Project

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Pragmatischer Städtebau 1927-81 - Otto Senn

English title Pragmatic urbanism 1927-81 - Otto Senn
Applicant Tönnesmann Andreas
Number 132483
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Geschichte und Theorie der Architektur / gta D-ARCH ETH Zürich
Institution of higher education ETH Zurich - ETHZ
Main discipline Architecture and Social urban science
Start/End 01.01.2011 - 31.12.2013
Approved amount 161'448.00
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All Disciplines (2)

Discipline
Architecture and Social urban science
Visual arts and Art history

Keywords (11)

architecture; urbanism; Otto Senn; pragmatic urbanism; 1927-81; modernism; modern; moderate; Karl Moser; Hans Bernoulli; London County Council

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
LeadDer Basler Architekt Otto Senn (1902-93) entwirft zwischen 1927 und 1981 Wohnbauprojekte innerhalb des Architektur- und Städtebaudiskurses der Moderne. Dabei erarbeitet er sich - abseits von Dogmen - Spielräume für bürgerlich-traditionalistische Stadt- und Wohnformen, die er bis zu seinen späten Siedlungsprojekten weiterentwickelt.HintergrundAnhand der "unförmigen Gebäudegebirge und Betonlandschaften" von Otto Senns Siedlung ‹Wittigkofen› bei Bern (1957-1980) zeigen Kritiker nach 1975 die "verfehlte Planungseuphorie" des Städtebaus der 60er Jahre auf.Senns frühe Wohnbauten hingegen sind Ikonen der Moderne. Deren Ausdruck kombiniert er - nach dem Diplom bei Karl Moser 1927 - von Beginn an mit bürgerlichen Wohnvorstellungen und formuliert, wie Alfred Roth, eine moderate Variante des Neuen Bauens. Seine Arbeit am städtebaulichen Konzept der Berner Siedlung beginnt Senn schon 1933 mit dem Wohnblock ‹Parkhaus Zossen› in Basel (1933-1938). Er verknüpft die Wohnung "im Grünen" mit einer "Wohnsackgasse" - der von Senn auf einer Englandreise sowohl in Gartenstädten als auch in Planungen des London County Council in der Innerstadt studierten "Lieblingsidee" Hans Bernoullis. Während Haefeli Moser Steiger "differenzierte Bebauungen"der Nachkriegszeit abhängig von der Topografie entwerfen, entwickelt Senn die Sackgasse zu kreisförmig umfriedeten Aussenräumen mit pentagonalen Wohnhochhäusern als Zentren.Die Vielecke weichen in ‹Wittigkofen› aus Rationalisierungsgründen gestaffelten, rechteckigen Baukörpern. Obwohl deren Ausdruck den Vorstellungen zeitgenössischer Urbanität bald widerspricht, beinhaltet die Siedlung wertvolle Beiträge zum Städtebau der Schweizer Moderne.ZielDie Dissertation hat die Analyse und Einordnung der Bauten, Entwürfe und Schriften Senns zum Ziel. Sein Œuvre ist bestimmt vom Wohnungsbau, den er konsequent mit urbanistischen Fragen verbindet. Untersuchungsschwerpunkte liegen auf der Rezeption von Gartenstadtideen sowie den Mischbebauungen und Wohnhochhäusern der Nachkriegszeit. Öffentliche Bauaufgaben, darunter der Kirchenbau, sollen auf einer zweiten Ebene erfasst und mit dem gesamten Werk in Beziehung gesetzt werden.BedeutungSenns Wohnbauprojekte verdeutlichen Zusammenhänge zwischen Raumkonzepten Bernoullis und der "differenzierten Bebauungsweise" aus Wohnblöcken und Wohnhochhäusern zur Zeit der Landesplanung.Die letzten Siedlungsprojekte Senns rufen zunächst eine kritische Rezeption seines Werks hervor, so dass vor allem die Studien zum Kirchenbau in Erinnerung bleiben. Die Dissertation wird die Massverhältnisse der Werkgruppen neu ausloten und einen Beitrag zur Erforschung der Schweizer Architektur- und Städtebaugeschichte.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Publications

Publication
Pragmatischer Städtebau – Otto Senns Siedlungsbau «um 1970»
Stich Sebastian (2013), Pragmatischer Städtebau – Otto Senns Siedlungsbau «um 1970», in Hochschule Luzern (ed.), 217-219.
Pragmatischer Städtebau 1927–1981 – Otto Senn
Stich Sebastian (2012), Pragmatischer Städtebau 1927–1981 – Otto Senn, in Departement Architektur ETH Zürich (ed.), 155-155.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Führung durch das Parkhaus Zossen (Otto Senn, 1933–1938) im Rahmen des Entwurfskurses «Haus & Kontext» der Fachhochschule Nordwestschweiz Individual talk 29.10.2013 Basel, Switzerland Peter Markus; Tönnesmann Andreas;
Nachwuchskolloquium Kunst- und Architekturgeschichte der Professur Dr. Andreas Tönnesmann Talk given at a conference 16.08.2013 Denklabor Villa Garbald, Castasegna, Switzerland Tönnesmann Andreas;
Öffentlicher Vortrag zum Werk von Otto Senn im Rahmen der Ausstellungseröffnung: «Um 1970. Das Haus als Teile seiner Summe», organisiert von der Materialbibliothek der HSLU Individual talk 11.10.2012 FH Zentralschweiz, Hochschule Luzern – Technik & Architektur, Technikumstrasse 21, CH–6048 Horw, Switzerland Tönnesmann Andreas; Peter Markus;
Nachwuchskolloquium Kunst- und Architekturgeschichte der Professur Dr. Andreas Tönnesmann Talk given at a conference 24.08.2012 Denklabor Villa Garbald, Castasegna, Switzerland Tönnesmann Andreas; Peter Markus;
Nachwuchskolloquium Kunst- und Architekturgeschichte der Professur Dr. Andreas Tönnesmann Talk given at a conference 09.09.2011 Denklabor Villa Garbald, Castasegna, Switzerland Peter Markus; Tönnesmann Andreas;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Talks/events/exhibitions Drei Führungen durch das Parkhaus Zossen (Otto Senn, 1933–1938) im Rahmen des Europäischen Tag des D German-speaking Switzerland 2012

Abstract

Die Siedlung ‹Wittigkofen› bei Bern wird 1975, fünf Jahre vor Abschluss der Bauarbeiten, zum Inbegriff des „antiurbanen Reflexes“ des Städtebaus der Schweizer Moderne. Architekt Otto Senn aus Basel (1902-93) hatte das Grossprojekt für 5000 Einwohner seit 1957, aufbauend auf den Forschungen zur „Landesplanung“, entworfen. ‹Wittigkofen› hätte ein Lehrstück zeitgenössischer Verdichtung der Stadtränder und ein Höhepunkt in Senns OEuvre werden sollen. Noch 1966 hatte Paul Hofer die Siedlung als einen „der interessantesten Werkplätze des Städtebaus in unserem Lande“ bezeichnet. Kaum zehn Jahre später illustrieren Kritiker anhand der „unförmigen Gebäudegebirge und Betonlandschaften“ die „verfehlte Planungseuphorie“ der 60er Jahre.Senns frühe Bauten hingegen zählen zu den Ikonen der Moderne in der Schweiz. An der ETH kommt der Basler bis zu seinem Diplom 1927 bei Karl Moser in Kontakt mit dem Neuen Bauen. Für erste Einfamilienhäuser (1934, 1935) und den Wohnblock ‹Parkhaus Zossen› in Basel (1933-38) kombiniert Senn die Gestaltungsmittel von Frank Lloyd Wright und Le Corbusier mit bürgerlichen Wohnvorstellungen, die er aus seinem Elternhaus kennt. Wie Otto Rudolf Salvisberg oder Studienkollege Alfred Roth, trägt der Architekt zur Formulierung einer politisch moderaten Variante der Moderne bei. Mit dem ‹Parkhaus› realisiert Senn ein aussergewöhnliches Schema in den Basler Vorstädten. Die bestehende Parkanlage arbeitet er zur „Wohnsackgasse“ um. Diese „Lieblingsidee“ seines Städtebauprofessors Hans Bernoulli konnte Senn in England und Amerika in Gartenstädten und dem Zentrum Londons, als Umsetzung Raymond Unwins pittoresker Strassenzüge durch das London County Council, studieren. Die cul-de-sac entwickelt Senn nach dem Krieg für die „differenzierte Bebauung“ des Gellert-Areals in Basel (1949-51) weiter. Das Landgut durchmisst er mit „Raupen“-Wohnblöcken, deren Bauglieder in stumpfen Winkeln aneinandergereiht sind. Die ein- und ausschwingenden Gebäudeseiten fassen annähernd kreisförmige Aussenräume, in die Senn Wohnhochhäuser auf pentagonalem Grundriss als geometrische Zentren setzt. Während die zeitnahe Siedlung ‹Sus Mont Goulin› in Prilly (1944-49) von Haefeli Moser Steiger durch die Topografie geprägt ist, gilt die Aufmerksamkeit des Baslers den plastischen Beziehungen der stumpfwinkligen Baukörper. Vielecke werden zum Leitthema, auf deren Grundlage Senn im Zusammenhang mit Siedlungsgründungen in der Schweiz und dem Wiederaufbau Deutschlands, Zentralräume von Kirchen entwirft und ökonomische Grundrisse von Wohnhochhäusern weiter ausarbeitet. An der Interbau Berlin 1957 kann er einen ‚Prototypen‘, bis 1965 das Wohnhochhaus ‹Hechtliacker› am Basler Stadtrand realisieren. Senn hebt mit Loggien an den stumpfen Gebäudeecken die Plastizität der fünfeckigen Baukörper hervor. Das ursprüngliche Projekt mit drei Punkthäusern hätte trotz grosser Abstände als spannungsreiches Ensemble gewirkt.Wohnhochhäuser und Wohnblöcke wendet Senn auch in Wittigkofen an, sucht jedoch aus Rationalisierungsgründen die Körperlichkeit in der Staffelung rechteckiger Bauten. Den neuen Ausdruck versteht er als pragmatisches Mittel, um aus grosszügigen „Stadträumen“ und Wohnungen „im Grünen“ eine Einheit durchzubilden. Diese widerspricht seit der Kritik von 1975 gängigen Vorstellungen von Urbanität, beinhaltet jedoch wertvolle Beiträge zur Grundriss- und Raumkonzeption, die anhand der ästhetischen Raffinesse in Senns Frühwerk leichter ersichtlich sind.Die Dissertation zu Otto Senn wird von Sebastian Stich, dipl. Architekt ETH, erarbeitet und hat die Analyse und Einordnung der Bauten, Entwürfe und Schriften Senns zum Ziel. Sein OEuvre ist begleitet vom Wohnungsbau, den er konsequent mit urbanistischen Fragen verbindet. Die Arbeit fundiert auf der Erforschung der Schweizer Städtebaudiskussion, die durch Bernoulli eingeleitet und mit der „Landesplanung“ fortgeführt wird. Untersuchungsschwerpunkte liegen auf der Rezeption von Gartenstadtideen sowie den Mischbebauungen und Wohnhochhäusern. In der Nachkriegszeit setzt sich Senn vermehrt mit öffentlichen Bauaufgaben, darunter dem Kirchenbau auseinander. Diese Bereiche sollen auf einer zweiten Ebene erfasst und räumliche sowie liturgische Überlegungen mit dem gesamten Werk in Beziehung gesetzt werden.
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