Lead
Wichtige Ereignisse und Veränderungen im Leben können sehr belastend sein, und unser Gefühlsleben, unser Verhalten und unsere sozialen Beziehungen nachhaltig beeinflussen. Dies auch dann wenn solche Ereignisse - wie beim Übergang zur Elternschaft - durchaus positiv erlebt werden. Wenn es uns nicht gelingt, diese Herausforderungen zu bewältigen, resultiert eine chronische Belastung die unser Wohlbefinden und unsere wichtigsten Beziehungen beeinträchtigen. Dies kann sich wiederum negativ auf unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten auswirken, Stress und Herausforderungen zu bewältigen und kann unsere psychische und physische Gesundheit einschränken. So führen aus Belastungen resultierende Probleme in intimen Beziehungen zu einem Verlust einer wichtigen Ressource zur Bewältigung von Belastungen und werden gleichzeitig selbst zu einem zentralen Stressor.

Lay summary

Das Ziel unserer Studie ist es, diese Möglichkeit am Beispiel des Übergangs zur Elternschaft als markante Lebensveränderung und damit Belastungssituation näher zu untersuchen. Der Fokus liegt dabei auf Prozessen der sogenannten Responsivität, der Fähigkeit und Bereitschaft der Partner, die momentanen Bedürfnisse und Gefühle des Partners adäquat zu registrieren und auf angebrachte Art und im richtigen Moment und Ausmass darauf zu reagieren. Wir gehen davon aus, dass mit zunehmenden Belastungen und Herausforderungen die Sensibilität für responsives Verhalten des Partners zunimmt, während die Fähigkeit und Bereitschaft zur eigenen Responsivität abnimmt. Die daraus resultierende Divergenz beeinträchtigt die Belastungsbewältigung, führt zu Frustration, Reibungen und Konflikten in Beziehungen und wirkt langfristig gesundheitsschädigend. Um dies zu untersuchen setzt die Studie im letzten Drittel der Schwangerschaft mit dem ersten Kind an, und erfasst das psychische und physische Belastungsniveau sowie Aspekte der Belastungsbewältigung und Beziehungsprozesse beider Partner über vier Zeitpunkte innerhalb des letzten Drittels der Schwangerschaft bis zu 18 Monate nach der Geburt des Kindes. Dabei nutzen wir einen Multimethodenansatz der Selbstberichte, Alltagserhebungen, Verhaltensbeobachtungen partnerschaftlicher Interaktion und physiologischen Messungen beider Partner einschliesst.

Diese Grundlagenforschung liefert einen Beitrag zum besseren Verständnis komplexer Zusammenhänge zwischen physiologischer und psychologischer Belastung im Alltag und Partnerschaftsentwicklung, und der gesundheitlichen Relevanz intimer Partnerschaften und Familienbeziehungen. Spezifisch setzt das Projekt mit einem multimodalen Zugang bei grundlegenden interpersonellen Stress- und Emotionsdynamiken an, die bisher wenig im Fokus der Forschung standen.