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"Das Auge komponiert" - Die Verbindung von Bild und Klang in den grafischen Plänen und Partituren des Schweizer Komponisten Hermann Meier

Applicant Brotbeck Roman
Number 146480
Funding scheme Project funding
Research institution Institut Interpretation Hochschule der Künste Bern Berner Fachhochschule
Institution of higher education Berne University of Applied Sciences - BFH
Main discipline Music, Theatre
Start/End 01.07.2013 - 30.06.2016
Approved amount 183'373.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Music, Theatre
Musicology

Keywords (7)

Serialism; 20th Century Music; Electronic Music; Swiss Music; Dodecaphony; Meier, Hermann (1906-2002); Graphic Notation

Lay Summary (German)

Lead
Der Solothurner Komponist Hermann Meier (1906-2002) nahm in der Schweiz in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts eine Aussenseiterposition ein. Abseits der Zentren der Musikszene fand er zu radikalen Positionen, deren Erforschung für die Musikgeschichte nach 1945 neue Aspekte eröffnet - insbesondere zum Verhältnis von Bild und Klang.
Lay summary

Inhalt des Forschungsprojekts

In einem Umfeld, in dem Aufführungen von atonaler und zwölftöniger Musik auf eine starke Abwehrhaltung stiessen, scheiterten die vereinzelten Versuche, Hermann Meiers Kompositionen bekannt zu machen. Das Werk des Schweizer Komponisten entstand deshalb in grösster Isolation, was wohl dazu beitrug, dass seine Werke schon früh eine besondere Eigenständigkeit aufweisen. Ab Mitte der 1950er Jahre zeichnet sich Meier durch die Arbeit mit grossformatigen grafischen Kompositionsplänen aus, die sein Komponieren radikalisieren und ab 1960 zu teils monumentalen Kompositionen mit Klangschichtungen und Klangmassen führen. Mit dem Auge – so scheint es – hat Hermann Meier musikalische Triebkräfte zu Klang gebracht, die in dieser Zeit ihresgleichen suchen.

Fragestellung und Ziele

Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, welche Rolle die grafischen Pläne bei der Entwicklung zu Hermann Meiers kompositorisch radikalen Positionen spielten. Die Dissertation analysiert schwerpunktmässig die Kompositionen für Tasteninstrumente und ordnet die grafischen Pläne aus dem Nachlass in der Paul Sacher Stiftung den Werken, die in traditioneller Notenschrift verfasst sind, zu. Ziel ist eine erste relativ breit angelegte Darstellung des Werks und des ästhetischen Denkens Meiers, die die Geschichtsschreibung zur Schweizer Musik im 20. Jahrhundert um eine wichtige, bisher weitgehend vernachlässigte Position ergänzt.
Direct link to Lay Summary Last update: 17.06.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Musikalische Geometrie. Die bildlichen Modelle und Arbeitsmittel im Klavierwerk Hermann Meiers
Ziegler Michelle (2022), Musikalische Geometrie. Die bildlichen Modelle und Arbeitsmittel im Klavierwerk Hermann Meiers, Peter Lang Verlag, Bern u.a..
Rettungsversuch im Jubiläumsjahr. Mauricio Kagels Aufarbeitung der Beethoven-Rezeption in der Ludwig van-Werkgruppe (1970)
ZieglerMichelle (2019), Rettungsversuch im Jubiläumsjahr. Mauricio Kagels Aufarbeitung der Beethoven-Rezeption in der Ludwig van-Werkgruppe (1970), in Gartmann Thomas, Allenbach Daniel (ed.), Argus, Schliengen, 465-475.
"Aus dem Geist der Elektronik". Hermann Meiers Hinwendung zur elektronischen Musik.
Ziegler Michelle (2017), "Aus dem Geist der Elektronik". Hermann Meiers Hinwendung zur elektronischen Musik., in Zimmermann Heidy, Brotbeck Roman, Ziegler Michelle (ed.), Chronos, Zürich, 145-162.
Ben Johnston – Voraussetzungen und Potenzial seiner Extended Just Intonation.
Kilchenmann Marc (2017), Ben Johnston – Voraussetzungen und Potenzial seiner Extended Just Intonation., in Hochholdinger-Reiterer Beate, Köpp Kai (ed.), Eigenverlag, Bern, 39-51.
Beobachtungen zu den Programmen von 100 Jahre Abendmusiken im Berner Münster - verbunden mit drei Wünschen.
Brotbeck Roman (2017), Beobachtungen zu den Programmen von 100 Jahre Abendmusiken im Berner Münster - verbunden mit drei Wünschen., in Renggli Hanspeter (ed.), Müller & Schade, Bern, 56-73.
Das "kleine Hänschen" Hermann Meier und seine Mitschüler. Wladimir Vogels Schweizer Kompositionsstudenten.
Brotbeck Roman (2017), Das "kleine Hänschen" Hermann Meier und seine Mitschüler. Wladimir Vogels Schweizer Kompositionsstudenten., in Ziegler Michelle, Brotbeck Roman, Zimmermann Heidy (ed.), Chronos, Zürich, 81-94.
Das Auge komponiert. Die graphischen Pläne von Hermann Meier.
Kilchenmann Marc (2017), Das Auge komponiert. Die graphischen Pläne von Hermann Meier., in Brotbeck Roman, Ziegler Michelle, Zimmermann Heidy (ed.), Chronos, Zürich, 131-144.
Die Pianisten Gilles Grimaître und Dominik Blum im Gespräch mit Michelle Ziegler
Ziegler Michelle, Blum Dominik, Grimâitre Gilles (2017), Die Pianisten Gilles Grimaître und Dominik Blum im Gespräch mit Michelle Ziegler, in Brotbeck Roman, Zimmermann Heidy, Ziegler Michelle (ed.), Chronos, Zürich, 175-180.
Einleitung
Zimmermann Heidy, Ziegler Michelle, Brotbeck Roman (2017), Einleitung, in Zimmermann Heidy, Brotbeck Roman, Ziegler Michelle (ed.), Chronos, Zürich, 7-18.
Mondrian-Musik. Die graphischen Welten des Komponisten Hermann Meier.
Brotbeck Roman, Ziegler Michelle, Zimmermann Heidy (ed.) (2017), Mondrian-Musik. Die graphischen Welten des Komponisten Hermann Meier., Chronos, Zürich.
"Nur bewegungslose, reglose Statik" – Hermann Meiers Stück für zwei Klaviere (1958)
Ziegler Michelle (2016), "Nur bewegungslose, reglose Statik" – Hermann Meiers Stück für zwei Klaviere (1958), in Mitteilungen der Paul Sacher Stiftung, (29), 35-41.
"Es müsste einfach schick sein, beim Musikhören etwas zu riskieren".
Barbara Balba Weber (2015), "Es müsste einfach schick sein, beim Musikhören etwas zu riskieren"., in Hiekel Jörn Peter (ed.), Schott, Mainz, 160.
"Kennet ihr das Gschichtli scho?" Gedanken zum Universum des Musikers Jürg Wyttenbach
Brotbeck Roman (2015), "Kennet ihr das Gschichtli scho?" Gedanken zum Universum des Musikers Jürg Wyttenbach, in dissonance, (130), 24-27.
Julián Carrillo. Entre futurismo triunfalista y bricolage inventivo
Brotbeck Roman (2015), Julián Carrillo. Entre futurismo triunfalista y bricolage inventivo, in La Corriente, VI(35), 16-18.
Robert Walser "Das Beste, was ich über Musik zu sagen weiss"
Brotbeck Roman, Sorg Reto (ed.) (2015), Robert Walser "Das Beste, was ich über Musik zu sagen weiss", Insel Verlag, Berlin.
Mikrotonalität als Reconquista
Brotbeck Roman (2014), Mikrotonalität als Reconquista, in Mikrotonalität - Praxis und Utopie, StuttgartSchott, Mainz.
Prekäre Ambivalenzen. Arthur Honeggers Anpassungen nach 1941
Brotbeck Roman (2014), Prekäre Ambivalenzen. Arthur Honeggers Anpassungen nach 1941, in Weill in Frankreich. Internationalers Symposium des Wiss. Beirats der Kurt Weill-Gesellschaft Dessau, DessauWaxmann, Münster.
Vom Uhrschlag zum Urschlag - der musikalische Rhythmus zwischen Belebung und Tod.
Brotbeck Roman (2013), Vom Uhrschlag zum Urschlag - der musikalische Rhythmus zwischen Belebung und Tod., in Schuppli Madleine (ed.), Edizioni Periferia, Luzern/Poschiavo, 34-38.
Das Auge komponiert – Zum Schaffen des Schweizer Komponisten Hermann Meier und zu den Verbindungen von Bild und Klang in der Musik nach 1945
Brotbeck Roman (ed.), Das Auge komponiert – Zum Schaffen des Schweizer Komponisten Hermann Meier und zu den Verbindungen von Bild und Klang in der Musik nach 1945, Chronos, Zürich.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Familie Meier-Oesch Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Urs Peter Schneider Switzerland (Europe)
- Research Infrastructure
Paul Sacher Stiftung Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Research Infrastructure
basel sinfonietta Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
colloquium 48, Abteilung Forschung und Entwicklung, Musik Akademie Basel Individual talk Komponieren auf dem Reissbrett - Zur Funktion graphischer Skizzen im Schaffen Hermann Meiers (1906-2002) 12.12.2017 Basel, Switzerland Ziegler Michelle;
International Musicological Society, 20th Quinquennial Congress Tokyo Talk given at a conference With scissors and glue - montage as a compositional practice in the works of the Swiss composer Hermann Meier. 22.03.2017 Tokyo, Japan Ziegler Michelle;
Symposium Das Auge komponiert - Hermann Meier und das Verhältnis von Bild und Klang in der Musik nach 1945 Talk given at a conference "Ich glaube nicht mehr, dass ich mit gewöhnlichen Instrumenten weiterfahren kann." - Hermann Meiers Klaviermusik an der Schwelle zur Elektronik. 27.01.2017 Bern, Switzerland Ziegler Michelle;
Symposium Das Auge komponiert - Hermann Meier und das Verhältnis von Bild und Klang in der Musik nach 1945 Talk given at a conference Die Schweizer Wladimir-Vogel-Schüler im Vergleich. 27.01.2017 Bern, Switzerland Brotbeck Roman;
Transpositions: Music/Image. XIII. International Conference of the Department of Musicology of the Faculty of Music, Belgrad Talk given at a conference "Noch besser wären nur Flächen allein" - Hermann Meier's Allegro energico (1965) as music of image 15.10.2016 Belgrad, Serbien Ziegler Michelle;
Music and Visual Cultures International Conference Talk given at a conference Only "weak analogies"? – How Abstract Painings stimulated the Swiss Composer Hermann Meier in the 1950s 21.07.2016 Dublin, Ireland Ziegler Michelle;
Colloque international: Ce qu l'historien attrape dans son filet - Historiographie de la musique en Suisse Talk given at a conference L'art d'à part - Robert Walser en tant que mythe des musiciens suisse à la fin du XXe siècle 20.11.2015 Genf, Switzerland Brotbeck Roman;
5. Internationaler Kongress für Kirchenmusik Bern Talk given at a conference Das Werk ist der Ritus - Neue geistliche Musik innerhalb und ausserhalb der Kirche 22.10.2015 Bern, Switzerland Brotbeck Roman;
5. Internationaler Kongress für Kirchenmusik Bern Talk given at a conference Workshop: Hörübungen in zeitgenössischer Musik 22.10.2015 Bern, Switzerland Brotbeck Roman;
Coloquio: Julian Carrillo: Homenaje a su vigesimoquinto aniversario luctuoso Talk given at a conference Julian Carrillo - un homenaje a un futurista trionfalista y inventivo 13.10.2015 Mexiko Stadt, Mexico Brotbeck Roman;
International Congress on Music and Mathematics Talk given at a conference An Analytical-Comparative Approach to Carrillo's Metamorphosis and Wyschnegradsky's Non-Octaviant Spaces and their Reverberations 26.11.2014 Puerto Vallarta, Mexico Brotbeck Roman;
Julián Carrillo (1875-1965): su legado cultural y las consequencias de su pensamiento y obra musical en el siglo XXI Talk given at a conference Julián Carrillo - Entre futurismo triunfalista y bricolage inventivo 20.11.2014 San Luis Potosi, Mexico Brotbeck Roman;
Kolloquium der Paul Sacher Stiftung Talk given at a conference "Die totale Isolierung ist weg" – Zum frühen Schaffen des Solothurner Komponisten Hermann Meier 03.06.2014 Basel, Switzerland Ziegler Michelle;
Ivan Wyschnegradsky. Ultrachormatisme, entre futurisme et constructivism Talk given at a conference Auteur malgré lui - le singulier dans la musique de Wyschnegradsky 27.03.2014 CDMC Paris, France Brotbeck Roman;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Linkes Ohr und Mondrian-Musik, von Thomas Meyer MusikTexte 156 International 2018
Media relations: print media, online media Das Auge komponiert Schweizer Musikzeitung German-speaking Switzerland 2017
Media relations: radio, television Das Phantom bekommt Konturen: Hermann Meier und seine Musik SRF 2 German-speaking Switzerland 2017
Media relations: print media, online media Dorflehrer und Avantgarde-Musiker, von Fränzi Zwahlen-Saner Schweiz am Wochenende German-speaking Switzerland 2017
Talks/events/exhibitions Führung Mondrian-Musik mit Kurzkonzert, 2.12.17, Kunstmuseum Solothurn German-speaking Switzerland 2017
Media relations: print media, online media Grossflächige und farbige Partituren als Kunstwerke Blick online German-speaking Switzerland 2017
Media relations: print media, online media Hermann Meier und seine Musik Schweiz am Sonntag German-speaking Switzerland 2017
Media relations: print media, online media Hermann Meier wird wiederentdeckt, von Simon Bordier Basler Zeitung German-speaking Switzerland 2017
Media relations: print media, online media Hermann Meiers Werke im Kunstmuseum Solothurn, von Bea Asper Wochenblatt Schwarzbubenland German-speaking Switzerland 2017
Talks/events/exhibitions Kunst-Lunch "Mondrian-Musik", 14.11.17, Kunstmuseum Solothurn German-speaking Switzerland 2017
Media relations: print media, online media Meiers Klaviermusik, von Thomas Meyer swissmusic.ch German-speaking Switzerland 2017
Media relations: print media, online media Musik wie ein Bild von Mondrian Schweizer Musikzeitung German-speaking Switzerland 2017
Media relations: print media, online media So etwas wie die Eigernordwand unter den Gipfeln schweizerischen Komponierens, von P. Hagmann www.peterhagmann.com German-speaking Switzerland 2017
Talks/events/exhibitions Vernissage "Mondrian-Musik" und Orchesterkonzert, Kunstmuseum Solothurn, 28.10.2017 German-speaking Switzerland 2017
Media relations: print media, online media Der Avantgardist aus dem Schwarzbubenland Schweizer Musikzeitung German-speaking Switzerland 2016
Talks/events/exhibitions Musik als Sprache des Glauben, Roman Brotbeck, Münstergemeinde Bern, 13.1.16 German-speaking Switzerland 2016
Media relations: print media, online media Rezension zu R. Walser: " Nimmer uns entflieh'n" Süddeutsche Zeitung International 2016
Talks/events/exhibitions 3+2+1 = 3x2; Konzerte im Rahmen des musikpodiums der Stadt Zürich German-speaking Switzerland 2015
Media relations: radio, television Konzert 3+2+1 = 3x2 SRF 2 Kultur German-speaking Switzerland 2015
Talks/events/exhibitions Konzert: Explodierende Schubladen, mit B.B. Weber, Festivalkongress upgrade, Donaueschingen 2015 International 2015
Talks/events/exhibitions Kreative Werkstatt "Zukunft denken", B.B. Weber, Festivalkongress upgrade Donaueschingen 2015 International 2015
Media relations: print media, online media Rezension zu R. Walser: "Komm, selige Ruh!" Die Zeit International 2015
Talks/events/exhibitions "Das Auge komponiert" - Vortrag im Rahmen der Museumsnacht Bern 2014 German-speaking Switzerland 2014
Talks/events/exhibitions Beredte Masken und Fluchten - Nachtcafé Theater Basel German-speaking Switzerland 2014
Talks/events/exhibitions Klanggeschichten - Von der grafischen Vision zur musikalischen Realisierung (Forschungsmittwoch) German-speaking Switzerland 2014
Talks/events/exhibitions Konzert/Lesung: Walser und die Musik. Matinee Wahlverwandschaften Literatur und Musik, Tonhalle ZH German-speaking Switzerland 2013

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
2351 Die andere Avantgarde - die Komposition mit Mikrointervallen unter besonderer Berücksichtigung von J. Carrillo, A. Hàba und I. Wysnegradskij. 01.10.1988 Project funding
143861 Growing Up - Die Emanzipation des Jazz in der Schweiz 1965-1980 01.03.2013 Project funding
162890 "Ecoute élargie" - "leere Stimmen" und "objets sonores" in der Musik nach 1945 01.12.2015 Project funding
32341 Die andere Avantgarde - die Komposition mit Mikrointervallen in der Kunstmusik des 20. Jahrhunderts. 01.04.1992 Project funding (special)

Abstract

Nicht nur das Publikum reagierte auf die relativ seltenen Aufführungen von atonaler oder zwölftöniger Musik in der Schweiz bis in die Sechziger Jahre mit einer starken Abwehrhaltung. Die Dirigenten und Veranstalter, die sich für zeitgenössische Musik einsetzten, favorisierten die «klassizistische Moderne», die weniger Kontroversen auslöste. Komponisten, die sich für eine Musik interessierten, die das tonale Denken überwand, stiessen in diesem musikalischen und gesellschaftlichen Klima dagegen kaum auf Resonanz. Es gab in dieser Enge nur wenige Orte, an denen etwa zwölftönige Kompositionsverfahren, die international bereits Beachtung fanden, überhaupt erlernt werden konnten. Ein solcher Zufluchtsort war Ascona, wo der Busoni-Schüler Wladimir Vogel privaten Kompositionsunterricht erteilte. Davon profitierte auch der Solothurner Komponist Hermann Meier (1906-2002). Meiers Werke entstanden in grösster Isolation und grossteils ohne Beachtung durch die Öffentlichkeit oder Komponistenkollegen, denn die vereinzelten Versuche, seine Musik zu seinen Lebzeiten bekannt zu machen, scheiterten. Wohl auch wegen dieser Isolation weisen seine Werke schon früh eine Eigenständigkeit auf, deren Erforschung für die Musikgeschichte nach 1945 neue Aspekte eröffnet, insbesondere zum Verhältnis von Bild und Klang. Abseits der europäischen Zentren der sogenannten Neuen Musik - und auch abseits des Schweizer Kulturlebens - entwickelte Meier die Zwölftontechnik weiter, indem er ähnlich wie die Serialisten Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen weitere Parameter der Komposition (wie Tondauer und Lautstärke) nach strengen Regeln organisierte.Bereits zu Beginn der 1950er Jahre fand er mit Clustern, d.h. engräumigen Tonballungen, zu einem an Klangfeldern orientierten Stil, wie ihn György Ligeti und Iannis Xenakis erst später in den 1960er Jahren entwickelten. Ab Mitte der Fünfziger Jahre schrieb Meier extrem reduzierte Partituren, die nur aus einzelnen Liegetönen bestehen und mit z.T. sehr langen Pausen durchsetzt sind. Danach - ab etwa 1960 - ist sein Werk durch blockartiges Komponieren in Feldern geprägt. Neben seiner eigenständigen kompositorischen Denkweise zeichnet sich Meier ab Mitte der 1950er Jahre durch die Arbeit mit grossformatigen grafischen Kompositions-Plänen aus, die er selbst «Mondriane» nannte. Diese «Mondriane» radikalisieren Meiers Komponieren und führen ab 1960 zu teils monumentalen Kompositionen mit Klangschichtungen und Klangmassen, welche die kontrollierende Grammatik und die engmaschigen kompositorischen Gewebe der Serialisten endgültig hinter sich lassen. Mit dem Auge - so scheint es - hat Hermann Meier musikalische Triebkräfte zu Klang gebracht, die in dieser Zeit ihresgleichen suchen. Ab den 1970er Jahren dienten diese Pläne nicht nur zur späteren Realisierung von Orchesterpartituren, sondern auch für Stücke elektroakustischer Musik.Das vorliegende Forschungsprojekt stellt folgende Hauptfrage: Welche Rolle spielten die «Mondriane» bei der Entwicklung zu Hermann Meiers kompositorisch radikalen Positionen? Dazu werden die Kompositionen für Tasteninstrumente analysiert und die fast zweihundert grafischen Pläne aus dem Nachlass in der Paul Sacher Stiftung - so weit wie möglich - den in traditioneller Notenschrift verfassten Werken zugeordnet. Als Resultat wird eine vollständige Werkliste angestrebt, die auch die grafischen Pläne einschliesst. Um die Funktion der «Mondriane» im Sinne einer grafischen Partitur in der musikalischen Praxis zu verstehen und zu erproben, werden ausgewählte Pläne in Zusammenarbeit mit dem Studienbereich Musik und Medienkunst der Hochschule der Künste Bern im Studio und im Konzertsaal realisiert. Ziel ist eine erste relativ breit angelegte Darstellung des Werks und des ästhetischen Denkens Meiers, die in Publikationen und einem Abschlusssymposium in Verbindung mit einer geplanten Ausstellung der musikwissenschaftlichen Forschung wie auch der Musikpraxis zugänglich gemacht werden soll. Sie dient als Grundlage zur Interpretation und weiteren Erforschung von Meiers Schaffen, gibt Impulse für das heutige nationale und internationale Musikleben und ergänzt die Geschichtsschreibung zur Schweizer Musik im 20. Jahrhundert um eine wichtige, bisher aber weitgehend vernachlässigte Position.
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