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Contribution to book (non peer-reviewed)

Book Kultur als Eigentum: Instrumente, Querschnitte, Fallstudien
Editor , Groth Stefan; , Groth Stefan
Publisher Universitätsverlag Göttingen, Göttingen
Page(s) 315 - 339
ISBN 978-3-86395-204-4
Title of proceedings Kultur als Eigentum: Instrumente, Querschnitte, Fallstudien

Open Access

Abstract

In kulturwissenschaftlicher Verwendung betont der Begriff „Klang“ die kulturelle Dimension aller vernehmbaren Klänge, womit zugleich auf das Hören sowie (phänomenologisch) das „Allerweltswissen“ über die Klangwelt verwiesen ist und anderseits bestimmte begriffliche Wertungen und Verengungen (Lärm, Musik) vermieden werden. Mit dem Fokus auf Klänge und Töne als kulturelle Güter verbindet dieser Beitrag zwei Themenbereiche, die gegenwärtig in den Geisteswissenschaften auf breites Interesse stoßen. Zum einen handelt es sich um die kulturwissenschaftliche Erforschung der Sinne (anthropology of the senses), die nach den kulturellen Wertzuschreibungen, Ordnungen, und Ästhetiken im Zusammenhang mit der Wahrnehmung fragt und das Sinnliche in die ethnografische Praxis einzubeziehen sucht. Zum anderen geht es um die Thematik von Cultural Property und mit der Frage, wer Kulturgüter nutzen oder Gewinn aus ihrer Inwertsetzung ziehen darf, ebenfalls um kulturelle Werte und die memopolitische Valorisierung von Klängen als „klingendes Kulturgut“. Der vorliegende Beitrag untersucht die kulturelle Aneignung von Klängen und Tönen im Kontext institutioneller Medienarchive. Zunächst werden aus Perspektive einer kulturwissenschaftlichen Technikforschung relevante Dimensionen kultureller Aneignung vorgestellt. Zweitens wird die Bedeutung der Technik für die Entstehung von Cultural Property genauer untersucht, indem am Beispiel der dauerhaften Fixierung von Klängen die Bezüge zwischen dem Schutz von geistigem Eigentum und dem UNESCO-Weltdokumentenerbe herausgearbeitet werden. Anschließend fragen wir, inwiefern Inwertsetzungen gespeicherter Klänge und Töne im Rahmen von Kulturpolitiken nur eingeschränkt möglich sind – zumal sich Valorisierungen des „klingenden Kulturguts“ durch das Urheberrecht und institutionelle Rahmenbedingungen (insbesondere von Rundfunkarchiven) in einem Spannungsfeld zwischen freier Zirkulation und rechtlicher Gebundenheit bewegen. Unvermutet finden Aneignungen der Klangwelt dort Freiräume, wo Klänge nicht fixiert sind und flüchtig bleiben, wie ausblickend am Beispiel der „Klangwelt Toggenburg“ dargelegt wird.
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