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Die Begriffe des Geistes

English title The Concepts of Mind
Applicant Glock Hans-Johann
Number 137945
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Philosophisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.09.2012 - 31.08.2014
Approved amount 97'830.00
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Keywords (6)

concepts; conceptual clarification; philosophy of mind; consciousness; mind; translatability

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Die Erkenntnisse der Neurowissenschaft scheinen zunehmend unsere alltäglichen Begriffe wie Geist, Denken und Bewusstsein in Frage zu stellen. In vielen Fällen aber handelt es sich hier dabei lediglich um begriffliche Verstrickungen, die durch verschiedene Verwendungsweisen der beteiligten Ausdrücke zustande kommen. Um solche Verwirrungen ausfindig zu machen, ist zunächst Gebrauch dieser Begriffe in der normalen Sprache zu untersuchen. Als  normal gilt einerseits diejenige Verwendungsweise, die den Normen des jeweiligen Diskurses entspricht und auf getroffenen Konventionen beruht. Andererseits bezieht sich der normale Gebrauch auf die Alltagssprache. Wo der Geist mit alltagsprachlichen Begriffen beschrieben wird, müssen diese entweder normgemäss verwendet oder aber ihre Abweichung dargelegt werden.

Ziel dieser Arbeit ist eine Begriffsklärung für die Begriffe des Geistes. Deren normale Verwendung wird mit derjenigen der neueren philosophischen und populärwissenschaftlichen Publikationen verglichen, um die entstandenen Differenzen zu erörtern. Die daraus gewonnen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die begrifflichen Inkongruenzen aufzudecken.

Trotz ihrer Popularität ist diese Methode aber auch mit Einwänden konfrontiert worden. So wurde etwa die übereinzelsprachliche Relevanz der bislang aufs Englische beschränkten Begriffsklärungen bezweifelt. Ausserdem wird immer wieder auf die mangelhafte Verzahnung mit der Sprachwissenschaft hingewiesen. Diese methodologische Kritik soll im ersten Teil der Arbeit ausführlich besprochen werden, da bisherige Begriffsklärungen ihr kaum Rechnung getragen haben. Die beiden genannten Einwände kann die Arbeit selbst widerlegen: Einerseits werden die Ergebnisse für das Deutsche neben diejenigen der englischsprachigen Begriffsklärungen gestellt und mit ihnen verglichen, um übereinzelsprachliche Schlüsse ziehen zu können. Andererseits soll die bislang ausschliesslich synchrone Methode um eine sprachhistorische Perspektive erweitert werden, die den wissenschaftlichen Ansprüchen der modernen diachronen Linguistik genügen kann. Gerade diese Perspektive nämlich hilft uns, in einer so verworrenen Begrifflichkeit wie der des Geistes die Gebrauchsregeln überblicken zu können.

Am Ende soll die Arbeit eine Übersicht der mentalen Begriffe liefern, wie sie für das Deutsche bislang noch fehlt. Der hitzigen Diskussion um die Natur des Geistes wird damit ihr Wortschatz geklärt, den sie ja zu einem beträchtlichen Teil aus der normalen Sprache entnommen hat. Und es ist dieser Ansatz der Philosophie, der überhaupt erst die transdisziplinäre Nutzung der Resultate ermöglicht.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Mapping the Ancient City: Historical Linguistics and Conceptual Clarification
Adler Joachim (2014), Mapping the Ancient City: Historical Linguistics and Conceptual Clarification, in Stalmaszczyk Piotr (ed.), 11-28.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Dr Peter Hacker, University of Oxford Great Britain and Northern Ireland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
153188 Conceptual Analysis 01.06.2014 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Keine wissenschaftliche Disziplin findet derzeit mehr Beachtung als die Neurowissenschaften. Die neuen Mo¨glichkeiten der Hirnforschung, so scheint es, stellen zunehmend auch unsere allta¨glichen Begriffe wie 'Geist', 'Denken' und 'Bewusstsein' in Frage. Allerdings wird dabei oft der Unterschied zwischen faktischen und begrifflichen Aspekten des Problems u¨bergangen. Um auf neurophysiologischer Seite neue Erkenntnisse u¨ber das Bewusstsein erlangen zu ko¨nnen, muss zuna¨chst einmal gekla¨rt werden, was u¨berhaupt mit dem Begriff 'Bewusstsein' gemeint ist; erst wenn na¨mlich klar ist, worauf dieser Begriff abzielt, kann das Bewusstsein auch mit empirischen Methoden untersucht werden. Die Philosophie der normalen Sprache will zur Untersuchung des menschlichen Geistes insofern einen Beitrag zu leisten, als sie die ihm zugrundeliegenden problematischen Begriffe kla¨rt. Sie vergleicht verschiedene Verwendungsweisen der relevanten Begriffe und versucht, den normalen und sinnvollen Gebrauch von einem abweichenden zu trennen. So zeigt sich, dass manche Ergebnisse der Hirnforschung zuweilen nicht aufgrund der zu Tage gefo¨rderten Tatsachen problematisch sind, sondern aufgrund ihrer Begrifflichkeit, die von den u¨blichen Gebrauchsregeln abweicht und damit das angebliche Thema zu verfehlen droht und kla¨rungsbedu¨rftig ist. Obgleich diese Methode der Philosophie derzeit eine eigentliche Renaissance erlebt, du¨rfen die gegen sie erhobenen Einwa¨nde nicht vergessen werden: Den bislang aufs Englische beschra¨nkten Begriffskla¨rungen wurde etwa die Sprachgebundenheit vorgeworfen und damit ihre u¨bereinzelsprachliche Relevanz in Frage gestellt. Ziel des Projekts ist es darum, eine Begriffskla¨rung speziell fu¨r das Deutsche auf dem Gebiet der Philosophie des Geistes anzufertigen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der philosophisch orientierten Sprache, wie sie in Vero¨ffentlichungen im Bereich der Philosophie des Geistes und in popula¨rwissenschaftlichen Schriften von prominenten Neurowissenschaftlern zu finden ist. Als Erga¨nzung der Philosophie der normalen Sprache wird die synchrone Begriffskla¨rung um eine sprachhistorische Perspektive erweitert, die den wissenschaftlichen Anspru¨chen der modernen diachronen Linguistik genu¨gen kann. Daru¨ber hinaus sollen in einem methodologischen Teil die vorgebrachten Einwa¨nde gegen die Philosophie der normalen Sprache behandelt werden, insbesondere jener der Sprachrelativita¨t, indem die vorliegende Begriffskla¨rungen im Englischen und die geplante im Deutschen miteinander verglichen werden. Damit verbunden ist schliesslich auch die U¨bersetzungsproblematik, die u.a. durch Beru¨cksichtigung aktueller U¨bersetzungen von philosophischen Werken miteinbezogen werden soll.
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