Lead
Innerhalb von Bürgerkriegen kommt es zu verschiedensten Formen von Gewalt. Neben militärischen Kampfhandlungen zwischen Rebellen und Regierungsarmee findet meist systematische Gewalt gegenüber Zivilisten statt. Zudem bekämpfen sich unterschiedliche Rebellengruppen oft gegenseitig, und es kann zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen ethnischen und religiösen Gruppen kommen. Auch kriminelle Gewalt ist während und nach Bürgerkriegen oft ausgeprägt. Trotz dieser Komplexität von Gewaltformen und gewalttätigen Akteuren analysiert die quantitativ-vergleichende Konfliktforschung verschiedene Formen von Gewalt meist separat statt in ihrem Zusammenhang.

Lay summary

Ziel des Projekts ist die Weiterentwicklung eines geografischen Ansatzes zur integrierten quantitativen Analyse unterschiedlicher Gewaltformen in Bürgerkriegen und in der Nachkriegszeit. Die Kernfrage ist, ob sich Gewaltakte mit einem strategischen Bezug zu einem Bürgerkrieg auch räumlich in der Konfliktzone dieses Krieges abspielen. Anders gefragt: Können Konfliktzonen – der Raum in dem sich Rebellen und Regierungsarmee militärisch bekämpfen – zur analytischen Trennung zwischen kriegsbezogener und kriegs-unabhängiger Gewalt bei grossen Datenmengen verwendet werden? Die Entwicklung eines geografischen Datensatzes über Konfliktzonen in Bürgerkriegen weltweit ist Teil des Projekts.

Eine integrierte Analyse unterschiedlicher Formen von Gewalt in Bürgerkriegen und in der Nachkriegszeit erlaubt die Beantwortung von wichtigen politikrelevanten Fragen: Unter welchen Bedingungen ändern gewalttätige Akteure ihre Kriegsstrategie, zum Beispiel weg von militärischen Kampfhandlungen hin zu mehr Gewalt gegen die Zivilbevölkerung? Kann es zudem sein, dass Interventionen in Bürgerkriege zwar eine bestimmte Form von Kriegsgewalt beenden während es gleichzeitig zu einer Verlagerung hin zu anderen Gewaltformen kommt?