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Kopieren und regulieren: Das geistige Eigentum zwischen technischer Reproduktion, ästhetischer Revolution und juristischer Normierung (19./20. Jahrhundert)

Applicant Dommann Monika
Number 103944
Funding scheme Project funding (special)
Research institution Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Universität Zürich
Institution of higher education University of Zurich - ZH
Main discipline General history (without pre-and early history)
Start/End 01.09.2004 - 31.01.2008
Approved amount 281'435.00
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Keywords (9)

Intellectual Property; Science and Technology; Technology; Law; Copyright; Knowledge; Society; Culture; History of Science and Technology

Lay Summary (German)

Lead
Lay summary
Das geistige Eigentum (Intellectual property, IP), ein juristischesKonzept, das Ende 18. Jahrhundert Eingang in die Rechtssysteme gefundenhat, gehört gegenwärtig zu den umstrittensten Themen überhaupt.Immaterielle Güter stellen in einer postindustriellen Gesellschaftbegehrte handelbare Ressourcen dar. Zur Zeit haben die IP als zentraleInstitution und sogenannter Motor der Industrie- und Wissensgesellschaftrein quantitativ einen Höhepunkt erreicht: Nie wurde so vielen IdeenUrheber-, Patent-, oder Designschutz zuteil und noch nie waren dieZeitspannen des Rechtsschutzes so umfangreich. Zugleich sind die IP aberauch umstrittener denn je. Gerade die digitalen Informationstechnologienhaben die Vervielfältigungskosten rapide gesenkt. Parallel zur technischenInnovationsdynamik entwickelt sich eine juristische Regulierungsoffensivezum Schutz der IP. Über den Zusammenhang zwischen Technikentwicklung undRechtsgenese ist bislang kaum nachgedacht worden, an dieser Leerstellesetzt das vorliegende Forschungsprojekt ein.Konkret soll untersucht werden, wie auf der Ebene des Urheberrechts aufneue Vervielfältigungspraktiken als Folge von technischen Innovationenreagiert wird. Es geht um eine Analyse der Beziehung zwischen Technologienzur Speicherung und Vervielfältigung von Werken, sowie derKodifizierungsprozesse zur Regulierung dieserVervielfältigungstechnologien (z. B. Druck, Photographie, Film,Xerographie, Musikapparate, Tonträger, Videorecorder, Kabelfernsehen,Satellitenantennen etc.). Dabei soll der Zusammenhang zwischenSpeichermedien, Vervielfältigungstechnologien, ästhetischen Praktiken undjuristischen Normen untersucht werden. Das Spannungsverhältnis zwischentechnologischem Wandel und dem Ausbau von Regulierungsmassnahmen soll aufder Ebene von nationalen Gesetzen, internationalen Konventionen undGerichtsurteilen untersucht werden. Neben Gesetzestexten, internationalenVerträgen, juristischen Gutachten und Gerichtsurteilen ist geplant, auchArchivalien (u.a. der Berner Konvention) als Quellenbasis zur verwenden,um die internationalen Verträge im Entstehungsprozess analysieren zukönnen.Eine Kulturalisierung des Urheberrechts im 19. und 20. Jahrhundert mussinsbesondere die Rechtspraxis stärker als bisher in den Fokus derBetrachtung stellen. Im Recht werden neue Technologien sprachlich gefasst,Konflikte werden ausgetragen und gesellschaftlich stabilisiert. Deshalbkann die Rechtspraxis als Seismograph dienen, umIndustrialisierungsphänomene und Technisierungsprozesse künstlerischerTätigkeit im gesellschaftlichen Kontext zu betrachten. Mit einemgeschärften Blick auf juristische Kontroversen soll die Genese undgesellschaftliche Durchsetzung juristischer Normen im Wechselspiel mitsozio-technischem Wandel analysiert werden.Die historische Perspektive rückt von der aktuellen Fixierung derDiskussion auf die neuen Informationstechnologien - die sogenannte"digitale Revolution" - ab. Dabei wird von der These ausgegangen, dass dieKonflikte um die IP schon vor den neuen Informationstechnologien virulentwurden, als Resultat von mechanischen Reproduktionstechnologien, demWandel in der Produktion und Rezeption von wissenschaftlichen undkünstlerischen Werken und der Internationalisierung von Märkten undRechtsnormen. Dabei handelt es sich um einen Prozess, der sichhauptsächlich im 19. Jahrhundert manifestierte und dann im Laufe des 20.Jahrhunderts, insbesondere seit den 1960er Jahren, intensivierte undbeschleunigte. Eine Analyse der Geschichte vor den neuenInformationstechnologien macht es möglich, verschiedene Phasenhinsichtlich Spezifika, Differenzen und Ähnlichkeiten zu untersuchen undauf diese Weise auch den oft beschworenen digitalen Sonderfall zuhistorisieren und kritisch zu hinterfragen.
Direct link to Lay Summary Last update: 21.02.2013

Responsible applicant and co-applicants

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