Lead
In Friedensprozessen versuchen sich Konfliktparteien, oft mit Hilfe externer Friedensförderer, auf Ansätze zu einigen, die das künftige Zusammenleben verschiedener Gruppen im Staat regeln. Diese Herausforderung wird oft als eine pragmatische Bestrebung gelesen: man sucht nach einem Abkommen, dass umsetzbar ist und die Gewalt beendet. Zusätzlich haben solche Prozesse jedoch auch eine normative Facette: es geht nicht nur darum, welche Friedensschliessung möglich, sondern auch welcher Frieden wünschenswert ist. Das Projekt geht der Frage nach, was internationale Friedensförderer und Mediator*innen für einen «guten Frieden» halten, und welche Auswirkungen diese Vorstellungen auf Friedensprozesse hat.

Lay summary

Es konzentriert sich dabei auf Vorstellungen eines «guten Friedens» in Bezug auf die Gestaltung des Zusammenlebens verschiedener Gruppen. Vielfalt kann nach einem Konflikt nämlich verschieden ausgestaltet werden, was sich z.B. in Ansätzen zur Rückkehr von Vertriebenen, Machtteilung zwischen Gruppen, Grenzziehung oder Autonomieregelungen, oder der Anerkennung von Minderheitenrechten zeigt. Während sich die Wissenschaft durchaus mit den Auswirkungen dieser Ansätze beschäftigt hat, blieb bis anhin deren normativer Ursprung unterbeleuchtet, also die Tatsache, dass Friedensförderer selbst mit Vorstellungen davon, was ein «guter Friede» ist, in einen Friedensprozess treten. Das Projekt erforscht mehrere Friedensprozesse, in denen internationale Organisationen und Drittstaaten als Vermittler oder Unterstützer beteiligt sind und waren, durch Interviews und Prozessverfolgung ihrer Diskurse und Praktiken in Bezug auf Vorstellungen eines «guten Friedens». Durch die Aufarbeitung einzelner Friedensverhandlungen und vergleichender Analyse mehrerer Kontexte erkundet es die normative Dimension der Friedensförderung und Mediation.