Project

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Zurück vor die Orgelbewegung - Die Wiederentdeckung der romantischen Interpretationspraxis auf der Orgel durch einen Repertoirekatalog der frühesten Aufnahmen künstlerischen Orgelspiels durch die Firma Welte seit 1909

Applicant Glaus Daniel
Number 149926
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Transdisziplinarität Hochschule der Künste Bern Berner Fachhochschule
Institution of higher education Berne University of Applied Sciences - BFH
Main discipline Music, Theatre
Start/End 01.03.2014 - 31.12.2018
Approved amount 453'080.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Music, Theatre
Musicology

Keywords (5)

Interpretation Studies; Gigout, Eugène (1844-1925); Organ; Welte Philharmonie; Bossi, Marco Enrico (1861-1925)

Lay Summary (German)

Lead
Die Wiederentdeckung der romantischen Interpretationspraxis auf der Orgel anhand eines Repertoire- und Quellenkatalogs der Welte-Aufnahmen
Lay summary
Im Zuge der sogenannten Orgelbewegung wurde das romantische Orgelrepertoire ab ca. 1925 zugunsten barocker Meisterwerke zurückgestellt. Mit dem Umbau der Instrumente aus dem 19. Jahrhundert ging auch der zugehörige Interpretationsstil verloren, zumal es vor 1925 kaum möglich war, Tonaufnahmen in einer Kirchenakustik zu machen. Daher gehören die ab 1909 entstandenen Aufnahmen für die Welte-Philharmonie-Orgel zu den frühesten Aufzeichnungen künstlerischen Orgelspiels überhaupt. Nachdem die Glaubwürdigkeit dieser Aufzeichnungen im Vorgängerprojekt durch eine Untersuchung des Aufnahmeverfahrens geklärt werden konnte, wird nun ein wissenschaftlicher Katalog dieser historischen Interpretationsdokumente erstellt, der die Grundlage für künftige Forschungen bildet. Erste Auswertungen betreffen die frühen Orgel-Einspielungen von Eugène Gigout (1844–1925) und Marco Enrico Bossi (1861–1925).
Direct link to Lay Summary Last update: 03.02.2014

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Un instrument retrouvé. L'orgue Philharmonique de la Villa Kraft.
Cittadin Nicola (2019), Un instrument retrouvé. L'orgue Philharmonique de la Villa Kraft., in La Tribune del'Orgue. Revue trimestrielle Suisse Romande., Jg. 71(1 (März 20), 16-22.
Frühe Tondokumente von Schweizer Organisten.
Hennig Dominik (2017), Frühe Tondokumente von Schweizer Organisten., in Renggli Hanspeter (ed.), Müller & Schade, Bern, 92-99.
Klangraum Berner Münster.
Glaus Daniel (2017), Klangraum Berner Münster., in Renggli Hanspeter (ed.), Müller & Schade, Bern, 28-50.
PunktKlangKugel.
Glaus Daniel (2017), PunktKlangKugel., in Gartmann Thomas (ed.), Peter Lang, Bern, 75-82.
Interpretationsanalyse an Welte-‚Künstlerrollen’ – Ein quellenkritischer Versuch am Beispiel von Debussys Einspielungen
Köpp Kai, Interpretationsanalyse an Welte-‚Künstlerrollen’ – Ein quellenkritischer Versuch am Beispiel von Debussys Einspielungen, in Popovic Tihomir (ed.), Steiner Verlag, Stuttgart, 112-135.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Augustinermuseum Freiburg i. Br. Germany (Europe)
- Research Infrastructure
Museum für Musikautomaten Seewen SO Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Research Infrastructure
- Exchange of personnel
Max-Reger-Institut/Elsa-Reger-Stiftung Karlsruhe Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Deutsches Musikautomaten Museum Bruchsal Germany (Europe)
- Research Infrastructure

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Internationale Tagung der Deutschen Bibliothekarsvereinigung / Global Piano Roll Meeting Talk given at a conference Ansätze zur Standardisierung beim Katalogisieren von Rollentiteln 25.07.2018 Leipzig, Germany Schmitz Hans-W.;
Rund um Beethoven. Interpretationsforschung heute Talk given at a conference Von der Quelle zur Methode. Zur Verortung einer Historischen Interpretationsforschung zwischen historischer und systematischer Musikwissenschaft 13.09.2017 Bern, Switzerland Köpp Kai;
Int. Symposium über Notenrollen, Università di Pavia Talk given at a conference Probleme bei der Digitalisierung von Notenrollen 16.06.2017 Pavia, Italy Schmitz Hans-W.;
Nuovi studi sulla Musica Sacra. Nono incontro con i dottorandi del Pontificio Istitutio di Musica Sacra di Roma Talk given at a conference La presenza di Welte in Italia 12.11.2016 Rom, Italy Cittadin Nicola;
Marco Enrico Bossi. L'alto signore di suoni, Conservatorio di Mantova Talk given at a conference Marco Enrico Bossi interprete (audizioni organistiche) 16.10.2016 Mantua, Italy Cittadin Nicola;
Nuovi studi sulla Musica Sacra Talk given at a conference L'organo strumento fono fissante. Marco Enrico Bossi interpreta Bach e se stesso all'organo Welte di Seewen. 14.11.2015 Rom, Italy Cittadin Nicola;
Symposium zu Marco Enrico Bossi Talk given at a conference Marco Enrico Bossi interprete 03.10.2015 Como, Italy Cittadin Nicola;
Donnerstag-Vorträge zu Themen der Konservierung und Restaurierung Individual talk Notenrollen zur Steuerung von Automatenklavieren und -Orgeln 05.03.2015 Bern, Switzerland Rumsey David;
Symposium "Zwischen Retrospektive und Reform: Musik, Kunst und Kirche im frühen 20. Jahrhundert Talk given at a conference Orgelmusik des frühen 20. Jahrhunderts. Werke von Charles Tournemire und Ottorino Respighi.Musikalische Präsentation 25.02.2015 Zürich, Switzerland Cittadin Nicola;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Die Tür in eine andere Welt Berner Zeitung German-speaking Switzerland 2020
Talks/events/exhibitions Buchvernissage "Der Kunst ausgesetzt" mit Konzert, Berner Münster, 17.10.17 German-speaking Switzerland 2017
Other activities CD-Veröffentlichung: Die Welte-Philharmonie-Orgel im Museum für Musikautomaten Seewen CH, Vol. 12 International 2017
Talks/events/exhibitions Forschungs-Mittwoch: Zurück vor die Orgelbewegung. German-speaking Switzerland 2017

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
120383 Wie von Geisterhand: Digitalisierung und Analyse von Papierrollen für Reproduktionsklaviere und verwandte Instrumente 01.04.2008 DORE project funding
188956 Historisches Embodiment in der musikalischen Interpretationsforschung - Tonfilme, Aufführungsmaterial und Interfaces als Quellen zur Interpretationspraxis des 19. und frühen 20. Jahrhunderts 01.04.2020 Project funding (Div. I-III)
132335 "Recording the Soul of Music" - Interpretationsforschung an Welte-Musikrollen und neue Beiträge zur Klärung ihres Aufnahmeverfahrens 01.11.2010 DORE project funding
159278 Verkörperte Traditionen romantischer Musikpraxis - Instruktive Texte, Ton- und Filmdokumente im Interpretationsexperiment 01.08.2015 SNSF Professorships

Abstract

Im Zuge der sogenannten Orgelbewegung (Organ Revival Movement), die durch Schriften Albert Schweitzers von 1906 und 1909 ausgelöst wurde und international unterschiedlich ausgeprägt war, sind ab den 1920er-Jahren, vor allem aber zwischen ca. 1950 und 1980 zahlreiche Orgeln des 19. Jahrhunderts substanziell verändert worden, um sie einem neuen, „neo-barocken“ Konzept und Klangideal anzupassen. Diese Veränderungen gingen mit einer Verschiebung des Orgelrepertoires von zeitgenössischen und liturgischen Werken zu einem sich formierenden Kanon barocker Meisterwerke einher, in dem die Werke J. S. Bachs und D. Buxtehudes dominierend waren. In der jüngsten Vergangenheit sind viele dieser nach 1920 veränderten Orgeln in den Zustand ihrer Entstehungszeit zurückversetzt worden, so dass zahlreiche „romantische“ Orgeln wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt zur Verfügung stehen. Parallel zu dieser Entwicklung wird auch das historische Repertoire für diese Instrumente neu erschlossen, und spätestens hier zeigt sich, dass dies nicht möglich ist, ohne die zugehörige Aufführungs- und Interpretationspraxis mit zu berücksichtigen. Zu den frühesten Aufzeichnungen des künstlerischen Orgelspiels überhaupt gehören die ab 1909/1910 entstandenen Aufnahmen für die Welte-Philharmonie-Orgel, die im Zentrum des geplanten Forschungsprojektes stehen. Ähnlich wie die seit 1905 entstandenen Klavieraufzeichnungen nach dem System Welte-Mignon wurde das Orgelspiel mittels eines elektro-pneumatischen Aufnahmeapparates von Tintenrädchen auf vorlinierte Papierrollen aufgezeichnet. Wesentlich dabei ist, dass alle Elemente der Interpretation tatsächlich simultan erfasst wurden. Die auf der Papierrolle aufgezeichneten Impulse mit Informationen über Höhe, Dauer, Registrierung und Dynamik jedes Tons erhielten danach eine Perforation, um sie für die Wiedergabe über ein Vakuum-Abtastrohr auf digitale Art lesbar zu machen. Da die Glaubwürdigkeit dieser Aufzeichnungen aber bislang vor allem wegen des von der Firma Welte geheim gehaltenen Aufnahmeverfahrens umstritten war, sind diese Dokumente in der Interpretationsforschung bislang unberücksichtigt geblieben. Erst durch das aktuelle SNF-DORE-Forschungsprojekt „Recording the Soul of Music“ (132335) der Hochschule der Künste Bern konnten entscheidende Beiträge dazu geleistet werden, diese frühen Interpretationsdokumente einer wissenschaftlichen Auswertung zugänglich zu machen. Im Museum für Musikautomaten Seewen SO wurden bislang 1’094 Rollen aus dem Firmenarchiv Welte entdeckt, die noch die Tintenspuren des Aufnahmeapparates zeigen und mehrere Schichten von Editionsvermerken aufweisen - zwölf weitere derartige Rollen im Max-Reger-Forschungsinstitut Karlsruhe waren ursprünglich Teil der jetzt in Seewen befindlichen Sammlung. Ziel des hier vorgestellten Projektes ist es, diesen für die kritische Quellenforschung einmalig wichtigen Bestand in Form eines wissenschaftlichen Katalogs für die künftige Forschung aufzubereiten.Da dieser Bestand die Orgelinterpretationen berühmter italienischer, französischer, deutscher, britischer, amerikanischer und schweizerischer Künstler enthält, dient er als Ausgangspunkt für die detaillierte Erforschung romantischer Orgelpraxis in unterschiedlichen Repertoires und Schultraditionen. Schon ein erster Überblick zeigt, dass hier eine für die Zeit vor dem grossen Stilwechsel der Orgelbewegung repräsentative Praxis dokumentiert ist. Der Unterschied zum heutigen Orgelklang und zur heutigen Spielpraxis ist so signifikant, dass schon parallel zur Erstellung des wissenschaftlichen Katalogs geeignete Methoden zur Auswertung dieser Quellen entwickelt werden sollen. Dies geschieht anhand von zwei Dissertationen, die sich jeweils mit den Interpretationsdokumenten eines berühmten schulbildenden Künstlers beschäftigen und diese historisch und stilistisch kontextualisieren: Es handelt sich um den französischen Organisten und Komponisten Eugène Gigout (1844-1925) sowie den italienischen Organisten und Komponisten Marco Enrico Bossi (1861-1925), von denen jeweils keine akustischen Tondokumente existieren.
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