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Suffixbildung im bernischen Namengut. Die Diminutiva auf -ti, -elti, -etli und die Kollektiva auf -ere. Ein Beitrag zur Namengrammatik

Type of publication Not peer-reviewed
Publikationsform Book (non peer-reviewed)
Publication date 2012
Author Hofer Roland,
Project Ortsnamenbuch des Kantons Bern, Q-S
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Book (non peer-reviewed)

Publisher Schwabe Verlag, Basel
ISBN 978-3-7965-2850-7

Abstract

Ambeisslere, Brötlingere, Eielti, Härdöpflere, Hosmere, Munggetli, Nüechtere, Schlusselti, Wurmere und Zanggere sind einige Beispiele von über 1750 historischen und aktuellen Orts- und Flurnamen des deutschsprachigen Teils des Kantons Bern, die – verteilt auf über 540 Lemmata – hier untersucht werden. Die vorliegende Publikation enthält die leicht verbesserte und ergänzte Version der Dissertation von Roland Hofer, die im Rahmen des Nationalfondsprojekts Ortsnamenbuch des Kantons Bern entstanden ist. Gegenstand seiner Untersuchung ist die Suffixbildung in bernischen Orts- und Flurnamen mit besonderer Berücksichtigung von morphologischen, namengrammatischen, namengeographischen und kontaktonomastischen Aspekten. Die Suffixbildung im schweizerischen Appellativ- und Namenmaterial ist sehr vielgestaltig, ja die Schweiz beherbergt diesbezüglich wohl die grösste Suffixvielfalt des ganzen deutschen Sprachraumes. Während beispielsweise im Standarddeutschen Verkleinerungsformen mit -chen und -lein gebildet werden, verfügt das Schweizerdeutsche über eine ungleich grössere Palette, Diminutiva abzuleiten. So gibt es neben dem üblichen und am weitesten verbreiteten Diminutivsuffix -(e)li (Mätteli ‹kleine Matte›, Hüsli ‹Häuschen›) auch noch die Verkleinerungssuffixe -i (Öpfi ‹Äpfelchen›), -tschi (Hüentschi ‹Hühnchen›), -ji (Lammji ‹Lämmchen›), -si (Mundsi ‹Küsschen›), -schi (Hundschi ‹Hündchen›), -ti (Tälti ‹Tälchen›), -elti (Brüggelti ‹Brücklein›) und -etli (Alpetli ‹kleine Alp›). Im Gegensatz zum Standarddeutschen kennt das Schweizerdeutsche auch mehrere Möglichkeiten, ein Kollektiv von Gegenständen durch Ableitung auszudrücken, nämlich durch die Suffixe -ete (Gablete ‹eine Gabel voll›), -i, enstanden aus althochdeutsch -ahi (Hasli ‹Ort mit vielen Haselstauden›) und -ere, entstanden aus lateinisch -ãria (Nesslere ‹Stelle, wo viele Nesseln wachsen›). Im ersten Teil des Buches wird der Fokus auf die praktisch nur im höchstalemannischen Raum, sprich im Wallis, im Berner Oberland, in der Zentralschweiz und in Graubünden vorkommenden Diminutivsuffixe -ti, -elti und -etli gerichtet. Anhand namengeographischer Analysen werden neue Ansätze zu ihrer Herkunft bzw. Entstehung entwickelt. Komplettiert wird diese Darstellung mit neuen Erkenntnissen zur Herleitung der typisch walserischen Diminutivsuffixe -ji, -si, -schi, -tsi und -tschi. Der zweite Teil des Buches befasst sich mit dem im bernischen Namengut zahlreich vertretenen Kollektivsuffix -ere. Bei näherer Analyse stellt sich heraus, dass bei weitem nicht alle Namen, die auf -ere enden, kollektive Funktion haben müssen, wie noch in der älteren Forschung oft angenommen wurde. Denn in dieser Endung sind verschiedene Formen bzw. Suffixe zusammengefallen: -ere kann Lehnsuffix aus lateinisch -ãria, feminine Form von -er, Genitiv oder Dativ Plural von -er, sein. Neben dem Versuch, eine vernünftige Gliederung dieser verschiedenen -ere-Bildungen zu erreichen, werden hier grundsätzliche Überlegungen zur Deutung von solchen Namen präsentiert und mit namengeographischen Karten gewisse Tendenzen in ihrer geographischen Ausbreitung erarbeitet.
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