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Ursachen von Illettrismus im mittleren Erwachsenenalter

English title Low litteracy levels in middle aged adults
Applicant Notter Philipp
Number 108670
Funding scheme NRP 56 (Language Diversity and Linguistic Competence in Switzerland)
Research institution Institut für Bildungsevaluation Assoziertes Inst. der Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline Education and learning sciences, subject-specific education
Start/End 01.11.2005 - 29.02.2008
Approved amount 346'478.00
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Keywords (5)

Sprachkompetenzen; funktionaler Analphabetismus; Lesekompetenzen; Leseverhalten; Lesesozialisation

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Ursachen von Illettrismus im mittleren Erwachsenenalter

Wie repräsentative empirische Untersuchungen der Lesekompetenzen von Erwachsenen (IALS, ALL) gezeigt haben, gibt es auch in der Schweiz eine grosse Anzahl von Erwachsenen, deren Lesekompetenzen so schwach sind, dass sie für das tägliche Leben in unserer Gesellschaft nicht genügen. Diese so genannten funktionalen Analphabeten sind vor allem unter Personen im mittleren und höheren Erwachsenenalter (ab ca. 40 Jahren) zu finden. Diese Personen bilden weitaus die grösste Gruppe von funktionalen Analphabeten. Trotzdem werden sie in Massnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Illettrismus relativ vernachlässigt. Die Tatsache einer grossen Anzahl von Personen im mittleren Erwachsenenalter mit ungenügenden Lesekompetenzen wird in Zukunft aus mehreren Gründen zunehmend problematisch werden: Mit den strukturellen Änderungen in der sogenannten Wissensgesellschaft - Stichworte: Globalisierung, wissenschaftliche und technologische Fortschritte wie z.B. die Kommunikationstechnologien, verschärfter Konkurrenzkampf - sind die Anforderungen an Kompetenzen generell und auch an Lesekompetenzen gestiegen. Arbeitsplätze für Angelernte und HilfsarbeiterInnen werden wegerodiert. Diese Personen drohen zu Langzeitarbeitslosen zu werden. Ein weiterer Faktor ist das steigende Alter der Bevölkerung. Um auf dem Arbeitsmarkt die Nachfrage nach den gesuchten höheren Kompetenzen abzudecken, genügen junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte nicht. Kontinuierliche Weiterbildung auch der Personen im mittleren Erwachsenenalter werden zunehmend wichtig. Doch es ist zu befürchten, dass Personen mit ungenügenden Lesekompetenzen dabei entweder überfordert sind oder gar nicht erst daran teilnehmen.

Zur Erklärung des Illettrismus und dessen Zunahme mit dem Alter lassen sich drei grobe Hypothesen bilden, die man als eine schulische Hypothese, eine biographische Hypothese und eine historische Hypothese bezeichnen kann. Die schulische Hypothese besagt, dass die betroffenen Personen Lesen und Schreiben in der Schule gar nie richtig gelernt haben. Diese Hypothese kann erklären, warum es auch unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen funktionale Analphabeten gibt, nicht aber warum dieses Phänomen mit steigendem Alter mehr verbreitet ist. Die historische Hypothese geht davon aus, dass die Zunahme des Anteils schwacher Leser mit steigendem Alter auf sogenannten „Kohorteneffekten“ beruht: So absolvieren jüngere Generationen zunehmend bessere, länger dauernde Ausbildungen. Aber auch schwerer messbare Merkmale wie z. B. die Qualität der Ausbildung oder die zunehmenden Anforderungen an die Lesekompetenzen im täglichen Leben, die sich über die Jahrzehnte verändert haben, wirken sich im Sinne von besseren Lesekompetenzen von jüngeren Generationen aus. Die biographische Hypothese schliesslich besagt, dass diese Personen das Lesen und Schreiben zwar gelernt haben, im Laufe ihrer Biographie jedoch wieder verlernen. Man kann dabei von Selektions- und Sozialisationsprozessen ausgehen, wie man sie aus der Psychologie der Entwicklung über die Lebensspanne kennt. Dieses Projekt will nun diese biographische Hypothese überprüfen und diese Gruppe u.a. bezüglich ihres Leseverhaltens und ihrer andauernden Lesesozialisation genauer beschreiben, um damit gezieltere Massnahmen und Ansätze zur Prävention und Bekämpfung des Illettrismus bei dieser Gruppe vorschlagen zu können. Dazu sollen in einem ersten Schritt vorhandene Daten vertieft auf diese Problematik hin aus-gewertet werden und in einem zweiten Schritt gezielt gefährdete Personengruppen zu ihrem Leseverhalten und ihrer andauernden Lesesozialisation befragt werden.

Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

Employees

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