Project

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Intermaterialität

English title Intermateriality
Applicant Strässle Thomas
Number 123332
Funding scheme SNSF Professorships
Research institution Institut für Transdisziplinarität Hochschule der Künste Bern Berner Fachhochschule
Institution of higher education Berne University of Applied Sciences - BFH
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.04.2009 - 31.03.2013
Approved amount 972'103.00
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All Disciplines (5)

Discipline
German and English languages and literature
Visual arts and Art history
Arts
Music, Theatre
Musicology

Keywords (9)

Intermateriality; Materiality; Material Culture Studies; Material Semantics; Mediality; Intermediality; Interaction; Transfer; Interference

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das Projekt "Intermaterialität" schliesst an die in den letzten Jahren in den Kultur- und Medienwissenschaften mit zunehmender Intensität geführten Diskussionen über Ästhetiken des Materials bzw. der Materialität an und will diese um eine grundsätzlich neue Dimension erweitern, indem es nicht bloss nach der spezifischen Materialität künstlerischer Medien fragt, sondern nach der Intermaterialität, also den möglichen Interaktions-, Transfer- und Interferenzmodi verschiedener Materialien bzw. Materialitäten in künstlerischen Medien. Dabei stützt sich dieser Ansatz auf die theoretischen Materialitätsdebatten ebenso wie auf die derzeit breit geführten Diskussionen über Fragen der Medialität und der Intermedialität. In Ergänzung zur terminologischen Trias Materialität, Medialität und Intermedialität füllt der Begriff Intermaterialität eine Leerstelle aus, die sich fast zwingend aus den genannten Termini ergibt, bemerkenswerterweise bisher aber noch nicht in die Debatte eingebracht wurde.Methodisch soll der Begriff Intermaterialität aus einer Übertragung von Intermedialitätskonzepten auf die Materialitätstheorie modelliert werden. Daraus ergeben sich drei grundsätzliche Modi, in denen das Zusammenspiel von Materialitäten gedacht werden kann: 1. der Modus der Materialinteraktion, gemäss dem Intermaterialsemantiken daraus entspringen, dass einzelne materiale Agenten zueinander in ein Korrespondenzverhältnis treten, dabei als einzelne materiale Agenten aber unterscheidbar bleiben und somit ein Materialarrangement exponieren, das die Ordnung seiner distinkten Komponenten zur Disposition stellt; 2. der Modus des Materialtransfers, gemäss dem ein Material in die Phänomenalität und/oder Funktionalität eines anderen Materials transferiert und folglich so inszeniert wird, als ob es ein anderes Material wäre und nicht 'es selbst' sei; und 3. der Modus der Materialinterferenz, gemäss dem die zueinander in ein Verhältnis gesetzten Materialien ihre jeweiligen komponentiellen Materialsemantiken intermaterial auslöschen, aber gerade in dieser Auslöschung eine Ästhetik erzeugen, die den involvierten Materialitäten supplementär ist. - Diese drei Modi bilden den theoretischen Grundriss des Intermaterialitätsparadigmas, welches das beantragte Projekt errichten will.Dabei wird eine doppelte Plausibilisierungsstrategie verfolgt: Zum einen soll das neue Forschungsfeld im oben skizzierten Sinn methodisch-theoretisch hergeleitet und zum anderen in historischen Modellstudien an konkreten Beispielen - namentlich aus der Literatur - vorgeführt werden.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Publications

Publication
Poetologien der Mischung. Textmodelle im Barock
Thomas Strässle (2011), Poetologien der Mischung. Textmodelle im Barock, in Andreas Gardt Mireille Schnyder Jürgen Wolf (ed.), De Gruyter, Berlin/Boston, 261-274.
Aufnahmen und Zuschreibungen. Literarische Schreibweisen des fotografischen Akts bei Flaubert, Proust, Perec und Roche
Johanne Mohs, Aufnahmen und Zuschreibungen. Literarische Schreibweisen des fotografischen Akts bei Flaubert, Proust, Perec und Roche, Transcript, Bielefeld.
Das Zusammenspiel der Materialien in den Künsten. Theorien - Praktiken - Perspektiven
Thomas Strässle (ed.), Das Zusammenspiel der Materialien in den Künsten. Theorien - Praktiken - Perspektiven, Transcript, Bielefeld.
Goldleder. Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Stella Hausmann, Goldleder. Es ist nicht alles Gold, was glänzt, in Thomas Strässle et al. (ed.), Transcript, Bielefeld, 153-181.
Materialgerechte Medialität
Johanne Mohs, Materialgerechte Medialität, in Thomas Strässle et al. (ed.), Transcript, Bielefeld, 239-261.
Pluralis materialitatis
Thomas Strässle, Pluralis materialitatis, in Thomas Strässle et al. (ed.), Transcript, Bielefeld, 7-23.
Verschiebung der Materialidentität. Eine Betrachtung
Karin Lehmann, Verschiebung der Materialidentität. Eine Betrachtung, in Thomas Strässle et al. (ed.), Transcript, Bielefeld, 101-113.
Von der Materialität der Sprache zur Intermaterialität der Zeichen
Thomas Strässle, Von der Materialität der Sprache zur Intermaterialität der Zeichen, in Thomas Strässle et al. (ed.), Transcript, Bielefeld, 85-97.

Collaboration

Group / person Country
Types of collaboration
Forschungsstelle Materialikonographie Hamburg Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Hochschule für bildende Künste Dresden Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
Universität Frankfurt Germany (Europe)
- in-depth/constructive exchanges on approaches, methods or results
- Publication

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Forschungsapéro HKB Poster Intermaterialität 14.03.2012 Hochschule der Künste Bern, Switzerland Strässle Thomas; Hausmann Stella; Lehmann Karin; Mohs Johanne;


Self-organised

Title Date Place
Intermaterialität. Das Zusammenspiel der Materialien in den Künsten 16.02.2012 Hochschule der Künste Bern, Switzerland

Knowledge transfer events

Active participation

Title Type of contribution Date Place Persons involved
Forschungsapéro 2013 zum Abschluss der SNF-Förderungsprofessur Talk 20.03.2013 Hochschule der Künste Bern, Switzerland Strässle Thomas;


Communication with the public

Communication Title Media Place Year
Print (books, brochures, leaflets) Zeitschrift "Podium" mit einem Beitrag zur SNF-Förderungsprofessur Intermaterialität German-speaking Switzerland 2013

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
139533 Das Zusammenspiel der Materialien in den Künsten 01.02.2012 Scientific Conferences
108766 Poetiken der Materie. Stoffe und ihre Qualitäten in Literatur, Kunst und Philosophie 01.03.2005 Publication grants
109001 Salz, Poetiken eines Stoffs 01.10.2005 Fellowships for advanced researchers

Abstract

Das Projekt "Intermaterialität" greift die in den letzten Jahren in den Kulturwissenschaften mit zunehmender Intensität geführten Diskussionen über Fragen des Materials bzw. der Materialität auf und will diese um eine grundsätzlich neue Dimension erweitern: Es fragt weniger nach der spezifischen Materialität künstlerischer Medien, als vielmehr nach der Intermaterialität, also den möglichen Interaktions-, Transfer- und Interferenzmodi verschiedener Materialien bzw. Materialitäten in künstlerischen Medien. Dieser Ansatz kann sich auf die theoretischen Materialitätsdebatten ebenso wie auf die derzeit breit geführten Diskussionen über Fragen der Medialität und der Intermedialität abstützen. Denn der Begriff der "Intermaterialität" lässt sich modellieren als Ergänzung zur terminologischen Trias "Materialität", "Medialität" und "Intermedialität" und füllt insofern eine begriffliche Leerstelle aus, die sich fast zwingend aus den genannten Termini ergibt, bemerkenswerterweise bisher aber noch nicht in die Diskussion eingebracht wurde. Dabei ist dieses begrifflich-theoretische Umfeld nicht nur für die Generierung des Terminus Intermaterialität selbst von Bedeutung, sondern auch für dessen Konzeptualisierung: Intermaterialitätskonzepte lassen sich aus einer Engführung von Materialitäts-, Medialitäts- und Intermedialitätskonzepten herleiten, konkret aus einer Übertragung von Intermedialitätskonzepten auf die Materialitätsdebatte.In Anlehnung an neuste Intermedialitätstheorien, die das Zusammenspiel von Medien bzw. Medialitäten in den Modi Interaktion, Transfer und Interferenz denken, lassen sich in einem heuristischen theoretischen Entwurf drei Intermaterialitätsmodi benennen: 1. der Modus der Materialinteraktion, gemäss dem Intermaterialsemantiken daraus entspringen, dass einzelne materiale Agenten zueinander in ein Korrespondenzverhältnis treten, dabei als einzelne materiale Agenten aber unterscheidbar bleiben und somit ein Materialarrangement exponieren, das die Ordnung seiner distinkten Komponenten zur Disposition stellt; 2. der Modus des Materialtransfers, gemäss dem ein Material in die Phänomenalität und/oder Funktionalität eines anderen Materials transferiert und folglich so inszeniert wird, als ob es ein anderes Material wäre und nicht 'es selbst' sei; und schliesslich 3. der Modus der Materialinterferenz, gemäss dem die zueinander in ein Verhältnis gesetzten Materialien ihre jeweiligen komponentiellen Materialsemantiken intermaterial auflösen, aber gerade in dieser Auflösung eine Ästhetik erzeugen, die allen involvierten individuellen Materialsemantiken supplementär ist. Diese drei Modi bilden den theoretischen Grundriss des Intermaterialitätsparadigmas, das das beantragte Projekt modellieren will.Dabei soll unter dem Begriff des Materials bzw. der Materialität weniger der 'Ausgangsstoff' künstlerischer (Trans-)Formierungsprozesse verstanden werden, als vielmehr deren Ergebnis, nämlich ein Material, das in künstlerischen Konstitutionsprozessen überhaupt erst hergestellt wird und somit einer Analyse nur in seiner jeweiligen medialen, kulturellen und symbolischen Präsenz zugänglich ist. Indem unter der Perspektive der Intermaterialität der Blickwinkel auf Materialkorrespondenzen ausgeweitet wird, in denen die einzelnen involvierten Materialien sich in ihren Konstitutionsprozessen gegenseitig affizieren, stellt sich nicht nur die Frage nach den Materialsemantiken der involvierten Materialkomponenten, sondern vor allem auch diejenige nach deren spezifischen künstlerisch-technischen Organisationsformen. Damit kommt eine Duplizität des Materialitätsbegriffs ins Spiel, wie sie von Julia Kristeva für die "Materialität der Sprache" theoretisiert wurde: eine doppelte Wahrnehmbarkeit des Materiellen als "concrete matter" und gemäss den "objective laws of its organization". Intermaterialsemantiken können daraus entstehen, dass die Korrespondenzen innerhalb dieser materialen Duplizität zur Disposition gestellt werden.Als Leiter des Forschungsprojekts "Intermaterialität" und als Inhaber der SNF-Förderungsprofessur bestünde meine Aufgabe im Leitprojekt A (Laufzeit 2 Jahre) zunächst darin, dieses neue Forschungsfeld im oben skizzierten Sinn methodisch-theoretisch auszumessen und abzusichern. Es ginge in einem ersten Schritt also darum, die Kategorien und Paradigmen, in denen die verschiedenen Intermaterialitätsmodelle denk- und verhandelbar sind, grundsätzlich zu reflektieren und in einem systematisierenden Grundriss zu verorten. Diese transdisziplinäre Grundlagenarbeit, mit der ein völlig neues Forschungsfeld betreten wird, soll in einer als Monographie zu publizierenden theoretisch-historischen Studie (bei Reclam) ebenso wie in (ebenfalls zu veröffentlichenden) Tagungen, Seminaren und Workshops in Kooperation mit Forschungsgruppen in Bern (HKB-FSPs "Intermedialität" und "Materialität in Kunst und Kultur"), Zürich ("NCCR Mediality"), Münster (Arbeitsgruppe "Materie - Material - Materialität"), Hamburg ("Forschungsstelle Materialikonographie") und Berlin (ZfL) erfolgen. Zu allen Forschungsgruppen bestehen bereits Kontakte.Über diese Grundlagenreflexion hinaus wird ein wesentliches Interesse des Projekts in Modellstudien liegen, in denen die entworfene Intermaterialitätstheorie paradigmatisch erprobt und vorgeführt werden soll. Hier schliesst eine ganze Reihe von Subprojekten an: Da mein eigener disziplinärer Schwerpunkt in der germanistisch-komparatistischen Literaturwissenschaft liegt, werde ich in zwei Modellstudien intermaterialen Fragestellungen mit Blick auf literarische Texte nachgehen: Eine erste motivisch-thematische Studie (Subprojekt B, Laufzeit 1 Jahr) widmet sich den in der europäischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts sehr häufig zu beobachtenden, meist poetologisch lesbaren Intermaterialgleichnissen, die oft als Mischungsverhältnisse wie Suspension, Emulsion, Dispersion, Lösung oder Gemenge konzipiert sind, und eine zweite fundamentalpoetologische Studie (Subprojekt C, Laufzeit 1 Jahr) beschäftigt sich, vor dem Hintergrund der Duplizität des sprachlichen Materialitätsbegriffs bei Kristeva, mit Fragen der Intermaterialität auf der Ebene des sprachlichen Signifikanten: an Beispielen aus der experimentellen Lyrik des 20. Jahrhunderts lässt sich vorführen, wie eine Poetik der Intermaterialität daraus entsteht, dass die Korrespondenzen zwischen "concrete matters" und "laws of organization" radikal zur Disposition gestellt werden.In drei weiteren Subprojekten durch die Mitarbeitenden soll die Intermaterialitätstheorie vertieft und erprobt werden. Da sich die Frage nach der Intermaterialität nicht nur für die Literaturwissenschaft, sondern auch für die Kunst-, die Bild- und die Musikwissenschaft stellt, wird in Ergänzung zu meinen eigenen grundlagentheoretischen und literaturwissenschaftlichen Arbeiten eine Doktorandenstelle (Subprojekt D, Laufzeit 3 Jahre) ausgeschrieben, auf der eine Dissertation entstehen soll, die auf eine der Literaturwissenschaft benachbarte Disziplin ausgreift. Diese Dissertation werde ich als Privatdozent an der Universität Zürich (ab HS 2008) in Zusammenarbeit mit einer/m Vertreter/in der involvierten Disziplin betreuen und abnehmen. Um die Ressourcen zu nutzen, die die Anbindung der Förderungsprofessur an eine Kunsthochschule bietet, sollen überdies in zwei weiteren Subprojekten E und F (Laufzeit je 2 Jahre) im Sinne des am Institut für Transdisziplinarität (Y) verfolgten Ansatzes einer "Art as Research" im Rahmen des jüngst bewilligten transdisziplinären Masterprogramms CAP ("Contemporary Arts Practice") zwei Masterprojektstellen ausgeschrieben werden, auf denen Fragen der Intermaterialität unter praktisch-künstlerischen bzw. kunsttechnologischen Aspekten zu erforschen sind.Nicht zuletzt soll das Forschungsprojekt sowohl an der HKB als auch an der Universität Zürich in die Lehre eingebracht werden (in Form von Vorlesungen, Seminaren, Kolloquien, Y-Freitagsprojekten und Material-Toolboxen).
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