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Städtebautheorie: Theorie einer "interdisziplinären Disziplin"

English title Theory of urbanism: a theory of an "interdisciplinary discipline"
Applicant Gerber Andri
Number 137075
Funding scheme Ambizione
Research institution Institut für Geschichte & Theorie der Architektur (gta) / D-ARCH ETH Zürich
Institution of higher education ETH Zurich - ETHZ
Main discipline Architecture and Social urban science
Start/End 01.06.2012 - 30.11.2015
Approved amount 381'074.00
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All Disciplines (4)

Discipline
Architecture and Social urban science
Visual arts and Art history
General history (without pre-and early history)
Civil Engineering

Keywords (4)

Städtebau; Städtebaugeschichte; Städtebautheorie; Historische Epistemologie

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Das vorliegende Forschungsprojekt gründet auf einem bemerkenswerten Paradox: Während auf der einen Seite die Stadt als Objekt von Diskussionen und Untersuchungen allgegenwärtig ist – spätestens seit bekannt wurde, dass 2007 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebte und diese Zahl 2050 voraussichtlich auf 75 Prozent steigen wird (Burdett 2007) – und zum Lackmuspapier für Fragen der Nachhaltigkeit und neuer Gesellschaftsformen geworden ist, besteht auf der anderen Seite eine Disziplin Städtebau, die sich mit dem Phänomen Stadt und ihrer Transformation auseinandersetzt, im eigentlichen Sinne nicht. Dies, weil sich der Städtebau erst durch die Überlagerung verschiedener anderer Disziplinen – Soziologie, Geographie, Ökonomie, Architektur usw. – definiert und damit eine wahrhaft „interdisziplinäre Disziplin“ ausmacht. „Städtebau“ besteht in Abhängigkeit von diesen anderen Disziplinen und verändert sich ihrem jeweiligen Einfluss entsprechend permanent. Anekdotisch lässt sich dies am Fehlen einer eigenständigen Ausbildungsinstitution für Städtebau belegen: In Frankreich, um nur ein Beispiel zu nennen, wird Städtebau an Architekturschulen oder Universitäten (Geographie- und Soziologiefakultät) gelehrt.

Während diese „poröse“ Natur der Disziplin Städtebau – die natürlich bis zu einem gewissen Grad Parallelen zu anderen Disziplinen mit ähnlichen Problemen, wie zum Beispiel der Medizin, aufweist – bereits angesprochen wurde (bspw. Calabi 2008), ist sie als solche noch nie untersucht worden. Das ist das ambitionierte Ziel dieser Arbeit: eine Reflexion über die Natur der Disziplin Städtebau in ihrer wechselnden Abhängigkeit von anderen Disziplinen, was hier als Städtebautheorie bezeichnet wird. Diese Theorie soll ein Modell davon liefern, wie sich die Disziplin Städtebau über den Einfluss anderer Disziplinen definiert; und wie sich dieser Einfluss und damit entsprechend auch die Disziplin Städtebau über die Zeit verändert. Damit soll auch auf eine dem Städtebau inhärente Problematik Bezug genommen werden, die ebenfalls auf diese ambivalente Natur der Disziplin zurückzuführen ist: die strikte Trennung zwischen Theorie und Praxis.

Dabei stellt sich zunächst die Frage, was das Eigene des Städtebaus ausmacht, wenn es denn ein Eigenes gibt. Und inwiefern sich dieses Eigene im Laufe der Zeit aufgrund der Verschiebungen der Disziplinen, die darauf Einfluss nehmen – neue kommen hinzu, das Kräfteverhältnis innerhalb der Disziplinen verschiebt sich usw. –, verändert. Es handelt sich damit keineswegs um eine axiomatische-, sondern um eine beschreibende Theorie. Die Fragestellung und das methodische Vorgehen lehnen sich an die historische Epistemologie an. Der Kern der Arbeit untersucht zwei zeitlich begrenzte Abschnitte aus der Geschichte der Disziplin als Case studies: die Geburt der Disziplin um 1900 und den durch die Ablehnung der Moderne bedingten Paradigmenwechsel um 1960/70. Dabei wird der jeweilige Einfluss der beteiligten Disziplinen auf „Institutionen“ des Städtebaus – Schulen, Berufsverbände, Wettbewerbe, Ausstellungen und Zeitschriften – verglichen und anhand von drei Themen untersucht. Diese drei Themen sind: 1.) Theorien und Konzepte, 2.) Methoden und Instrumente, 3.) Personen. Der erste Abschnitt, die Zeit um 1900, fokussiert auf die Entwicklungen in Deutschland, Frankreich und England, der zweite, die Jahre um 1960/70, auf Italien und Frankreich. Der theoretische Ansatz der Forschungsarbeit beruht auf dem Vergleich der einzelnen Themen über die beiden Zeitabschnitte, womit Aussagen über die Entwicklungen und Gesetzlichkeiten der Disziplin getroffen werden können. Sie dienen fernerhin als Grundlage für ein besseres Verständnis zeitgenössischer Entwicklungen.


Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
A life less ordinary
Gerber andri (2015), A life less ordinary, in AA FILES, 71, 574-581.
Der Architekt und die saine horreur de la monotonie
Gerber andri (2015), Der Architekt und die saine horreur de la monotonie, in Werk, Bauen und Wohnen, 10, 41-43.
Independent or Bureaucratic? The Early Career Choice of an Architect at the Turn of the Twentieth Century in Germany, France and England
gerber andri (2015), Independent or Bureaucratic? The Early Career Choice of an Architect at the Turn of the Twentieth Century in Germany, France and England, in Footprint, 17, 47-67.
'Stadt' gibt es nicht! Unbestimmtheit als Programm in Städtebau und Architektur
Stefan Kurath Andri Gerber (ed.) (2015), 'Stadt' gibt es nicht! Unbestimmtheit als Programm in Städtebau und Architektur, DOM Publishers, Berlin.
Europa und die Hochhäuser
Gerber Andri (2014), Europa und die Hochhäuser, in Lampugnani Vittorio Magnano (ed.), Gebr. Mann, Berlin, 641-657.
Metageschichte der Architektur. Ein Lehrbuch für angehende Architekten und Architekturhistoriker
Gerber Andri (2014), Metageschichte der Architektur. Ein Lehrbuch für angehende Architekten und Architekturhistoriker, transcript Verlag, Bielefeld.
Skyscraper City. Das Hochaus in der Entwicklung der amerikanischen Grossstadt
Gerber Andri, Feinholtz Zafrir (2014), Skyscraper City. Das Hochaus in der Entwicklung der amerikanischen Grossstadt, in Lampugani Vittorio Magnano (ed.), Gebr. Mann, Berlin, 581-589.
Das Unbehagen der Architektur. Die Strategie der Metapher bei Peter Eisenman
gerber andri (2013), Das Unbehagen der Architektur. Die Strategie der Metapher bei Peter Eisenman, in Kritische Ausgabe, Zeitschrift für Germanistik und Literatur, (24), 52-58.
Meta-History: the cases of Sedlmayr and Tafuri and self-reflexive architectural histories
gerber andri (2013), Meta-History: the cases of Sedlmayr and Tafuri and self-reflexive architectural histories, in Art History Supplement, 3, 2-16.
Metaphors in Architecture and Urbanism
Gerber Andri Patterson Brent (2013), Metaphors in Architecture and Urbanism, Transcript, Bielefeld.
Methodenhandbuch für Lehre, Forschung und Praxis, in Architektur und Städebau
Gerber Andri Schurk Holger Kurath Stefan Züger Roland (2013), Methodenhandbuch für Lehre, Forschung und Praxis, in Architektur und Städebau, ZHAW, Winterthur.
Raumkultur und Identität
Gerber Andri Alessi Alberto Staub Peter (ed.) (2013), Raumkultur und Identität, Niggli Verlag, Zürich.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Recoding the city Talk given at a conference xciting City: The Architect and the 'saine horreur de la monotonie' 07.11.2015 Zürich, Switzerland Gerber Andri;
Plattform Geschichte der Gegenwart Individual talk Städtebau? Eine Wissensgeschichte 22.10.2015 Zürich, Switzerland Gerber Andri;
Masterstudiengänge Art Education und Transdisziplinarität ZHDK Individual talk Stadtmetaphorologie 13.03.2015 Zürich, Switzerland Gerber Andri;
Stadt als gedankliches Abenteuer. Erkundungen zur Theorie des Urbanismus Talk given at a conference Der Architekt und die Bauverwaltung 07.03.2014 Zürich, Switzerland Gerber Andri;
Methodenseminar Individual talk Architecture: methods and limits 03.03.2014 Burgdorf, Switzerland Gerber Andri;
Ein Planungsspiel am Südpol Talk given at a conference Was ist Architektur? 20.08.2013 Horw, Switzerland Gerber Andri;
14. Internationaler Barocksommerkurs der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin, Die barocke Stadt, geplant, gebaut, erlebt und dargestellt Talk given at a conference Der Blick der Architekten des angehenden 20. Jahrhunderts auf den barocken Städtebau und die Entdeckung der Bauverwaltung 23.06.2013 Einsiedeln, Switzerland Gerber Andri;
Vortrag Räumliches Wissen Individual talk Räumliches Wissen 25.03.2013 HSLU, Switzerland Gerber Andri;


Self-organised

Title Date Place

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
115381 Die Architektur der Stadt im 20. Jahrhundert 01.03.2007 Publication grants
120335 Enzyklopädie des Urbanen Raums. Begriffliche und theoretische Grundlagen des Städtebaus und der Stadtplanung (1750-2005) 01.02.2009 Project funding (Div. I-III)
130548 Urbane Potentiale und Strategien in metropolitanen Territorien - Am Beispiel des Metropolitanraums Zürich 01.09.2010 NRP 65 New urban quality

Abstract

Das vorliegende Forschungsprojekt gründet auf einem bemerkenswerten Paradox: Während auf der einen Seite die Stadt als Objekt von Diskussionen und Untersuchungen allgegenwärtig ist - spätestens seit bekannt wurde, dass 2007 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebte und diese Zahl 2050 voraussichtlich auf 75 Prozent steigen wird (Burdett 2007) - und zum Lackmuspapier für Fragen der Nachhaltigkeit und neuer Gesellschaftsformen geworden ist, besteht auf der anderen Seite eine Disziplin Städtebau, die sich mit dem Phänomen Stadt und ihrer Transformation auseinandersetzt, im eigentlichen Sinne nicht. Dies, weil sich der Städtebau erst durch die Überlagerung verschiedener anderer Disziplinen - Soziologie, Geographie, Ökonomie, Architektur usw. - definiert und damit eine wahrhaft „interdisziplinäre Disziplin“ ausmacht. „Städtebau“ besteht in Abhängigkeit von diesen anderen Disziplinen und verändert sich ihrem jeweiligen Einfluss entsprechend permanent. Anekdotisch lässt sich dies am Fehlen einer eigenständigen Ausbildungsinstitution für Städtebau belegen: In Frankreich, um nur ein Beispiel zu nennen, wird Städtebau an Architekturschulen oder Universitäten (Geographie- und Soziologiefakultät) gelehrt. Während diese „poröse“ Natur der Disziplin Städtebau - die natürlich bis zu einem gewissen Grad Parallelen zu anderen Disziplinen mit ähnlichen Problemen, wie zum Beispiel der Medizin, aufweist - bereits angesprochen wurde (bspw. Calabi 2008), ist sie als solche noch nie untersucht worden. Das ist das ambitionierte Ziel dieser Arbeit: eine Reflexion über die Natur der Disziplin Städtebau in ihrer wechselnden Abhängigkeit von anderen Disziplinen, was hier als Städtebautheorie bezeichnet wird. Diese Theorie soll ein Modell davon liefern, wie sich die Disziplin Städtebau über den Einfluss anderer Disziplinen definiert; und wie sich dieser Einfluss und damit entsprechend auch die Disziplin Städtebau über die Zeit verändert. Damit soll auch auf eine dem Städtebau inhärente Problematik Bezug genommen werden, die ebenfalls auf diese ambivalente Natur der Disziplin zurückzuführen ist: die strikte Trennung zwischen Theorie und Praxis. Dabei stellt sich zunächst die Frage, was das Eigene des Städtebaus ausmacht, wenn es denn ein Eigenes gibt. Und inwiefern sich dieses Eigene im Laufe der Zeit aufgrund der Verschiebungen der Disziplinen, die darauf Einfluss nehmen - neue kommen hinzu, das Kräfteverhältnis innerhalb der Disziplinen verschiebt sich usw. -, verändert. Es handelt sich damit keineswegs um eine axiomatische-, sondern um eine beschreibende Theorie. Die Fragestellung und das methodische Vorgehen lehnen sich an die historische Epistemologie an. Der Kern der Arbeit untersucht zwei zeitlich begrenzte Abschnitte aus der Geschichte der Disziplin als Case studies: die Geburt der Disziplin um 1900 und den durch die Ablehnung der Moderne bedingten Paradigmenwechsel um 1960/70. Dabei wird der jeweilige Einfluss der beteiligten Disziplinen auf „Institutionen“ des Städtebaus - Schulen, Berufsverbände, Wettbewerbe, Ausstellungen und Zeitschriften - verglichen und anhand von drei Themen untersucht. Diese drei Themen sind: 1.) Theorien und Konzepte, 2.) Methoden und Instrumente, 3.) Personen. Der erste Abschnitt, die Zeit um 1900, fokussiert auf die Entwicklungen in Deutschland, Frankreich und England, der zweite, die Jahre um 1960/70, auf Italien und Frankreich. Der theoretische Ansatz der Forschungsarbeit beruht auf dem Vergleich der einzelnen Themen über die beiden Zeitabschnitte, womit Aussagen über die Entwicklungen und Gesetzlichkeiten der Disziplin getroffen werden können. Sie dienen fernerhin als Grundlage für ein besseres Verständnis zeitgenössischer Entwicklungen. Damit entsteht eine eigenständige Untersuchung, die auf eines der wichtigsten Forschungsfelder des 21. Jahrhunderts - die Stadt - Bezug nimmt und klärend die Natur jener Disziplin untersucht, die die Stadt erfasst und formt. Auf diese Weise wird eine Theorie der Disziplin Städtebau aufgestellt, die auf einer wissenschaftsgeschichtlichen und -theoretischen Untersuchung gründet und darüber hinaus das Wesen der Disziplin in ihrer interdisziplinären Natur zu erklären sucht. Die Relevanz der Fragestellung für den Forschungsstandort Schweiz misst sich an der allgemeinen Relevanz des Themas Stadt für die Schweiz. Dies ist besonders wichtig im Hinblick auf die hiesige Ressourcenknappheit sowie die angestrebte und notwendige nachhaltige Entwicklung (Eisinger 2005, ARE 2010, NFP 65 „Neue urbane Qualität“).
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