Project

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Schreiben und Streichen. Zu einem Moment produktiver Negativität in literarischen Schreibprozessen und Textgenesen

Applicant Thüring Hubert
Number 127664
Funding scheme Scientific Conferences
Research institution Deutsches Seminar Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.09.2009 - 30.11.2009
Approved amount 4'600.00
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Keywords (13)

textphilology; cultural studies; literary archives; writing process; writing; textual genesis; edition; writing scene; cancelling; effacing; remembering; forgetting; memory

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das Projekt befaßt sich mit der Rolle von Streichungen in Textentstehung und im Schreibprozeß der modernen Literatur seit 1800. Es durchquert dabei die ganze Spannweite von den einzelnen materiellen Streichungen, wie sie die Dokumente des literarischen Archivs aufweisen, bis zu den gesamtkulturellen Phänomenen des Vergessens, des Verschwindens, der Tilgung, wie sie in Texten der modernen Literatur seit 1800 zugleich thematisiert und reflektiert werden.Individuum wie Kollektiv, so haben die Diskussionen um die Erinnerungs- und Vergessenskultur gezeigt, benötigen, um produktiv zu sein, nicht nur Verfahren zur Hervorbringung und Orte zur Bewahrung, sondern auch Verfahren der Tilgung und Orte der Entsorgung. Die Literatur fungiert dabei als Leitmedium, das Verfahren und Orte des Erinnerns und Vergessens vielfältig darstellt, reflektiert und vollzieht.Von kulturwissenschaftlicher Seite ist die literarische Medialität von Erinnern und Vergessen dabei kaum von jenen materialen, instrumentellen, prozeduralen, genetischen und prozessualen Bedingungen her betrachtet worden, die literarische Texte erst hervorbringen. Im Fokus standen vielmehr technische oder philosophische Probleme des Archivs im allgemeinen und schriftstellerischer Nachlässe im besonderen oder dann rhetorisch-poetische Verfahren und ihre kulturellen Effekte.So konnte das Streichen als elementare Operation, die in der Genese von Texten und im Prozeß des Schreibens das Gegen- und Ineinander von Erinnern und Vergessen vielfältig und vielförmig rhythmisiert, als solche gar nicht in den Blick kommen: In den philologischen Kerndisziplinen der Textkritik und Editionswissenschaften gibt bislang nur wenige Ansätze zu einer theoretischen Betrachtung der Streichung.Der praktisch-produktive Gegenpol zum Fortgang des Schreibens ist nicht das Nicht-Schreiben, sondern das Streichen, denn das Nicht-Schreiben hinterläßt keine Spuren. Streichungen finden im Schreibprozeß selbst statt und markieren Momente zwischen Zurücknahme und Wiederaufnahme. Sie können Beginn einer Stockung ebenso wie Ansatz zur ihrer Überwindung sein. In dieser dynamischen Ambivalenz der Streichungen artikuliert sich geradezu das Wesen des Schreibprozesses.Ziel der Tagung ist es, die Phänomene der Streichung und des Streichens formal, historisch und praktisch-materiell näher zu bestimmen. Die Beiträge durchqueren das ganze literarische Spektrum von Schreiben und Streichen der Literatur: Formen und Funktionen, Materialien und Sinneffekte, historische Bedingungen und rhetorisch-poetisch-stilistische Modelle, individuelle und kulturelle Prozesse und Brüche, medienspezifische, persönliche und politische Zensur geachtet.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

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