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Die Bekämpfung der Vagantität. Das Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse der schweizerischen Stiftung Pro Juventute

Applicant Sablonier Roger
Number 111718
Funding scheme Project funding
Research institution Historisches Seminar Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.07.2006 - 30.06.2008
Approved amount 96'151.00
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Keywords (2)

Minderheiten; Gender

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» der schweizerischen Stiftung Pro Juventute hat zwischen 1926 und 1973 fast 600 Kinder jenischer Herkunft in systematischer Weise ihren Eltern weggenommen und in Pflegefamilien, meistens aber in Kinder- und Erziehungsheimen, Arbeitsanstalten und psychiatrischen Kliniken platziert. Das Ziel des «Hilfswerks» war die «Bekämpfung der Vagantität», der fahrenden Lebensweise. Durch die Wegnahme und Umerziehung der Kinder sollten aus den sogenannten Vaganten «brauchbare Menschen» werden.Ziel der Untersuchung ist es, die Praxis des «Hilfswerks» zu analysieren und zu kontextualisieren sowie den fürsorgerischen Tätigkeiten im Einzelfall nachzugehen. Dabei wird erstmals die Rolle der beteiligten Institutionen und die vom «Hilfswerk» betroffene Gruppe näher untersucht.Das Projekt umfasst drei Untersuchungsebenen: Auf einer strukturellen Ebene wird die Rolle des «Hilfswerks» im Fürsorgewesen, insbesondere die Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden und privaten (Fürsorge- )Institutionen untersucht. Dabei stehen Fragen nach Methoden und Vorgehen der verschiedenen Institutionen bzw. deren Exponenten sowie nach Instanzen, Instrumenten und Verfahren sozialer Kontrolle im Vordergrund. Auf einer diskursiven Ebene wird erläutert, wie die Konzeption des «Vaganten» in der Fürsorge adaptiert und durchgesetzt wurde. Auf der Ebene der Praxis wird gezeigt, welche Auswirkung die Fürsorgetätigkeit für die betroffenen Familien und Kinder hatte. Die Hauptquellen der Untersuchung bilden die vom «Hilfswerk» angelegten Personen-, Familien- und Geschäftsakten im Bundesarchiv. Zudem werden Akten von Justiz- und Verwaltungsbehörden, Kinder- und Erziehungsheimen, Arbeitsanstalten und psychiatrischen Kliniken in die Untersuchung einbezogen. Um die Folgen des «Hilfswerks» darzustellen und die Perspektive der betroffenen Personen einzubeziehen, werden Interviews mit ehemaligen «Kindern der Landstrasse» geführt und ausgewertet.Die Untersuchung stellt einen Beitrag dar zur erst in Ansätzen aufgearbeiteten Geschichte des Fürsorge- und Vormundschaftswesens in der Schweiz des 20. Jahrhunderts und erlaubt direkte Bezüge zu gegenwärtigen Problemen im Umgang mit Minderheiten.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Associated projects

Number Title Start Funding scheme
166839 Kindswegnahmen. Das «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» der Stiftung Pro Juventute im Kontext der schweizerischen Jugendfürsorge 01.04.2016 Publication grants

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