohl ein theoretisches als auch ein praktisches Desiderat darstellt.
-