Lead
Das Gebiet des heutigen Grossbritanniens besteht seit dem frühen Mittelalter bis noch nach der normannischen Eroberung im Jahr 1066 aus einer Vielzahl unterschiedlich beherrschter Regionen mit unterschiedlicher kultureller Prägung. Diese Heterogenität beeinflusste die Verbreitung des römischen Christentum, was vor allem anhand einer der häufigsten kulturellen Handlungen, der Ehe, untersucht werden soll.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts: Anhand von hauptsächlich zwei Quellensorten – zeitgenössischen Predigten und Chroniken –  untersuche ich die Ehebeziehungen auf den Britischen Inseln, wie sie praktisch gelebt wurden und wie darüber gesprochen wurde. Insbesondere ist dabei der Umgang mit Polygynie, mehrfach Ehen und Scheidungen zu betrachten, die von der römischen Kirche eigentlich nicht akzeptiert wurden, in den keltischen und skandinavischen Kulturen aber noch immer verbreiteter waren. Das Ziel ist, regionale Unterschiede zu finden, die auf eine unterschiedliche Umsetzung und Übernahme der römischen Normen hindeutet und auf einen Einfluss der verschiedenen Kulturen deutet, mit denen die Bewohner der Inseln in Kontakt kamen. 

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts: Das Projekt steht im Kontext einer Reihe neuerer kulturhistorischen Forschungen zur mittelalterlichen Ehe und bietet mit einem diskursgeschichtlichen Ansatz weitere Einblicke, zusätzlich sieht sich die regional vergleichende Studie als Beitrag zur aktuellen wieder populär gewordenen Diskussion über die historische Genese des heutigen Grossbritanniens.