Project

Back to overview

Violence and Dystopia: Scapegoating and Sacrifice in Contemporary Western Dystopian Narratives

English title Violence and Dystopia: Scapegoating and Sacrifice in Contemporary Western Dystopian Narratives
Applicant Cojocaru Daniel
Number 123541
Funding scheme Fellowships for prospective researchers
Research institution Faculty of English Language and Literature University of Oxford
Institution of higher education Institution abroad - IACH
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.10.2008 - 31.03.2010
Show all

Keywords (5)

mimetic theory; violence and the sacred; dystopian studies; literary and cultural theory; René Girard

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das Opfer- und Sündenbockmotiv ist ein häufig repräsentiertes Phänomen in angloamerikanischen, dystopischen Romanen des späten 20. und frühen 21. Jahrhundert. Oft wird eine Rückkehr zu gewaltsamen Ritualen beschrieben, die als Reaktion auf die Identitätskrise der Postmoderne verstanden werden kann. Diese Werke eignen sich deshalb besonders gut für eine Analyse im Lichte der Sündenbocktheorie des französischen Kulturtheoretikers René Girard.Girards Theorie beginnt mit einer Untersuchung der Natur des menschlichen Begehrens in Klassikern der Weltliteratur. Dabei stellt er fest, dass wir nicht ein Objekt als solches Begehren, sondern dass wir das Begehren eines Anderen imitieren. Die Imitationen der Begehren kollidieren im Konflikt, da sie auf die Position des Rivalen gerichtet sind. Als Resultat werden auf der Gesellschaftsebene die Unterschiede zwischen Individuen ausgelöscht. Eine Masse von Gleichen entsteht, die im Kampf jeder gegen jeden den Untergang der Gesellschaft herbeizuführen droht. In diesem Moment taucht jedoch jemand auf der anders ist als die Gleichen. Wegen seiner Andersartigkeit ist es einfach, ihm die Schuld an der Krise zu geben. Die Gewaltpotentiale der Gleichen entladen sich am Sündenbock.Girard findet den Sündenbockmechanismus in den Weltmythen wieder. Da durch die Entladung der Gewaltpotentiale Frieden hergestellt wird, wird das zunächst dämonisierte Opfer im Nachhinein als Gott erkannt. Rituale zu Ehren dieses neuen, zweideutigen Friedensbringers sollen Gewalt von der Gesellschaft fernhalten. Dies gelingt jedoch nur bis zur nächsten Krise, da das Imitationsproblem nur auf einen Sündenbock abgeschoben und nicht fundamental gelöst wird. Die Gewalt eskaliert erneut und mündet wieder in einer "sakrifiziellen Krise", welche die bestehenden Rituale in Frage stellt, bis ein nächstes Opfer den Frieden wieder herstellt und einen neuen Ritenzyklus begründet. Dieser Prozess der alternierenden Gewalt und des Friedens wiederholt sich ständig und hält die betroffene Gesellschaft davon ab in sich selbst zu zerfallen.Die Kreuzigung Jesu, so Girard, lenkt die Aufmerksamkeit zum ersten Mal in der Geschichte auf die Unschuld aller Opfer. Durch die Offenbarung des unschuldigen Opfers in den Evangelien wird die Welt nach und nach der Möglichkeit der gewaltsamen Friedensstiftung durch die Ausstossung von Sündenböcken beraubt. Das Problem der konfliktiven Imitation, der Kollision von Begehren, bleibt jedoch ungelöst und so verharrt unsere Gesellschaft in einem Zustand ähnlich der sakrifiziellen Krise, der in den apokalyptischen Szenarien moderner dystopischer Fiktion zu erkennen ist.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

-