Project

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Vernünftige Fähigkeiten und natürliche Funktionen

English title Rational Capacities and natural functions
Applicant Glock Hans-Johann
Number 126968
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Philosophisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Philosophy
Start/End 01.08.2011 - 31.07.2013
Approved amount 108'868.00
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Keywords (8)

rationality; naturalism; supernaturalism; normativity; lifeform; second nature; natural function; space of reasons

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Was bedeutet es für uns, das Leben von vernünftigen Wesen zu führen? Es bedeutet, Akte zu vollziehen, die unter normative Begriffe fallen. Unser spezifisch menschliches Leben, unser Denken, Sprechen und Handeln, vollzieht sich im Spielraum von richtig und falsch. Dies zeigt sich daran, dass wir unser Denken und Handeln rechtfertigen müssen. Diese Pflicht kommt nicht nachträglich. Vielmehr antworten wir mit unserem Denken auf die Frage, was zu denken wahr ist, und handeln in Bezug auf die Frage, was zu tun gut ist.Dies könnte uns dazu veranlassen, unsere vernünftigen Fähig­keiten als sui generis zu verstehen. Das bedeutet, dass sich diejenigen Fähigkeiten, die uns als ver­nünftige Wesen charakterisieren, fundamental von denjenigen Fähigkeiten unterscheiden, die wir mit nicht-vernünftigen Wesen gemeinsam haben. Der Unterschied scheint darin zu bestehen, dass die Akte von nicht-vernünftigen Fähigkeiten durch mechanische Kausalität bestimmt sind, wäh­rend die Manifestationen von ver­nünftigen Fähig­keiten dadurch erklärt werden, dass auf die Gründe der handelnden bzw. denkenden Person verwiesen wird, die diese rechtfertigen können.Wenn unsere vernünftigen Fähigkeiten in dieser Weise irreduzibel normativ sind, dann ist nur schwer zu verstehen, wie wir diese Fähigkeiten noch als natürliche begreifen können. Das Problem des Dualismus von Norm und Natur zeigt sich aber darin, dass jede Interaktion zwischen ver­nünftigen und natürlichen Fähigkeiten unverständlich erscheinen muss. Unser Denken könnte nicht mit unserer Wahrnehmung und unsere Absichten nicht mit unseren Körperbewegungen in Berührung kommen. Daher bliebe es unverständlich, wie wir gerechtfertigte Überzeugungen in Bezug auf die Welt haben und in ihr aufgrund von Absichten agieren könnten.Daher scheint der Versuch naheliegend, unsere vernünftigen Fähigkeiten in einem rein naturwissenschaftlichen Vokabular zu beschreiben. Dies ist das Projekt des Naturalismus. Damit wird bestritten, dass sich unser Denken und Handeln in einem logischen Raum von Gründen vollzieht, der in einem Gegensatz zum logischen Raum der Naturkausalität steht.In diesem Forschungsprojekt wird eine Alternative dazu vorgeschlagen. Es soll geprüft werden, ob nicht bereits der Begriff der lebendigen Natur intrinsisch normativ verfasst ist. Falls es sich so verhält, wird der Dualismus von Norm und Natur hinfällig. Dadurch wird es möglich, die spezifische Normativität unserer ver­nünftigen Fähig­keiten als Modifikation einer allgemeineren Normativität zu verstehen - der des Lebendigen.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Vernunft als menschliches Charakteristikum
Steiner Christian, Vernunft als menschliches Charakteristikum, in Studia philosophica, 72.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
The Natural and the Normative (Workshop with Karen Neander) Talk given at a conference 05.07.2013 Universität Fribourg, Switzerland Steiner Christian;
Second Lucerne Graduate Conference Talk given at a conference 15.02.2013 Universität Luzern, Switzerland Steiner Christian;
Forschungskolloquium in Boncourt Talk given at a conference 10.06.2012 Boncourt, Switzerland Steiner Christian;
Symposion 2012 der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft Talk given at a conference 10.05.2012 Universität Zürich, Switzerland Steiner Christian;
SoPhA, 6ème congrès Talk given at a conference 04.05.2012 ENS, Paris, France Steiner Christian;
Graduate Conference in Lucerne Talk given at a conference 11.02.2012 Universität Luzern, Switzerland Steiner Christian;


Self-organised

Title Date Place
The Notion of Living Being in Ancient, Early Modern, Modern & Contemporary Philosophical Discussions 31.08.2012 Zürich, Switzerland
Workshop with Jennifer Hornsby on Action Theory 16.09.2011 Zürich, Switzerland

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
130226 Die Anthropologische Differenz: Denken, Sprechen, Handeln 01.09.2010 ProDoc

Abstract

Was bedeutet es für uns, das Leben von vernünftigen Wesen zuführen? Es bedeutet, Akte zu vollziehen, die unter normativeBegriffe fallen. Unser spezifisch menschliches Leben, unserDenken, Sprechen und Handeln, vollzieht sich im Spielraum vonrichtig und falsch. Dies zeigt sich daran, dass wir unser Denkenund Handeln rechtfertigen müssen. Diese Pflicht kommt nichtnachträglich. Vielmehr antworten wir mit unserem Denken auf dieFrage, was zu denken wahr ist, und handeln in Bezug auf dieFrage, was zu tun gut ist.Dies könnte uns dazu veranlassen, unsere vernünftigenFähig­keiten als sui generis zu verstehen. Das bedeutet, dasssich diejenigen Fähigkeiten, die uns als ver­nünftige Wesencharakterisieren, fundamental von denjenigen Fähigkeitenunterscheiden, die wir mit nicht-vernünftigen Wesen gemeinsamhaben. Der Unterschied scheint darin zu bestehen, dass die Aktevon nicht-vernünftigen Fähigkeiten durch mechanische Kausalitätbestimmt sind, wäh­rend die Manifestationen von ver­nünftigenFähig­keiten dadurch erklärt werden, dass auf die Gründe derhandelnden bzw. denkenden Person verwiesen wird, die dieserechtfertigen können. Demnach vollziehen sich unserever­nünftigen Fähig­keiten im ‘logischen Raum der Gründe’,während unsere nicht-vernünftigen Fähigkeiten im ‘logischen Raumder Natur’ ausgeübt werden.Wenn unsere vernünftigen Fähigkeiten in dieser Weise irreduzibelnormativ sind, dann ist nur schwer zu verstehen, wie wir dieseFähigkeiten noch als natürliche begreifen können. Daher wären wirdazu gezwungen, übernatür­liche Entitäten zu postulieren. Daseigentliche Problem des Dualismus von Norm und Natur zeigt sichaber darin, dass jede Interaktion zwischen ver­nünftigen undnatürlichen Fähigkeiten unverständlich erscheinen muss. UnserDenken könnte nicht mit unserer Wahrnehmung und unsere Absichtennicht mit unseren Körperbewegungen in Berührung kommen. Daherbliebe es unverständlich, wie wir gerechtfertigte Überzeugungenin Bezug auf die Welt haben und in ihr aufgrund von Absichtenagieren könnten. Daher scheint der Versuch naheliegend, unsere vernünftigenFähigkeiten in einem rein naturwissenschaftlichen Vokabular zubeschreiben. Dies ist das Projekt des Naturalismus. Damit wirdbestritten, dass sich unser Denken und Handeln in einem logischenRaum von Gründen vollzieht, der in einem Gegensatz zum logischenRaum der Naturkausalität steht. Doch da sich Vertreter des Naturalismus bei der Beschreibungunserer ver­nünftigen Fähig­keiten auf die Kategorien vonZustand, Prozess und mechanischer Kausalität beschränken müssen,hat dies absurde Konsequenzen für das Verständnis von Denken undHandeln. In diesem Forschungsprojekt soll eine Alternative zumnaturalistischen und supernaturalistischen Verständnis unsererver­nünftigen Fähig­keiten entwi­ckelt werden. Naturalismus unddas, was man als ‘Supernaturalismus’ bezeichnen könnte, stimmendarin überein, dass sich unsere nicht-ver­nünftigen Fähigkeitenvollständig durch die begrifflichen Mittel derNaturwissenschaften beschreiben lassen. Lässt sich dagegen durchReflexion auf unseren Sprachgebrauch nachweisen, dass bereits derBegriff der lebendigen Natur intrinsisch normativ verfasst ist,so wird der Dualismus von Norm und Natur hinfällig. Dadurch wirdes möglich, die spezifische Normativität unserer ver­nünftigenFähig­keiten als Modifikation einer allgemeineren Normativität zuverstehen - der des Lebendigen.
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