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Beute, Plünderung, Kulturgüterraub. Kriegsökonomie und symbolische Konfliktformen vom Mittelalter bis zur Renaissance

English title Booty, Looting, Stolen Cultural Possesions: Economic and Symbolic Warfare from the Middle Ages to the Renaissance
Applicant Jucker Michael
Number 126358
Funding scheme Ambizione
Research institution Historisches Seminar Universität Luzern
Institution of higher education University of Lucerne - LU
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.01.2010 - 31.03.2012
Approved amount 254'868.00
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All Disciplines (2)

Discipline
General history (without pre-and early history)
Swiss history

Keywords (29)

Pillage; Humanities; Cultural Studies; Economy; Communication; Medieval History; Early Modern History; Switzerland; Spain; Germany; Byzantium; Middle Ages; booty; Cultural History; Economic History; History of Things; Warfare; early modern; burgundian wars; War; pillaging; predators; legal history; Switzerland; Rome; Venice; Burgundy; France; New World

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das Habilitationsprojekt untersucht Praxis, Normen und Legitimation des Plünderns von Gütern im Krieg aus kulturwissenschaftlicher und wirtschaftshistorischer Perspektive. Die Eckdaten bilden einerseits 1204 mit der Plünderung Konstantinopels, andererseits die Zerstörung Tenochtitlans von 1521.

Hintergrund: Plündern im Krieg ist ein zeitloses Phänomen. Das Plündern spielt in den neuesten Kriegen wieder vermehrt eine grosse Rolle. Neuste Untersuchungen haben solche Formen als zurückkehrende vormoderne Gewaltökonomien bezeichnet. Im Gegensatz dazu diente das Plündern in der Vormoderne neben der Kriegsfinanzierung vor allem der symbolischen Kommunikation. Wer plünderte, konnte symbolisch den Triumph über die Gegner manifestieren. Beutestücke waren gleichzeitig Zeichenträger von Sozialprestige und ökonomischen Werten. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Symbolik.

Ziel:Ziel ist die Abfassung einer Habilitationsschrift. Das Projekt untersucht Wertebildung von Beutegut und die Legitimierung von Plünderungsvorgängen. Praxis, Normen und Legitimationen bilden dabei die prioritären Forschungsfelder. Es ergeben sich folgende bisher kaum beantwortete Fragen: Aus welchen Gründen wurde überhaupt geplündert? Wie wurde mit den Objekten umgegangen? Wie wurde versucht, das Plündern einzuschränken? Welche Wertvorstellungen spielten dabei eine Rolle? Welche rechtfertigende Argumente führten die Täter an?

Bedeutung: Das Innovationspotenzial liegt darin, verschiedenste Perspektiven auf ein wenig untersuchtes Phänomen des vormodernen Krieges zu lenken, Praxis, Normen und Legitimationen aus interdisziplinärer Warte heraus zu analysieren und grundlegende Fragen im Spannungsfeld von Wirtschafts- und Kulturgeschichte zu beantworten. Die drei Felder Praxis, Normen und Legitimationen werden in ihren jeweiligen Interdependenzen und im sozio-kulturellem Kontext untersucht. Die Innovation des Projekts liegt auch darin, dass es einen konsequent vergleichenden Ansatz an der Schnittstelle verschiedenster Disziplinen verfolgt. Es bedient zahlreiche international erprobte Forschungsgebiete wie die Debatte um Objektbedeutung, Kulturerbe, Restitution von Kunstgegenständen, Kultur-, Rechts-, Kriegs- und Wirtschaftsgeschichte. Zudem gewährt das Projekt wichtige Einblicke in vormoderne Gewaltformen, normative und ökonomische Vorgänge des Kriegswesens und in den Umgang mit Sachkulturen. Neue Resultate sind zu religiösen wie profanen Norm- und Wertvorstellungen, zur Herrschaftsausübung und zur Gewaltkontrolle zu erwarten. Das Projekt kooperiert eng mit den Universitäten Münster, Konstanz, St. Andrews, Paris und weiteren zentralen Forschungseinrichtungen im In- und Ausland.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Kulturgeschichte/Histoire Culturelle, Spezialheft Traverse 1/2012, Zürich
Jucker Michael, Schubert Yann, Rathmann-Lutz Anja, Crousaz Karine (ed.) (2012), Kulturgeschichte/Histoire Culturelle, Spezialheft Traverse 1/2012, Zürich, Chronos-Verlag, Zürich.
Mittelalterliches Völkerrecht als Problem: Befunde, Methoden, Desiderate.
Jucker Michael (2011), Mittelalterliches Völkerrecht als Problem: Befunde, Methoden, Desiderate., in Zeitschrift für Historische Forschung, 45, 27-46.
Rechtsformen internationaler Politik 800-1800, Theorie, Norm und Praxis. Beiheft der ZHF (2011)
Schwinges Rainer C., Jucker Michael, Kintzinger Martin (ed.) (2011), Rechtsformen internationaler Politik 800-1800, Theorie, Norm und Praxis. Beiheft der ZHF (2011), Duncker & Humblot, Berlin.
Vom Chaos zur Ordnung: Beuteökonomien und deren Repräsentationen als methodische und pluridisziplinäre Herausforderung
Jucker Michael (2011), Vom Chaos zur Ordnung: Beuteökonomien und deren Repräsentationen als methodische und pluridisziplinäre Herausforderung, in Bömelburg Hans-Jürgen, Horst Carl (ed.), 33-54.
Geraubte Gaben, Verschwiegene Vergangenheit: Hoch- und spätmittelalterliche Geschenk- und Kirchenpolitik mit Objekten aus Byzanz und Burgund
Jucker Michael (2011), Geraubte Gaben, Verschwiegene Vergangenheit: Hoch- und spätmittelalterliche Geschenk- und Kirchenpolitik mit Objekten aus Byzanz und Burgund, in Grünbart Michael (ed.), 87-102.
The Beginning of a wonderful friendship French friendship treaties and their continuity in international law (1435–1600)
Jucker Michael (2011), The Beginning of a wonderful friendship French friendship treaties and their continuity in international law (1435–1600), in Steiger Heinhard, Marauhn Thilo (ed.), 375-391.
Ereignisbildung, Rechtfertigung und Öffentlichkeiten im hoch- und spätmittelalterlichen Kriegswesen. Kommunikationshistorische Beobachtungen und vergleichende Überlegungen am Beispiel des 4. Kreuzz
Jucker Michael (2011), Ereignisbildung, Rechtfertigung und Öffentlichkeiten im hoch- und spätmittelalterlichen Kriegswesen. Kommunikationshistorische Beobachtungen und vergleichende Überlegungen am Beispiel des 4. Kreuzz, in Kintzinger Martin, Schneidmüller Bernd (ed.), Jan Thorbecke, Sigmaringen, 287-327.
Spezialisierung und Professionalisierung: Träger und Foren städtischer ‚Aussenpolitik’ während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, (Trierer Beiträge zu den his
Jucker Michael, Jörg Christian (ed.) (2010), Spezialisierung und Professionalisierung: Träger und Foren städtischer ‚Aussenpolitik’ während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, (Trierer Beiträge zu den his.
Zirkulation und Werte der geraubten Dinge: Schatz, Beute und ihre Symbolik im mittelalterlichen Krieg
Jucker Michael (2010), Zirkulation und Werte der geraubten Dinge: Schatz, Beute und ihre Symbolik im mittelalterlichen Krieg, in Potin Yann, Cordez Philippe, Mariaux Pierre Alain, Burkart Lucas (ed.), 221-239.
Le butin de guerre au Moyen Age, aspects symboliques et économiques
Jucker Michael (2009), Le butin de guerre au Moyen Age, aspects symboliques et économiques, in Francia, 36, 113-134.
Die Norm der Gewaltbilder: Zur Darstellbarkeit von Opfern und Tätern kriegerischer Gewaltexzesse in Bilderchroniken des Spätmittelalters
Jucker Michael (2009), Die Norm der Gewaltbilder: Zur Darstellbarkeit von Opfern und Tätern kriegerischer Gewaltexzesse in Bilderchroniken des Spätmittelalters, in Signori Gabriela, Emich Birgit (ed.), Duncker&Humblodt, Berlin, 121-153.
Beutegier, Kriegsfinanzierung, Schäden: Wirtschaftliche und symbolische Plünderungsformen im Mittelalter
Jucker Michael, Beutegier, Kriegsfinanzierung, Schäden: Wirtschaftliche und symbolische Plünderungsformen im Mittelalter, in Meinhardt Matthias, Meumann Markus (ed.).
Das Mittelalter. (Wissen, was stimmt),
Jucker Michael, Das Mittelalter. (Wissen, was stimmt),.
Plündern und Brandschatzen: Kriegs- und Fehdepraxis im Spannungsfeld von Recht, Ökonomie und Symbolik
Jucker Michael, Plündern und Brandschatzen: Kriegs- und Fehdepraxis im Spannungsfeld von Recht, Ökonomie und Symbolik, in Reinle Christine, Rothmann Michael (ed.).
Raub, Geschenke und diplomatische Irritationen: Die ökonomische Zirkulation und Distribution von Beutestücken und Luxusgegenständen (13.–16. Jahrhundert)
Jucker Michael, Raub, Geschenke und diplomatische Irritationen: Die ökonomische Zirkulation und Distribution von Beutestücken und Luxusgegenständen (13.–16. Jahrhundert), in Jeggle Christof, Häberlein Mark (ed.).
Sammeln, Ordnen, Ausstellen, Traverse 3/2012,
Jucker Michael, Forclaz Bertrand, Steinbrecher Aline (ed.), Sammeln, Ordnen, Ausstellen, Traverse 3/2012,, Chronos, Zürich.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Forschungskolloquium Vormoderne, Eigener Beitrag 15.05.2012 Universität Luzern
Res nullius. Zur Genealogie einer Rechtsfigur 22.02.2012 Universität Konstanz


Self-organised

Title Date Place
Forschungskolloquium Vormoderne 06.03.2012 Universität Luzern

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
New media (web, blogs, podcasts, news feeds etc.) Swissuniversity Webauftritt Swissuniversity Highlights International Rhaeto-Romanic Switzerland German-speaking Switzerland Western Switzerland Italian-speaking Switzerland 04.01.2010

Abstract

Beute, Plünderung, Kulturgüterraub. Kriegsökonomie und symbolische Konfliktformen vom Mittelalter bis zur RenaissanceBooty, Looting, Stolen Cultural Possessions. Economic and Symbolic Warfare from the Middle Ages to the RenaissanceDie Kriegsbeute ist und war stets wichtiger Teil des Kriegswesens. Plünderungen sind räuberische Aneignungen von Objekten, Gütern und Menschen, welche die ökonomische, symbolische und religiöse Werteebene tangieren. Die unterschiedlichen Plünderungsformen werden begleitet von Normierungen, Rechtsvorstellungen und narrativen Mustern, die sich historisch wandeln. Mit Plünderungen verbunden sind einerseits Zerstörungen von Gebäuden und ökonomische Schädigungen des Gegners, andererseits kommt es zu Demütigungen des Gegners und zu Umdeutungen von Objekten: Beutestücke wie Fahnen werden zu Triumphzeichen der Sieger, sakrale Gegenstände werden beschmutzt, entehrt, oder zu wirtschaftlich verwertbaren Dingen umgewandelt und verkauft. Geraubte Kulturgüter gelangen auf legalem und illegalem Wege auf neu entstehende Märkte. Gleichzeitig lösen die Plünderungen stets auch Prozesse des Kulturtransfers und der Aneignung von fremden Kulturgütern aus. Diskurse, Angstvorstellungen wie auch Bilder des Schreckens über marodierende Horden begleiten diese Formen der Kriegsexzesse.Die Begründungen und Legitimierungen für das Plündern waren vielfältig und wandelten sich im Laufe der Zeit wesentlich: Zwang, nötige Verproviantierung, reine Beutegier, Erpressung von Lösegeldern und Tributen, die Verlockungen des Reichtums, Schädigungsabsichten oder die pure Zerstörungslust, Rückgewinnung von Objekten in falschen Händen, Gottes Eingreifen, nötiges Kriegsübel, Rache und Ehrvorstellungen sind Aspekte, die zur Rechtfertigung von Wegnahme von Objekten herangezogen wurden oder als Motivation dienten. Bisweilen führten Plünderungsvorgänge auch zu gelehrten Debatten über die Recht- und Unrechtmässigkeit von Raub im Krieg wie auch über die schrecklichen ökonomischen und physischen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Rechtsgelehrte, Kirchenrechtler und besorgte Laien beschäftigte das Phänomen der Plünderung. Ethische Diskussionen über gerechte Verteilung und die Verkaufbarkeit von illegal erworbenen Objekten begleiteten die Ereignisse häufig. Gerade die gegenwärtigen Auseinandersetzungen über den Kulturgüterraub im Zweiten Weltkrieg oder die Rückgabe von geraubten Kulturgütern aus dem Villmergerkrieg von 1712 in der Eidgenossenschaft und damit verbundene Fragen der Restitution machen deutlich, dass Besitzansprüche auf Raubgut oft umstritten waren und es immer noch sind. Zahlreiche Objekte erscheinen zudem kulturell so stark angeeignet, dass sie nicht mehr als fremd oder geraubt wahrgenommen werden. Einige Objekte verlieren sogar ihre Funktion als Träger von Erinnerung an illegale Akte des Raubes. Raubgut schmückt bis heute den öffentlichen Raum, so beispielsweise die Pferde am Palazzo San Marco in Venedig, die nach der Plünderung von Konstantinopel mit zahlreichen Reliquien und byzantinischen Heiligtümern 1204 nach Westeuropa gelangten. Die Plünderungsvorgänge, ihre kulturelle Wahrnehmung, Wege geraubter Objekte und die sie begleitenden rechtlichen und moralischen Diskurse sind insbesondere für die Epoche des Mittelalters noch wenig untersucht. Das vorliegende Projekt beabsichtigt, Plünderungen und Beutenahme im Krieg und die damit verbundenen ökonomischen Formen, Normen und Legitimationen für das Mittelalter und den Beginn der Frühen Neuzeit unter ökonomie- und kulturhistorischen Fragestellungen zu untersuchen. Aus welchen Gründen wird jeweils angeblich geplündert? Welche Normierungen und Legitimationen des Plünderns und Raubens von Kulturgütern wandeln sich im Laufe der Zeit? Welche Narrative finden überhaupt Eingang in die entsprechenden Text- und Bildquellen? Wie werden diese tradiert? Angestrebt wird eine militärhistorische Kulturgeschichte in Verbindung mit rechts-, sozial- und wirtschaftshistorischen Methoden, die einen Beitrag zur Untersuchung der westeuropäischen Kriegsökonomie leistet. Der geographische Rahmen wird für den Kernbereich der Untersuchung mit Frankreich, Burgund, Lothringen und dem eidgenössisch-schwäbischen Gebiet des Hoch- und Oberrheins eingegrenzt. Erweiternde Fallstudien zur Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzritter von 1204 und zur Eroberung und Zerstörung Tenochtitlans durch die spanischen Truppen unter Cortés von 1521 runden die Arbeit ab. Zu einzelnen Aspekten bestehen bereits erfolgreich abgeschlossene Vorarbeiten in Aufsatzform. Ziel des Projektes ist der Abschluss einer umfassenden, quellenbasierten Monographie von ca. 500 Seiten, die 2011 als Habilitationsschrift vorgelegt wird.
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