Project

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Die Niederlande und der Dekolonisierungskrieg in Indonesien, 1945-49

English title The Netherlands and the War of Decolonization, 1945-49
Applicant Förster Stig
Number 144391
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Historisches Institut Philosophisch-historische Fakultät Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.10.2012 - 30.09.2013
Approved amount 63'537.00
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Keywords (8)

Decolonization; War Crimes; Indonesia; the Netherlands; mass violence; extreme violence; guerilla war; war of independence

Lay Summary (German)

Lead
Die niederländische Armee verübte im Indonesischen Unabhängigkeitskrieg 1945-1949 Massengewalt gegen autochthone Nichtkombattanten.
Lay summary

Im vierjährigen Indonesischen Unabhängigkeitskrieg verübten beide Kriegsparteien – niederländische Truppen und Hilfstruppen einerseits und Indonesische Truppen und verschiedenste Milizen andererseits – zahlreiche extreme Gewaltakte wie Mord, Folter und Brandstiftung. Das Projekt untersucht primär Ursachen, Ausmass, Opposition, Bestrafung und Limitierung der niederländischen Massengewalt. Die Ursachen dieser extremen Gewalt sind komplex, multikausal und primär bei den tief verwurzelten Problemen der niederländischen Armee zu suchen, etwa bei der mangelhaften Disziplin, Moral und Ausbildung sowie beim akuten Personalmangel. Die chronische Personalnot führte in Kombination mit zu ambitionierten Zielsetzungen der Armeeführung und der massiven Unterschätzung des Kriegsgegners dazu, dass niederländische Militärs viel zu grosse, dichtbevölkerte und für die Guerillakriegsführung sehr geeignete Gebiete kontrollieren mussten. Normale militärische Mittel wie intensive Patrouillengänge und zahlreiche Militäraktionen mündeten im Guerillakrieg gegen entschlossene, unsichtbare und ungreifbare indonesische Aufständische höchstens in vereinzelte oberflächliche Erfolge. Für die erschöpften und frustrierten Niederländischen Militärs war der Griff nach extremen Mitteln wie Gefangenenmorde oder Kollektivstrafen gegen die vermeintlich unkooperative Bevölkerung deshalb klein und verlockend. Das Ausmass der extremen Gewalt war erheblich, ist aufgrund von Verhüllung und gefärbten militärischen Rapporten jedoch nicht exakt messbar. Auf Basis von militärjuristischen Quellen, Berichten der Zivilverwaltung und Darstellungen seitens von Militärs verfassten Tagebüchern, Memoiren und Briefen steht aber fest, dass diese Gewaltakte keinesfalls Einzelfälle waren, wie die niederländische Regierung nach einer offiziellen Untersuchung im Jahre 1969 behauptete. Stattdessen muss von struktureller Massengewalt die Rede sein. Gezielte armeeinterne Opposition gegen extreme Gewalt besass Seltenheitswert, auch weil die Hürden für potenzielle Whistleblower sehr hoch lagen. Die zu Beschönigungen und Bagatellisierungen greifenden niederländischen Autoritäten, für die Enthüllungen über extreme Gewaltakte peinlich und politisch höchst unwillkommen waren, zeigten wenig Interesse an ihrer Darstellung, Untersuchung, Bestrafung und Limitierung.

Direct link to Lay Summary Last update: 09.02.2017

Responsible applicant and co-applicants

Name Institute

Employees

Name Institute

Publications

Publication
Business as usual: Dutch mass violence in the Indonesian War of Independence 1945-1949
Limpach Rémy (2014), Business as usual: Dutch mass violence in the Indonesian War of Independence 1945-1949, in Bart Luttikhuis Dirk A. Moses (eds.) (ed.), Routledge, Milton Park, Abingdon, 64-90.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Prof. Dr. Peter Romijn, Leiter der Forschungsabt. des Nederlands Instituut voor Oorlogsdocumentatie Netherlands (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Gerhard Hirschfeld, Bibliothek für Zeitgeschichte Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Societies and wars of decolonization: France and the Netherlands 1945-1962 Talk given at a conference Dutch war crimes in the Indonesian War of Independence 29.11.2012 Amsterdam, Netherlands Limpach Rémy;


Associated projects

Number Title Start Funding scheme
126448 Die Niederlande und der Dekolonisierungskrieg in Indonesien, 1945-49 01.10.2009 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Imperial-, Kolonial- und Dekolonisierungskriege sind in den letzten Jahren wieder in den Mittelpunkt der historischen Forschung gerückt. Auf besonderes Interesse sind dabei Beispiele aus der britischen, französischen und deutschen Geschichte gestossen. In weiten Bereichen existieren jedoch weiterhin große Forschungslücken. Das gilt namentlich auch für den kolonialen Krieg der Niederlande in Indonesien von 1945 bis 1949. Dabei war dieser Krieg, durch den die Niederlande zwischen 1945 und 1949 vergeblich versuchten, ihre Kolonialherrschaft über Indonesien nach der japanischen Besatzung (1942 bis 1945) zu restaurieren, der erste grosse Dekolonisierungskrieg nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Dieser militärische Konflikt hat in den Niederlanden schmerzhafte Spuren hinterlassen und ist bis heute ein immer wieder auftauchendes öffentliches Diskussionsthema. Das Thema der Erinnerungskultur steht im vorliegenden Projekt indes nicht im Mittelpunkt. Vielmehr geht es primär um eine Analyse der niederländischen Kriegsgreuel*. Ursachen, Motivation und Ausmaß niederländischer Kriegsverbrechen im Indonesischen Unabhängigkeitskrieg sind nämlich bis heute umstritten und wissenschaftlich nahezu unerforscht. Die Frage nach Ursachen, Motivation und Ausmass möglicher niederländischer Kriegsverbrechen bildet denn auch die zentrale Fragestellung des vorliegenden Projekts. Mit Hilfe niederländischen Archivmaterials und durch Analyse der vorhandenen Sekundärliteratur sowie der Auswertung vieler weiterer veröffentlichter und unveröffentlichter Quellen sollen diese Forschungslücken möglichst geschlossen werden. Die Forschungsergebnisse des Projekts sollen einen Beitrag zur internationalen Militär- und Kolonialgeschichte leisten. Schließlich wird sich das Projekt in die zurzeit laufende Diskussion über „Small Wars“, Guerillakriege und asymmetrische Kriegführung sowie um vermeintliche oder real begangene Kriegsverbrechen von Armeen demokratisch verfasster Ländern einreihen. Das Projekt wird daher auf übergreifendes wissenschaftliches (und eventuell auch mediales) Interesse stossen. *Kriegsgreuel, Kriegsverbrechen und dergleiche Bezeichnungen werden hier als ein Verstoss gegen das Kriegsrecht verstanden sowie - verkürzt formuliert - als „Einsatz von mehr Gewalt als militärisch notwendig“ definiert. Darunter fallen u.a. Morde an Gefangenen und Zivilisten, Vergewaltigungen, Plünderungen usw.
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