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Demokratiequalität in den Schweizer Kantonen: Versammlungs- und Urnendemokratien im Vergleich

Applicant Vatter Adrian
Number 130135
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Politikwissenschaft Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline Political science
Start/End 01.06.2010 - 29.02.2012
Approved amount 177'618.00
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Keywords (9)

Landsgemeinde; Demokratiequalität; Kantone; Empirische Demokratieforschung; Demokratiemessung; quality of democracy; Swiss Cantons; liberal democracy; radical democracy

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Im Mittelpunkt des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Forschungsprojekts "Demokratiequalität in den Schweizer Kantonen: Versammlungs- und Urnendemokratien im Vergleich" steht die deskriptive und vergleichende Analyse der 26 kantonalen Demokratien und ihrer Demokratiequalität im Quer- und Längsschnitt. Konkret ist im Rahmen der Projektarbeiten bisher ein Messinstrument erarbeitet worden, welches zwei für die Demokratietheorie wie auch für die Schweizer Praxis grundlegende Demokratiekonzeptionen verbindet: das liberale Demokratiemodell und das radikale Demokratiemodell. Für jeden Kanton lässt sich ein Indexwert für die liberale und einer für die radikale Demokratiequalität berechnen und durch die Kombination der beiden Indizes kann auch ein Gesamtindex für Demokratiequalität gebildet werden. Aus den bisherigen Arbeiten hat sich die Einsicht ergeben, dass neben dem quantitativen Gesamtüberblick über alle 26 Kantone insbesondere ein direkter Vergleich zwischen Landsgemeinde- und Urnendemokratien von grossem Interesse ist. Da dieser Fokus im bisherigen Forschungsprojekt nicht enthalten war und eine beträchtliche Vertiefung und Erweiterung dazu darstellt, erfordert sein Einbezug einen Ausbau des ursprünglichen Projektes mit dem hier vorliegenden neuen Projekt.Das radikale Demokratiemodell mit seiner Präferenz für umfassende und unmittelbare Bürgermitsprache und -entscheidung nimmt in der internationalen demokratietheoretischen Debatte zwar einen relativ prominenten Platz ein, ist jedoch kaum empirisch erforscht worden. Die Schweiz ist einer der wenigen Kontexte, wo sich radikaldemokratische Praxis oberhalb der lokalen Ebene untersuchen lässt, und die ehemaligen und heutigen Landsgemeinden gelten gemeinhin geradezu als prototypische Fälle von Radikaldemokratie. Ob die Landsgemeinden ihrer Rolle als Prototypen radikaler Demokratie in der Realität tatsächlich gerecht werden, indem sie allen BürgerInnen sowohl umfangreiche als auch gleichberechtigte Mitsprache und Mitentscheidung einräumen und die offene Deliberation in Politik und Zivilgesellschaft fördern, ist allerdings umstritten.Diese Lücken in der empirischen Forschung sollen mit dem vorliegenden Projekt gefüllt werden. Als leitende Fragestellung soll untersucht werden, ob und allenfalls welche radikaldemokratischen Aspekte durch Institutionen der Versammlungsdemokratie gestärkt werden, ob sich umgekehrt liberaldemokratische Aspekte in Versammlungssystemen weniger gut entfalten können als in Urnensystemen, und ob insgesamt Versammlungs- oder Urnensysteme eine höhere Demokratiequalität erreichen.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Demokratiequalität im subnationalen Labor: Auf dem Weg zu einem neuen Messinstrument. Anmerkungen zu Sabine Kropp
Bühlmann Marc Adrian Vatter Oliver Dlabac und Hans-Peter Schaub, Demokratiequalität im subnationalen Labor: Auf dem Weg zu einem neuen Messinstrument. Anmerkungen zu Sabine Kropp, in Zeitschrift für Parlamentsfragen , 454-467.
Does Satisfaction with Democracy Really Increase Happiness? Direct Democracy and Individual Satisfaction in Switzerland
Stadelmann-Steffen Isabelle und Adrian Vatter, Does Satisfaction with Democracy Really Increase Happiness? Direct Democracy and Individual Satisfaction in Switzerland, in Political Behavior, 33.
Ein duales Messkonzept für liberale und radikale Demokratiequalität
Dlabac Oliver und Hans-Peter Schaub, Ein duales Messkonzept für liberale und radikale Demokratiequalität, in Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft.

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Media relations: print media, online media Landsgemeinden und Qualität der Direktdemokratie. Ein Vergleich von Landsgemeindekantonen und Stände Neue Zürcher Zeitung German-speaking Switzerland 04.06.2010

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
117661 Demokratiequalität in den Schweizer Kantonen 01.03.2008 Project funding (Div. I-III)

Abstract

Im Mittelpunkt des vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Forschungsprojekts Nr. 100012-117661 „Demokratiequalität in den Schweizer Kantonen“ steht die deskriptive und vergleichende Analyse der 26 kantonalen Demokratien und ihrer Demokratiequalität im Quer- und Längsschnitt. Konkret ist im Rahmen der Projektarbeiten bisher ein Messinstrument erarbeitet worden, welches zwei für die Demokratietheorie wie auch für die Schweizer Praxis grundlegende Demokratiekonzeptionen verbindet: das liberale Demokratiemodell und das radikale Demokratiemodell. Für jeden Kanton lässt sich ein Indexwert für die liberale und einer für die radikale Demokratiequalität berechnen; durch Kombination der beiden Indizes kann auch ein Gesamtindex für Demokratiequalität gebildet werden. Die Präsentation dieses Instruments an verschiedenen Konferenzen ist auf sehr positive Resonanz gestossen. Das Unterfangen der Messung der Demokratiequalität erfordert weiter den derzeit laufenden Aufbau einer umfangreichen Datenbank sowie sorgfältige Analysen zur Kalibrierung des Messinstruments; diese relativ aufwändigen Arbeiten sollen im weiteren Projektverlauf fortgeführt werden. Aus den bisherigen Arbeiten und dem Austausch mit anderen Demokratieforschern hat sich die Einsicht ergeben, dass neben dem quantitativen Gesamtüberblick über alle 26 Kantone insbesondere ein direkter Vergleich zwischen Landsgemeinde- und Urnendemokratien von grossem Interesse ist. Da dieser Fokus im bisherigen Forschungsplan (gemäss dem ursprünglichen Projektgesuch) nicht enthalten war und eine beträchtliche Vertiefung und Erweiterung dazu darstellt, erfordert sein Einbezug einen Ausbau des ursprünglichen Projektes mit dem hier vorliegenden Zusatzprojekt.Das radikale Demokratiemodell mit seiner Präferenz für umfassende und unmittelbare Bürgermitsprache und -mitentscheidung nimmt in der internationalen demokratietheoretischen Debatte zwar einen relativ prominenten Platz ein, ist jedoch selten empirisch erforscht worden. Die Schweiz ist einer von wenigen Kontexten, wo sich radikaldemokratische Praxis oberhalb der lokalen Ebene untersuchen lässt, und die ehemaligen und heutigen Landsgemeinden gelten gemeinhin geradezu als prototypische Fälle von Radikaldemokratie. Ob die Landsgemeinden ihrer Rolle als Prototypen radikaler Demokratie in der Realität tatsächlich gerecht werden, indem sie allen BürgerInnen sowohl umfangreiche als auch gleichberechtigte Mitsprache und Mitentscheidung einräumen und die offene Deliberation in Politik und Zivilgesellschaft fördern, ist allerdings umstritten; die Frage nach der demokratischen Qualität der Landsgemeinde im Vergleich zur Urnendemokratie steht im Zentrum einer bereits seit dem 19. Jahrhundert und bis heute anhaltenden Debatte in der wissenschaftlichen Literatur zur Versammlungsdemokratie. Auch dieser Forschungsstrang weist allerdings ein grosses Empirie-Defizit auf. Diese Lücken in der empirischen Forschung sollen mit dem Zusatzprojekt gefüllt werden. Als leitende Fragestellung soll darin untersucht werden, ob und allenfalls welche radikaldemokratischen Aspekte durch Institutionen der Versammlungsdemokratie gestärkt werden, ob sich umgekehrt liberaldemokratische Aspekte in Versammlungssystemen weniger gut entfalten können als in Urnensystemen, und ob insgesamt Versammlungs- oder Urnensysteme eine höhere Demokratiequalität erreichen. Der Forschungskontext des bisherigen SNF-Projekts „Demokratiequalität in den Schweizer Kantonen“ bietet sich für einen systematischen Vergleich ausgezeichnet an. Einerseits durch dessen grundlegende Unterscheidung zwischen liberalem und radikalem Demokratiemodell; andererseits durch dessen Untersuchungszeitraum von 1979 bis 2008, in welchem drei Kantone die Landsgemeinde abgeschafft haben.
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