Lead
Es wird erwartet, dass der Klimawandel zu grossen Migrationsbewegungen führt, hervorgerufen beispielsweise durch Dürren, den Meeresspielanstieg oder Extremwetterereignisse. Dies gilt insbesondere für Entwicklungsländer, die oft nur eine geringe Adaptionskapazität besitzen. Mit diesem Projekt tragen wir dazu bei, ein besseres Verständnis dazu zu entwickeln ob, wann und unter welchen Bedingungen Umweltveränderungen zu Migration führen.

Lay summary

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts

Dieses Projekt verfolgt zwei Ziele:

Erstens stellen wir, auf theoretischer Ebene, eine Mikrofundierung des Umwelt-Migrations-Nexus bereit. Dieser greift insbesondere die strukturelle, verhaltens- und umweltbezogenen Faktoren auf, die Menschen dazu bewegen (nicht) zu migrieren. Wir stellen so einen theoretischen Rahmen bereit, der Auslöser von Migrationsentscheidungen beinhaltet – Umwelt-, und insbesondere Klimaveränderungen, sind hier nur ein Faktor, der jedoch direkte und indirekte Auswirkungen hat.

Zweitens generieren wir glaubwürdige empirische Evidenz zu Migrationsraten, die durch Umweltveränderungen hervorgerufen werden. Da die Exposition zu Umweltrisiken bzw. tatsächliche Umweltveränderungen (ob durch Klimawandel oder andere Faktoren hervorgerufen) nicht zufällig über verteilt sind, ist es empirisch sehr komplex Umweltmigration mit Beobachtungsdaten zu analysieren. Wir fokussieren deswegen auf einen besonderen empirischen Fall in Bangladesch, das Risiko der Bevölkerung an den Uferbänken des Flusses Jamuna von Umweltveränderungen betroffen zu sein. Basierend auf Expositionsrisikokarten vergleichen wir Individuen einer Population mit ähnlichem ex-ante Risiko, Flussufererosion ausgesetzt zu sein, wobei regelmässig nur ein Teil dieser Risikopopulation tatsächlich exponiert ist. Unser Ziel ist es, mit diesem Vergleich den kausalen Effekt sich verschlechternder Umweltveränderungen auf Migrationsentscheidungen zu identifizieren.  

Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext

Mit diesem Projekt wollen wir wertvolle Evidenz dazu generieren, wie Gesellschaften auf Klimaveränderungen reagieren können. Die analytische Strategie unseres Projektes lässt sich dabei auf andere Kontexte übertragen und kann so zu einer Fundierung von Vorhersagemodellen klimawandel-induzierter Migrationsflüsse beitragen. Unsere Ergebnisse können zudem von institutionellen Akteuren auf lokalem wie internationalem Level zur Bewertung von Politikoptionen genutzt werden, die die Adaptionskapazität von Populationen verwundbar für Klimaveränderungen verbessern sollen.