Project

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Geprägt fürs Leben Das Schweizer Verdingkinderwesen im 20. Jahrhundert: - ein (schweizerischer) Sonderfall?

Applicant Haumann Heiko
Number 127200
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline Swiss history
Start/End 01.01.2010 - 31.12.2012
Approved amount 385'938.00
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Keywords (14)

Verdingkinder; Oral History; Memory; Lebenswelt; Biography; Poverty; Verwahrlosung; neglect; Jugendfürsorge; youth welfare; Armenwesen. Relation between History and Memory; Memory research; social state; child care

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein wurden in der Schweiz zehntausende schulpflichtiger Kinder als Verdingkinder in Pflegefamilien platziert und in erster Linie als willkommene und billige Arbeitskräfte vornehmlich in der Landwirtschaft eingesetzt. Ziel dieser Forschungsarbeit ist es, die Umstände von Fremdplatzierungen in den Kantonen Bern, Luzern und Solothurn im 20. Jahrhundert zu untersuchen und zu vergleichen. Keine bedeutenden politischen Ereignisse stehen im Mittelpunkt dieser Untersuchung, sondern die Frage nach der Lebenswelt ehemaliger Verdingkinder. Diese soll auf der Basis verschiedenartiger Quellen rekonstruiert und in einen gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt werden, zu dem auch die gesamteuropäischen Verhältnisse gehören. Die Erinnerungen ehemaliger Verdingkinder, ihre Erfahrungen und ihr Umgang mit dem Erlebten werden mit den Aussagen in Beziehung gesetzt, die sich in behördlichen Akten in mehreren Gemeindearchiven der drei Kantone finden, und kontextualisiert. Eine hohe Bedeutung haben dabei die im Rahmen eines früheren, ebenfalls vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Forschungsprojektes geführten Gespräche mit Betroffenen ("Verdingkinder, Schwabengänger, Spazzacamini und andere Formen von Fremdplatzierung und Kinderarbeit in der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert", 2005-2007). Die Arbeit im Bereich der Oral History ermöglicht einen Zugang zu persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen, die über amtliches Quellenmaterial nicht erschlossen werden könnten. Der Untersuchungszeitraum von 1912 bis 1978 ermöglicht die Darstellung eines bedeutenden gesellschaftlichen Wandels, der sich in allen Bereichen des Alltags manifestiert. In den beiden Teilprojekten werden ergänzend hierzu weitere Aspekte des Verdingkinderwesens untersucht. Das eine fragt nach weiteren spezifischen Bedingungen in den Lebenswelten von Verdingkindern, vor allem nach der Wechselwirkung zwischen Individuum und Struktur. Das zweite setzt sich mit der Bedeutung des "Verwahrlosungsbegriffs" im Zusammenhang mit Fremdplatzierungen auseinander.Obwohl das Thema der Fremdplatzierung und insbesondere der Verdingkinder seit mehreren Jahren in den Medien behandelt wird, stehen - mangels fehlender Studien - vor allem gravierende Auswüchse im Mittelpunkt der Diskussion. Diese Untersuchung will zur Verwissenschaftlichung der Diskussion beitragen. Die geplante Arbeit kann gleichzeitig wichtige Erkenntnisse zur Sozial- und Familienpolitik jener Zeit zu Tage fördern. Missstände im Bereich der ausserfamiliären Erziehung und Armut als eine ihrer Ursachen können auch heute vorkommen. Das Forschungsprojekt wird einen Beitrag zu Formen der Fremdplatzierung von Kindern leisten, die human, kinderfreundlich und den Werten einer menschenrechtlich orientierten Zivilgesellschaft angemessen sind. Der Blick in die Vergangenheit schafft Voraussetzungen dafür, das heutige Pflegekinderwesen kritisch zu hinterfragen, zeitgemässer zu gestalten sowie Schwachstellen und Fehlentwicklungen zu verhindern.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Graubünden und die Schwabengänger
Seglias Loretta (2012), Graubünden und die Schwabengänger, in Zimmermann Stefan/Brugger Christine (ed.), 38-41.
„Die Behörde beschliesst“ - Zum Wohle des Kindes? Fremdplatzierte Kinder im Kanton Bern 1912-1978
Leuenberger Marco/Mani Lea/ Rudin Simone/Seglias Loretta (2011), „Die Behörde beschliesst“ - Zum Wohle des Kindes? Fremdplatzierte Kinder im Kanton Bern 1912-1978.
Schwabengänger – Kinder als Saisonniers
Seglias Loretta (2011), Schwabengänger – Kinder als Saisonniers, in Terra Plana , 2011(1), 22-29.
Verdingkinder
Leuenberger Marco (2011), Verdingkinder, in Martig Peter/Dubler Anne-Marie/Lüthi Christian/ Schüpbach Andrea/Stuber Martin/Summermatter St (ed.), 202-202.
Verdingkinder in der Schweiz und in Graubünden
Seglias Loretta (2011), Verdingkinder in der Schweiz und in Graubünden, in Bündner Kalender, 2011, 117-124.
Die Bündner Schwabengängerei. Saisonale Kinderemigration nach Oberschwaben unter Berücksichtigung der Frage nach der Sozialen Aufgabe von Kirche und Staat
Seglias Loretta (2010), Die Bündner Schwabengängerei. Saisonale Kinderemigration nach Oberschwaben unter Berücksichtigung der Frage nach der Sozialen Aufgabe von Kirche und Staat, in Hauss Gisela/Maurer Susanne (ed.), 35-53.
Verdingkinder – ein schweizerischer Sonderfall?
Leuenberger Marco (2010), Verdingkinder – ein schweizerischer Sonderfall?, in Hauss Gisela/ Maurer Susanne (ed.), 17-33.
«Bedingungslose Abschaffung der Erziehungs-, Rettungs-, Zwangserziehungsanstalten und Waisenhäuser». C.A. Loosli und das Verdingkinderwesen.
Seglias Loretta, «Bedingungslose Abschaffung der Erziehungs-, Rettungs-, Zwangserziehungsanstalten und Waisenhäuser». C.A. Loosli und das Verdingkinderwesen., in Spuhler Gregor (ed.), Chronos, Zürich.

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) www.verdingkinder.ch German-speaking Switzerland 13.12.2006

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
141802 Beschädigte Identitäten. Entwicklungen von ehemaligen Heimkindern in kirchlichen Einrichtungen 01.06.2012 International short research visits
152094 Das Schweizer Verdingkinderwesen in den Kantonen Zürich, Bern und Basel (20. Jh.) - ein Vergleich (Arbeitstitel) 01.03.2014 Doc.CH (until 2020)

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