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Architektur, Raum und Wahrnehmung im industriellen Zeitalter (Forts.)

English title Architecture, Space and Perception in the Industriale Age
Applicant Nicolai Bernd
Number 132426
Funding scheme ProDoc
Research institution Institut für Kunstgeschichte Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Visual arts and Art history
Start/End 01.09.2011 - 31.10.2015
Approved amount 484'830.00
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Keywords (3)

Architektur; Kunstgeschichte; Psychologie

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary

Der „Raum“ als Kategorie hat sich in Architekturtheorie und Geschichtsschreibung der Moderne des 20.Jahrhunderts dermassen fest etabliert, dass er uns heute als grundlegend erscheint. Ganze Schulen, Richtungen und Stile werden über die „Behandlung des Raumes“ charakterisiert, mitunter wird „Raum“ sogar zum Wesenskriterium der Architektur überhaupt erklärt. Die Rede vom „Raum“ ist aber selbst historisches Phänomen, und zwar mit wechselseitigen Implikationen, wissenschaftshistorisch wie architektur- und kunsthistorisch. Dieses Verhältnis wissenschafts- und diskursgeschichtlich sowie architekturhistorisch an Raumdiskursen in Architektur und Städtebau mit besonderem Blick auf die normativen und fortschrittsgebundenen Prämissen der Moderne des 20.Jahrhunderts zu verfolgen, ist Ziel der zweiten Förderphase.

Indem die Kategorie des Raums und des Körpers zwischen Gesellschaft, Zeit, Wahrnehmung und Architektur changiert, ist sie, unter dem Dach von „Art & Science“ als ein Teil der neuen „Raumwissenschaften“ (Günzel 2009), besonders geeignet, substantielle Forschungen zur Architektur- und Kunstgeschichte des 20.Jahrhunderts zu ermöglichen. Architektur-, Technik- und Wahrnehmungsgeschichte können in produktiver Weise aufeinanderbezogen werden. Eine besondere Verbindung ergibt sich zu dem Teilprojekt „Kunst und Psychologie“ von Dario Gamboni, aber auch zum Projekt „Architektur und Wissenschaft seit 1970“ von Philip Ursprung. Doktorierenden wird hiermit die Chance eröffnet, aussichtsreiche Dissertationsthemen zu entwickeln, die eine neue, komplexere Sicht auf die Architektur- und Stadtbaugeschichte des 20. Jahrhunderts ermöglichen. Folgende Rahmenthemen sind für Projekte vorgesehen:

Projektthema I: Norm und Ordnung: Raumkonzeptionen in Architektur und/oder Städtebau im Zeitalter des Totalitarismus (1922-1953)

Projektthema II: Habitus macht Habitat: Innenräume und Konstruktionen von Lebensentwürfen in der Moderne (1910-1970)

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Erhaben – bedrohlich – verbaut. 'Gebirgsbezwingungen' in der Kunstgeschichte
Hallama Doris (2015), Erhaben – bedrohlich – verbaut. 'Gebirgsbezwingungen' in der Kunstgeschichte, in Kasper M., Korenjak M. u.a. (ed.), Böhlau, Köln, Weimar, Wien, 205-222.
Sonniges Grafikdesign. Tirols Landschaften im Plakat
Hallama Doris (2014), Sonniges Grafikdesign. Tirols Landschaften im Plakat, in Kern Anita (ed.), Haymon, Innsbruck, 147-167.
Das Werk von Vladimir Arkhipov. Über Humanität des Archives und regressive Autorschaft des Sammlers
Ganahl Natalja (2013), Das Werk von Vladimir Arkhipov. Über Humanität des Archives und regressive Autorschaft des Sammlers, in Kunstexte, 2013(Nr. 1), 1-16.
Mendelsohn and Libeskind: A Hidden History - Jewish Identity, the Void, Architectural Metaphors and Traces through Twentieth-Century Berlin
Nicolai Bernd (2013), Mendelsohn and Libeskind: A Hidden History - Jewish Identity, the Void, Architectural Metaphors and Traces through Twentieth-Century Berlin, in Steiner Henriette, Veel Christin (ed.), Peter Lang, Oxford, Bern, 89-116.
New Monumentalism in Contemporary Architecture
Nicolai Bernd (2013), New Monumentalism in Contemporary Architecture, in Anglia, 131(2-3), 297-313.
The airplane, advance guard of the conquering armies of the New Age, the airplane arouses our energy and our faith,
Mertens Ina (2013), The airplane, advance guard of the conquering armies of the New Age, the airplane arouses our energy and our faith,, in Stricker Ramon, Müller Luca (ed.), Selbstverlag, Bern, o. S.-o. S..
Werner Oechslin: Die Bibliothek ist mein Trojanisches Pferd
Ganahl Natalja (2013), Werner Oechslin: Die Bibliothek ist mein Trojanisches Pferd, in The Moscow Review of Books, 2013(Nr. 2), 1-5.
Schön und sicher – der Blick auf die Alpen. Die Bedeutung von Sicherheitstechniken für die Betrachtung und Darstellung alpiner Landschaft.
Hallama Doris (2012), Schön und sicher – der Blick auf die Alpen. Die Bedeutung von Sicherheitstechniken für die Betrachtung und Darstellung alpiner Landschaft., Innsbruck Univeristy Press, Innsbruck.
„Gebäude, Strassen, Plätze, Solitäre? – Situationen! Ein historischer Einblick in städtebautheoretische Positionen des 20. Jahrhunderts als Ausblick auf zeitgenössische Herausforderungen in Städtebau
Brandl Anne, „Gebäude, Strassen, Plätze, Solitäre? – Situationen! Ein historischer Einblick in städtebautheoretische Positionen des 20. Jahrhunderts als Ausblick auf zeitgenössische Herausforderungen in Städtebau, in Gerber Andri, Kurath Stefan (ed.), DOM Publisher, Berlin, 133-156.
Container, Umhüllung, Vorstellungsbild, Szene. Die sinnliche Wahrnehmung von Plätzen in ausgewählten historischen Städtebautheorien
Brandl Anne, Container, Umhüllung, Vorstellungsbild, Szene. Die sinnliche Wahrnehmung von Plätzen in ausgewählten historischen Städtebautheorien, in Sölch Brigitte, Kossel Elmar (ed.), Deutscher Kunstverlag, Berlin, München, 56-73.
Räumlichkeit als Stadterfahrung. Ein städtebautheoretischer Blick
Brandl Anne, Räumlichkeit als Stadterfahrung. Ein städtebautheoretischer Blick, in Haug Annette, Kreuz Patric (ed.), Brepols, Turnhout, 232-249.
Von Unschärfen und Relationen. Abstraktion und Anschaulichkeit im Lawinenschutz
Hallama Doris, Von Unschärfen und Relationen. Abstraktion und Anschaulichkeit im Lawinenschutz, in Hinterwaldner Inge, Ammon Simon (ed.), Fink, München, 131-153.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
SauerbruchHutton Architekten Germany (Europe)
- Publication
ProDoc Art&Science Switzerland (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication
- Exchange of personnel

Scientific events

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
180665 Stadt - Land - Kosmos. Die slowakischen Neoavantgarden und ihr Verhältnis zum Außen 01.05.2018 Publication grants
158099 Hybrid Spaces: Multi-Functionalism, Performance and Representation in Modern and Contemporary Architecture 01.11.2014 Scientific Conferences
118628 Architektur, Raum und Wahrnehmung im industriellen Zeitalter 01.02.2008 ProDoc

Abstract

Der „Raum“ als Kategorie hat sich in Architekturtheorie und Geschichtsschreibung der Moderne des 20.Jahrhunderts dermassen fest etabliert, dass er uns heute als grundlegend erscheint. Ganze Schulen, Richtungen und Stile werden über die „Behandlung des Raumes“ charakterisiert, mitunter wird „Raum“ sogar zum Wesenskriterium der Architektur überhaupt erklärt. Die Rede vom „Raum“ ist also selbst historisches Phänomen, und zwar mit wechselseitigen Implikationen, wissenschaftshistorisch wie architektur- und kunsthistorisch. Dieses Verhältnis wissenschafts- und diskursgeschichtlich sowie architekturhistorisch an Raumdiskursen in Architektur und Städtebau unter den normativen und fortschrittsgebundenen Prämissen der Moderne des 20.Jahrhunderts, d.h. des Zeitraums zwischen 1910 und 1990, zu verfolgen, ist Ziel der zweiten Förderphase. Sprach Schmarsow 1893 davon, dass das „innerste Wesen“ der Architektur der Raum sei, so befinden wir uns nach Foucault in einem „Zeitalter des Raums“, dessen Beschaffenheit nicht nur die Wahrnehmung konditioniert, sondern der vor allem auch metaphysischen Charakter hat. Neben der kulturgeschichtlichen Dimension, ist es die Architekturtheorie, die den Raum eng mit dem Wissenschaftsdiskurs des 19. und 20. Jahrhunderts verbindet. Das beinhaltet neben der konstruktiv-bautechnischen Dimension vor allem auch Fragen nach der Perzeption. Um 1900 ist ein neuartiger anthropomorpher Zugang zum Raum festzustellen. Die psychologische Bedeutung des Raums für das autonome, sich zunehmend vereinzelnde Individuum des Industriezeitalters, wurde auch allgemeiner, so von Ernst Cassirer, als Möglichkeit der Stiftung eines „allgemeinen Sinnzusammenhangs“ beschrieben. Die 1914 erschienenen „Entwicklungsphasen der neueren Baukunst“ des Wölfflinschülers Paul Frankl führten die Begriffe der „Raumform“ und der „Raumkörper“ ein, um Architektur neu zu verorten. Der sinnlich erfahrbare Konfigurationsraum der Körper und ihres wesenhaften „Dazwischen“ wird jedoch nicht verlassen. Damit verbinden sich mit Raum weitreichende metaphorische, ja sogar explizit utopische Inhalte. Daneben entstehen im Städtebaudiskurs der zwanziger und dreissiger Jahre die Begriffe „Stadtraum“ und „Stadtkörper, auch hier ein Raumbegriff, der zwischen „Absolutraum“ und „Realraum“, zwei Begriffen aus der Geographie, oszilliert und der zwischen physikalischen, mathematischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kategorien vermittelt. Daneben verweist der Körperbegriff auf kategoriale Ordnungsvorstellungen (Volkskörper) wie sie im Zeitalter des Totalitarismus auch politisch instrumentalisiert werden. Nur so ist es zu erklären, dass jüngere Theorien von „Raumtyrannei“ sprechen (Venturi), ebenso, wie heute über die Funktion Öffentlichkeit in Bezug auf öffentlichem Raum (und auch Architektur) nachgedacht wird (Latour 2004).Indem die Kategorie des Raums und des Körpers zwischen Gesellschaft, Zeit, Wahrnehmung und Architektur changiert, ist sie, unter dem Dach von „Art & Science“ als ein Teil der neuen „Raumwissenschaften“ (Günzel 2009), besonders geeignet, substantielle Forschungen zur Architektur- und Kunstgeschichte des 20.Jahrhunderts zu ermöglichen. Architektur-, Technik- und Wahrnehmungsgeschichte können in produktiver Weise aufeinanderbezogen werden. Eine besondere Verbindung ergibt sich zu dem Teilprojekt „Kunst und Psychologie“ von Dario Gamboni, aber auch zum Projekt von Philip Ursprung. Doktorierenden wird hiermit die Chance eröffnet, aussichtsreiche Dissertationsthemen zu entwickeln, die eine neue, komplexere Sicht auf die Architektur- und Stadtbaugeschichte des 20. Jahrhunderts ermöglichen.Projektthema I: Norm und Ordnung: Raumkonzeptionen in Architektur und/oder Städtebau im Zeitalter des Totalitarismus (1922-1953)Projektthema II: Habitus macht Habitat: Innenräume und Konstruktionen von Lebensentwürfen in der Moderne (1920-1970)
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