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Naturalistische oder transzendentale Einbettung des Subjekts?

English title Natural or Transcendental Embeddedness of Subjects?
Applicant Toscano Marco
Number 148977
Funding scheme Doc.CH (until 2020)
Research institution Philosophisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.10.2013 - 31.07.2016
Approved amount 167'608.00
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Keywords (13)

constitution; transcendental constitution; social constitution; self-consciousness; naturalization; socialization; non-reductive naturalism; Rorty; Brandom; McDowell; practical knowledge; non-observational knowledge; practical sortals

Lay Summary (German)

Lead
Naturalistische oder transzendentale Einbettung des Subjekts? - Rorty, Brandom und McDowell zur Kantischen SubjektivitätstheorieConstitution naturalistique ou transcendentale du sujet? - Rorty, Brandom et McDowell sur la théorie de la subjectivité KantienneNaturalistic or transcendental Constitution of Subjects? - Rorty, Brandom and McDowell on the Kantian Theory of Subjectivity
Lay summary

Kann das Vermögen, sich vermittelst Begriffen auf die Welt erkennend und handelnd zu beziehen, von empirischer Wissenschaft hinreichend erklärt werden? Würde damit nicht ein rationales Verhältnis auf ein kausales reduziert? Richard Rorty, Robert Brandom und John McDowell behaupten, dass die normativen Fähigkeiten von Subjekten als Teil der Natur vorgestellt werden können, ohne sie auf blinde Kausalität zu reduzieren. In unterschiedlicher Art und Weise bringen sie Modelle der sozialen Einbettung rationaler Akteure ins Spiel, um Subjekt und Welt miteinander zu vermitteln. Fraglich bleibt, was dabei mit dem Aspekt des Selbstbewusstseins systematisch geschieht.

Unser alltäglicher sozialer Umgang miteinander folgt der Intuition, dass unsere Überzeugungen und Handlungen spontan auf die Welt bezogen sind, d. h. dass sie unserer Willkür unterliegen und nicht ‚von aussen‘ aufgezwungen sind. Die These der sozialen Konstitution von Subjektivität besagt, dass diese Spontaneität Resultat unserer sozialen Einbettung ist. Rationale Fähigkeiten sind soziale Eigenschaften. Das Projekt will diesen Vorschlag an den Modellen Rortys, Brandoms und McDowells prüfen, indem es sie auf die Kantische Theorie der transzendentalen Einbettung des Subjekts als Standardmodell einer Konstitutionstheorie bezieht. Die Arbeit wird (i) ein systematisches Interpretationsangebot der Autoren erarbeiten, (ii) den Begriff eines nicht-reduktionistischen Naturalismus einführen und (iii) die Frage nach der Rolle des Selbstbewusstseins in wissenschaftlichen Beschreibungen des Sozialen aufwerfen.

Das Projekt leistet einen philosophischen Beitrag zur Klärung des Verhältnisses von Subjektivität und Naturalismus. Die Ergebnisse sind von Relevanz für die methodische Stellung und Tragweite von Erklärungen und Gesetzesaussagen in den Sozial- und Geisteswissenschaften, die auf menschliche Gesellschaften und die selbstbewussten Akteure, aus denen die Gesellschaft besteht, abzielen.

Direct link to Lay Summary Last update: 11.09.2016

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Abstract

Das vorliegende, auf drei Jahre angelegte Projekt strebt einen Vergleich an zwischen neueren, naturalistischen Theorien der Subjektivität aus dem angloamerikanischen Raum einerseits und dem klassisch gewordenen Modell transzendentaler Subjektivität von Kant andererseits. Den systematischen Brennpunkt stellt dabei die Frage dar, wie sich unser streng erfahrungswissenschaftliches Verständnis der Welt mit der Annahme eines selbstbewussten Erkenntnis- und Handlungssubjekts vereinen lässt: Gibt es einen Weg, das philosophische Konzept des Selbstbewusstseins, das die (Selbst-)Zuschreibbarkeit von Überzeugungen und Handlungen für Subjekte konstituiert, in einer theoretischen Sprache zu beschreiben, die sich ausschliesslich auf empirische Entitäten bezieht? Als Exponenten des epistemologischen Naturalismus fungieren Richard Rorty, Robert Brandom und John McDowell, insofern sie eine nicht-apriorische Beschreibung von Erkenntnis und Wissen versuchen. Gleichzeitig wollen ihre Versionen des Naturalismus die sonst problematische Reduktion der rationalen Fähigkeiten des Subjekts auf dessen kausale Einbettung ins Empirische vermeiden, indem sie den Weltbezug des Subjekts als soziale Einbettung in die Sprache beschreiben. Die systematische Rolle des Sozialen wird aber nur ungenügend ausgearbeitet. Meine Untersuchung wird der Hypothese folgen, dass die nicht-reduktive Naturalisierung des Selbstbewusstseins als dessen Soziologisierung bei Rorty, Brandom und McDowell die starke These eines sozialen Konstitutionsverhältnisses impliziert. Eine solche These besagt, dass Objektivität als soziales Verhältnis beschrieben werden kann. Die Dissertation wird dafür argumentieren, dass der nicht-reduktive Naturalismus damit in Konkurrenz tritt zur transzendentallogischen Einbettung des Subjekts in die erfahrbare Welt wie sie Kants Theorie transzendentaler Subjektivität formuliert. Über den Bezug auf Kant können die argumentativen Bürden, die sich Rorty, Brandom und McDowell aufladen, ausgewiesen und die an ihnen rekonstruierten Idealtypen der Soziologisierung auf ihr Erklärungspotential hin geprüft werden. Damit will die Arbeit helfen, die in der Forschung schwierige und unübersichtliche Beziehung von Transzendentalismus und Naturalismus zu klären, und herausarbeiten, inwiefern die transzendentale Natur des Subjekts als soziale Natur rekonstruiert werden kann. Auf dieser Grundlage lassen sich Überlegungen dazu anstellen, inwiefern die Form des Selbstbewusstseins als soziale Struktur analysiert werden könnte oder soziale Phänomene als Ausdruck von Selbstbewusstsein zu verstehen wären. Die soziale Rekonstruktion des apriorischen Selbstverhältnisses des Selbstbewusstseins müsste zur Folge haben, dass die Eigenschaften der objektiven Kritisierbarkeit und der rationalen Veränderbarkeit als konstitutive Funktionen der Natur des Sozialen zu gelten hätten.
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