Project

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The Social Condenser

Applicant Ursprung Philip
Number 137847
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Geschichte und Theorie der Architektur / gta D-ARCH ETH Zürich
Institution of higher education ETH Zurich - ETHZ
Main discipline Architecture and Social urban science
Start/End 01.02.2012 - 31.05.2015
Approved amount 175'112.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Architecture and Social urban science
Sociology

Keywords (8)

Architekturgeschichte; Postmoderne; Pariser Banlieue; Stadtentwicklung; Gouvernementalität; Henri Lefebvre; Ethnografie; sozialer Wohnungsbau

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

The Social Condenser

Les Espaces d’Abraxas (1978-1983) in Marne-la-Vallée als das letzte Grand Ensemble der Pariser Banlieue

1. Zusammenfassung des Forschungsplans

Ricardo Bofills Les Espaces d’Abraxas ist einer der letzten Grosswohnbauten der Pariser Banlieue. Zwölf Kilometer vor der Pariser Innenstadt erinnert seine 19-geschossige Silhouette mit ihrer eklektischen Säulenfassade aus Betonfertigteilen an ein symbolisches Stadttor inmitten der Vorortsiedlungen. Die Konnotationen des Projektes reichen von einer Strafkolonie bis zum surrealem Traumbild, verstärkt durch den Umstand, dass das Gebäude kurz nach Fertigstellung als Filmkulisse für Brazil (1984) von Terry Giliam diente, einer Parodie des Romans 1984 von George Orwell (1948). Die Realisierung dieses umstrittenen Projeks hängt untrennbar mit der Kritik an der Monotonie der Grands Ensembles in den 1960er Jahren und der politischen Situation in Paris nach 1968 zusammen. Les Espaces d’Abraxas dient nun als Anlass, um zum einen die Lücke ,Ricardo Bofill’ in der französischen Architekturgeschichts-schreibung der 1970er und frühen 1980er Jahre zu schliessen, und zum anderen das Oxymoron ,Postmoderner Großwohnbau’ in der Pariser Banlieue zu lösen.

Die Analyse und Kontextualisierung des Projekte ist von drei Fragestellungen geleitet. Die erste Frage betrifft das Verhältnis von Architektur und Politik. Welches Verhältnis besteht zwischen dem materiellen Artefakt, der Erfolgskurve seines Architekten und den Verhandlungen unterschiedlicher politischer Akteure? Kann man diese Architektur als das Produkt politischer Verhandlungsprozesse betrachten – und welche Parameter müssten dafür herangezogen werden?

Die zweite Frage lautet: Wie kann dieser Gegenstand jenseit der gängigen stilistischen Kategorien – namentlich der formalen Dichotomie zwischen Modernismus und Postmodernismus – beschrieben und interpretiert werden? Wie können Kriterien entwickelt werden, mittels derer der innere Widerspruch von Les Espaces d’Abraxas – einem Sozialwohnungsbau, der sich einer Bildsprache bedient, welche im Totalitarismus zu wurzeln scheint – erklärt werden kann und das Projekt als Scharnier zwischen einer Architektur des Wohlfahrsstaates der Nachkriegszeit und der neoliberalen Stadtentwicklung darstellbar wird?

Die dritte Frage handelt davon, ob die emotionale Reaktion und starke Ablehnung, mit denen dieses Projekt bis heute in den Medien und in der Fachwelt besetzt ist, als Angst zu deuten ist. Was wäre, wenn hinter Les Espaces d’Abraxas der unverdaute Schrecken eines utopischen Traumes sichtbar würde, der jederzeit in den Albtraum eines autoritären Regimes umkippen könnte? Dreht man diesen Gedanken um, könnte die Analyse der Mechanismen von Produktion und Repräsentation von Les Espaces d’Abraxas neue, positive Bewertungskriterien des öffentlich finanzierten Grosswohnbaus freilegen.

Um dieses Forschungsvorhaben in einen historiografischen Kontext einzubetten, sind zwei Themenstränge wichtig. Auf einer übergeordneten Ebene steht erstens die Postmoderne in Architektur und Städtebau in Europa; auf einer konkreten Ebene müssen die Entwicklung des Grosswohnbaus in Frankreich und der Ausbau der Villes Nouvelles in den 1970er Jahren herangezogen werden – samt der darin enthaltenen Kritik an der Modernen Architektur sowie der Figur des Architekten seitens der Sozialwissenschaften. Die inhaltlichen Achsen Produktion und Repräsentation helfen, diese unterschiedlichen Themenstränge zu strukturieren und zu verbinden. Erstere untersucht, wie das Projekt real umgesetzt und von den Bewohnern im Alltag erlebt wurde; letztere untersucht, welche Repräsentationsformen von Architekt und Werk dafür in einem soziopolitischen Kontext notwendig waren.


Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Raumtheater und Sozialpalast. Wie lebt es sich in der Wohnutopie?“ (ein Besuch in Walden 7)
Kockelkorn Anne (2014), Raumtheater und Sozialpalast. Wie lebt es sich in der Wohnutopie?“ (ein Besuch in Walden 7), in Baumeister, (4), 74-83.
Candide Nr. 7 "Zur Krise des Großwohnungsbaus in den 1970er Jahren"
Axel Sowa Susanne Schindler Andres Lepik Anne Kockelkorn (ed.) (2013), Candide Nr. 7 "Zur Krise des Großwohnungsbaus in den 1970er Jahren", Hatje Cantz, Ostfildern.
Zur Krise des Großwohnungsbaus in den 1970er Jahren
Anne Kockelkorn Susanne Schindler (2013), Zur Krise des Großwohnungsbaus in den 1970er Jahren, in Candide, (7), 4-9.
Zürich, 1971. Ein Gespräch über Wohnungsfragen, Hochschulintrigen und einen Meister aus Italien
Anne Kockelkorn Axel Sowa Bruno Reichlin Jörn Janssen (2013), Zürich, 1971. Ein Gespräch über Wohnungsfragen, Hochschulintrigen und einen Meister aus Italien, in Candide, (7), 113-139.
Interieurs des 21. Jahrhunderts. Ein Ausflug nach Marne-la-Vallée
Kockelkorn Anne (2012), Interieurs des 21. Jahrhunderts. Ein Ausflug nach Marne-la-Vallée, in Archithese, (5.2012), 82-88.
Ricardo Bofill and the Oxymoron of Postmodern Public Housing in France
Kockelkorn Anne (2012), Ricardo Bofill and the Oxymoron of Postmodern Public Housing in France.
Le crepuscule des architectes. Le concours d’Evry
Kockelkorn Anne, Le crepuscule des architectes. Le concours d’Evry, in Colonnes, (31).

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Dozentur Soziologie, d'Arch, ETH Zürich Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Research Infrastructure
Laboratoires de recherche de l’Ecole Nationale Supérieure d’Architecture de Paris La Villette France (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Once upon a Time: Manfredo Tafuri and the Crisis of Architectural History Talk given at a conference Moderation 06.03.2015 Zürich, Cabaret Voltaire, Switzerland Ursprung Philip; Kockelkorn Anne Maria;
Performacity Talk given at a conference Historical Images of the Urban in a Global Context (Respondenz auf Mechtild Widrich und Ijal Muzaffar) 13.07.2014 Basel, Switzerland Kockelkorn Anne Maria;
Universal - Specific. From analysis to intervention? Talk given at a conference Universeller Einzelfall? Maßstabsfragen zum Grosswohnungsbau 13.11.2013 ETH Zürich, Switzerland Kockelkorn Anne Maria;
Der Fall Göhner – zur Krise des Grosswohnungsbaus in den 1970er Jahren Talk given at a conference Träume aus Beton. Zur politischen Instrumentalisierung der Wohnungsbauprojekte Ricardo Bofills 11.10.2012 ETH Zürich, Switzerland Kockelkorn Anne Maria;
Community Spaces – Conception – Appropriation – Identity Talk given at a conference Discipline, Chase and Hide 07.09.2012 TU Darmstadt, Germany Kockelkorn Anne Maria;
European Architecture History Network (EAHN), Second International Meeting 2012 Talk given at a conference Ricardo Bofill and the Oxymoron of Postmodern Public Housing in France 29.05.2012 Brüssel, Palais des Académies, Belgium Kockelkorn Anne Maria;


Self-organised

Title Date Place
Approaches and methods in qualitative urban research 11.07.2012 ETH Zürich, Switzerland

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Talks/events/exhibitions Panoptikum der Postmoderne International 2014
Talks/events/exhibitions Buchpräsentation: Warum noch Bücher, warum noch Zeitschriften? German-speaking Switzerland 2013
Talks/events/exhibitions Brazil au Quotidien Western Switzerland 2012

Abstract

The Social CondenserLes Espaces d’Abraxas (1978-1983) in Marne-la-Vallée als das letzte Grand Ensemble der Pariser Banlieue 1. Zusammenfassung des ForschungsplansRicardo Bofills ,Les Espaces d’Abraxas' ist einer der letzten Grosswohnbauten der Pariser Banlieue. Zwölf Kilometer vor der Pariser Innenstadt erinnert seine 19-geschossige Silhouette mit ihrer eklektischen Säulenfassade aus Betonfertigteilen an ein symbolisches Stadttor inmitten der Vorortsiedlungen. Die Konnotationen des Projektes reichen von einer Strafkolonie bis zum surrealem Traumbild, verstärkt durch den Umstand, dass das Gebäude kurz nach Fertigstellung als Filmkulisse für ,Brazil' (1984) von Terry Giliam diente, einer Parodie des Romans ,1984' von George Orwell (1948). Die Realisierung dieses umstrittenen Projekts hängt untrennbar mit der Kritik an der Monotonie der Grands Ensembles in den 1960er Jahren und der politischen Situation in Paris nach 1968 zusammen. ,Les Espaces d’Abraxas' dient nun als Anlass, um zum einen die Lücke ,Ricardo Bofill’ in der französischen Architekturgeschichtsschreibung der 1970er und frühen 1980er Jahre zu schliessen, und zum anderen das Oxymoron ,Postmoderner Grosswohnbau’ in der Pariser Banlieue zu lösen. Die Analyse und Kontextualisierung des Projekts sind von drei Fragestellungen geleitet. Die erste Frage betrifft das Verhältnis von Architektur und Politik. Welche Zusammenhänge bestehen zwischen dem materiellen Artefakt, der Karriere seines Architekten und den Verhandlungen unterschiedlicher politischer Akteure? Kann man diese Architektur als das Produkt politischer Verhandlungsprozesse betrachten - und welche Parameter müssten dafür herangezogen werden? Die zweite Frage lautet: Wie kann dieser Gegenstand jenseits der gängigen stilistischen Kategorien - namentlich der formalen Dichotomie zwischen Modernismus und Postmodernismus - beschrieben und interpretiert werden? Wie können Kriterien entwickelt werden, mittels derer der innere Widerspruch von Les Espaces d’Abraxas - einem Sozialwohnungsbau, der sich einer Bildsprache bedient, welche im Totalitarismus zu wurzeln scheint - erklärt werden kann und mittels derer das Projekt als Scharnier zwischen einer Architektur des Wohlfahrsstaates der Nachkriegszeit und der neoliberalen Stadtentwicklung darstellbar wird? Die dritte Frage handelt davon, ob die emotionale Reaktion und starke Ablehnung, mit denen dieses Projekt bis heute in den Medien und in der Fachwelt besetzt ist, als Angst zu deuten ist. Was wäre, wenn hinter Les Espaces d’Abraxas der unverdaute Schrecken eines utopischen Traumes sichtbar würde, der jederzeit in den Albtraum eines autoritären Regimes umzukippen droht? Kehrt man diesen Gedanken um, könnte die Analyse der Mechanismen von Produktion und Repräsentation von ,Les Espaces d’Abraxas' neue, positive Bewertungskriterien des öffentlich finanzierten Grosswohnbaus freilegen.Um dieses Forschungsvorhaben in einen historiografischen Kontext einzubetten, sind zwei Themenstränge wichtig. Auf einer übergeordneten Ebene steht erstens die Postmoderne in Architektur und Städtebau in Europa; auf einer konkreten Ebene müssen die Entwicklung des Grosswohnbaus in Frankreich und der Ausbau der Villes Nouvelles in den 1970er Jahren herangezogen werden - samt der darin enthaltenen Kritik an der Modernen Architektur sowie der Figur des Architekten seitens der Sozialwissenschaften. Die inhaltlichen Achsen Produktion und Repräsentation helfen, diese unterschiedlichen Themenstränge zu strukturieren und zu verbinden. Erstere untersucht, wie das Projekt real umgesetzt und von den Bewohnern im Alltag erlebt wurde; letztere untersucht, welche Repräsentationsformen von Architekt und Werk dafür in einem soziopolitischen Kontext notwendig waren.
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