Lead
Das Projekt untersucht britische und niederländische Kolonialliteratur über Malaysia, Singapur und Indonesien und fragt nach deren Einfluss auf die Entwicklung völlig unterschiedlicher Verhältnisse zum Kolonialreich, welche Grossbritannien und die Niederlande noch heute prägen.

Lay summary
In Grossbritannien ist das Empire noch allgegenwärtig, z.B. in Form von Denkmälern, und Teil des kollektiven Gedächtnisses. In den Niederlanden, hingegen, hat die Geschichte des Landes als Kolonialmacht bislang keine bedeutende Rolle im nationalen Selbstverständnis gespielt. Dies spiegelt sich im Forschungsstand wieder. Im angelsächsischen Raum sind postcolonial studies ein eigenes Forschungsfeld. In den Niederlanden gibt es historische Forschung zum einstigen Imperium, jedoch fand die literaturwissenschaftliche Perspektive soweit wenig Beachtung. Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, diese Lücke zu schliessen, und stellt die erste vergleichende Studie zu britischer und niederländischer Kolonialliteratur dar. Es fragt insbesondere nach der Rolle der Literatur in der Entwicklung eines jeweils völlig eigenen Bewusstseins des (einstigen) Kolonialreichs und seiner emotionalen Bedeutung, welches Grossbritannien und die Niederlande noch heute als unterschiedliche europäische Gesellschaften prägt. Untersucht wird britische und niederländische Prosa über die sogenannten 'East Indies', welche aufgeteilt wurden in eine britische und eine niederländische Hälfte (bestehend aus Malaysia und Singapur, bzw. Indonesien). Hierzu existiert eine Bandbreite an Texten, von denen viele bislang jedoch kaum untersucht wurden. Mittels Archivarbeit in Leiden und Oxford beabsichtigt das Projekt, die Wechselwirkung zwischen der Ausbreitung zweier Imperien in Südostasien und der Entwicklung zweier literarischen Ästhetiken in Europa zu ergründen. Das Projekt leistet somit einen Beitrag zum aufkommenden Feld der vergleichenden postcolonial studies, sowie zu aktuellen Debatten über den nachhaltigen Einfluss der Kolonialzeit auf die Verhandlung europäischer politischer und kultureller Identität.