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Quantitative Ansätze zu einer Sprachgeographie der schweizerdeutschen Prosodie

Applicant Werlen Iwar
Number 116271
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Institut für Sprachwissenschaft Universität Bern
Institution of higher education University of Berne - BE
Main discipline German and English languages and literature
Start/End 01.11.2007 - 31.10.2008
Approved amount 129'342.00
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Keywords (6)

Prosody; Dialectology; Computer linguistics; Linguistics; Phonetics; Geolinguistics

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Sprachrhythmus und -melodie gehören zu den wenig untersuchten Bereichen der Schweizer Mundarten. Ziel des Projekts ist es, diejenigen prosodischen Aspekte herauszuarbeiten, die die Mundarten voneinander unterscheiden, und Aspekte zu finden, die über die Mundarten hinaus eine gemeinsame Variation aufweisen.

Dazu wurden in Bern, Winterthur, Brig und Chur je 20 MaturandInnen interviewt. Die Aufnahmen werden manuell segmentiert. Einerseits erfassen wir Dauer jedes Lautes andererseits die Tonhöhe. Diese Rohdaten werden mit linguistischer Information angereichert, was die Grundlage für eine statistische Analyse und Modellierung der Dauer der Laute und der Intonation bietet.

Zuerst werden Unterschiede zwischen den Orten untersucht. Die bisherigen Daten bestätigen das Vorurteil, dass Berner langsamer sprechen als Walliser und Zürcher. Das liegt daran, dass Berner mehr Pausen machen und dass sie langsamer artikulieren. Besonders deutlich wird das vor Phrasengrenzen, wo Berner die letzen Silben viel stärker dehnen als Zürcher und Walliser. Dass Frauen schneller sprechen als Männer kann dagegen vorerst nicht bestätigt werden. Die Sicht auf einzelne Laute zeigt, dass die mittelländischen Mundarten mehr Langvokale haben, während die Walliser mehr Diphthonge aufweisen, die Zürcher verschlucken am meisten Silben.

Im Bereich der Intonation setzen Walliser generell mehr Akzente als Berner. Dass sie vor allem lexikalische Wörter mehr betonen, deutet darauf hin, dass sie lexikalische und grammatische Wörter stärker intonatorisch unterscheiden als die Berner. Beide bisher untersuchten Gruppen weisen wenig ausgeprägte Phrasenkommandos aus - was in unserm Intonationsmodell bedeutet, dass die Sprachmelodie in beiden Dialekten, Bern und Wallis, v. a. durch lokale Akzente und nicht durch globale Intonationskonturen gekennzeichnet wird.

Für jede einzelne Gewährsperson wird ein prosodisches Modell errechnet. Der Vergleich pro Ort erlaubt grund¬sätzliche und individuelle Zügen zu trennen. Der Vergleich der Sprecher verschiedener Orte gibt Ein¬blicke in die sprachgeographische Struktur. Zudem können die Daten zur Unterscheidung von Gruppen und zur Bestimmung der wesentlichen linguistischen Faktoren der Prosodie ausgewertet werden. Diese Analysen und Modellie¬rungen zeigen, welche Faktoren die Prosodie steuern, andererseits, wie stark die Prosodie durch den Raum bestimmt ist.

Bislang durchgeführte Analysen zum Timing zeigen, dass je ein Teil der Sprecher regional zusammengefasst werden kann. Davon unabhängig zeigt sich eine Tendenz Schnellsprecher und Langsamsprecher über die Dialektgrenzen hinweg zusammenzufassen, da sie offenbar die gleichen Strukturen verwenden.
Sprachrhythmus und -melodie gehören zu den wenig untersuchten Bereichen der Schweizer Mundarten. Ziel des Projekts ist es, prosodische Aspekte herauszuarbeiten, die die Mundarten voneinander unterscheiden, und Aspekte zu finden, die über die Mundarten hinaus eine gemeinsame Variation aufweisen. Je 10 Aufnahmen aus Bern, Winterthur, Brig und Chur wurden manuell segmentiert. Dabei werden die Dauer und Tonhöhe jedes Lautes erfasst. Diese Rohdaten werden mit linguistischer Information angereichert, was die Grundlage für eine statistische Analyse und Modellierung der Dauer der Laute und der Intonation bietet.Die Daten bestätigen das Vorurteil, dass Berner langsam sprechen. Das liegt daran, dass Berner mehr Pausen machen und dass sie langsamer artikulieren. Die Bündner zeigen ebenso lange Vokale wie die Berner, aber ihre Konsonanten sind so kurz wie die der Zürcher und Walliser. Damit wirkt ihre Artikulation weniger langsam. Dass Frauen schneller sprechen als Männer, kann dagegen nicht bestätigt werden. Alpin- und Mittellandmundarten unterscheiden sich in der Markierung der Phrasengrenzen. Berner und Zürcher dehnen die letzen zwei Silben einer Phrase viel stärker als Bündner und Walliser. Zudem dehnen sie auch die erste Silbe einer Phrase. Eine neue Phrase ist damit in den Mittellandmundarten zeitlich viel deutlicher als bei den Alpinmundarten. Das Verhältnis der Lautgruppen unterscheidet östliche und westliche Mundarten, so sind in den westlichen Mundarten die Langvokale länger als Diphthonge, während dies in den östlichen Mundarten umgekehrt ist.Im Bereich der Intonation zeigen Walliser von allen Mundarten den grössten Tonhöhenumfang auf. Zudem zeigen die Walliser eine Besonderheit zum Abschluss deklarativer Phrasen. Diese können nämlich nicht wie bei den andern Mundarten nur abfallen oder gleich bleiben, sondern auch ansteigen. Deutlich unterscheiden sich die Intonationsverläufe innerhalb betonter Silben: Während bei den Wallisern die Tonhöhe beim Silbenanfang beginnt, liegt dieser bei den Bernern rund 20 ms später. Noch deutlicher unterscheiden sich die Zürcher, die den Anstieg 120 ms vor dem Silbenanfang beginnen.Die Unterschiede der Prosodie genügen auch Laien für eine ungefähre lokale Zuordnung. Signale, deren Anteil über 250 Hz weggefiltert sind, klingen wie Sprecher, die in einem andern Zimmer sprechen und nicht verständlich sind. Solche Signale wurden Testpersonen vorgespielt, die sie den vier Dialekten zuordnen mussten. Berner, Walliser und Zürcher wurden überzufällig erkannt, Bündner nicht. Die Bedeutung der Prosodie für die Dialekterkennung ist damit grundsätzlich bestätigt.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
109386 Quantitative Ansätze zu einer Sprachgeographie der schweizerdeutschen Prosodie 01.11.2005 Project funding (Div. I-III)

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