Project

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Visuelle Rhetorik 2 - Regeln, Spielräume und rhetorischer Nullpunkt im Informationsdesign am Beispiel öV

English title Visual Rhetoric 2 - Rules and Scope in Public Transport Information Design
Applicant Scheuermann Arne
Number 126962
Funding scheme DORE project funding
Research institution Forschungsschwerpunkt Kommunikationsdesign Y (Institut für Transdisziplinarität) Hochschule der Künste Bern HKB
Institution of higher education Berne University of Applied Sciences - BFH
Main discipline Arts
Start/End 01.01.2010 - 31.03.2012
Approved amount 179'368.00
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Keywords (8)

Design; Rhetoric; Information Design; Public Transport; Rules; Scope; Design Research; Visual Rhetoric

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Lead
Das Projekt soll die rhetorischen Wirkmechanismen und Regeln sichtbar machen, die im scheinbar rein sachlich-informativen Informationsdesign des öffentlichen Verkehrs zum Einsatz kommen.

Hintergrund
Während Werbung mit allen Kräften an die Gefühls- und Gemütsverfassung der Konsumenten appelliert, zeichnet sich Informationsdesign - so die landläufige Meinung - durch Attribute wie Zurückhaltung, Sachlichkeit, im Idealfall gar durch reine Informativität aus. Dieser Sicht wurde bereits durch die Ergebnisse des initialen Forschungsprojekts „Visuelle Rhetorik in der Gebrauchsgrafik“ widersprochen: Auch Bahn-/öV-Reiseinformationen wie Fahrpläne und Wegleitungen werden nach bestimmten Gesichtspunkten und mit einer spezifischen Wirkungsintention gestaltet. Selbst wer einfach nur informieren will, bedient sich bewusst oder unbewusst einer bestimmten Rhetorik in der Gestaltung. Da es einen ‚rhetorischen Nullpunkt’ nicht gibt (jede Formulierung, jede Wahl von Schrift, Farbe, Platzierung, Proportion etc. formt, verändert und interpretiert die Information und trägt zur spezifischen Wirkung des Ganzen bei) muss sich auch wirksames Informationsdesign an gewissen wahrnehmungsleitenden und affektiven - also rhetorischen - Faktoren orientieren.

Ziel
Das Projekt nutzt dieses Vorwissen über Gestaltungsregeln, um die besonderen rhetorischen Wirkungsweisen des Informationsdesigns im Arbeitsfeld Bahnhof zu analysieren und zu kontextualisieren, mit dem Ziel, gemeinsam mit der Praxispartnerin SBB konkrete neue visuelle Anwendungen zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

Bedeutung
Die theoretischen Grundlagen der visuellen Rhetorik wurden im Vorgängerprojekt fundiert aufgearbeitet und können nun auf konkrete Designbereiche und praktische Fragen angewendet werden. Die Untersuchung des rhetorischen Nullpunkts ist sowohl aus visuell-rhetorischer Sicht im Sinne der Frage nach den Grenzen des rhetorischen Einflussradius interessant, als auch aus Sicht der Informationsdesignforschung, da dort insbesondere die Untersuchung der ethischen und emotionalen Wirkungsebenen bislang unberücksichtigt blieb, ja teilweise konsequent ignoriert wurde. Die Resultate sollen neue Impulse setzen zur Entwicklung kombinierter Kommunikationsmedien. Die Praxispartnerin SBB profitiert von diesem Know-how u.a. bei der Gestaltung des eigenen Informationsdesigns.

Methoden
Die praxisbasierte Forschung stützt sich methodisch u.a. auf eine rhetorische Designanalyse, die thesengestützte Entwicklung von Designmassnahmen sowie qualitative Fokusgruppeninterviews.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Project partner

Publications

Publication
Medienrhetorik
Scheuermann Arne (2011), Medienrhetorik, in Ueding Gerd (ed.), Sp. 649-Sp. 659.
Schriftbild
Scheuermann Arne (2011), Schriftbild, in Ueding Gerd (ed.), Sp. 1193-Sp. 1207.
Hypothesizing about Design from the Perspective of Visual Rhetoric
Schneller Annina (2010), Hypothesizing about Design from the Perspective of Visual Rhetoric, in Chow Rosan Wolfgang Jonas und Gesche Joost (ed.), iUniverse, Bloomington, IN, 253-261.
The Visual Rhetoric of Public Transport Information Design
Schneller Annina (2010), The Visual Rhetoric of Public Transport Information Design, in Swiss Design Network Conference: Negotiating Futures: Design Fiction.
Wie beeinflusst die Rhetorik das Design und wie hat Design die Rhetorik beeinflusst?
Scheuermann Arne (2010), Wie beeinflusst die Rhetorik das Design und wie hat Design die Rhetorik beeinflusst?, in Jonas Wolfgang und Felicidad Romero-Tejedor (ed.), 190-192.
Design Rhetoric: Studying the Effects of Designed Objects
Schneller Annina, Design Rhetoric: Studying the Effects of Designed Objects, in Nature + Culture, 8(3), 1-1.
The Visual Rhetoric of Signs: A Practice-Based Research Project on the Effects of Public Transport Information Design
Schneller Annina, The Visual Rhetoric of Signs: A Practice-Based Research Project on the Effects of Public Transport Information Design, in Ng Annie W.Y. und Alan H.S. Chan (ed.), Nova Science Publishers, New York, 1-1.
Visuelle Rhetorik 2: Regeln, Spielräume und rhetorischer Nullpunkt im Informationsdesign am Beispiel des öffentlichen Verkehrs
Schneller Annina und Arne Scheuermann (ed.), Visuelle Rhetorik 2: Regeln, Spielräume und rhetorischer Nullpunkt im Informationsdesign am Beispiel des öffentlichen Verkehrs.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved


Knowledge transfer events



Self-organised

Title Date Place
Schlusspräsentation des Forschungsprojekts «Visuelle Rhetorik 2 - Regeln, Spielräume und rhetorischer Nullpunkt im Informationsdesign am Beispiel des öffentlichen Verkehrs» 16.01.2012 Hochschule der Künste Bern

Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Talks/events/exhibitions Visuelle Rhetorik im Informationsdesign des öV, Museumsnacht Bern, HKB German-speaking Switzerland 18.02.2011
Talks/events/exhibitions Wo fängt das Environment ‹Solothurn› an – wo endet es? Information Design an Grenzen und Nahtstellen German-speaking Switzerland 15.12.2011
Talks/events/exhibitions Helfen, Bahnhof zu verstehen. Oder: Thesen zu befriedigenden Widerständigkeiten Western Switzerland German-speaking Switzerland 18.02.2010

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
116221 Visuelle Rhetorik in der Gebrauchsgrafik 01.08.2007 DORE project funding
170101 Geldschein - Die visuelle Rhetorik des Geldes 01.01.2017 Project funding (Div. I-III)
140381 Amateurgestaltung - Die Rhetorik der Elaboration im Grafikdesign am Beispiel Gemeinwesenarbeit und Lokalpolitik 01.10.2012 Project funding (Div. I-III)
114023 Neue Darstellungsformen und Modelle für qualitative Interviews im Medizinmanagement 01.12.2006 DORE project funding

Abstract

Während Werbung mit allen Kräften an die Gefühls- und Gemütsverfassung der Konsumenten appelliert, zeichnet sich Informationsdesign - so die landläufige Meinung - durch Attribute wie Zurückhaltung, Sachlichkeit, im Idealfall gar durch reine Informativität aus. Dieser Sicht kann bereits durch die ersten Ergebnisse im derzeitigen Forschungsprojekt „Visuelle Rhetorik in der Gebrauchsgrafik“ (13DPD3-116221) widersprochen werden: Selbst Bahn-/öV-Reiseinformationen wie Fahrpläne (in Print- oder e-Form) und Zugformationsplakate/Wagenstandanzeiger oder Rauminformationen wie Beschilderungen (Wegleitungen, Signaletik) oder Bahnhofpläne werden nach bestimmten Gesichtspunkten und mit einer spezifischen Wirkungsintention gestaltet. Auch wer ‚einfach nur informieren’ will, bedient sich bewusst oder unbewusst einer bestimmten Rhetorik in der Gestaltung. Da es einen ‚rhetorischen Nullpunkt’ nicht gibt (jede Formulierung, jede Wahl von Schrift, Farbe, Platzierung, Proportion, räumliche Verortung etc. formt, verändert und interpretiert die Information und trägt zur spezifischen Wirkung des Ganzen bei) muss sich auch wirksames Informationsdesign an gewissen wahrnehmungsleitenden und affektiven - also rhetorischen - Faktoren orientieren.Im vorliegenden Folgeprojekt wird dieses Vorwissen über Gestaltungsregeln genutzt, um die besonderen rhetorischen Wirkungsweisen des Informationsdesigns im Arbeitsfeld Bahnhof zu analysieren und zu kontextualisieren, mit dem Ziel, gemeinsam mit unserer Praxispartnerin SBB konkrete neue visuelle Anwendungen zu evaluieren und weiterzuentwickeln.Folgende Problemsituation bildet den Hintergrund der Forschungsfrage: Bei der visuellen Gestaltung im Bereich öV, einem unternehmens- und verkehrsmittelübergreifenden Systemdesign, tritt in der Umsetzung von Informationsdesign eine besondere Anforderung auf - die Gestaltung muss gleichzeitig einem möglichst homogen-normativen Steuerungsbedürfnis und einem situativ-kontextbezogenen Umsetzungsbedürfnis gerecht werden, um wirkungsintentional und benutzerfreundlich zu funktionieren. Diesem Doppelanspruch genügen zu können ist entscheidend. Die Theorie dieses Handelns ist bislang designtheoretisch noch nicht aufgearbeitet. Die Klassische Rhetorik hingegen hat sich mit der Differenz zwischen ‚dem, was bewährt und richtig ist’ und seiner Umsetzung vor Ort bereits beschäftigt und hält für dieses spezielle Verhältnis von Standard-Lösungen und situativen Anpassungen theoretische Angebote bereit. Diese sollen im Projekt designtheoretisch und -praktisch nutzbar gemacht werden. Das Vorgehen gliedert sich dabei wie folgt:1. Analyse und Expertise öV (1)Vor dem Hintergrund der Ausgangsthese ‚Reine Information gibt es nicht - als neutral wahrgenommene Gestaltung hingegen schon’ werden gemeinsam mit Expert/innen aus dem Bereich öV die rhetorischen Regeln sachlich-informativer Gestaltung im öV anhand von konkreten Fallbeispielen und bestehenden Gestaltungsmanuals analysiert und insbesondere auf das Zusammenwirken von Regeln und situativer Umsetzung hin befragt. Die Erkenntnisse werden zu einem Arbeitsmodell verdichtet.2. Entwicklung und ÜberprüfungAufbauend auf diesen Erkenntnissen werden für ausgewählte Situationen alternative Informationslösungen entworfen und durch die Wissenschaftspartnerin Hochschule der Medien in Stuttgart empirisch über-prüft.3. Expertise öV (2) und InformationsdesignDie Resultate der Empirie werden auf ihre Gültigkeit hin evaluiert, durch externe Expert/innen aus den Bereichen öV und Informationsdesign validiert und zu Gestaltungsrichtlinien für die Praxis im Bereich öV verdichtet.4. Exploitation und PublikationAlle gewonnenen Erkenntnisse werden abschliessend ausgewertet und für ein Publikationskonzept gemeinsam mit der Praxispartnerin SBB aufgearbeitet.
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