Lead
Äquatorialguinea war bis 1968 eine spanische Kolonie und ist heute das einzige spanischsprachige Land im südlichen Afrika. Trotz dieser herausragenden Position ist Äquatorialguinea ein weitgehend unbekanntes Land und in der Forschung zur spanischen Sprache deutlich unterrepräsentiert.

Lay summary
Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, die Situation des Spanischen in Äquatorialguinea aus soziolinguistischer und dialektologischer Perspektive zu beschreiben. Hierfür werden in den Landesteilen Bioko (Hauptinsel) und Río Muni (Festland) mittels Leitfadeninterviews und sprachlichen Fragebögen linguistische Daten erhoben. Das Interviewkorpus wird einzigartige Einblicke in das heute in Äquatorialguinea gesprochene Spanisch bieten und Auswertungen ermöglichen zu den Einstellungen der Sprecherinnen und Sprecher gegenüber verschiedenen Sprachen und Sprachvarietäten sowie zu ihrer Wahrnehmung von sprachlichen Phänomenen. Zusammen mit den Daten aus den Fragebögen können zudem ausgesuchte sprachliche Merkmale der äquatorialguineischen Varietät der spanischen Sprache analysiert und die bisher bestehenden dialektologischen Beschreibungen ergänzt und aktualisiert werden.

Das Projekt zeigt die Bedeutung Äquatorialguineas innerhalb der Studien zur spanischen Sprache auf und hilft somit, seine Sichtbarkeit als spanischsprachiges Land zu vergrössern. Ein kritischer, postkolonialer Analyseansatz soll klassische, eurozentrierte Beschreibungsmuster revidieren und diese afrikanische Varietät der spanischen Sprache in ihrem spezifischen Kontext erfassen und würdigen. Das Projekt leistet somit einen Beitrag zur Neuorientierung der Hispanistik hin zu einer global ausgerichteten Wahrnehmung der spanischsprachigen Welt.