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Gibt es ein Menschenrecht auf Demokratie? - Eine moralphilosophische und anerkennungstheoretische Untersuchung

English title Is there a Human Right to Democracy? An Investigation from the Point of View of Moral Philosophy and Social Theory of Recongnition
Applicant Cheneval Francis
Number 147131
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Philosophisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.07.2013 - 30.06.2016
Approved amount 164'303.00
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Keywords (8)

Anerkennung; Menschenrechte; Partizipation; Axel Honneth; Demokratie; Mitgliedschaft; James Griffin; Inklusion

Lay Summary (German)

Lead
Die Dissertationsprojekt befasst sich mit der in der Forschung kontrovers diskutierten Frage nach einem Menschenrecht auf Demokratie. Durch die Vermittlung eines auf Menschenwürde und individueller Autonomie gegründeten Ansatzes mit anerkennungstheoretischen Erkenntnissen aus der Sozialphilosophie soll eine klare und kontextsensible Antwort auf diese Frage formuliert werden.
Lay summary

Die Beantwortung der Frage „Gibt es ein Menschenrecht auf Demokratie?“ setzt die Klärung einer ganzen Reihe von Fragen voraus. Zum Einen gilt es die Begründung der Menschenrechte und ihrer Legitimität zu erarbeiten. Zweitens muss geklärt werden, wie der Begriff des Menschenrechts im Rahmen des Forschungsprojekts verstanden wird und welche Merkmale einer Demokratie für dieses spezifische Verständnis des Menschenrechts als relevant ausgewiesen werden können.

Ein Blick in die bestehende Forschungsliteratur zeigt, dass zahlreiche Autoren auf die gleiche Forschungsfrage nach einem Menschenrecht auf Demokratie zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangt sind. Die Herausforderung des vorliegenden Projekts liegt darin, diese Argumentationen in einen Vergleich zu setzen. Auf dieser Grundlage wird geprüft, wie die Ansätze miteinander in Verbindung gebracht werden und worin die Streitpunkte bestehen. Die daran anschliessende eigene Antwort wird ausgehend von einer Kombination der liberalen Menschenrechtskonzeption von James Griffin und der sozialphilosophischen Anerkennungstheorie von Axel Honneth geführt.

Die Bedeutsamkeit der Frage des Projekts wird in einem dritten Teil an einem konkreten Beispiel verdeutlicht: die Möglichkeit zur politischen Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger im Land, dessen Gesetzgebung sie längerfristig unterworfen sind. Wird diese politische Teilnahme als menschenrechtlich relevant bestimmt, führt dies zu Anschlussdiskussionen über das Verhältnis zwischen menschenrechtlichen Ansprüchen und kollektiver Selbstbestimmung.

Direct link to Lay Summary Last update: 06.04.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Moral and political conceptions of human rights: rethinking the distinction
Horn Anita (2016), Moral and political conceptions of human rights: rethinking the distinction, in The International Journal of Human Rights, 20(6), 724-743.
Anerkennung und Freiheit
Horn Anita, Anerkennung und Freiheit, in Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, 2017(3).

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Professor Axel Honneth/Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a.M. Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Abstract

Das Forschungsprojekt befasst sich aus philosophischer Sicht mit dem Verhältnis der Konzepte Menschenrechte und Demokratie. Im Rahmen dieses übergeordneten Themenfelds interessiert spezifisch die normative Forschungsfrage, ob ein Menschenrecht auf Demokratie philosophisch begründet werden kann. Nach einer systematischen Analyse und dem vergleichenden Kritik der Positionen, welche die aktuelle politikphilosophische Debatte prägen, wird in dieser Arbeit eine eigene Position entwickelt, die sich auf eine Kombination der liberalen Menschenrechtstheorie von James Griffin und der sozialphilosophischen Anerkennungstheorie von Axel Honneth stützt. Es wird von der Hypothese ausgegangen, wonach ein Menschenrecht auf Demokratie trotz des hohen Stellenwerts, den diese als Regierungsform und gemeinsame Praxis für die einzelnen Mitglieder einer politischen Gemeinschaft hat, moralphilosophisch nicht konsistent begründet werden kann. Argumentiert wird zunächst dafür, dass a) das Konzept der Demokratie nicht auf das Verhältnis zwischen dem Rechte zugestehenden Staat und dem Rechte einfordernden Individuum reduzierbar ist, und b) die instrumentellen Begründungsversuche eines Menschenrechts auf Demokratie nicht als genuines Instrument zum Schutz und zur Garantie der individuellen Freiheitsrechte eingestuft werden können. Die insbesondere in der international ausgerichteten Politischen Philosophie verbreitete Forderung nach einem Menschenrecht auf Demokratie wird jedoch nicht in toto abgelehnt, sondern zum Anlass für die Anschlussfrage genommen, welche Elemente des Gesamtkonzepts der Demokratie dessen Attraktivität im menschenrechtlichen Diskurs ausmachen und sich tatsächlich unmittelbar auf die wesentlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten des Menschen, seine „normative agency“, auswirken. Als Annahme dient, dass das Gesamtkonzept der Demokratie Elemente wie Partizipation oder Inklusion des Einzelnen in die Gesellschaft enthält (vgl. Cohen 2005; Barber 2003), die sich als Menschenrechte formulieren und einfordern lassen. Der Vorschlag einer menschenrechtlichen Einforderung extrahierter Elemente des Konzepts der Demokratie soll im anwendungsorientierten Schlussteil der Arbeit am Fallbeispiel der Migration dargestellt und geprüft werden. Die moralphilosophische Begründung von politischen und sozialen Teilnahmerechten wird durch die Kombination des liberalen menschenrechtstheoretischen Ansatzes von James Griffin mit dem anerkennungstheoretischen Ansatz von Axel Honneth auch im Hinblick auf die Möglichkeit einer verstärkten globalen Verrechtlichung dieses Menschenrechts im gegenwärtigen politischen Kontext substantiell erweitert.
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