Project

Back to overview

Die Intellekttheorie im 13. Jahrhundert: Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Siger von Brabant zwischen Aristotelesrezeption und dem Mythos des "lateinischen Averroismus"

Applicant Suarez-Nani Tiziana
Number 104082
Funding scheme Project funding (Div. I-III)
Research institution Département de Philosophie Faculté des Lettres Université de Fribourg
Institution of higher education University of Fribourg - FR
Main discipline Philosophy
Start/End 01.10.2004 - 30.09.2006
Approved amount 85'390.00
Show all

Keywords (8)

Middle Ages; Aristotlereception; Cognition; Medieval Philosophy; History of Philosophy; XIIIth century; Theories of the Intellect; Epistemology

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das Denkvermögen wurde von den meisten Denkern des Mittelalters alsdistinktives und spezifisches Merkmal des Menschen angesehen. Aus diesemGrund wurden der Intellekt und das kognitive Vermögen Gegenstand weiterund komplexer Untersuchungen, welche zum Ziel hatten den Status diesesVermögens, die Grundlagen der Erkenntnis sowie die damit verbundenenanthropologischen und theologischen Implikationen zu bestimmen. In diesem thematischen Rahmen findet sich auch die Theorie des sogenannten‚Monopsychismus’, welche in gewissem Sinn auf Aristoteles’ De animazurückgeht. Unter dem Einfluss verschiedener Interpretationen, vor allemaber jener von Averroes (1126-1198), entstand eine Theorie, die eineneinzigen Intellekt für alle Menschen annimmt, der dabei unabhängig undgetrennt von deren Körpern existiert. Diese Ansicht genoss in der lateinischen Kultur der zweiten Hälfte des 13.Jahrhundert einen gewissen Status: sie ist als ‚lateinischer Averroismus’bekannt und wurde von Albertus Magnus (1200-1280) und Thomas von Aquin(1224/25-1274) stark kritisiert und in den Pariser Verurteilungen von 1270und 1277 als irrgläubig verboten. Die Historiographie nimmt gewöhnlich an,dass obige These in Siger von Brabant ab 1265 einen Lehrer hatte, dessenTheorie des „einen Intellekt für alle denkenden Menschen“ schliesslich1276 zu seiner Ladung vor die ekklesiastische Zensur in Paris führte undim darauffolgenden Jahr vom Bischof von Paris verboten wurde.
Die Frage allerdings, ob sich die verurteilten Thesen, wie sie bei Albertund Thomas oder in den Akten der Verurteilungen dargestellt wurden, vonSiger von Brabant vertreten wurden und so in seinem Werk zu finden sind,wurde bis anhin nur ungenügend untersucht. Ebenso ist fraglich ob derVerurteilungen, das Ende einer ‚Averroes Lehre’ im 13. Jahrhundert folgte.Von der Beantwortung solcher Fragen hängt die Legitimität derhistoriographischen Etikette des ‚Lateinischen Averroismus im 13.Jahrhundert’ ab.Das vorliegende Forschungsprojekt soll seinen Teil zu einer kritischenHinterfragung des ‚lateinischen Averroismus’ in den Intellekttheorien der2. Hälfte des 13 Jahrhunderts leisten: dabei wird dieAristoteles-Rezeption bei Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Siger vonBrabant und die darauffolgende Debatte zwischen diesen Denkern untersucht.Aufgrund der Methode einer textuellen und kontextuellen Analyse soll ineinem ersten Schritt die Textgrundlage genauer untersucht werden, um dieverschiedenen Thesen der Diskussion, sowie deren kulturellen Kontext,präzis wiederzugeben, was schliesslich zu einer Revidierung dertraditionellen historiographischen Schemata führen soll. Da allerdings nur wenige Texte dieser Auseinandersetzung auf Deutschübersetzt sind, wird in einem zweiten Schritt eine Übersetzung mitKommentar je eines Textes der Exponenten des ‚Averroistenstreites’,nämlich De anima intellectiva von Siger von Brabant und De unitateintellectus von Thomas von Aquin vorgelegt werden.Im Rahen diese Forschungsprojekts wird Frau Bettina M. Kreissl ihrePromotionsarbeit unter der Leitung von Frau Prof. Dr. T. Suarez-Naniverfassen.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

-