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Ein Human Rights Turn in der internationalen Geschlechterpolitik der Zwischenkriegszeit? Menschenrechte, Frauenbewegung und der Völkerbund

English title Was There a Human Rights Turn in International Gender Policies of the Interwar Era? Human Rights, Women's Movement and the League of Nations
Applicant Ludi Regula
Number 129882
Funding scheme Project funding
Research institution Historisches Institut Philosophisch-historische Fakultät Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.03.2011 - 28.02.2014
Approved amount 359'445.00
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All Disciplines (2)

Discipline
General history (without pre-and early history)
Swiss history

Keywords (13)

Geschichte der Menschenrechte; Völkerbund; Geschlechtergeschichte; Internationale Frauenorganisationen; Frauen- und Menschenhandel; Zivilgesellschaftliche Akteure; Human Rights History; History of International Organisations; Women's Rights; Gender History; Transnational Political Communication; History of Universalism; Cultural Globalization

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
In den 1990er Jahren hat die Kampagne "Women's Rights Are Human Rights" Geschlechtergerechtigkeit zum globalen Anspruch erhoben. In ihrer tautologischen Formulierung zielte die Parole auf Widersprüche in der herkömmlichen Menschenrechtsauffassung, so die Diskrepanz zwischen universalem Ethos und einer Rechtspraxis, die blind war für frauenspezifische Missbräuche. Seither hat sich eine menschenrechtliche Wende in der internationalen Geschlechterpolitik abgezeichnet. Vor diesem Hintergrund hat das vorliegende Projekt eine doppelte Zielsetzung: Erstens will es zu einem bessern Verständnis der komplexen Geschichte der Menschenrechte beitragen. Der Forschungsschwerpunkt liegt dabei auf der Zwischenkriegszeit, denn mit dem Völkerbund entstand 1919 erstmals eine internationale Organisation mit globaler Regelungskompetenz. In verschiedenen Bereichen der Völkerbundstätigkeit zeichnete sich ansatzweise eine menschenrechtliche Wende ab, die hier mit Blick auf das Geschlechterverhältnis Gegenstand einer kritischen Aufarbeitung sein soll. Ein Teilprojekt konzentriert sich auf die internationalen Frauenorganisationen; das zweite Teilprojekt ist dem Thema des Frauenhandels gewidmet, dessen Bekämpfung ab 1919 in den Zuständigkeitsbereich des Völkerbundes fiel.Zweitens richtet sich das Erkenntnisinteresse auf die Sprache der Menschenrechte und geht von der Annahme aus, dass dieser Sprache ihres Universalitätsanspruchs wegen die Möglichkeit transnationaler Kommunikation innewohnte und sie die Übersetzung von bisher als partikulär verstandenen Anliegen, wie Frauenrechte, in allgemeine Geltungsansprüche erlaubte. Die menschenrechtliche Semantik, so die forschungsleitende These, stellte einen Code bereit, der spezifische Reformanliegen mit einem globalen Ethos assoziierte und an den Internationalismus der Zeit anschlussfähig machte.Menschenrechte haben in jüngster Zeit als globales Normensystem einen massiven Bedeutungszuwachs erfahren. Dass das keine lineare Entwicklung ist, sondern mit Rückschlägen verbunden und von heftigen Kontroversen über den konkreten Inhalt der Normen begleitet ist, haben die jüngsten Erfahrungen ebenfalls gezeigt. Dieser neuartigen Bedeutung der Menschenrechte stehen nach wie vor historische Forschungsdefizite gegenüber. Als Beitrag zur Geschichte der Menschenrechte trägt dieses Projekt zum besseren Verständnis der historischen Rolle von Menschenrechten in der internationalen Politik bei. Mit seinem besonderen Fokus auf menschenrechtliche Wenden in der Geschlechterpolitik stellt es auch neue Erkenntnisse zur geschlechtsspezifischen Re-codierung der Menschenrechte in Aussicht.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Der Kampf für die Frauenrechte im Osmanischen Reich Kadınlar Dünyası und die osmanisch-muslimische Frauenbewegung im frühen 20. Jahrhundert
Biçer-Deveci Elife (2014), Der Kampf für die Frauenrechte im Osmanischen Reich Kadınlar Dünyası und die osmanisch-muslimische Frauenbewegung im frühen 20. Jahrhundert, in Kreiser Klaus et al. (ed.), Springer, Hamburg, 31-49.
Frauen- und Kinderhandel als sozialpolitisches Thema? Antworten aus dem Völkerbund und die Rezeption in der Schweiz
Siegenthaler Edith (2013), Frauen- und Kinderhandel als sozialpolitisches Thema? Antworten aus dem Völkerbund und die Rezeption in der Schweiz, in traverse, 2013(2), 44-56.
Frauenbefreiung durch männerfreie Räume? Die Bedeutung von Frauen vorbehaltenen Räumen am Beispiel des „Frauenzentrums“ der Frauenbefreiungsbewegung Bern
Siegenthaler Edith (2012), Frauenbefreiung durch männerfreie Räume? Die Bedeutung von Frauen vorbehaltenen Räumen am Beispiel des „Frauenzentrums“ der Frauenbefreiungsbewegung Bern, in Ariadne, 61(Mai, 2012), 54-59.
An Entangled History of International Women’s Movement in the Early Decades of 20th Cen-tury: The Case of Kadınlar Dünyası.
Biçer-Deveci Elife, An Entangled History of International Women’s Movement in the Early Decades of 20th Cen-tury: The Case of Kadınlar Dünyası., in Kozma Liat et al (ed.), I.B. Tauris, Jerusalem.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Narrating an Entangled World: To What End(s) do We Write Global History? Cluster of Excellence. Asia and Europe in a Global Context Talk given at a conference The Turkish Women’s Union and International Alliance of Women from an Entangled Perspective 21.03.2014 Heidelberg, Germany Biçer-Deveci Elife;
The League of Nations and its Work on Social Issues, International Symposium Talk given at a conference Mental Deficiency as a Condition of Prostitution? 31.10.2013 Genf, Switzerland Siegenthaler Edith;
Equal, but Different? Internationalism and its Others Talk given at a conference Turkish Women’s Organisations and Their Position within International Women’s Organisati-ons in the First Half of the 20th Century. 18.10.2013 Bern, Switzerland Biçer-Deveci Elife;
Equal, but different? Internationalism and its Others Talk given at a conference Differences in the League of Nations‘ Advisory Committee on Traffic in Women and Children; am Workshop: 18.10.2013 Bern, Switzerland Siegenthaler Edith;
Asienwissenschaften: Debatten und Perspektiven. 7. Nachwuchstagung von SAG und SGMOIK und dem UFS Asien und Europa Talk given at a conference Entangled History der Frauenbewegung? Osmanischer Feminismus, Völkerbund und Interna-tionale Frauenorganisationen in der Ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 17.04.2013 Bern, Switzerland Biçer-Deveci Elife;
Forschungskolloquium Geschichte nach 1800 Individual talk Die Verwendung der Kategorie „Rasse“ in der Völkerbundenquete zu Frauen- und Kinderhandel in Asien 10.04.2013 Bern, Switzerland Siegenthaler Edith;
Regula Ludi „Internationalizing the Status of Women: The League of Nations’ Examination of the Legal Status of Women“ an den schweizerischen Geschichtstagen 2013 Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 08.02.2013 Fribourg, Schweiz, Switzerland Ludi Regula;
Elife Biçer-Deveci, Debatten über die Frauenrechte beim Türkischer Frauenbund und bei der Internationale Women’s Alliance in der Zwischenkriegszeit, im Panel: „Die Globalisierung von Normen..., 3. Schweizerische Geschichstage Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 07.02.2013 Fribourg, Schweiz, Switzerland Biçer-Deveci Elife;
Edith Siegenthaler, Internationale Mädchenschutzorganisationen als lokales Sprachrohr des Völkerbunds?, im Panel „Die Globalisierung von Normen und der transkulturelle Austausch im Feminismus und Menschenrechtsaktivismus“, 3.Schweizerische Geschichtstage Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 07.02.2013 Fribourg, Schweiz, Switzerland Siegenthaler Edith;
Entangled History der Frauenbewegung? Osmanischer Feminismus, Internationale Frauenorganisationen und Völkerbund in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Doktorierendenkolloquium des Historischen Instituts der Universität Zürich Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 15.10.2012 Universität Zürich, Schweiz, Switzerland Biçer-Deveci Elife;
Elife Biçer-Deveci, Zivilgesellschaft historisieren. Die Osmanisch-Türkische Frauenbewegung im frühen 20. Jahrhundert. 19. Internationaler Kongress zur gegenwartsbezogenen Forschung im Vorderen Orient. Universität Erlangen, 4.-6. Oktober 2012. Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 04.10.2012 Universität Erlangen, Deutschland, Germany Biçer-Deveci Elife;
Elife Biçer-Deveci, New Power Relations of Gender Norms: The Ottoman Women’s Movement and Their Entanglement with Nationalists and Global Feminism, an: Reading Power Relations: Gender in Contextual Perspective Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 27.08.2012 Universität Lausanne, Schweiz, Switzerland Biçer-Deveci Elife;
Edith Siegenthaler,From „White Slavery“ to „Traffic in Women and Children“; an: Swiss International Summer School in Gender Studies: Reading Power Relations – Gender in Contextual Perspective, Lausanne University, 27.8.-2.9.2012 Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 27.08.2012 Universität Lausanne, Schweiz, Switzerland Siegenthaler Edith;
Edith Siegenthaler, From Individual Moral to Societal Responsibility? The Reception of the League of Nations’ Discourse about Human Trafficking in the Swiss National Committee against Trafficking in Girls; an: Fighting Drink, Drugs, and Venereal Diseases. Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 01.04.2012 Monte Verità (ETH Zürich), Schweiz, Switzerland Siegenthaler Edith;
Elife Biçer-Deveci, Türkeiforschung in Deutschland II – Arbeitsfelder und Perspektiven. Türkei-Europa-Zentrum. Universität Hamburg. 2./3. März 2012. Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 02.03.2012 Hamburg, Deutschland, Germany Biçer-Deveci Elife;
Elife Biçer-Deveci und Edith Siegenthaler, Vortrag, DissertantInnentagung „un/diszipliniert? Methoden, Theorien und Positionen der Frauen- und Geschlechtergeschichte“, Talk given at a conference siehe Eingaben vom Vorjahr 27.02.2012 Wien, Österreich, Austria Siegenthaler Edith; Biçer-Deveci Elife;
Elife Biçer-Deveci, Posterpräsentation am Workshop “On the Move: The Middle East and the "First Modern Globalization"”, Poster siehe Eingaben vom Vorjahr 16.01.2012 Jerusalem, Hebrew University, Israel, Israel Biçer-Deveci Elife;
Regula Ludi, Vortrag “Menschenrechte avant la lettre? Menschenrechtsdiskurse im Umfeld des Völkerbundes“ im Forschungskolloquium Zeitgeschichte der Ruhr-Universität Bochum, Forschungskolloquium Zeitgeschichte, Universität Bochum Individual talk siehe Eingaben vom Vorjahr 11.01.2012 Bochum, Deutschland, Germany Ludi Regula;


Self-organised

Title Date Place
The League of Nations and its Work on Social Issues, International Symposium 31.10.2013 Genf, Switzerland
Equal, but Different? Internationalism and its Others 18.10.2013 Universität Bern, Switzerland
Regula Ludi, Panel "Die Globalisierung von Normen und der transkulturelle Austausch im Feminismus und Menschenrechtsaktivismus“, 3. Schweizerische Geschichtstage 07.02.2013 Fribourg, Switzerland

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
152076 Osmanische Frauenbewegung und Internationale Frauenorganisationen von 1895 bis 1935 als eine Verflechtungsgeschichte 01.03.2014 Doc.Mobility
175432 Die osmanisch-türkische Frauenbewegung im Kontext internationaler Frauenorganisationen. Eine Beziehungs- und Verflechtungsgeschichte von 1895 bis 1935 01.08.2017 Publication grants

Abstract

In den 1990er Jahren hat die Kampagne „Women’s Rights Are Human Rights” die globale Ge­schlechtergerechtigkeit zum universalen menschenrechtlichen Anspruch erhoben. In ihrer tautologischen Formulierung zielte die Parole auf Widersprüche in der herkömmlichen Men­schenrechtsauffassung, so die Diskrepanz zwischen universalem Ethos und einer Rechts­praxis, die sich oft am männlichen Subjekt orientierte und entsprechend blind war für frauen­spezifische Missbräuche. Seither hat sich eine menschenrechtliche Wende in der internationa­len Geschlechterpolitik abgezeichnet. Geschlechterdiskriminierung ist nicht länger nur ein par­tikuläres Problem der Frauen, sondern sie hat universale Relevanz erhalten. Damit ist auch ein Wandel im juristischen Verständnis und der politischen Semantik der Menschenrechte verbunden.Vor dem Hintergrund dieser jüngeren Entwicklung hat das vorliegende Projekt eine doppelte Zielsetzung: Erstens will es zu einem bessern Verständnis der komplexen Geschichte der Men­schenrechte und ihrem Verhältnis zur Geschlechterdifferenz beitragen. Dabei konzentriert es sich auf die Zwischenkriegszeit, die unter dem Gesichtspunkt der Menschenrechtsgeschichte von der Forschung bisher vernachlässigt worden ist. Mit dem Völkerbund wurde 1919 erstmals eine internationale Organisation mit globalen Regelungskompetenzen ins Leben gerufen. Eine Auswertung der Literatur zeigt, dass sich in verschiedenen Bereichen der Völkerbundstätigkeit ansatzweise eine erste menschenrechtliche Wende abzeichnete. Diese soll hier mit Blick auf das Geschlechterverhältnis Gegenstand einer kritischen Aufarbeitung sein. Ein Teilprojekt konzentriert sich dabei auf die internationalen Frauenorganisationen, die im Umfeld des Völkerbundes sehr aktiv waren. Das zweite Teilprojekt ist dem Thema des Frauenhandels gewidmet, dessen Bekämpfung ab 1919 in den Zuständigkeitsbereich des Völkerbundes fiel. Mit diesen Schwerpunkten trägt das Forschungsgesuch auch dem Interesse an der Rolle von zivilgesellschaftlichen Akteuren bei der Entwicklung von transnationalen Normen und Wert­systemen Rechnung.Das zweite übergeordnete Erkenntnisinteresse richtet sich auf die Sprache der Menschen­rechte, die hier als eine spezifische Artikulationsform von politischen und sozialen Visionen und Gerechtigkeitsvorstellungen verstanden wird. Die daraus hervorgehende Fragestellung beruht auf der Annahme, dass dieser Sprache gerade ihres Universalitätsanspruchs wegen die Möglichkeit transnationaler Kommunikation innewohnte und dass sie zugleich die Transforma­tion von bisher als partikulär verstandenen Anliegen in allgemeine Geltungsansprüche verbürgte. Die menschenrechtliche Semantik, so die forschungsleitende These, stellte einen Code bereit, der spezifische Reformanliegen mit einem globalen Ethos assoziierte und an den Internationalismus der Zeit ebenso wie an institutionelle Erfordernisse anschlussfähig machte. Die entsprechenden Diskurse, oft von zivilgesellschaftlichen Netzwerken lanciert, erweiterten das Feld der internationalen Politik. Somit stellt sich weiter die Frage, in welcher Weise Menschenrechtskonzepte an der Ausformung neuer internationaler Zuständigkeiten im Bereich der Geschlechterpolitik beteiligt waren. Das Projekt stellt damit neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Bedeutung des Rechts und der Rechtssprache für Fragen der Geschlechtergerechtigkeit in Aussicht.
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