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Der spätgotische Hochaltar der Pfarrkirche von Münster im Wallis. Eine interdisziplinäre Deutung im Hinblick auf eine theologische Neubestimmung der Begegnung mit sakraler Kunst

English title The Late Gothic High Altar of the Parish Church in Münster VS. An interdisciplinary explanation with regard to a new theological approach to the encounter with religious art
Applicant Hallensleben Barbara
Number 149503
Funding scheme Project funding
Research institution Département des sciences de la Foi et des religions Faculté de théologie
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline Religious studies, Theology
Start/End 01.11.2013 - 30.04.2016
Approved amount 142'063.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Religious studies, Theology
Visual arts and Art history

Keywords (8)

Spätgotik; Mariologie; Hochaltar von Münster VS; Theologische Wahrnehmungslehre; Kardinal Matthäus Schiner; Liturgische Räume; Sakrallandschaft im Goms; Sakrale Kunst

Lay Summary (German)

Lead
Der spätgotische Hochaltar in der Pfarrkirche von Münster VS, der um 1509 von der Werkstatt des Luzerner Bildschnitzers Jörg Keller angefertigt wurde, geniesst für die Region Obergoms, für den Kanton Wallis sowie für die ganze Schweiz eine herausragende Bedeutung. Der Hochaltar, die vier Seitenaltäre sowie der gesamte Kirchbau von Münster wurden 2011-2012 unter strenger Aufsicht nationaler sowie kantonaler Experten der Denkmalpflege und Kunstgeschichte aufwendig restauriert.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Das Dissertationsprojekt setzt sich zum Ziel, den Hochaltar von Münster interdisziplinär zu erschließen. Neben stilistischen, lokal- und kunsthistorischen Aspekten werden auch kulturbezogene, ikonographische und theologische Fragestellungen mit einbezogen. Der Gesamtkontext, in dem das Werk geschaffen wurde, sein Stellenwert für die religiöse Praxis und Kultur seiner Entstehungszeit sowie seine heutige Bedeutung für die Bevölkerung des Goms und für die Besucher dieses herausragenden Kunstwerkes wurden bislang in der Forschung nicht hinreichend berücksichtigt.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Die integrative und kontextbezogene Zugangsweise zum Altar von Münster bietet eine Perspektive, auch andere Werke der sakralen Kunst methodisch analog zu erschliessen. Daher wird einleitend eine theoretische Grundlegung erarbeitet, die kritisch an bestehende ästhetische Theorien anknüpft und den spezifischen Beitrag einer theologischen Ästhetik aufweist. Dabei tritt die mariologische Mitte des Hochaltars in eine Wechselwirkung mit einer ästhetischen Gestalttheorie.

Direct link to Lay Summary Last update: 27.09.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Publications

Publication
Weniger ist manchmal mehr – Die schlichten Kirchenfenster im Obergoms
Sarah Gigandet (2014), Weniger ist manchmal mehr – Die schlichten Kirchenfenster im Obergoms, in Association Edelweiss (ed.), Infolio, Gollion, 136-139.
Die Treppe als verbindendes Motiv von Transzendenz und Immanenz: Die Darstellung des Tempelgangs Mariens auf dem rechten Werktagsflügel des Hochaltars in der Pfarrkirche von Münster
Sarah Gigandet, Die Treppe als verbindendes Motiv von Transzendenz und Immanenz: Die Darstellung des Tempelgangs Mariens auf dem rechten Werktagsflügel des Hochaltars in der Pfarrkirche von Münster, Infolio, Gollion.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Forschungsinstitut zur Geschichte des Alpenraums, Brig Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Denkmalpflege Oberwallis Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
Restaurationsteam der Pfarrkirche von Münster Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure

Abstract

Der spätgotische Hochaltar in der Pfarrkirche von Münster VS, der um 1509 von der Werkstatt des Luzerner Bildschnitzers Jörg Keller angefertigt wurde, geniesst eine herausragende Bedeutung für die Region Obergoms, für den Kanton Wallis sowie für die ganze Schweiz. Nicht zuletzt wegen seiner nationalen Bedeutung wurden der Hochaltar, die vier Seitenaltäre sowie der gesamte Kirchbau von Münster 2011-2012 unter strenger Aufsicht nationaler sowie kantonaler Experten der Denkmalpflege und Kunstgeschichte sehr aufwendig restauriert. Das hier vorgelegte Projekt setzt sich zum Ziel, den Altar dem Betrachter von heute mit einem interdisziplinären Ansatz zu erschliessen. Dabei werden die neuesten Forschungsresultate und -erkenntnisse mit einbezogen, die im Laufe der Restauration ans Licht kamen und noch nicht publiziert sind. Die interdisziplinäre Methodik bietet sich an, weil die bisherigen Publikationen zum Hochaltar von Münster weitgehend auf isolierte, meist rein historische, technologische sowie stilistische Fragestellungen fokussiert sind. Der Gesamtkontext, in dem das Werk geschaffen wurde, sein Stellenwert für die religiöse Praxis und Kultur seiner Entstehungszeit sowie seine heutige Bedeutung für die Bevölkerung des Goms und für die Besucher dieses Kunstwerkes wurden bislang nicht hinreichend berücksichtigt. Eine Erschliessung des Hochaltars von Münster unter Berücksichtigung kultureller, kunsthistorischer und theologischer Fragestellungen ist daher innovativ und in mehrerlei Hinsicht sowohl kantonal als auch national von grosser Bedeutung:1) Der spätgotische Hochaltar, der weitgehend von der Hand des Luzerner Meisters Jörg Keller geschaffen wurde, stellt das einzige seiner Werke dar, das durch eine Signatur und Datierung eindeutig seiner Werkstatt zugeschrieben werden kann. Insgesamt sind in der Schweiz nur sehr wenige spätgotische Altäre erhalten, geschweige denn von so hoher Qualität: Obwohl der Hochaltar von Münster von seiner künstlerischen Umsetzung her durchaus vergleichbar ist mit Werken bedeutender zeitgenössischer Bildschnitzer wie Tilman Riemenschneider, Niklaus Weckmann, Jakob Russ und anderen, ist seine Bedeutung in der kunsthistorischen sowie religionsgeschichtlichen Forschung noch nicht gebührend und umfassend gewürdigt worden.2) Der gesamte Kirchbau von Münster, dessen Prunkstück und Zentrum der spätgotische Hochaltar darstellt, ist kultur- und religionsgeschichtlich sehr aussagekräftig. Bis Ende des 17. Jahrhunderts bildete Münster das Zentrum der Grosspfarrei Obergoms. Erst allmählich lösten sich die Filialen von der Mutterkirche Münster ab, zum Teil unter heftigem Widerstand der Grosspfarrei. Die Dörfer besiegelten ihre frisch gewonnene Autonomie durch zahlreiche Kirch- und Kapellenbauten. Diese vorwiegend barocken Sakralbauten prägen durch ihre Vielzahl und künstlerische Qualität die Gommer Landschaft und die religiöse Identität der Bevölkerung. Die Kirchbauten und Kapellen der heutigen Nachbarpfarreien von Münster stellen in ihrem Bildprogramm zum Teil implizit eine Antwort auf die Pfarrkirche von Münster dar. Diese gilt es zu erschliessen.3) Eine in die religiöse Praxis eingebettete „Begegnung“ mit dem Hochaltar von Münster gehört nicht allein der Vergangenheit an. In Münster kann der Altar bis heute an dem Standort angetroffen werden, für den er ursprünglich geschaffen wurde. Bis heute versammeln sich regelmässig Gläubige in der Pfarrkirche von Münster und feiern im Angesicht dieses Kunstwerkes die Liturgie. Zudem wird die Kirche jährlich von zahlreichen Touristen besucht, die sowohl von der reizvollen Natur als auch von der beeindruckenden Sakrallandschaft im Goms angezogen werden. Regional wie auch überregional besteht derzeit grosses Interesse, den Altar von Münster in seinem Kirchenraum sowie die Geschwisterbauten im gesamten Goms den Betrachtern möglichst lebendig erfahrbar und zugänglich zu machen. So wurden in den letzten zwei Jahren grosse Summen in die Restauration der Pfarrkirche von Münster investiert. Das vorgeschlagene Projekt bietet die Möglichkeit, den Hochaltar von Münster, den Kirchbau sowie die Sakrallandschaft Goms aus einer übergreifenden Perspektive exemplarisch neu zu erschliessen. 4) Auch auf theologischer und zugleich auf wissenschaftstheoretischer Ebene verspricht die Auseinandersetzung mit diesem Kunstwerk einen fruchtbaren Ertrag. Die Frage der angemessenen Erschliessung sakraler Kunst beschäftigt nicht nur die Verantwortlichen des Tourismus und weist über den Altar von Münster hinaus. Der übliche Griff zu einem Kunstführer, der meist vorwiegend auf kunsthistorische Interessen antwortet, kann unter Umständen die persönliche Begegnung mit sakraler Kunst mehr überlagern als anregen. Die Antwort auf die Frage nach einer alternativen ganzheitlichen Kunsterschliessung wird in dem Projekt in kritischer Auseinandersetzung mit philosophischen und theologischen Ästhetiktheorien gesucht. Die angestrebte theologische Neubestimmung der Begegnung mit sakraler Kunst wendet nicht nur vorgegebene ästhetische Kategorien auf sakrale Kunstwerke an, sondern überdenkt die Wechselwirkung zwischen dem Kunstwerk, seiner räumlichen Einbettung und dem Betrachter. Die personale Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus kann selbst als ‚Kunstwerk‘ gedeutet werden. Die theologische Ästhetik antwortet auf ihre Weise auf die Grundfragen jeder ästhetischen Theorie: In welcher Gestalt zeigt sich das Unsichtbare im Sichtbaren, das Unendliche im Endlichen, die Bedeutung in der Gestalt - und welche anthropologischen und transzendentalen Faktoren zeichnen die Dramatik der Begegnung aus?Die Erschliessung des Hochaltars von Münster auf dem Hintergrund der Kunst- und Kulturgeschichte sowie in theologischer Perspektive bedarf der interdisziplinären Fachkompetenz. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin Sarah Imsand entspricht diesem Anliegen durch ihr bisheriges Studium: Sie hat ihren Master in Theologie sowie in Kunstgeschichte erfolgreich abgeschlossen (2012). In ihrem Nebenfach Kunstgeschichte legte sie ihren Studienschwerpunkt auf die gotische und barocke Kunst sowie Architektur. Neben ihren Forschungsarbeiten im Rahmen des Studiums engagiert sich die vorgesehene wissenschaftliche Mitarbeiterin seit mehreren Jahren für das kulturelle Leben im Oberwallis. Als gebürtige Münstigerin ist sie bestens mit der lokalen Kultur, der Bevölkerung, der Geschichte des Wallis sowie den dortigen Kunstschätzen vertraut. In jüngster Zeit hat sie sich mit besonderem Engagement mit der Restauration der Pfarrkirche von Münster und deren fünf Altären befasst und konnte ihre kunsthistorischen sowie theologischen Fähigkeiten erfolgreich in das Projekt einbringen. Die überregionale Bedeutung des Altars sowie die neuen Forschungsergebnisse sprechen zudem für eine möglichst baldige Publikation. Die Antragstellerin beschäftigt sich in ihrem Forschungsschwerpunkt „Orthodoxe Theologie“ seit längerer Zeit mit der theologischen Bedeutung der Ikonographie. Von kunsthistorischer Seite wird das Projekt durch den Mitantragsteller Prof. Michele Bacci begleitet. Neben seiner reichen Forschungs- und Lehrerfahrung (Herr Bacci dozierte bereits an den Universitäten von Siena, Tokyo, Jerusalem und aktuell als ordentlicher Professor für Mittelalterliche Kunstgeschichte in Fribourg) bereichert der Mitantragsteller Prof. Dr. Michele Bacci das Projekt durch seine Fachkompetenz im Bereich mittelalterlicher Kultbilder, -objekte und -orte sowie seine besondere Aufmerksamkeit für bildlich-räumliche Manifestationen des Gefühls des Heiligen aus religionsgeschichtlicher und historischer Sicht.
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