Project

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Architektur der Alltagsakustik - Geräuschräume und Atmosphären im Kontext der kulturellen und technischen Entwicklungen.

English title The architecture of everyday acoustics - aural spaces and atmospheres in the context of cultural and technological development
Applicant Stalder Laurent
Number 120981
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Geschichte und Theorie der Architektur (gta) D-ARCH - Departement Architektur ETH Zürich
Institution of higher education ETH Zurich - ETHZ
Main discipline Architecture and Social urban science
Start/End 01.06.2008 - 30.09.2011
Approved amount 178'544.00
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Keywords (18)

architecture; architecture theory; cultural history; history of technology; building services; background noise; atmosphere; ambience; noise legislation; post-war era; present conditions; architectural acoustics; history of acoustic measurement; aura; aesthetics; Architekturtheorie; Akustik; auditive Raumkonzepte

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Hellhörige Häuser - Architektur der Alltagsakustik 1930 - 1970

Die zunehmende Ausstattung der Gebäude mit technischen Anlagen hat die einst hinter massiven Mauern verborgenen Orte des Rückzugs zu hyperaktiven Räumen mit ständigem Hintergrundrauschen gemacht. - Was in dieser Aussage überzeichnet wirken mag, kann anhand von Entwicklungen in der Kultur- und Baugeschichte nachgezeichnet werden. Messtechnik, Klimakontrolle, Lärmschutz und kontrollierte Beschallung haben die auditive Umgebung und das Verhältnis vom Innen- zum Aussenraum weitgehend verändert. 

Ausgehend von der Objektivierung der Töne durch physikalische Apparate seit den 1930er-Jahren wurden in den folgenden Jahrzehnten die Geräuschlandschaften der Architektur zunehmend verwissenschaftlicht und reglementiert. Die technischen und ästhetischen Veränderungen der Töne in Gebäuden führten allerdings in der späten Moderne zu neuen, ungelösten Konflikten: Dem Ideal des stillen und echofreien Raums wirkte die Realität zunehmender Hintergrundgeräusche entgegen. 

Die Voraussetzung zur Erfassung akustischer und auditiver Räume ist eine integrative Betrachtung der fragmentierten Materialien aus Architekturtheorie, technischen Wissenschaften, Umweltlehre und Soundscape Studies. Ziel ist es, ein neues ästhetisches Referenzsystem für die hörbare Architektur zu erarbeiten, welches das Verständnis der historischen Veränderungen erleichtert, die persönliche Wahrnehmung schärft und dabei einen kritischen Blick auf die Forderungen nach Ruheschutz und Privatsphäre wirft. In einer Kulturgeschichte der Geräusche wird die Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts hörbar gemacht.


"Hellhörige Häuser, Architektur der Alltagsakustik 1930-1970" ist ein Forschungsprojekt, das im Rahmen einer Dissertation am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich durchgeführt wird. Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung ermöglicht das Projekt. Das Referat führt Ass.-Prof. Dr. Laurent Stalder (Institut gta, D-Arch), das Korreferat führen Prof. Dr. David Gugerli (Technikgeschichte, D-Gess) und Doz. Kurt Eggenschwiler (D-Arch, Empa).
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Name Institute

Publications

Publication
Scholar's Choice: Sabine von Fischer peers into the House of the Future
von Fischer Sabine (2010), Scholar's Choice: Sabine von Fischer peers into the House of the Future.
From Seat Cushions to Formulae: Understanding Spatial Acoustics in Physics and Architecture
von Fischer Sabine, From Seat Cushions to Formulae: Understanding Spatial Acoustics in Physics and Architecture, in Florence Feiereisen and Alexandra Hill (ed.).
Hammerwerk
von Fischer Sabine, Hammerwerk, in Andi Schoon Axel Volmar (Hg.) (ed.).
Von der Konstruktion der Stille zur Konstruktion der Intimität
von Fischer Sabine, Von der Konstruktion der Stille zur Konstruktion der Intimität, in Jens Schröter Axel Volmar (ed.).

Scientific events

Active participation

Title Type of contribution Title of article or contribution Date Place Persons involved
Tuned City 10.07.2011 Tallinn, Estland


Self-organised

Title Date Place

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
65847 Master of Science Degree in Advanced Architectural Design (Colum-bia University, NY): study and research of construction/theory and 2+3-dimensional representation of structures and cities. 01.06.2001 Fellowships for prospective researchers
183973 Das akustische Argument. Wissenschaft und Hörerfahrung in der Architektur des 20. Jahrhunderts 01.11.2018 Open Access Books

Abstract

Die zunehmende Ausstattung der Gebäude mit technischen Anlagen hat die einst hinter dicken Mauern verborgenen Orte des Rückzugs zu hyperaktiven Räumen mit ständigem Hintergrundrauschen gemacht. - Was in dieser Aussage vielleicht überzeichnet wirken mag, kann mittels Beispielen aus der Kultur- und Baugeschichte aufgezeigt werden: Klimakontrolle, kontrollierte Beschallung und Lärmschutzmassnahmen haben die auditive Umgebung und das Verhältnis vom Innen- zum Aus-senraum weitgehend verändert. Vielerorts sind Räume der Alltagsarchitektur durchzogen von einem Rauschen, das ihnen Orientierung wie lokale Verankerung nimmt. Oft sind Foyers und Hallen mit Hintergrundmusik beschallt, die mittels Maskieren der Nutzungs- und Funktionsgeräusche die Lokalität des Raumes weiter verwischt. Abgeschirmt von den Geräuschen der Aussenwelt verändert sich die Geografie der Architektur weg von der traditionellen Beziehung von Haus und Stadt. Nicht nur die Geräusche, auch ihre gesellschaftlich etablierten Konnotationen haben sich grundlegend gewandelt. Die zunehmende Wahrnehmung von Schall als Lärm hat sich in der Gesetzgebung niedergeschlagen, was wiederum Konsequenzen auf Planung und Bau hat. Seit den 80er Jahren werden immer mehr Instrumente, welche die Schallintensitäten in Architektur und Städtebau regeln, eingeführt. Was bisher fehlt, ist ein Modell für das Beschreiben und Beurteilen der Qualität und räumlichen Ausdehnung der Geräusche und ihre Einbindung über die Praxis der Spezialisten hinaus in die Theorie und Praxis der Architektur.Das hier vorgelegte Exposé für eine Dissertation schlägt einen Bogen vom Wertwandel in der Gesellschaft über die Entwicklung in den Ingenieurwissenschaften zur Ästhetik des Raums. Die seit den 50er Jahren durch technische Neuerungen veränderten Raumbeziehungen werden anhand ihrer akustischen Auswirkung untersucht und - in Ergänzung der funktionalen, formalen und visuellen Anschauung - in einem auditiven räumlichen Modell beurteilt. Grundlage für ein auf Geräuschqualitäten aufbauendes Raummodell ist ein integrativer Ansatz aus den fragmentierten Diskursen von Architekturtheorie, technischen Wissenschaften, Umweltlehre und Soundscape Studies. Ziel ist es, durch diese transdisziplinäre Recherche ein neues ästhetisches Referenzsystem für die hörbare Architektur zu erarbeiten: Durch die Ortung des auditiven Raumes in der Architektur liefert das Projekt Voraussetzungen für eine persönliche Wahrnehmung, für ein neues Modell in der Architekturtheorie und für eine pragmatische Auseinandersetzung in der Praxis, die auch eine Neubewertung gebauter Projekte und der damit verbundenen Gesetzgebung beinhaltet.
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