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'Ein Bogen für Beethoven' - repertoirespezifische Spieleigenschaften von Streichbögen um 1825. Neue Wege zu Aufführungspraxis, Organologie und Rekonstruktion frühromantischer Bogenmodelle unter besonderer Berücksichtigung der Wiener Praxis

English title 'A bow for Beethoven' - repertoire-specific playing characteristics of string-instrument bows, ca. 1825. A new approach to performance practice, organology und reconstruction of early romantic bow models, with particular reference to practices in Vi
Applicant Skamletz Martin
Number 124644
Funding scheme DORE project funding
Research institution Institut Interpretation Hochschule der Künste Bern Berner Fachhochschule
Institution of higher education Berne University of Applied Sciences - BFH
Main discipline Music, Theatre
Start/End 01.06.2009 - 30.11.2011
Approved amount 170'584.00
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Keywords (8)

historically informed performance practice; reconstruction of historical music instruments; 19th-century music; string instruments; string instrument bows; Tourte-bow; transitional bow; historically inspired performance practic

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Nachdem Jahrzehnte lang das Streichinstrument (der Resonanzkörper) im Zentrum der Bemühungen um authentisches Instrumentarium stand, konnte die jüngere Forschung den Bogen - in systemischer Verbindung mit historischem Saitenmaterial - als dasjenige Element identifizieren, das in erster Linie für die Erzeugung und Formung eines repertoiretypischen Streicherklangs verantwortlich ist. Das kurzfristige Forschungsziel besteht darin, Bögen aus dem Umfeld des Wiener Repertoires um 1825 überhaupt wissenschaftlich zu identifizieren und durch Nachbauten der historisch informierten Aufführungspraxis zur Verfügung zu stellen. Längerfristig ist es das Ziel, auf die Bedeutung des Bogens und seiner repertoirespezifischen Spieleigenschaften für die Interpretation hinzuweisen und eine Methode zu deren Beschreibung bereitzustellen, die auch im Rahmen des laufenden Standardisierungsverfahrens "Claves" eingesetzt werden kann. Dabei ist die Datenlage zur Identifikation von Bögen aus dem Wiener Umfeld um 1825 günstig, denn aufführungspraktische und instrumentenbauliche Textquellen sowie ikonographische Quellen stehen - ebenso wie erhaltene Original-Bögen - in ausreichender Zahl zur Verfügung. Diese Quellen sollen zeigen, dass um 1825 neben dem bis heute verwendeten Tourte-Modell weitere Bogenmodelle in Gebrauch waren, die heute obsolet sind. Aufgrund neuer methodischer Ansätze ist die Lokalisierung und Datierung erhaltener Bögen um 1825 möglich. Eine Untersuchung der aufführungspraktischen Textquellen auf beschriebene Spieleigenschaften führt zu einer Unterscheidung nach Repertoires, die mit den entsprechenden Bogenmodellen in Verbindung gebracht werden. Die Erprobung von Originalbögen soll die Informationen der Textquellen zu repertoirespezifischen Spieleigenschaften verifizieren. Aufgrund dieser Forschungsarbeit kann die Reproduktion eines Bogens in Auftrag gegeben werden, der die wissenschaftlich erarbeiteten Spieleigenschaften besitzt. Ein solcher Bogen beeinflusst wesentliche Elemente der Tonerzeugung und Artikulation und dient damit als handgreifliches Instrument für die historisch informierte Aufführungspraxis im Wiener Repertoire um 1825 (Beethoven, Schubert, Salieri, Hummel, ausdehnbar auf italienisches Repertoire: Paganini, Rossini).
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Project partner



Corporate bodies

Name Address
Beethoven-Haus Bonn Dr. Michael Ladenburger, Direktor Beethoven-Haus Bonn Dr. Michael Ladenburger, Direktor Bonngasse 24-26 D-53111 DE-Bonn
Sinfonie Orchester Biel Dr. Christopher Walton, Verwaltungsdirektor Thomas Rösner, Chefdirigent Sinfonie Orchester Biel Dr. Christopher Walton, Verwaltungsdirektor Thomas Rösner, Chefdirigent Schmiedengasse 1 2500 CH-Biel/Bienne 3
Fuchs et Chaxel SARL Pierre-Yves Fuchs Fuchs et Chaxel SARL Pierre-Yves Fuchs Ruelle de la Poste 4 1699 CH-Porsel

Publications

Publication
Musikinstrumente in der Interpretationsforschung: Klavierhämmer, Mundstücke, Saiten und Bögen als Interfaces.
Köpp Kai (2017), Musikinstrumente in der Interpretationsforschung: Klavierhämmer, Mundstücke, Saiten und Bögen als Interfaces., in Münzmay Andreas, Saxer Marion (ed.), Edition text+kritik, München, 96-111.
German Bows: From 'Cramer Bows' to 'Biedermeier Bow'
Köpp Kai (2015), German Bows: From 'Cramer Bows' to 'Biedermeier Bow', in Akoka Jérôme (ed.), 1-14.
Historische Streichbögen als Interfaces. Repertoirespezifische Spieleigenschaften und Direktionsfunktion
Köpp Kai (2010), Historische Streichbögen als Interfaces. Repertoirespezifische Spieleigenschaften und Direktionsfunktion, in Harenberger Michael, Weissberg Daniel (ed.), 147-172.

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
L'ArchetRévolutionnaire. Violin, viola & cello bows of the 18th century. Exhibition, lectures & perfomrances. Talk given at a conference The Art of Bow Making in the 18th century. Evolution or Revolution? Round table discussion 31.10.2015 London, Great Britain and Northern Ireland Köpp Kai;
L'ArchetRévolutionnaire. Violin, viola & cello bows of the 18th century. Exhibition, lectures & perfomrances. Talk given at a conference French or German Bows for Beethoven. A Political Choice. 30.10.2015 London, Great Britain and Northern Ireland Köpp Kai;
International Musicological Society, 20th Quinquennial Congress Tokyo Talk given at a conference Performance Material as a Musicological Source - the Beethoven Case. Roundtable mit C. Siegert. 23.03.2015 Tokyo, Japan Köpp Kai;
Les journées du violoncelle, organisé par l'association française du violoncelle Talk given at a conference Un archet pour Beethoven 07.12.2012 Paris, France Köpp Kai;
Tagung „Zwischen Innovation und Tradition. Die Instrumentalkonzerte von Bernhard Molique (1802–1869)“ Talk given at a conference "Bernhard Molique und die Traditionen des Violinspiels in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts" 27.01.2012 Stuttgart, Germany Köpp Kai;
Festival "Masters of the Bow": Talk given at a conference Lecture Kai Köpp "A matter of politics – choosing a bow in the era of Paganini" 13.11.2011 Amsterdam, Netherlands Köpp Kai;
Festival "Masters of the Bow": Lecture Kai Köpp Talk given at a conference "New light on the socalled 'transitional' bow" 12.11.2011 Amsterdam, Netherlands Köpp Kai;


Self-organised

Title Date Place

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved
Workshop zur Verwendung des „Biedermeierbogens“ mit Margarete Adorf und Kai Köpp Workshop 28.10.2011 Bern, Switzerland Köpp Kai; Adorf Margarete;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Print (books, brochures, leaflets) B. Molique u. die Historiographie des Violinspiels im 19. Jh, in:Jahrbuch Gesell.für Musikgeschichte International 2012
Other activities Konzert: Sinfonie Orchester Biel mit Margarete Adorf (Violine) Western Switzerland German-speaking Switzerland 2011
Talks/events/exhibitions Konzerteinführung vor Konzert des Sinfonie Orchesters Biel German-speaking Switzerland Western Switzerland 2011

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
129909 Le Basson Savary: Studien an Originalinstrumenten, Nachbau für die historisch informierte Aufführungspraxis, Umsetzung im Konzert, Entwicklung eines Lehrwerks 01.09.2010 DORE project funding
131986 "Sine dissonantiis" und "auf eine wirklich ganz neue Manier" - restaurative und revolutionäre Tendenzen am Schnittpunkt von Musiktheorie und Kompositionspraxis in Wien um 1800 01.02.2011 Project funding
112469 Rekonstruktion, Nachbau und Spielmethodik der originalen tiefen (Blech-)Blasinstrumente im 19. Jh. am Beispiel des Cimbasso und der Ophikleide 01.05.2006 DORE project funding
116291 Klappentrompeten - Rekonstruktion, Spielmethodik und Nachwirkungen der klassischen und frühromantischen Solotrompeten 01.07.2007 DORE project funding
188956 Historisches Embodiment in der musikalischen Interpretationsforschung - Tonfilme, Aufführungsmaterial und Interfaces als Quellen zur Interpretationspraxis des 19. und frühen 20. Jahrhunderts 01.04.2020 Project funding
132335 "Recording the Soul of Music" - Interpretationsforschung an Welte-Musikrollen und neue Beiträge zur Klärung ihres Aufnahmeverfahrens 01.11.2010 DORE project funding

Abstract

Forschungsansatz und Stand der Forschung Nachdem Jahrzehnte lang das Streichinstrument (der Resonanzkörper) im Zentrum der Bemühungen um authentisches Instrumentarium stand, konnte die jüngere Forschung den Bogen - in systemischer Verbindung mit historischem Saitenmaterial - als dasjenige Element identifizieren, das in erster Linie für die Erzeugung und Formung eines repertoiretypischen Streicherklangs verantwortlich ist. Daher liefern original erhaltene Streichbögen konkrete Informationen zur Spielpraxis ihrer Zeit. Voraussetzung für eine Verbindung von Spieleigenschaften mit dem zugehörigen Repertoire ist die Datierung und Lokalisierung erhaltener Originalbögen um 1825. Die spieltechnischen Erwartungen an Streichbögen lassen sich aus der streicherpraktischen Traktatliteratur um 1825 ermitteln. Zu erarbeiten ist ein Verfahren, um nicht nur äussere Merkmale, sondern auch die Spieleigenschaften historischer Bögen objektiviert zu beschreiben. Dies soll mittels eines Kriterienkatalogs erfolgen, der im Laufe des Projekts erarbeitet und verfeinert werden wird. Eigene Vorarbeiten des Projektleiters Dr. Kai Köpp betreffen die Auseinandersetzung mit der Streicherpraxis um 1825 als Autor und Herausgeber sowie als Musiker und Interpretationscoach. Methodische Ansätze, die Spieleigenschaften von Original-Bögen zu benennen und mit Informationen aus aufführungspraktischen Quellen zu verbinden, wurden im Rahmen des BFH-finanzierten Forschungsprojektes „Klang(ohne)Körper“ 2007-08 erarbeitet. Forschungsziele, Datenlage, Methodisches VorgehenDas kurzfristige Forschungsziel besteht darin, Bögen aus dem Umfeld des Wiener Repertoires um 1825 überhaupt wissenschaftlich zu identifizieren und durch Nachbauten der historisch informierten Aufführungspraxis zur Verfügung zu stellen. Längerfristig ist es das Ziel, auf die Bedeutung des Bogens und seiner repertoirespezifischen Spieleigenschaften für die Interpretation hinzuweisen und eine Methode zu deren Beschreibung bereitzustellen, die auch im Rahmen des laufenden Standardisierungsverfahrens „Claves“ eingesetzt werden kann. Dabei ist die Datenlage zur Identifikation von Bögen aus dem Wiener Umfeld um 1825 günstig, denn aufführungspraktische und instrumentenbauliche Textquellen sowie ikonographische Quellen stehen - ebenso wie erhaltene Original-Bögen - in ausreichender Zahl zur Verfügung. Diese Quellen sollen zeigen, dass um 1825 neben dem bis heute verwendeten Tourte-Modell weitere Bogenmodelle in Gebrauch waren, die heute obsolet sind. Aufgrund neuer methodischer Ansätze ist die Lokalisierung und Datierung erhaltener Bögen um 1825 möglich. Eine Untersuchung der aufführungspraktischen Textquellen auf beschriebene Spieleigenschaften führt zu einer Unterscheidung nach Repertoires, die mit den entsprechenden Bogenmodellen in Verbindung gebracht werden. Die Erprobung von Originalbögen soll die Informationen der Textquellen zu repertoirespezifischen Spieleigenschaften verifizieren. Aufgrund dieser Forschungsarbeit kann die Reproduktion eines Bogens in Auftrag gegeben werden, der die wissenschaftlich erarbeiteten Spieleigenschaften besitzt. Ein solcher Bogen beeinflusst wesentliche Elemente der Tonerzeugung und Artikulation und dient damit als handgreifliches Instrument für die historisch informierte Aufführungspraxis im Wiener Repertoire um 1825 (Beethoven, Schubert, Salieri, Hummel, ausdehnbar auf italienisches Repertoire: Paganini, Rossini).
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