Project

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Mit welchen Mitteln kann die Philosophie auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und einwirken?

Applicant Hampe Michael
Number 138164
Funding scheme Project funding
Research institution Professur für Philosophie GESS/Institut für Philosophie ETH Zürich
Institution of higher education ETH Zurich - ETHZ
Main discipline Philosophy
Start/End 01.03.2012 - 28.02.2015
Approved amount 176'503.00
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Keywords (2)

Democracy, Pragmatism, Neo-Pragmatism, Dewey, ; Rorty, Putnam, Relevance of philosophy

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Die Frage, auf welche Weise Philosophie auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und einwirken kann, ist seit John Dewey Gegenstand von Debatten im Pragmatimus und Neopragmaismus gewesen. Dewey hat die Aufgabe der Philosophie einerseits in einer Vermittlungsfunktion zwischen den spezialisierten Wissenschaften gesehen, andererseits in einer Verbesserung der Möglichkeiten intensive Erfahrungen im Leben von Menschen zu verwirklichen. Entsprechend hat sich Dewey wissenschaftsphilosophisch, pädagogisch und politisch engagiert.

In den neopragmatistischen Debatte haben Richard Rorty und Hilary Putnam an Dewey angeknüpft. Rorty hat dafür argumentiert, dass die Verbesserung der menschlichen Verhältnisse weniger durch (philosophische oder wissenschaftliche) Theorien, als vielmehr durch Erzählungen, Feuilletons und Kritiken zu geschen habe und die wissenschaftliche Kultur entsprechend kritisiert. Putnam hat dagegen einen theoretischen Weg zwischen Fallibilismus und Skeptizismus gesucht, der es erlaubt, auf theoretische Weise die menschlichen Verhältnisse zu vebessern, d.h. er hat an einem kulturellen Szientismus festgehalten.

Das Projekt vergleicht die Ansätze von Rorty und Putnam und ihre Bezugnahmen auf Dewey. Es ist von der Arbeitshypothese geleitet, dass die beiden neoprgamatistischen Autoren das intellektuelle Potential der Deweyschen Konzeption noch nicht ausgeschöpft haben und dass sich bestimmte Aporien und Dilemmata vermeiden lassen, wenn man in einer Neuinterpretation Deweys Erfahrungs- und Demokratiekonzeption noch einmal genauer betrachtet.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Knowing democracy : a pragmatist account of the epistemic dimension in democratic politics
Räber Michael (2016), Knowing democracy : a pragmatist account of the epistemic dimension in democratic politics, Universität Zürich/Zentral Bibliothek Zürich, Zürich.
The Art of Democracy—Art as a Tool for Developing Democratic Citizenship and Stimulating Public Debate: A Rortyan-Deweyan Account
Räber Michael (2013), The Art of Democracy—Art as a Tool for Developing Democratic Citizenship and Stimulating Public Debate: A Rortyan-Deweyan Account, in Humanities, 2(2), 176-192.
Das Eigene und Fremde bei John Locke - Lockes Legitimation von Eigentumsrechten und der britischen Kolonisierung Amerikas
Michael Räber, Das Eigene und Fremde bei John Locke - Lockes Legitimation von Eigentumsrechten und der britischen Kolonisierung Amerikas, in Diggelmann Oliver, Cheneval Francis, Altwicker Tilmann (ed.), Mohr Siebeck, Tübingen.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Juristische Fakultät Universität Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Swiss Pragmatism Network Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Yale University United States of America (North America)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Kompetenzzentrums für Menschenrechte (MRZ) Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Deliberation after Consensus Talk given at a conference Political Knowledge, Diversity & The Epistemic Limits of Inclusive Deliberation 20.11.2014 Paris, France Räber Michael;
Critique and Crisis – The 2014 Symposium of the Swiss Philosophical Society Talk given at a conference A Pragmatist Account Of Criticism 05.06.2014 St. Gallen, Switzerland Räber Michael;
London Conference in Critical Thought LCCT Talk given at a conference Pragmatist Aesthetics, Social Criticism and Democracy 06.06.2013 London, Great Britain and Northern Ireland Räber Michael;
Researching Citizenship & Democracy in Europe Talk given at a conference How to Conceive of Democracy in Experimentalist Terms 31.05.2013 Zürich, Switzerland Räber Michael;
Rethinking Pragmatist Aesthetics Talk given at a conference Rorty and Dewey on the Aesthetics of Moral Perception, Social Criticism and the Democratic Power of Art 31.08.2012 Breslau, Poland Räber Michael;
Workshop on Rorty and Marquard Talk given at a conference The Democratic Qualities of Narratives – Rorty’s Idea of Cultural Intervention Reconsidered 01.06.2012 Zürich, Switzerland Räber Michael;


Self-organised

Title Date Place
Human Nature and Moral Conduct – Perspectives of a Pragmatist Ethics 25.05.2012 Zürich, Switzerland

Abstract

Dieses auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt soll (neo)pragmatistische Positionen zur Frage vergleichen, mit welchen Mitteln die Philosophie auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und einwirken kann. Genauer wird gefragt, ob die Philosophie gesellschaftliche Entwicklungen mit Begru¨ndungen unterstu¨tzen oder kritisieren soll, oder ob Kritik und Unterstu¨tzung angemessener in Erzählungen - ku¨nstlerischen Werken, journalistischen Appellen, historischen Berichten, usw. - erfolgen sollte. In der neopragmatistischen Philosophie hat sich Richard Rorty vehement fu¨r den narrativen Ansatz ausgesprochen und ihm eine charakteristische Form verliehen; und Hilary Putnam hat dezidiert fu¨r das bedeutungstheoretische Unternehmen argumentiert. Bei beiden sind Überlegungen von John Dewey einflussreich gewesen.Im Anschluss an Rorty soll gezeigt werden, wieso ein Verzicht auf egru¨ndungen unter bestimmten Umständen sinnvoll sein kann. Das kreative Potential von Erzählungen und artistischen Produkten ermöglicht es, uns in unserem Selbstverständnis als Individuen und als Mitglieder von Gemeinschaften nachhaltiger zu prägen als theoretische Räsonnements. Indes hat Rorty in der Folge seiner Kontingenz- und Ethnozentrismusphilosophie unnötigerweise jede Art von wissenschaftlicher Tätigkeit als kulturtragend bekämpft, sofern sie um die Erzeugung von normativen Deutungsmodellen bemu¨ht ist. Dies liegt nicht im narrativen Ansatz selbst, sondern ist eine Folge der Verbindung dieses Ansatzes mit seinem Ironiebegriff. Dieser Begriff und jene Verbindung werden einer Kritikunterzogen.Andererseits - und gegen Rorty - wird mit Putnam die These vertreten, dass die Philosophie gesellschaftliche Entwicklungen in Theorien bewerten soll. Putnam sieht die Aufgabe der Philosophie darin, einen Mittelweg zwischen Fallibilismus und Skeptizismus zu finden. Als Beispiel wird Putnams Versuch diskutiert, die Demokratie philosophisch zu verteidigen. Dieser Versuch arbeitet mit der an Deweys Konzept der inquiry orientierten Idee, dass sich die Erhöhung der sachlichen Rationalität aus der Inklusion möglichst verschiedener Perspektiven sowie aus einer Verringerung der Akzeptanzschwelle fu¨r diese Sache ergeben soll. Die Idee wird allerdings insofern negativ bewertet, als sie - anders als Dewey - Demokratie auf eine Form der prozeduralen Demokratie als breit anwendbare Methode der politischen Entscheidungsfindung reduziert.Es soll eine neue Deweyinterpretation vorgeschlagen werden, die einen engen Zusammenhang herstellt zwischen Deweys Begriff „experience“, seinem ethischen Ideal der Demokratie als Lebensform und seinem u¨ber dieWissenschaften hinaus anwendbaren Ideal der „inquiry“. Mit dieser Begriffskonstellation bei Dewey kann versucht werden, den begru¨ndungstheoretischen Ansatz von Putnam mit dem narrativen Ansatz von Rorty in einer pragmatistischen Perspektive zu vereinen.
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