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Wie gehen Männer im Alltag mit Gesundheit um? Eine empirische Untersuchung zum Zusammenhang von Gesundheitshandeln von Männern im mittleren Lebensalter und Männlichkeit(skonstruktionen)

English title How do men deal with health in everyday life? An empirical study on the interconnections of health action of middle-aged men and constructions of masculinity
Applicant Maihofer Andrea
Number 140370
Funding scheme Project funding
Research institution Zentrum Gender Studies Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Sociology
Start/End 01.04.2012 - 31.05.2014
Approved amount 224'457.00
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Keywords (5)

Men`s Health; Gender Health; Masculinities; Qualitative Research; Everyday Life

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Wie gehen Männer im Alltag mit Gesundheit um? Eine empirische Untersuchung zum Zusammenhang von Gesundheitshandeln von Männern im mittleren Lebensalter und Männlichkeit(skonstruktionen)

Hintergrund
Weltweit besteht ein „gender gap“ in der Lebenserwartung und Sterblichkeitsrate zwischen Männern und Frauen – zu Ungunsten der Männer. Das gilt auch für die Schweiz. Diese höhere Sterblichkeit von Männern kommt überwiegend durch verhaltensbedingte Ursachen zustande: Männer weisen ein stärkeres gesundheitliches Risikoverhalten auf, nehmen weniger Vorsorgeuntersuchungen wahr, setzen sich grösseren körperlichen Belastungen aus und suchen weniger oder erst spät ärztliche Hilfe.
Wie hängt dieses Verhalten mit Männlichkeit(skonstruktionen) zusammen?
Inwiefern fungieren gesundheitsrelevante Verhaltensweisen als Herstellungsprozesse für weibliche/männliche Geschlechtsidentitäten? Dies sind zentrale Fragen unseres Forschungsprojekts.
Indem wir gesundheitsrelevantes Verhalten als vergeschlechtlichtes und zugleich vergeschlechtlichendes Handeln untersuchen, kehren wir die herkömmliche Blickrichtung auf Gesundheit und Geschlecht um: Gesundheitsrelevantes Handeln wird nicht vorgängig durch Männlichkeit erklärt, sondern als Resultat und Ausgestaltung von Männlichkeits-/Weiblichkeitskonzepten verstanden.
Wenn sich Männer in ihrem Alltag an Mustern hegemonialer Männlichkeit(en) orientieren und spezifische Formen von Männlichkeit(en) herstellen (müssen), kann dies durchaus mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein: Etwa wenn die Notwendigkeit, immer wieder „Stärke“, „Härte“ und Autonomie demonstrieren zu müssen, angesichts von psychischen oder physischen Krankheiten oder steigendem Lebensalter schwer zu realisieren bzw. in hohem Masse schädlich für die eigene Gesundheit ist. Daneben lassen sich auch neue Männlichkeitsausprägungen finden, die ein gesundheitsförderliches Handeln als Bestandteil von Männlichkeit beinhalten (können) und produktive Ansatzpunkte für eine neue Gesundheitspolitik sein könnten.

Methode
Anhand von 45 teilnarrativen Interviews mit sich als gesund bezeichnenden deutschsprachigen Schweizer Männern im Alter von 30 bis 60 Jahren werden wir der Frage nachgehen, welche Männlichkeitskonstruktionen als gesundheitsrelevantes Handeln deutlich werden und umgekehrt.

Bedeutung
Das individuelle Gesundheitshandeln von Männern ist sowohl im Zuge der Diskussion um eine geschlechtergerechte Gesundheitspolitik als auch um die Bedeutung von work-life-balance von zunehmendem Interesse. Zu wenig ist in der Schweiz bisher über die Zusammenhänge von Gesundheit, Gesundheitshandeln und Männlichkeit bekannt. Das geplante Forschungsprojekt wird bedeutsame Erkenntnisse über das heutige Gesundheitshandeln von Schweizer Männern generieren und damit einen wichtigen Beitrag zu einer qualitativ verbesserten Gesundheitsversorgung für Männer leisten.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Geschlechterverhältnisse II: Männlichkeit und Schmerz.
Maihofer Andrea (2014), Geschlechterverhältnisse II: Männlichkeit und Schmerz..

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Prof. Dr. Michael Meuser, Technische Universität Dortmund Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Martin Dinges, Robert Bosch Stiftung Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Anita Riecher-Rössler, Psychiatrische Universitätspoliklinik Basel Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Toni Faltermayer, Universität Flensburg Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Anne-Maria Möller-Leimkühler, Universität München Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Prof. Dr. Wilfried Schnepp, Private Universität Witten/Herdecke gGmbH Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Dr. Jen Wang, Universität Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Gender Medizin / Gender Health Individual talk „Gender Health und Genderkompetenz“ 21.05.2014 Universität Basel, Institut für Pflegewissenschaft, Switzerland Luck Frank;
Gender 2: Vertiefung Gender & Health und Genderkompetenz Individual talk Genderkompetenz / Gender & Health: Männlichkeit(sforschung) und Gesundheit 19.03.2014 Schweiz, Switzerland Luck Frank;
Gender and Health: Schwerpunkt Männer und Gesundheit Individual talk Männergesundheit: Gesundheitsstatus und Gesundheitshandeln von Männern / Männer und Köroperbilder / Psychische Gesundheit von Frauen und Männern in der Schweiz 30.01.2014 ZHAW, Institut für Pflege (diplomierte Pfelkgefachpersonen), Switzerland Luck Frank;
Neunte Tagung der AIM Gender und der Akademie der Diözöse Rottenburg-Stuttgart Talk given at a conference "Sexualität gehört für mich einfach zum Menschsein" - Wie Männer über Sexualität sprechen 13.12.2013 Stuttgart-Hohenheim, Germany Baumgarten Diana; Wehner Nina;
Gender Health & Genderkompetenz Individual talk Einführung in die Genderkompetenz: Gender, Care, Pflege und Gesellschaft 07.11.2013 Universitätsspital Basel (Nachdiplomstudium Intensivpflege), Switzerland Luck Frank;
Gender & Health und Genderkompetenz Individual talk Einführung in die Genderkompetenz / Gender & Health 25.09.2013 Höhere Fachschule Gesundheit Zentralschweiz, Switzerland Luck Frank;
Gender and Health Individual talk Männergesundheit: Gesundheitsstatus und Gesundheitshandeln von Männern / Männer und Körperbilder / Psychische Gesundheit von Frauen und Männern in der schweiz 11.07.2013 ZHAW, Institut für Pflege (Grundstudium), Switzerland Luck Frank;
Gender Health II Individual talk Genderkompetenz / Gender Health (u.a. Männlichkeit(sforschung) und Gesundheit) 11.06.2013 Universitätsspital Basel (Nachdiplomstudium Intensivpflege), Switzerland Luck Frank;
„Männer – Männlichkeit(en) – Gesundheit“ Talk given at a conference Gastvortrag im Rahmen des Seminars «Baustelle Männlichkeit im heutigen Schweizer Kontext» 26.03.2013 Universität St. Gallen, Switzerland Luck Frank;
Umgang mit komplexen Pflegesituationen Individual talk Umgang mit komplexen Pflegesituationen am Beispiel Gender Health 11.01.2013 IMC Fachhochschule Krems, Studiengang Advanced Nursing Practice, Austria Luck Frank;
Gender Health & Genderkompetenz Individual talk Einführung in die Genderkompetenz / Gender & Health: Diversität und Chancengleichheit 07.11.2012 Universitätsspital Basel (Nachdiplomstudium Intensivpflege), Switzerland Luck Frank;
Gender and Health: Männergesundheit Individual talk Gesundheitsstatus udn Gesundheitshandeln von Männern / Männer und Körperbilder / Psychische Gesundheit von Frauen und Männern in der Schweiz 12.07.2012 ZHAW, Institut für Pflege (Grundstudium), Switzerland Luck Frank;
Gender Health Individual talk Gender Health in Bezug auf die Intensivpflege / Einführung in die Genderkompetenz / Männer-Körper / Männlichkeitsforschung 13.06.2012 Universitätsspital Basel (Nachdiplomstudium Intensivpflege), Switzerland Luck Frank;
Gender and Health Individual talk Männergesundheit: Gesundheitsstatus und Gesundheitshandeln von Männern / Männer und Körperbilder / Psychische Gesundheit von Frauen und Männern in der Schweiz 07.06.2012 ZHAW, Institut für Pflege (diplomierte Pflegefachpersonen), Switzerland Luck Frank;


Self-organised

Title Date Place
"Qualitative Forschungsmethoden in den Gender Studies: Interviews führen und auswerten" 20.02.2014 Zentrum Gender Studies, Universität Basel, Switzerland
Seminar: Geschlechterforschung praktisch: Wege zum eigenen Forschungsprojekt. 19.02.2014 Basel, Switzerland
ExpertInnen-Workshop "Männer und Gesundheit" 16.01.2014 Basel, Switzerland
„Qualitative Forschungsmethoden in den Gender Studies: Interviews führen und auswerten“ 27.02.2013 ZGS, Universität Basel, Switzerland

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved


Self-organised

Title Date Place
„Männer und Teilzeitarbeit, gelebte Berufs- und Führungspraxis“ 13.02.2014 Basel, Switzerland

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Talks/events/exhibitions "Männer und Teilzeitarbeit: Gesellschaftlicher Wandel?" German-speaking Switzerland 2014
Talks/events/exhibitions "Wie reden denn Männer von sich, von ihrer Gesundheit, von der psychischen Gesundheit" German-speaking Switzerland 2014
Other activities Friedrich-Ebert-Stiftung (Berlin, Deutschland): "Geschlechterpolitik im Aufbruch" International 2014
Talks/events/exhibitions „Alte Bilder“ – „neue“ Wege? Gesellschaft und Geschlechterbilder im Wandel. German-speaking Switzerland 2013
Talks/events/exhibitions „Männergesundheit: More Energy for Life?“ German-speaking Switzerland 2013
Media relations: print media, online media „Mehr Männer in die Pflege!“ Schauplatz Spitex German-speaking Switzerland 2013
Talks/events/exhibitions PalaverLoop: Männer - Männlichkeit - Behinderung German-speaking Switzerland 2013
Media relations: print media, online media „Echte Indianer stehen zum Schmerz." Forscher untersuchen, wie Männer mit Gesundheit umgehen Basler Zeitung German-speaking Switzerland 2012
Talks/events/exhibitions „Männer, Männlichkeiten(en) und Gesundheit – Frauen und Männer als Eltern stärken“ German-speaking Switzerland 2012

Abstract

Wie gehen Männer im Alltag mit Gesundheit um?Eine empirische Untersuchung zum Zusammenhang von Gesundheitshandeln von Männern im mittleren Lebensalter und Männlichkeit(skonstruktionen)Weltweit besteht ein „gender gap“ in der Lebenserwartung und Sterblichkeitsrate zwischen Männern und Frauen - zu Ungunsten der Männer. Das gilt auch für die Schweiz: Auch hier leben Männer durchschnittlich etwa fünf Jahre kürzer als Frauen und sie sterben in allen Lebensphasen deutlich öfter. Diese höhere Sterblichkeit kommt überwiegend durch verhaltensbedingte Ursachen zustande: Männer weisen ein stärkeres gesundheitliches Risikoverhalten auf (Alkohol-, Tabak-, Drogenkonsum, Verhalten im Strassenverkehr und Sexualleben), nehmen weniger Vorsorgeuntersuchungen wahr, setzen sich grösseren körperlichen Belastungen aus (Beruf, Sport) und suchen weniger oder erst spät ärztliche Hilfe. Zur Erklärung dieses bei Männern häufiger verbreiteten Verhaltens kommen in letzter Zeit zunehmend Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Männlichkeit in den Blick. Dabei wird in den Gesundheitswissenschaften vermehrt auf sozialkonstruktivistische Konzepte von Geschlecht („gender“) und Männlichkeiten („masculinities“) aus der Geschlechter- bzw. Männerforschung zurückgegriffen, wie z.B. Connells Konzeption „hegemonialer Männlichkeiten“ und Bourdieus „Geschlechtshabitus“. Geschlecht wird darin als eine sozial konstituierte und konstituierende Praxis verstanden, die innerhalb einer historisch spezifischen Geschlechterordnung stetig reproduziert wird. „Männlichkeit“ ist demzufolge keine eindeutige und feststehende Grösse sondern Effekt eines Herstellungsprozesses.Frühen Untersuchungen aus der Frauengesundheitsforschung lag bereits eine ähnliche Konzeption von Geschlecht zu Grunde; sie konnten zeigen, dass gesundheitsrelevante Verhaltensweisen als Herstellungsprozesse für weibliche/männliche Geschlechtsidentitäten fungieren können. Diese Perspektive möchten wir im vorliegenden Forschungsprojekt ebenfalls verfolgen und weiterentwickeln. Indem wir gesundheitsrelevantes Verhalten als vergeschlechtlichtes und zugleich vergeschlechtlichendes Handeln untersuchen, kehren wir die herkömmliche Blickrichtung auf Gesundheit und Geschlecht um: Gesundheitsrelevantes Handeln wird nicht vorgängig durch Männlichkeit erklärt, sondern als Resultat und Ausgestaltung von Männlichkeits-/Weiblichkeitskonzepten verstanden. Dies bietet fruchtbare Perspektiven auf das ungünstige Gesundheitshandeln von Männern. Wenn sie sich in ihrem Alltag an Mustern hegemonialer Männlichkeit(en) orientieren und spezifische Formen von Männlichkeit(en) herstellen (müssen), kann dies durchaus mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein: Etwa wenn die Notwendigkeit, immer wieder „Stärke“, „Härte“ und Autonomie demonstrieren zu müssen, angesichts von psychischen oder physischen Krankheiten oder steigendem Lebensalter schwer zu realisieren bzw. in hohem Masse schädlich für die eigene Gesundheit ist. Allerdings lassen sich auch neue Männlichkeitsausprägungen finden, die ein gesundheitsförderliches Handeln als Bestandteil von Männlichkeit beinhalten (können) und produktive Ansatzpunkte für eine neue Gesundheitspolitik sein könnten.Ziel des geplanten Projektes ist es, in einem qualitativen Design die Zusammenhänge zwischen Gesundheitshandeln und Männlichkeit(en) zu untersuchen. Anhand von 45 teilnarrativen Interviews mit deutschsprachigen Schweizer Männern im Alter von 30 bis 60 Jahren soll detailliert herausgearbeitet werden, welche Männlichkeitskonstruktionen als gesundheitsrelevantes Handeln deutlich werden und umgekehrt. Das geplante Forschungsprojekt wird folglich bedeutsame Erkenntnisse über das heutige Gesundheitshandeln von Schweizer Männern generieren und damit einen wichtigen Beitrag zu einer qualitativ verbesserten Gesundheitsversorgung für Männer leisten.
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