Project

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Der betriebsame Mensch. Eine Geschichte produktiver Selbste, ca. 1890-1990

English title The Industrious Subject. A History of Productive Selves, ca. 1890-1990
Applicant Bänziger Peter-Paul
Number 148001
Funding scheme Ambizione
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.01.2014 - 31.12.2015
Approved amount 353'841.00
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Keywords (8)

self; work; everyday life; modernity; middle classes; consumerism; gender; ego documents

Lay Summary (German)

Lead
Die Industriegesellschaften des 20. Jahrhunderts brachten spezifische Verhältnisse zu sich selbst und dem eigenen Körper mit sich. Leistung, Aufstiegsmöglichkeiten, Konsum und Freizeit wurden wichtiger, ältere Konzepte des Gleichgewichts von Arbeit und Erholung verloren an Bedeutung.
Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Wie kann das Selbst der Moderne beschrieben werden? Zur Beantwortung dieser Frage gehe ich von der Beobachtung aus, dass die spezifische Subjektkultur dieser Zeit weder mit den Begriffen der Verbürgerlichung oder Bürgerlichkeit noch mit dem Konzept der Arbeitsgesellschaft in befriedigender Weise untersucht werden kann. Die bürgertumsgeschichtlichen Forschungen der 1980er und 1990er Jahre führten zu zahlreichen Erkenntnissen über das 18. und 19. Jahrhundert; ihre Thesen zur Zeit um 1900 hingegen blieben eigentümlich blass. Und während die arbeitsgeschichtliche Forschung der vergangenen Jahrzehnte die Rolle der Arbeit breit diskutierte, wurde die Bedeutung der parallel dazu aufkommenden konsumgesellschaftlichen Phänomene bisher zu wenig zur Kenntnis genommen bzw. oftmals als nachgeordnetes Phänomen betrachtet. Vor diesem Hintergrund geht das Projekt von zwei Thesen aus: Erstens sollte die Moderne mit Blick auf die jüngere Konsumgeschichtsschreibung explizit als Epoche der Konsum- und Arbeitsgesellschaft betrachtet werden; zweitens lässt sich das moderne Selbst als »betriebsames« genauer fassen. Das Forschungsprojekt untersucht die Geschichte dieses betriebsamen Menschen anhand eines aus zwei Teilen bestehenden Quellenkorpus aus Egodokumenten und illustrierten Zeitschriften aus dem Zeitraum zwischen den 1860er und 1930er Jahren. Methodisch orientiert es sich an einer medientheoretisch und wissensgeschichtlich informierten Diskursanalyse.

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Vor dem Hintergrund aktueller Forschungen zur einer Geschichte des Selbst leistet das Projekt einen Beitrag zur Sozial- und Kulturgeschichte der Konsum- und Arbeitsgesellschaften der Moderne.

Direct link to Lay Summary Last update: 30.01.2016

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Histories of Productivity. Genealogical Perspectives on the Body and Modern Economy
Bänziger Peter-Paul (ed.) (2017), Histories of Productivity. Genealogical Perspectives on the Body and Modern Economy, Routledge, New York.
What makes people work. Establishing emotional attachments to the workplace in post-WWII Western Germany
Bänziger Peter-Paul (2016), What makes people work. Establishing emotional attachments to the workplace in post-WWII Western Germany, in Schmidt Anne (ed.), Mohr Siebeck, Tübingen, 41-57.
Jenseits der Bürgerlichkeit. Tagebuch schreiben in den Konsum- und Arbeitsgesellschaften des 20. Jahrhunderts
Bänziger Peter-Paul (2015), Jenseits der Bürgerlichkeit. Tagebuch schreiben in den Konsum- und Arbeitsgesellschaften des 20. Jahrhunderts, in Steuwer Janosch (ed.), Wallstein, Göttingen, 186-206.
Von der Arbeits- zur Konsumgesellschaft? Kritik eines Leitmotivs der deutschsprachigen Zeitgeschichtsschreibung
Bänziger Peter-Paul (2015), Von der Arbeits- zur Konsumgesellschaft? Kritik eines Leitmotivs der deutschsprachigen Zeitgeschichtsschreibung, in Zeithistorische Forschungen, 12(1), 11-38.
Materialism is a very comfortable thing, one can't say yes or no at once. Arbeit und Konsum als Leitvorstellungen in Tagebüchern um 1930 und 1960
Bänziger Peter-Paul, Materialism is a very comfortable thing, one can't say yes or no at once. Arbeit und Konsum als Leitvorstellungen in Tagebüchern um 1930 und 1960, in Dietz Bernhard (ed.), De Gruyter Oldenbourg, Berlin, n.a.-n.a..

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
ETH Zürich, SNF-Projekt "Vom 'Human Motor' zum 'Human Capital'" (Dr. Brigitta Bernet) Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
Universität Köln, Forschungsprojekt "Die Entdeckung der eigenen Leistung" (Dr. Nina Verheyen) Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Research Infrastructure
Universität Basel, SNF-Projekt "Differenzierungsarbeit" (Prof. Dr. Caroline Arni) Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
ZZF Potsdam, Abteilung III "Der Wandel des Politischen" ( PD Dr. Maren Möhring) Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Universität Wien, ERC Starting Grant-Projekt "The Production of Work" (Dr. Sigrid Wadauer) Austria (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Universität Tübingen, Neuere Geschichte (Dr. Jörg Neuheiser) Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin, Forschungsbereich Geschichte der Gefühle Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Ein ungleiches Paar – Arbeit und Freizeit in den Industriegesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts Talk given at a conference Das Aufkommen der Konsum- und Arbeitsgesellschaft in deutschsprachigen Tagebüchern 21.01.2016 Wien, Austria Bänziger Peter-Paul;
Wertewandel in Wirtschaft und Arbeitswelt? Arbeit, Leistung und Führung in den 1970er und 1980er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland Talk given at a conference Materialism is a very comfortable thing, one can't say yes or no at once. Auf der Suche nach dem »Wertewandel« in Tagebüchern der »langen« Mitte des 20. Jahrhunderts 26.03.2015 Mainz, Germany Bänziger Peter-Paul;
Methoden-Workshop "Urbanisierungsprozesse in historischer Perspektive" Individual talk Periodisierungen in der Zeitgeschichte und Kommentar zu Dissertationsprojekten im Bereich der vergleichenden Stadtforschung 20.02.2015 Zürich, Switzerland Bänziger Peter-Paul;
Basler Geschlechtergeschichte-Kolloquium Talk given at a conference Auf dem Weg zur Konsum- und Arbeitsgesellschaft. (Geschlechter-)Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts jenseits des konsumistischen Narrativs 12.12.2014 Basel, Switzerland Bänziger Peter-Paul;
Selbstreflexionen und Weltdeutungen. Tagebucher in der Geschichte und der Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts Talk given at a conference Jenseits der Bürgerlichkeit. Tagebuch schreiben im Fordismus 10.07.2014 Bochum, Germany Bänziger Peter-Paul;
Produktive Körper. Aktuelle Forschungen zur Körpergeschichte des Ökonomischen Talk given at a conference Produktive Körper und die materielle Geschichte des Ökonomischen – eine einführende Skizze 05.06.2014 Basel, Switzerland Bänziger Peter-Paul;
Workshop "Geschichte der Arbeit" Talk given at a conference Die "Arbeitsgesellschaft" kontextualisieren 22.05.2014 Augsburg, Germany Bänziger Peter-Paul;
European Social Science History Conference ESSHC Talk given at a conference A consumerist knowledge society? Work (ethic), bodies, and consumption, since the 1950s 24.04.2014 Wien, Austria Bänziger Peter-Paul;


Self-organised

Title Date Place

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
154120 Produktive Körper. Aktuelle Forschungen zur Körpergeschichte des Ökonomischen 01.06.2014 Scientific Conferences
191597 Die Moderne als Erlebnis. Eine Geschichte der Konsum- und Arbeitsgesellschaft, ca. 1840-1940 01.11.2019 Open Access Books
139650 Der betriebsame Mensch. Eine Geschichte produktiver Körper in den deutschsprachigen Industrie- und Konsumgesellschaften, ca. 1920-1970 01.06.2012 Fellowships for advanced researchers

Abstract

Der betriebsame Mensch. Eine Geschichte des modernen Selbst, ca. 1860-1940.L'homme industrieux. Une histoire du soi moderne, env. 1860-1940.The Busy Subject. A History of the Modern Self, c. 1860-1940.Welche spezifischen Figurationen des Selbst lassen sich in den Jahrzehnten um 1900 erkennen? In welchem Verhältnis standen sie zu älteren »Subjektkulturen«, insbesondere zum bürgerlichen Selbst des 18. und 19. Jahrhunderts? In welchen Kontexten tauchten sie auf und wann verschwanden sie allenfalls wieder? Das sind die zentralen Fragen, denen das Projekt nachgeht.Dabei geht es von zwei Thesen aus: Erstens sollte die Moderne explizit als Epoche der Konsum- und Arbeitsgesellschaft betrachtet werden. Das Konzept der Konsum- und Arbeitsgesellschaft erlaubt es, nach den grundlegenden Veränderungen zu fragen, die das "lange" 20. Jahrhundert von der (bürgerlich geprägten) Industrialisierungszeit unterscheiden: Je spezifische Arrangements von konsum- und arbeitsgesellschaftlichen Identitätsangeboten sind bis heute grundlegend für die Selbstverhältnisse breiter Bevölkerungsschichten geblieben. Zweitens lässt sich das moderne Selbst als "betriebsames genauer fassen: Bereits im 18. Jahrhundert hatte "Betrieb" gleichermassen für kaufmännische oder gewerbliche Unternehmungen wie für lebhaftes Treiben gestanden. AutorInnen des frühen 20. Jahrhunderts wie Siegfried Kracauer und Martin Kesse verwendeten den Begriff "Betriebsamkeit" dann zur Beschreibung des modernen Alltags insgesamt: In ihren und vielen anderen zeitgenössischen Texten erscheint der betriebsame Mensch als gleichermassen konsum- und arbeitsgesellschaftlicher. Zugleich stellte der Betrieb als räumliche und soziale Institution den zentralen Bezugspunkt für die Behandlung der sozialen Frage in den zeitgenössischen Gemeinschafts- und Ordnungsdiskursen dar. Über ihn sollten Arbeit und Freizeit - und damit auch Konsum und Familienleben - in geordnete Bahnen gelenkt werden. Damit übernahm der Betrieb jene Rolle eines Kristallisationspunktes zentraler Debatten, die der Fabrik in der Industrialisierungszeit zukam und die heute möglicherweise das Unternehmen spielt.Das Forschungsprojekt untersucht die Geschichte dieses betriebsamen Menschen anhand eines aus zwei Teilen bestehenden Quellenkorpus aus dem Zeitraum zwischen den 1860er und 1930er Jahren. Durch die Auswertung illustrierter Zeitschriften soll erstens das diskursive Umfeld genauer beschrieben werden. Indem zugleich rund 100 Tagebücher aus dem gesamten Untersuchungszeitraum analysiert werden, wird zweitens gefragt, inwiefern sich die Betriebsamkeit auch in den Selbstthematisierungen junger Menschen aus jener Zeit finden lässt. Methodisch stützt sich das Projekt auf eine durch medientheoretische und wissensgeschichtliche Überlegungen ergänzte Diskursanalyse.
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