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Burgenforschung 1933-1945. Geschichte einer Disziplin in Deutschland

English title Castle Research 1933-1945. History of a Discipline in Germany
Applicant Simon Christian
Number 124422
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Departement Geschichte Universität Basel
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.05.2009 - 30.04.2012
Approved amount 230'964.00
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Keywords (7)

Burgenforschung; Nationalsozialismus; Wissenschaftsgeschichte; History of the sciences and humantities; castle studies; medieval archaeology; Nazi Germany

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das Projekt behandelt die Geschichte der Burgenforschung in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland. Es werden dabei nicht die eisenzeitlichen oder frühmittelalterlichen Burgwallanlagen behandelt, sondern es geht um die Erforschung von hochmittelalterlichen Adelsburgen. Im Vordergrund stehen zwei Fragen: Einerseits muss das Verhältnis von Wissenschaft und Politik in der Burgenforschung geklärt werden. Gab es Annäherungen zwischen Burgenforschern und den NS-Politikern und Ideologen? Oder haben sich die Wissenschaftler vor den Zugriffen der totalitären NS-Politik zu schützen versucht? Andererseits wird die innerwissenschaftliche Geschichte der Burgenforschung in Deutschland behandelt, wobei Fragen nach der disziplinären Konsolidierung und der Professionalisierung im Vordergrund stehen, sowie die Forschungspraxis analysiert wird. Welche wissenschaftlichen Methoden wendeten die Burgenforscher an? Sind innovative Neuerungen in der Methodologie für die Zeit von 1933-1945 festzumachen, oder bewirkte das NS-Regime eher einen Rückschritt in der wissenschaftlichen Entwicklung? Dabei wird auch über die Zeitgrenzen von 1933 und 1945 hinaus geschaut, um Traditions- und Kontinuitätslinien zu festzumachen.
Methodisch werden die Erkenntnisziele des Projekts mit der Analyse von Fallbeispielen mikrohistorisch bearbeitet. Drei unterschiedliche Burgenforscher stehen dabei im Zentrum. Damit können sowohl die generationsbedingten Unterschiede der Wissenschaftler hinsichtlich ihres Verhältnisses zum Nationalsozialismus herausgearbeitet, wie auch die unterschiedlichen methodologischen Ansätze beschrieben werden, die im interdisziplinären Forschungsfeld Burgenforschung zur Anwendung kamen. Dazu gehörten Architekturgeschichte und Bauforschung, Vor- und Frühgeschichte und die mittelalterliche Landes- und Kunstgeschichte. Um sich der damaligen Forschungspraxis anzunähern wird je ein grosses Forschungsprojekt der drei Wissenschaftler ausgewählt. Es handelt sich dabei um Stätten, die als Prestigeobjekte besondere Aufmerksamkeit des NS-Regimes erfuhren, wodurch sich mehrere Berührungspunkte der Wissenschaftler mit NS-Ideologen und Politikern ergaben.
Das Projekt behandelt ein Thema, das bisher in der Geschichte der Wissenschaften im NS-Regime keine Aufmerksamkeit erfuhr. Liegen Untersuchungen zur Vereinnahmung der historischen Denkmäler für Zwecke der NS-Ideologen vor, wurde bisher nicht nach der Rolle der Burgenforscher selber und deren Verhältnis zur NS-Ideologie gefragt. Auch eine Wissenschaftsgeschichte der Mittelalterarchäologie und Burgenforschung existiert bisher nicht.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Abstract

Das vorliegende Projekt umfasst die Geschichte der Disziplin ‚Burgenforschung’ in Deutschland in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes 1933-1945. Zwei Themenkomplexe bilden den Rahmen für das Projekt: Einerseits die innerwissenschaftliche Entwicklung des Forschungsfelds ‚Burgenforschung’, bei der Fragen nach der Professionalisierung, so der Institutionalisierung, der Gründung von Fachzeitschriften und Schulen, der Anwendung von damals neuen Methoden und der internationalen Forschungstätigkeit im Vordergrund stehen. Exemplarisch wird diese Entwicklung anhand der Biographien von drei grossen Persönlichkeiten unterschiedlichen Alters und sozialen Hintergrunds in der Burgenforschung aufgezeigt, wobei die wissenschaftliche Praxis durch die Analyse jeweils eines ihrer grössten Grabungs- und/oder Bauuntersuchungsprojekte dargelegt wird. Andererseits wird das ausserwissenschaftliche Verhältnis der Burgenforschung als wissenschaftliche Disziplin zur nationalsozialistischen Politik behandelt. Zentral für dieses Rahmenthema sind Fragen nach der Finanzierung der Forschungsprojekte, nach den Auftraggebern der wissenschaftlichen Untersuchungen und nach dem Verhalten der einzelnen Forscher gegenüber den Vorstössen der NS-Politiker und Ideologen hinsichtlich Anpassung, Annäherung oder Widerstand.
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