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Zwischen Widerstand und Anpassung: Staatsbildungsprozesse und gesellschaftlicher Wandel im Nordkaukasus, 1864-1991

Applicant Perovic Jeronim
Number 115929
Funding scheme Project funding (special)
Research institution Forschungsstelle für Sicherheitspolitik D-GESS ETH Zürich
Institution of higher education University of Basel - BS
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.03.2008 - 28.02.2011
Approved amount 320'414.00
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Keywords (9)

Soviet Union; North Caucasus; Etnic conflict; Stalinism; State-Building; Nation-Building; Chechnya; Dagestan; Ingushetia

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Ziel dieses Projekts ist es, über die Betrachtung von Staatsbildungsprozessen Einsicht in die damit in Zusammenhang stehenden Konflikte und gesellschaftlichen Veränderungen im Nordkaukasus im Zeitraum 1924-1956 zu gewinnen. Angestrebt wird die Abfassung einer Monographie, die gleichzeitig als Habilitationsschrift an der Universität Basel eingereicht werden soll.Der Nordkaukausus wurde zwar bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Eroberungskriege in das russische Reich integriert. Doch bis weit in die Sowjetzeit hinein konnte der Zentralataat sein Gewaltmonopol in diesen vorwiegend nichtrussisch dominierten Berggesellschaften nicht durchzusetzen. Mit Stalin begann die Verhärtung der staatlichen Politik im Nordkaukasus. Diese Politik war begleitet von zum Teil gewaltsamen Formen der Integration, welche auch Umsiedlungen und Zwangskollektivierungen beinhalteten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mehrere nordkaukasische Völker unter dem Vorwand, mit Hitlerdeutschland kollaboriert zu haben, nach Zentralasien deportiert. Erst 1957 wurde sie von Chrutschtschow rehabilitiert und durften aus ihrem Exil zurückkehren. Dieses Projekt ist in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung: Erstens wird mit dieser Untersuchung eine Lücke in der bestehenden Geschichtsschreibung zum Nordkaukasus und seiner Völker geschlossen. Die bisherigen Untersuchungen zum Nordkaukasus befassen sich hauptsächlich mit der Zeit des Grossen Kaukasuskrieges (1817-1864). Dagegen wurden die grossen gesellschaftlichen Veränderungen nach 1864, insbesondere aber die Sowjetzeit, nicht systematisch untersucht. Zweitens hat dieses Projekt einen starken Gegenwartsbezug: Die Geschichte des Nordkaukasus seit der Eingliederung in den imperialen Staatsverband des Zarenreiches wird im heutigen Russland äusserst kontrovers diskutiert. Während die Einen den „progressiven“ Aspekt der Integration betonen und den Segen der „Modernisierung“ herausstreichen, so sehen die Anderen die Eingliederung des Nordkaukasus als eine Geschichte von „Kolonialisierung“ und gewaltsamer Unterdrückung, die sich bis zum heutigen Tag fortsetzt. Drittens liegt diesem Projekt ein innovativer theoretischer Ansatz zugrunde: Diese Arbeit steht zwar in der Tradition der Politikgeschichte, lehnt sich bei der Fragestellung aber an kommunikationstheoretische Ansätze der Soziologie an und bezieht zudem Erkenntnisse der jüngeren Kulturgeschichte in die Untersuchung mit ein. Schliesslich besteht auch eine enge Verbindung zu politikwissenschaftlich orientierten Arbeiten zu Staatsbildungsprozessen und institution building. Entsprechend verspricht dieses Vorgehen nicht nur Erkenntnisse für den spezifischen Fall des Nordkaukasus, sondern auch für die Situationen in anderen (vergangenen und bestehenden) Vielvölkerreichen. Methode: Nebst der vorhandenen (vorwiegend russischsprachigen) Sekundärliteratur bilden Dokumente aus Moskauer Archiven die wichtigste Grundlage für diese Arbeit.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
155217 Anpassung und Widerstand: Der Nordkaukasus in der Geschichte Russlands 01.10.2014 Publication grants

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