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Satzkonzeption und Sprachgebrauch bei Wittgenstein

English title Wittgenstein on proposition and language use
Applicant Glock Hans-Johann
Number 144023
Funding scheme Project funding
Research institution Philosophisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.10.2012 - 31.12.2014
Approved amount 127'284.00
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Keywords (7)

rule; Tractatus logico-philosophicus; Philosophical Remarks; language use; grammar; Wittgenstein, Ludwig; logical analysis

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Das Dissertationsprojekt verfolgt zwei miteinander verbundene Ziele: Erstens soll gezeigt werden, dass dem Sprachgebrauch auch in Wittgensteins Frühwerk, dem Tractatus logico-philosophicus, eine zentrale Rolle zukommt. Die allgemeine Form von Sätzen bestimmt Wittgenstein in diesem Werk rein logisch: Sätze lassen sich als Wahrheitsfunktionen von Elementarsätzen darstellen. Sie haben die Form „Es verhält sich so und so.“ Welches aber sind die besonderen Formen von Sätzen? Wittgenstein hält fest, dass sich diese nicht a priori angeben lassen, sondern erst durch eine logische Analyse der Sätze unserer Sprache. Im Projekt wird dafür argumentiert, dass für diese Analyse eine Betrachtung des Sprachgebrauchs zentral ist. Normalsprachliche Sätze zeigen ihre logische Struktur nur, wenn sie behauptet werden und dabei Abhängigkeiten zwischen diesen Behauptungen deutlich werden.

Zweitens soll gezeigt werden, wie Wittgenstein seinen Satzbegriff nach seiner „Wende“ von 1929 weiterentwickelt, bis er ein erste, in gewissem Masse gültige Darlegung seiner neuen Sprachauffassung 1932/33 im Big Typescript ereicht. Es wird dafür argumentiert, dass er nicht von allem Anfang an vollständig mit dem Tractatus bricht, sondern den Satzbegriff zunächst nur verändern will, ihn dann aber im Laufe der Arbeit an den Philosophischen Bemerkungen entscheidend erweitert und damit den Rahmen des Tractatus sprengt. Dies geschieht dadurch, dass er nun Regelformulierungen, die ihm zuvor als unsinnig galten, als Sätze und damit als legitime Äusserungen auffasst. Im Projekt wird zudem für die These argumentiert, dass Wittgenstein entscheidende Schritte in dieser Neufassung des Satzbegriffes im Rahmen seiner Überlegungen zur Mathematik und insbesondere zur Geometrie macht. Es wird gezeigt, dass sich als Konsequenz dieser Überlegungen die Funktion des Sprachgebrauchs in entscheidender Weise verändert.

Die Arbeit verbindet eine systematische Untersuchung mit einer detaillierten Diskussion von Wittgensteins Nachlass zu den Philosophischen Bemerkungen und dem Big Typescript. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Untersuchung der Philosophischen Bemerkungen gelegt. Dabei wird das Ziel verfolgt, eine detaillierte Darstellung des Nachlasses und der Philosophischen Bemerkungen zu geben. Eine solche Darstellung, welche Wittgensteins Bemerkungen zur Sprache und Phänomenologie mit denjenigen zur Mathematik in Beziehung zueinander setzt und also die Philosophischen Bemerkungen als Ganze im Auge hat, schliesst eine Lücke in der Wittgensteinforschung. Ein Aspekt ist dabei von besonderer Bedeutung: Die Konzeption einer Untersuchung der Sprache als einer grammatischen Untersuchung, die Wittgensteins Spätwerk prägt, wird zum ersten Mal im Zusammenhang mit Überlegungen zur Geometrie geprägt, die sich in den Manuskripten zu den Philosophischen Bemerkungen finden. 


Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Publications

Publication
A Companion to Wittgenstein
Glock Hans-Johann and Hyman John (ed.) (2017), A Companion to Wittgenstein, WILEY Blackwel, Malden, MA USA.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Prof. Richard Heinrich/ Institut für Philosophie, Universität Wien Austria (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Thomas Ricketts/ Department of Philosophy, University of Pittsburgh United States of America (North America)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Society for the Study of the History of Analytic Philosophy Talk given at a conference Identity in the Tractatus 04.06.2015 Dublin, Ireland Huber Susanne;
The Philosophy of Translation and the Translation of Philosophy Talk given at a conference Translating Pictures: a Wittgensteinian Approach to the Question of Translation 17.02.2014 Zürich, Switzerland Huber Susanne;
36. Internationales Wittgenstein Symposium Talk given at a conference Jede Variable ist das Zeichen eines formalen Begriffes. 'Über die Funktion der Sagen-Zeigen Un¬terscheidung" in Wittgensteins Auffassung von Variable 11.08.2013 Kirchberg am Wechsel, Austria Huber Susanne;
Logik Café Individual talk Variablen und allgemeine Aussagen im "Tractatus" 14.01.2013 Wien, Austria Huber Susanne;


Self-organised

Title Date Place

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Logik in der Philosophie philosohphie.ch German-speaking Switzerland 2015

Awards

Title Year
Alexander von Humboldt Forschungspreis 2015

Abstract

Das Dissertationsprojekt verfolgt zwei miteinander verbundene Ziele: Erstens soll gezeigt werden, dass dem Sprachgebrauch auch in Wittgensteins Frühwerk, dem Tractatus logico-philosophicus, eine zentrale Rolle zukommt. Die allgemeine Form von Sätzen bestimmt Wittgenstein in diesem Werk rein logisch: Sätze lassen sich als Wahrheitsfunktionen von Elementarsätzen darstellen. Sie haben die Form „Es verhält sich so und so.“ Welches aber sind die besonderen Formen von Sätzen? Wittgenstein hält fest, dass sich diese nicht a priori angeben lassen, sondern erst durch eine logische Analyse der Sätze unserer Sprache. Im Projekt wird dafür argumentiert, dass für diese Analyse eine Betrachtung des Sprachgebrauchs zentral ist. Normalsprachliche Sätze zeigen ihre logische Struktur nur, wenn sie behauptet werden und dabei Abhängigkeiten zwischen diesen Behauptungen deutlich werden. Zweitens soll gezeigt werden, wie Wittgenstein seinen Satzbegriff nach seiner „Wende“ von 1929 weiterentwickelt, bis er ein erste, in gewissem Masse gültige Darlegung seiner neuen Sprachauffassung 1932/33 im Big Typescript ereicht. Es wird dafür argumentiert, dass er nicht von allem Anfang an vollständig mit Tractatus bricht, sondern den Satzbegriff zunächst nur verändern will, ihn dann aber im Laufe der Arbeit an den Philosophischen Bemerkungen entscheidend erweitert und damit den Rahmen des Tractatus sprengt. Dies geschieht dadurch, dass er nun Regelformulierungen, die ihm zuvor als unsinnig galten, als Sätze und damit als legitime Äusserungen auffasst. Im Projekt wird zudem für die These argumentiert, dass Wittgenstein entscheidende Schritte in dieser Neufassung des Satzbegriffes im Rahmen seiner Überlegungen zur Mathematik und insbesondere zur Geometrie macht. Es wird gezeigt, dass sich als Konsequenz dieser Überlegungen die Funktion des Sprachgebrauchs in entscheidender Weise verändert. Die Arbeit verbindet eine systematische Untersuchung mit einer detaillierten Diskussion von Wittgensteins Nachlass zu den Philosophischen Bemerkungen und dem Big Typescript. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Untersuchung der Philosophischen Bemerkungen gelegt. Dabei wird das Ziel verfolgt, eine detaillierte Darstellung des Nachlasses und der Philosophischen Bemerkungen zu geben. Eine solche Darstellung, welche Wittgensteins Bemerkungen zur Sprache und Phänomenologie mit denjenigen zur Mathematik in Beziehung zueinander setzt und also die Philosophischen Bemerkungen als Ganze im Auge hat, schliesst eine Lücke in der Wittgensteinforschung. Ein Aspekt ist dabei von besonderer Bedeutung: Die Konzeption einer Untersuchung der Sprache als einer grammatischen Untersuchung, die Wittgensteins Spätwerk prägt, wird zum ersten Mal im Zusammenhang mit Überlegungen zur Geometrie geprägt, die sich in den Manuskripten zu den Philosophischen Bemerkungen finden.
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